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RE:Arabia 1

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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arabische Halbinsel in der griechischen und römischen Antike
Band II,1 (1895) S. 344362
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Arabia. 1) Das Land Arabien (Ἄραβες, Ἀράβιοι, Ἀραβία und poetisch Ἀρραβία bei Nonnos). Das Wort ʿarab, womit die Araber sich selbst und ihr Land benennen, bedeutet im Semitischen ursprünglich ‚Steppe, trockene wüste Gegend‘, was im Hebräischen in der Form arabah ,Wüste, Steppe‘ (Jes. 33, 9. Jerem. 50, 12. 51, 43) noch deutlich zum Ausdrucke kommt. Auch das Wort ʿarab, welches in der heiligen Schrift wiederholt neben arabischen Völker- und Ländernamen vorkommt (Jes. 21, 13. Jerem. 25, 23. Ez. 27, 21. II Chr. 9, 14), bezeichnet ,Steppenbewohner, Beduinen‘ und ebenso die Nomina gentilicia ʿarabi und ʿarbi (Jes. 13, 20. Jerem. 3, 2. Neh. 2, 19. 6, 1. II Chr. 21, 16. 22, 1. 26, 7. 17, 11), welche nur von den Israel benachbarten nordarabischen Nomaden und Handelsstämmen gebraucht wurden. In gleicher Weise sind die Ausdrücke mat Arabi und mat Aribi in der keilschriftlichen Litteratur zu beurteilen. Die älteste Erwähnung des mat Aribi findet sich auf dem Monolith Salmanassars II. Rev. 94 (859–825 v. Chr.), wo unter den vereinigten elf Königen auch 1000 Kamele des Arabers Gindibu (Ar-ba-a-a) erwähnt werden. Die Texte Tiglathpilesers II. (745–727 v. Chr.) nennen zwei arabische Königinnen Zabibi (III Rawlinson 9, 54) und Samsi (III Rawlinson 10 nr. 2, 30 und Layard 73, 16). Letztere erscheint auch auf einer Inschrift Sargons II. (715 v. Chr.) neben Pharao von Ägypten und Itamara von Saba. Über zahlreiche Kämpfe mit Arabern, ,deren Volksstämme in Zelten wohnen‘, berichten auch die Texte Assurbanipals. An allen diesen und vielen anderen bei Delitzsch (Wo lag das Paradies 305) verzeichneten Stellen wird nur die östlich und südlich von Syrien gelegene Wüste gemeint, gegen Ed. Glaser (Skizze Arabiens II 255ff.), der den Schauplatz der assyrischen Kriege ins Innere Arabiens verlegen möchte (über Beziehungen zwischen Arabern und Assyrern vgl. Joseph. ant. XX 75ff. und Xenoph. Cyrup. I 5, 2). In den sabaeischen Inschriften kommt allerdings auch das Wort ʿArabân vor (Sab. Denkm. 12, 14. Reh. 6, 8 und Os. 8, 10), scheint aber Name eines Stammes zu sein und könnte allenfalls auch ‚Beduinen‘ bezeichnen.

Die Araber selbst kennen in alter Zeit den Namen ʿArab nicht. Der Name und das Wort kommt bei den Dichtern aus der Heidenzeit nicht vor – eine Thatsache, die hier zum erstenmale ausgesprochen wird. Die Dichter erwähnen zahlreiche arabische Stämme, und wenn sie ausdrücken wollen, dass eine Sache Gemeingut aller ihnen bekannten Stämme ist, so sagen sie, ,es weiss es ganz Maʿad‘. Muhammad, der die arabischen Völkerschaften zu einer Nation geeinigt und zu einer Glaubens- und Staatsgenossenschaft umgebildet hat, redet zuerst von einer ,arabischen‘ Sprache und einem ,arabischen‘ Korân, das Wort ʿarab für ,Arabien‘ und ,Araber‘ kennt auch er nicht, wohl aber die Bezeichnung aʿrâb für ,Beduinen‘. Entgegen der fest eingewurzelten und irrigen Meinung, als ob der Name Arab für ,Arabien‘ von den Arabern selbst herrühre, muss betont werden, dass er ursprünglich nur der nordarabischen Wüste beigelegt und erst nach und nach auf die ganze Halbinsel übertragen worden ist. Muhammad und die Mekkaner, die auf Handelsreisen nach Syrien gekommen sind, haben den Namen von Syrern und [345] Griechen kennen gelernt und denselben herübergenommen, eine Erscheinung, die bei Namengebung von Ländern und Völkern durchaus nicht vereinzelt dasteht.

