Zum Inhalt springen

RE:Gargonius 1

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
korrigiert  
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
törichter Rhetor der Augusteischen Zeit
Band VII,1 (1910) S. 763764
Gaius Gargonius in Wikidata
Bildergalerie im Original
Register VII,1 Alle Register
Linkvorlage für WP   
* {{RE|VII,1|763|764|Gargonius 1|[[REAutor]]|RE:Gargonius 1}}        

Gargonius. 1) Ein Rhetor der Augusteischen Zeit, Schüler des Buteo (s. Bd. III S. 1080) und dessen Nachfolger in der Schulleitung. Seneca, der contr. I 7, 18 diese Angaben macht, weiß von dem Manne in keiner Beziehung etwas Gutes zu berichten. Seine Stimme war rauh und pugnacissima, so daß der Possenreißer Baros (derselbe, den Hor. sat. I 7, 8 Barrus nennt, s. Cic. Brut. 169. Bentley zu Hor. sat. I 2, 27) spottend von ihm sagen konnte, er habe die Stimme von hundert heiseren Leuten (contr. I 7, 18). Aus den wenigen Proben von G.s Deklamationen, an denen Seneca stets grobe, aber berechtigte Kritik übt, erkennen wir des Mannes hervorragende Albernheit. Töricht (multo stultius, nämlich [764] als Otho) ließ G. den Parrhasius begründen, weshalb er die Bestrafung des Prometheus gemalt habe: ego, inquit, ardente Olyntho non odissem ignium auctorem? (contr. X 5, 25). Zwei seiner Torheiten, quibus stultiores ne ipse quidem umquam dixerat führt Seneca suas. 7, 14 an. In der Suasorie von der Thermopylenschlacht raste er wie viele (insanierunt ... multi, suas. 2, 16) circa Othryadem (vgl. Val. Max. III 2 ext. 4. Ovid. fast. II 665), der seine Siegesbotschaft mit Blut schrieb. Eine besondere Verschmitztheit (vafrum colorem, wie Müller nach Thomas’ Konjektur liest statt des überlieferten varium oder varrium) meinte er ausgeheckt zu haben, indem er contr. I 7, 18 den Vater behaupten ließ, er habe bezüglich seines gefangenen Sohnes den Piraten schreiben lassen: duplum dabo, si manus non praecideritis, der Schreiber habe aber aus Versehen eine Silbe, das non ausgelassen. Ein foedum genus cacozeliae findet Seneca in dem Satze: istud publicum adulterium est, sub Miltiadis tropaeis concumbere (contr. IX 1, 15). Mit Recht hat also H. Buschmann den G. zu den Enfants terribles unter den Rhetoren des Seneca gerechnet (Festschr. f. Raspe, Parchim 1883, 29), wie Seneca selbst ihn suas. 7, 14 ganz allgemein als ⟨fatuorum⟩ (so H. J. Müller) oder ⟨stultorum⟩ (so Gronov) amabilissimus bezeichnet (diese Ergänzungen entsprechen dem Gedanken der Stelle besser als Bursians Konjektur homo vilissimus, die Kiessling aufnahm). Mit großer Wahrscheinlichkeit identifizierte bereits Bentley a. a. O. mit diesem Rhetor bei Seneca den von Horaz genannten G., der olet hircum (sat. I 2, 27, dazu Kiessling, vgl. I 4, 92), also den äußeren Menschen arg vernachlässigte. Ein älteres Glied dieser sauberen Familie ist der von Cicero Brut. 180 angeführte Ritter C. Gargonius, omnium oratorum sive rabularum, qui et plane indocti et inurbani aut rustici etiam fuerunt ... solutissimum in dicendo et acutissimum iudico ... C. Gargonium. – Die Überlieferung des Namens schwankt: Sen. contr. I 7, 18 lautet er Gorgonius, X 5, 25 Gargius (VD), Garganius (A), suas. 2, 16 Carconius (C), Sarconius (D); sicher überall dieselbe Person. – Prosop. imp. Rom. II 111.