Das Land Arabien teilen die Alten in das ,wüste‘ Arabien (ἡ ἔρημος Ἀραβία, Arabia deserta), jenes Steppenland, welches, südlich von Palmyra und Thapsacus im Westen an Syrien und an das Gebiet der Nabataeer reichte, im Osten an den Euphrat stiess, welcher Ostrand von den Sceniten bewohnt ward, und im Süden, um Eratosthenes Angabe bei Strabon XVI 767 zu gebrauchen, durch die das Gebiet der Nabataeer, Chaulotaeer und Agraeer durchziehende Linie abgeschlossen wird – und in das ,glückliche‘ Arabien (ἡ εὐδαίμων Ἀραβία, Arabia felix, beata), welches das ganze Land südlich von Arabia deserta bis zum Meere umfasst (vgl. Diod. II 48f. Strab. XVI 765. 767. Mela III 79. Plin. n. h. VI 32). Die Benennung Arabia felix scheint halb durch Missverständnis und halb als Volksetymologie entstanden zu sein; denn Jemen oder taiman heissen im Semitischen ,rechts‘ und ,Süden‘. Eine Übersetzung von Jemen ist εὐδαίμων (felix), denn griechisch δεξιός und lateinisch dexter bedeuten ,rechts‘ und ,glücklich‘.

Durch Ptolemaeus wurde die Einteilung in A. felix, A. Petraea und A. deserta in die Geographie eingeführt. Das petraeische Arabien, welches seinen Namen von der Hauptstadt der Nabataeer führt (Jos. ant. XIV 16. 362. XVII 54. Bell. Iud. I 29, 3 ἡ Ἀραβία ἡ ἐν Πέτρα. Dioscorides de mat. med. I 91; vgl. auch Ἀραβία Πετραία Ptol. V 17, 1; ἡ κατὰ τὴν Πέτραν Ἀραβία Agathemeros Geogr. II 6), reicht vom Vorgebirge bei Pharan an, im Süden an den Meerbusen von Ayla bis zu dessen Winkel und wird im Osten durch die von der Ostgrenze Syriens nach Süden fortgesetzte Linie abgegrenzt. A. deserta (Ptol. V 18), welches im Westen durch einen Teil jener Linie von A. Petraea geschieden wird, grenzt im Osten an den persischen Meerbusen und wird im Süden durch die vom petraeischen A. bis zum persischen Meerbusen verlaufenden Gebirgszüge getrennt. Arabia felix grenzt nach Ptol. VI 7, 1 im Norden an das petraeische und wüste Arabien, im Südwesten an einen Teil des persischen Meerbusens, im Westen an den arabischen Meerbusen, im Süden an das erythraeische Meer, im Osten aber an einen Teil des persischen Meerbusens und von dessen Mündung (Meerenge von Hormuz) bis zum Vorgebirge Syagrus an das (erythraeische) Meer (vgl. Sprenger Geogr. 10).

Von den klassischen Schriftstellern erwähnt, abgesehen von der zweifelhaften Anspielung Hesiods (Strab. I 42), zuerst Homer (Odyssee IV 81) die Araber neben den Aithiopen und Sidoniern, die er aber nach der beglaubigten Lesart Ἐρεμβοί nennt (Strab. VII 299).

Die eigentliche Entdeckung und Erforschung Arabiens hängt mit wichtigen historischen Ereignissen zusammen. Der Kampf Kyros des Altem mit Babylonien und Lydien, an dem sich auch Araber beteiligen (Xenoph. Cyrup. I 1, 41. VI 2, 10. VII 4, 16. 5, 14. VIII 6, 7) und wo besonders der Bundesgenosse des Kroisos, der Araberkönig Aragdos mit 10 000 Reitern, 100 Wagen und einer grossen Menge Schleuderer eine grosse Rolle spielte (Xenoph. Cyrup. II 1, 5. IV 2, 31), endigte mit [346] einer Niederlage der Araber, die Kyros durch die Wüste verfolgt zu haben scheint. Die Beschreibung der von Kyros dem Jüngern durchwanderten arabischen Wüste (Xenoph. anab. I 5, 1ff.): ,eine unendliche Ebene, voll Absinth, bitterer, scharf duftender Kräuter (arab. ḥamdh), baumlos, nur von vereinzelten Gestrüppen und Rohrdickichten durchzogen. Von Wild gab es da verschiedene Arten. Am häufigsten sind die Wildesel (ḥimâr al-waḥš), der Straussenvögel waren viele, nicht minder Trappen (ὠτίδες = arab. ḳaṭâ?) und Wildkühe (δορκάδες, arab. baqar al-waḥš)‘ erinnert lebhaft an die Schilderungen der altarabischen Dichter. Sehr lebendig beschreibt Xenophon die Jagd auf die Wildesel, die zu Pferde geübt wird. Die Wildesel rennen erst davon, machen plötzlich Halt, lassen die sie verfolgenden Reiter herankommen, um dann plötzlich im schnellsten Galopp davon zu stürmen. Eine ähnliche Jagdschilderung (allerdings eines Jagdstieres) liefert der arabische Dichter Aus b. Hagar (ed. Geyer X 17ff.): ,Ein gestreifter Wildstier, ein erschreckter, hat den Ruf eines Jägers vernommen. Er dreht sich um in der Absicht, zu fliehen, aber der Lauf ist nur ein kurzer. Er lauscht dem Hundegebell und dem gedämpften Rufe eines wolfgrauen Jägers. Da flieht der Stier vor ihnen, sie aber verharren in seiner Verfolgung u. s. w.‘

Ausführliche und zum Teil zutreffende Nachrichten über Arabien liefert Herodot, der aus Berichten über die persisch-ägyptischen Kriege, wie auch aus Mitteilungen südarabischer Kaufleute in Ägypten geschöpft zu haben scheint. Aus ersteren stammen die Nachrichten über die Araber im Heere des Kambyses (III 9) und Xerxes, ihre Kleidung, Bewaffnung (VII 69), ferner über die Art, wie sie den Treubund vollzogen, der zwischen Kambyses und ihrem Häuptling geschlossen worden ist, welcher die Führung durch die Wüste übernommen und auf Kamelen Schläuche mit Wasser mitgeführt hat (III 8–9). Die Verbrüderung durch Vermischung des Blutes ist auch sonst in arabischen Quellen bezeugt. Vgl. Wellhausen Skizzen u. Vorarbeiten III 120. Nach Herodot III 97 (zu Dareios) berichtet Plinius n. h. XII 80 über den Tribut an Weihrauch, den die Araber den Persern geliefert. Araber im Perserheere unter Xerxes und Dareios erwähnt Dio Chrys. I 72, 9.

Die Nachrichten über Südarabien und dessen Producte (Weihrauch, Myrrhe, Kasia, Zimt und Ladanum), die jetzt alle auf den sabaeischen Inschriften nachgewiesen sind, stammen von südarabischen Kaufleuten, die, um die Concurrenz fernzuhalten, die Fabel von den geflügelten Schlangen erfunden haben, welche die Weihrauchbäume bewachen (Herod. III 107–112). Die Erzählung von Phoinix, welcher die Leiche seines Vaters in einem Ei von Myrrhe aus Arabien bringt und sie im Tempel des Helios bestattet, soll wohl nur den Import der südarabischen Specereien in wundersamer Weise illustrieren. Damit ist die minaeische Inschrift von Gizeh zu vergleichen, welche (nach meiner Entzifferung Wiener Ztschr. f. d. Kunde des Morgenlandes VIII 1ff.) besagt, dass ein minaeischer Myrrhelieferant in Ägypten gestorben und im Tempel des Osir-Apis bestattet worden ist. Von der Gestalt und der Lage Arabiens hatte Herodot eine eigentümliche Vorstellung [347] (II 8. 73. 75). Dass Arabien eine Halbinsel sei, wusste Herodot noch nicht.

Einen weiteren Fortschritt in der Erforschung Arabiens gewähren die Eroberungs- und Entdeckungszüge Alexanders d. Gr. Die Nachrichten hierüber sind nach den Berichten seiner Begleiter und Admirale in einzelnen Fragmenten bei Strabon, Plinius u. a. erhalten, den wichtigsten Bericht verdanken wir Arrian (100 n. Chr.). Die Begierde nach Ruhm, oder wie die Alten sagen, der Wunsch, neben Urania und Bacchus verehrt zu werden, wie nicht minder die gesegnete Lage des Landes, welches so kostbare Schätze barg, reizten die Eroberungslust Alexanders (Arrian. anab. VII 19, 6. Strab. XVI 741 nach Aristobulos). An kleinen Reibungen mit den Arabern scheint es auch nicht gefehlt zu haben, wie z. B. der Zug gegen die Araber im Antilibanon während oder kurz nach der Belagerung von Tyrus (Arrian. anab. II 20, 4. Plut. Alex. 24. Polyaen. strateg. IV 3, 4) durch die Angriffe arabischer Bauern auf einzelne Makedonier verursacht worden zu sein scheint (Curt. Ruf. IV 2, 24).

Während die Admirale Alexanders, Nearch und Onesikritos, von Indien aus an der Küste von Gedrosia und Karmania hinsegelten und an dem Vorgebirge Maketa (Ra’s Masandum) vorbei in den persischen Meerbusen eindrangen, um sich mit dem Landheere Alexanders zu vereinigen (Arrian. Ind. 43), liess letzterer (nach Aristob. bei Strab. XVI 741) Schiffe in Phoinikien und Cypern bauen und nach Thapsakos bringen und von dort auf dem Flusse bis Babylon hinüberführen; denn von Teredon (Diriodotis) aus gingen drei Dreissigruderer in die See. Ersterer kam bis zur Insel Tylos (Sama), letzterer scheint das Cap Masandum erreicht zu haben (Arrian. anab. VII 20). Dasselbe Cap haben ja auch die Admirale Alexanders, aus Indien kommend, gesehen, und in der That wollte Onesikritos an der Südküste Arabiens fahren und so die Umschiffung Arabiens bewerkstelligen, was aber Nearch als gegen die Instruction Alexanders verweigern musste. Ein Teil der Nachrichten Theophrasts geht, wie dieser ausdrücklich sagt (de caus. plant. II 5, 5) auf Androsthenes zurück. Die bekannte Anekdote bei Plinius (XII 12) ist nicht ohne Interesse: Alexander soll als Knabe eine grosse Menge Weihrauch verbrannt haben, wofür ihn sein Erzieher Leonidas zurechtwies und ihm sagte, er dürfte dies erst thun, wenn er die Weihrauch hervorbringenden Völker besiegt hätte. Nachdem Alexander sich Arabiens bemächtigt, schickte er jenem eine Schiffladung Weihrauch und ermahnte ihn, den Göttern hievon reichlich zu spenden. Wenn die Sage auf Wahrheit beruht, so dürfte Androsthenes (nach einer Vermutung Sprengers) die Specereidepots der Gerrhaeer (in Baḥrein) geplündert haben, auf ähnliche Weise, wie es in späterer Zeit auf Befehl des Epiphanes geschehen zu sein scheint (Plin. VI 147).

Die Begleiter Alexanders müssen aber auch Nachrichten über den arabischen Meerbusen gesammelt haben; denn Eratosthenes (bei Strab. XVI 768) sagt: ,Die Seite des arabischen Meerbusens, vom aelanitischen Winkel an gemessen, beträgt, wie Alexanders Begleiter und Anaxikrates schreiben, 14 000 Stadien‘. Genauere Vermessungen [348] Arabiens rühren von Eratosthenes her, der neben den Berichten der Admirale Alexanders die Angaben der Seeleute wie die Itinerarien der Karawanenführer in Alexandrien und Petra benützen konnte. In der That stammt die älteste Beschreibung der westarabischen Küste von Eratosthenes. Er giebt auch die Masse an von Heroonpolis über Petra durch die anwohnenden Völker (Nabataeer, Chaulataeer und Agraeer) bis Babylon (5600 Stadien) und von Arabia Eudaimon gegen Süden (12 000 Stadien). Ausführlich beschreibt er die vier grossen Völker Südarabiens: Minaeer, Sabaeer, Kattabanen und Hadramautiten, welche übrigens auch schon Theophrast unter den Namen Saba, Adramytta, Kitibaina und Mamali (ΜΑΜΑΛΙ ist aus ΜΑΙΝΑΙΑ verschrieben!) kennt. Seine Angabe, dass die Aithiopien gegenüber gelegenen Teile Arabiens zweimal im Jahre besät werden, wird von Hamdâni (Geographie 199, 16) für gewisse Teile Arabiens bestätigt. Eratosthenes giebt auch die Hauptrouten der Gewürzkarawanen an. Von Minaia (der Hauptstadt Maʿin der Inschriften) bis Aila 70 Tage und von Hadramaut zu den Gerrhaeern (in Baḥrein) 40 Tage. Die späteren Geographen geben mit Vorliebe Beschreibungen der Küsten des roten Meeres. Eine solche ist von Agatharchides von Knidos (120 v. Chr.) erhalten. Er beschreibt die Nordwestküste Arabiens viel eingehender als Eratosthenes, Agath. 85 (Geogr. gr. min. I). Im innersten Winkel des arabischen Meerbusens bei Poseidion (Aḳaba?) befinde sich ein berühmter heiliger Palmenhain mit zahlreichen Quellen. Daselbst sei auch ein sehr alter Altar aus hartem Stein, mit verwischten und unbekannten Zeichen beschrieben. Die Oberaufsicht über diesen Hain führten ein Mann und eine Frau, welche lebenslängliche Wächter des Heiligtums wären. Von diesem Tempelhain, dessen Anwohner Maranitai genannt werden und den man mit Mara und Elîm (Exod. 15, 23. 27), wo die Israeliten zahlreiche Palmen und zwölf Quellen gefunden, zu identificieren versucht hat, spricht auch Artemidor und sagt: ,Dem Haine sind ein Mann und eine Frau aus derselben Familie vorgesetzt u. s. w.‘ Eine sehr merkwürdige Analogie hierzu bietet die von Euting und Huber entdeckte altaramaeische Inschrift aus Teimâ (aus dem 5. Jhdt. v. Chr.), wo in gleicher Weise ein Hain einem Gotte geweiht und ein Priester, dessen Würde die Inschrift als eine erbliche bezeichnet, eingesetzt wird, den Hain zu hüten. Ferner ist auf die schon von K. Müller im Commentar zu Agath. 85 herangezogene Stelle aus Wellstedt Travels in Arabia I 11 zu verweisen, wozu Müller gut bemerkt: Hodie palmetorum pars, quae ad Sinaitarum monasterium pertinet, monachos habet custodes priscae longaevitatis hererdes. Hervorzuheben ist aus dem Berichte des Agatharchides der Hafen der Leanitai, der von Arabern und Nabataeern sehr besucht wird (88), weil hier die älteste Erwähnung der Liḥjan vorliegt, eines Volkes, das vor den Nabataeern in Arabien geherrscht hat und dessen Inschriften erst in jüngster Zeit von J. Euting entdeckt worden sind (vgl. meine Epigraphischen Denkmäler aus Arabien). Von ganz besonderem Interesse sind die Debai, welche von Agatharchides (95) und Artemidor (Strab. XVI 777) beschrieben werden. Ihr Land wird als goldreich [349] und die Bevölkerung als sehr gastfreundlich geschildert. Sprenger vergleicht Dahabân der arabischen Geographen (dahab ,Gold‘), welches auch von Ibn Mughâwir(Mitte des 13. Jhdts.) und Burckhardt als überaus gastfreundlich geschildert wird. Von den Sabaeern scheint Agatharchides keine so genauen Kenntnisse gehabt zu haben wie Eratosthenes, dagegen erwähnt er einen Hafen jenseits der Durchfahrt, vor welchem die ‚beglückten Inseln‘ liegen, auf denen man nur schneeweisse Rinder oder Kühe ohne Hörner sucht (Agath. 103; nach Benfey und Ritter Zebus, welche die Banianen mit sich führen). ,Von und nach diesem Hafen‘, fügt er hinzu, ,kommen und gehen die Schiffe aus Indien‘. Auch Artemidor (Strab. XVI 776–778) beschreibt das Land der Sabaeer, ihren Reichtum und ihren Handel mit Gewürzen, und schliesst sehr charakteristisch: ,Immer die Nächsten empfangen die Waren und übergeben sie den nach ihnen Folgenden bis gegen Syrien und Mesopotamien‘.

Die Beziehungen der Römer zu Arabien waren seit der Zeit des Piratenkrieges (67 v. Chr.) immer enger geworden. Besonders scheint Pompeius das Vordringen Roms zum roten Meere durch seine Verbindung mit dem nabataeischen Reiche sehr gefördert zu haben (Plut. Pomp. 38–41), und trotzdem, dass man in Rom dieses Vorgehen tadelte (Cic. ad Att. IX 11), haben doch ernste Staatsmänner diesen Gedanken wieder aufgenommen. Die Nachrichten der Kaufleute und Reisenden über den Reichtum der Araber und Sabaeer, der auch in der Litteratur scharf zum Ausdrucke kam, machte in Rom den Wunsch rege, mit den Sabaeern in directe Verbindung zu treten. Der Plan, einen Feldzug nach Südarabien zu unternehmen, ging von Augustus selbst aus, der mit der Leitung desselben Aelius Gallus betraut hat. Dieser Feldzug, der von Leuke kome aus angetreten worden ist, endete zwar durch die schlechte Führung, zum Teil wohl aber auch wegen des ungewohnten Klimas, nicht sehr erfolgreich für die Römer, ist aber als die älteste Forschungsreise in Arabien von grösster Bedeutung. Dass das römische Heer trotz aller Schwierigkeiten bis in den Gau vorgedrungen war, der von Europäern in jüngster Zeit zuerst von Joseph Halévy betreten worden ist, steht ausser Zweifel. Die Städte, welche Gallus nach dem Berichte des Plinius VI 160 zerstört hat (Negrân, Nesca, Camniacum, Labecia und Mariaba) finden sich bei Hamdâni und auf den Inschriften wieder. Die römischen Feldherren hatten von diesem Feldzuge die Erfahrung mitgebracht, dass der Schlüssel Südarabiens nicht im Lande der Nabataeer, sondern an den südlichen Küstenplätzen läge. Das Dunkel, das bis dahin über die Provenienz der südarabischen Producte herrschte, wurde durch diese Expedition zum Teil gelüftet und eine genauere Kenntnis des Landes und seiner Producte erzielt. In der That finden wir kaum 100 Jahre später die Römer in Verbindung mit dem König Charibael von Zafar, dem rechtmässigen Herrscher der Sabaeer und Himvaren (Per. mar. erythr. 23). Gefördert wurden diese Bestrebungen durch die Entdeckung (oder nach anderen: Wiederentdeckung) des Südwestmonsum (Hippalus); denn erst dadurch ist zu gewissen Jahreszeiten ein regelmässiger Schiffsverkehr [350] möglich geworden, während man früher in Abhängigkeit von den Küstenstämmen bleiben musste. Der Autor, dem wir allein die Nachricht über den Hippalus verdanken (Peripl. mar. erythr. 57), beschreibt auch zuerst ausführlich die südliche Küste Arabiens von der Durchfahrt (Bab-el Mandeb) bis Syagros (Ras Fartak) und Omana (Ras Hasik), und schildert dann die Einfahrt in den persischen Meerbusen. Damit erscheint das alte Problem, die Umschiffung Arabiens, gelöst. Das reiche geographische Material wurde unter Benützung der Karte des Marinus von Tyrus von Claudius Ptolemaeus verarbeitet, und seine Geographie (VI 7) enthält die genauen Angaben, die es ermöglichen, seine Karte zu controlieren oder zu reconstruieren.

Anschliessend an diese historische Darstellung der Entdeckung und Erforschung Arabiens soll im folgenden eine Reihe von Arabien betreffenden mehr oder weniger wichtigen Punkten besprochen werden. Die Grenzen des Landes Arabien waren infolge der Übertragung des ursprünglich ,Steppe‘ bezeichnenden Wortes auf die nach und nach entdeckte Halbinsel in der Vorstellung der Alten nicht fest gesteckt. Arabien steht bisweilen in weitester Bedeutung, stellenweise auch auf das Gebiet bis an den Amanus und die Grenzen Ciliciens ausgedehnt. Unter den griechischen Schriftstellern gebraucht Theophylaktos den Namen Ἀ. von den wüsten Gegenden Mesopotamiens besonders in der Nähe der Stadt Nisibis (III 16, 1. IV 15, 7. V 1, 2. 3, 2; vgl. VIII 1, 1). Genügende Klarheit über Lage, Grenze, Einteilung und Grösse Arabiens zeigen die auf authentische Quellen zurückgehenden Angaben Strabons (XVI 765–768). Eine ausführliche Beschreibung Arabiens giebt auch Plinius (VI 142ff. 161ff. u. s. w.). Für die Beschreibung Arabiens bei Solin ist Plinius die ausschliessliche Quelle. Als Halbinsel, wie die späteren arabischen Geographen (Gazîrat al ʿArab), bezeichnet sie unter den Älteren Theophrast hist. plant. IX 4, 2 (ἡ τῶν Ἀράβων χερρόνησος).

Zur historisierenden Sage gehören z. B. die Berichte über Ἀράβιος, den Vater der Kassiopeia (Antonin. Lib. 40), über Ἀραβία, die Gattin des Aigyptos, wie über Aigyptos Anwesenheit in Arabien (Apollod. II 1, 4, 4. 1, 5, 4). Nachhaltigen Einfluss gewann sich die von Hesiod und Stesichoros (Strab. I 42) erwähnte Figur des Ἄραβος. Isoliert steht die Kunde von dem mythischen Könige Nectanabus, dem in sagenhafter Vorzeit die Araber und Phoinikier und viele andere Völkerschaften unterthan gewesen sein sollen, Iul. Val. I 1. Sollte damit nicht Nebukadnaṣar gemeint sein, der nach arabischer Überlieferung Arabien verwüstet haben soll (Hamdânî 46)? Dass unter Kadmos Araber gekommen sein sollen, weiss Strabon X 447.

Biblische Zeit betreffen die Nachrichten bei Flavius Josephus über Abrahams Söhne und Enkel, welche von Troglodytis und Ἀράβια εὐδαίμων, so weit es zum roten Meere reichte, Besitz nahmen (Jos. ant. I 239), Ismael ist der Begründer des Geschlechtes der Araber (ant. I 214). Die zwölf Söhne Ismaels bewohnten das ganze Land vom Euphrat bis zum roten Meere und nannten es Ναβατηνή (ant. I 221). Zur Geschichte Gideons erwähnt Josephus, dass die Midianiter die [351] Amalekiter und Araber (= Bnê ḳedem, Sarakenoi, Iud. 6, 33) zu Hülfe riefen (ant. V 210). Zum dritten Regierungsjahre Josaphats berichtet er, dass die Araber alljährlich 360 Schafe und ebensoviele Ziegen lieferten (ant. VIII 396; vgl. II Chron. 17, 11).

Die Beziehungen der Araber zu Ägypten sind sehr alt und reichen in vorhistorische Zeiten. Herodot II 104 berichtet als ältester Zeuge von dem Eroberungszuge des Sesostris an den Küsten des roten Meeres, und Eratosthenes bezeichnet denselben König als den ersten, der nach Arabien gekommen war (Strab. XVI 769). Der König Sesoosis unterwarf das bis dahin noch nicht unterjochte Arabien vollständig (Diod. I 53, 5) und schützte Ägypten gegen Einfälle von Arabern und Syrern durch Aufführung einer Mauer von Pelusium bis Heliopolis (Diod. I 33, 8). Über Amasis Kriege mit Arabern berichtet Polyaen strat. VII 4. Araber sollen die Stadt des Sol bei Memphis gegründet haben (Plin. VI 177). Das Land zwischen dem Nil und dem arabischen Meerbusen nennen Herodot II 8 und Strabon XVII 803 (806. 809. 816) schon Arabien. Arabische Stämme am Nil von Syene bis Meroe erwähnt Plinius VI 177 nach Iuba (vgl. V 59. VI 173. 191). Araber an der ägyptischen Seite des roten Meeres (Plin. VI 167. 168), in Ägypten und Aithiopien (Strab. I 42. II 130. XVI 784. XVII 815. 839), bei den Alexandrinern (Dio Chrysost. I 143, 23). Flüchtige Ägypter in Arabien verzeichnet Plinius VI 191.

Die Beziehungen der Araber zu Assyrern, Persern und Makedoniern sind im wesentlichen schon oben angedeutet worden. Die Unterwerfung Arabiens durch Alexander erwähnen kurz Livius XLV 9. Plinius XII 62; die Absicht Alexanders, Arabien zu umschiffen, verzeichnet Plutarch Alex. 68, die Lieferungen von Kleidern und Waffen für sein Heer durch Araber Iul. Val. II 25. Unter den Verteidigungstruppen von Gaza befanden sich Araber (Arrian. anab. II 25, 4. Curt. IV 6, 30). Nach dem Tode Alexanders fällt ein Teil Arabiens an Ptolemaios, Iustin. XIII 4, 10. Über den Übertritt der Araber zu Antiochos berichtet Polybios V 71, über die arabischen Hülfsvölker, 10 000 Mann, unter der Führung von Zabdibelos derselbe V 82, 12. 85, 4. In der Beschreibung des Heeres des Antiochos im J. 190 erwähnt Livius, dass vor der Reiterei Kamele standen, welche man dromades nennt, auf diesen seien Araber gewesen, welche Pfeilschützen waren (sagittarii), ihre Schwerter vier Ellen lang, so dass sie aus solcher Höhe den Feind erreichten (Liv. XXXVII 40, 12). An diese Stelle klingt an Appian Syr. 32, wo erzählt wird, dass Araber im Heere des Antiochos von Kamelen herab mir Bogen schiessen (τοξεύουσι) und in der Nähe mit langen schmalen Schwertern (doch wohl Lanzen?) kämpfen. Arabien unter der Herrschaft des Seleukos, Appian. Syr. 55. Tigranes verpflanzt viele Araber an den Amanus, Plin. VI 142 (vgl. Plut. Luc. 21; Pomp. 39). An derselben Stelle erwähnt Plinius arabische Stämme am Libanon wohnhaft. Araber in Syrien, Strab. XVI 749. 755. 756. Flavius Josephus giebt auch Nachrichten über Arabiens Stellung zu Palaestina in historischer Zeit und über Hyrkanos Unterhandlung mit dem Araberkönig [352] Aretas (ant. XIV 14), die Belagerung von Petra durch Scaurus im mithridatischen Kriege (XIV 80f.). Herodes besiegt in seinem vierten Regierungsjahre Arabien, Zosim. V 14. Pheroras, der Bruder des Herodes, soll durch Gift getötet worden sein, welches ein Weib aus Arabien brachte, Jos. ant. XVII 62f.

Erst verhältnismässig spät beginnen Arabiens Beziehungen zu den Römern. Aus der Zeit des Piratenkrieges im J. 67 v. Chr. berichtet Cassius Dio (XXXVI 19), dass sich der Consul des J. 68, Q. Marcius Rex, nach Antiochien in Syrien begab als Bundesgenosse gegen Arabien. Plutarch (Lucull. 21) erwähnt eine durch Tigranes erfolgte Übersiedelung der Ἄραβες Σκηνῖται zum Zwecke der Vermittlung von Handelsgeschäften (vgl. Plin. VI 142). Lucullus schickt im mithridatischen Kriege den Sextilius gegen die Araber, die er vernichtet, Plut. Luc. 25. An dem mithridatischen Kriege nahmen teil viele Araber von dem Meere bei Babylon her (also Skeniten), Plut. Luc. 26. Lucullus gewann das Land gegen das rote Meer zu durch die arabischen Könige und brach ihre Macht, Plut. comp. Luc. Cim. 3. Im mithridatischen Kriege standen die Araber dem Befehle des Pompeius bereit, Flor. I 40. Pompeius hatte eine leidenschaftliche Begierde, Syrien zu gewinnen und durch Arabien bis ans rote Meer zu dringen, um als Sieger an den Ocean zu kommen, Plut. Pomp. 38. Zur Zeit des syrischen Krieges belästigten die Araber die Römer unter Pompeius, Appian. Syr. 51. Dieser kämpfte mit den nabataeischen Arabern, welche unter dem König Aretas standen, Appian. Mithr. 106. Er war siegreich gegen die Ituraeer und Araber, Eutrop. VI 14, 2. Durch Afranius Hülfe unterwarf er sich die Araber um den Amanus und begab sich hierauf nach Syrien, welches er zur Provinz machte, Plut. Pomp. 39. Der König der um Petra wohnenden Araber achtete anfänglich der Römer nicht, aber nachher geriet er in Furcht und schrieb, er erkläre sich zu allem bereit, und Pompeius, um diesen Entschluss des Königs zu befestigen, zog gegen Petra, Plut. Pomp. 41. Pompeius verlässt bald Arabien, Plut. Pomp. 42. Unter den Völkerschaften, über welche Pompeius triumphierte, werden auch die Araber genannt, Plut. Pomp. 45. Zonaras X 5 erwähnt kurz Arabiens Unterwerfung durch Pompeius.

Im J. 57 v. Chr. machte Cicero dem Clodius den Vorwurf, dass er an Gabinius, welcher auf Clodius Betrieb die Statthalterschaft von Syrien erhalten hatte, die Königreiche der Syrer, Araber und Perser verschenkt habe, Cic. pro domo 124. Im Heere des Cassius auf seinem unglücklichen Zuge gegen die Parther im J. 53 waren arabische ἱπποτοξόται, Appian. b. c. IV 88; Araber bei Crassus und Cassius erwähnt auch Plut. Crass. 21 (der arabische Phylarch Ariamnes, ein verschlagener Mensch) und 28. Dem Cassius dienten auf dem Wege nach Karrhai Araber als Führer, Plut. Crass. 29. Im J. 51 berichtet Iamblichus, der arabische Phylarch, der als Freund Roms gilt, dem Cicero brieflich über drohende Bewegungen der Parther unter Pacorus, Cic. ad fam. XV 1, 2. Im J. 49 erklärt Cicero das Gerücht, Pompeius habe Pläne gegen Ägypten und das glückliche Arabien, als monströs, Cic. ad Att. IX 11. In [353] dem Bürgerkriege zwischen Antonius und Octavian spielte Arabien teils als Gegenstand des Anstosses, welcher die Differenzen in Rom verschlimmern half, teils als Rückhalt des Antonius und noch mehr seiner Bundesgenossin Kleopatra eine Rolle. Zu den Gebieten, welche Antonius der Kleopatra schenkte, gehörte A. Nabataea bis zum Meere, eine Schenkung, welche die Römer übel vermerkten, Plut. Anton. 36. Cassius Dio (XLIX 32) berichtet zum J. 36, dass Kleopatra in übles Gerede kam, weil sie Teile Arabiens ihren Kindern zugewiesen hatte. Sie riet dem Antonius, dem Herodes den Krieg gegen die Araber anzuvertrauen, damit sie, sei es dass Arabien, sei es dass Iudaea unterliege, Herrin würde und den einen Dynasten mit Hülfe des andern aufreiben könne, Joseph. bell. Iud. I 19, 1. Antonius zog, nachdem er Kleopatra nach Ägypten geschickt hatte, durch Arabien und Armenien, wo er die Heere musterte, Plut. Ant. 37. Während der Vorbereitungen zum Kriege mit Octavian schickte Malchus ein Heer aus Arabien, Plut. Ant. 61. In der Gefahr versuchte Kleopatra, die Flotte am Isthmus Ägyptens ans Land zu ziehen und mit vielen Schätzen und Kriegsmacht in den arabischen Meerbusen zu setzen, um so der Unterwerfung und dem Kriege zu entgehen. Aber da die ersten ans Land gezogenen Schiffe von den um Petra wohnenden Arabern verbrannt wurden, musste sie von dem Beginnen ablassen, Plut. Ant. 69. Und ähnlich berichtet Cassius Dio zum J. 30, dass die Araber, von Didius, dem Statthalter von Syrien, überredet, die im arabischen Meerbusen liegenden und für die Fahrt ins rote Meer gebauten Schiffe verbrannten und die Demen und alle Dynasten Unterstützungen verweigerten, Cass. Dio LI 7. Dio, der zum J. 31 erwähnt, dass Antonius den Araberfürsten Iamblichus töten liess (L 13), bezeugt, dass der siegreiche Octavian dem Iamblichus, dem Sohne des Iamblichus, die väterliche Herrschaft über Arabien übergab, LIV 9. Die Politik des Octavianus Augustus richtete sich nun auch gegen Arabien. Nachdem bereits Pompeius, ähnlich wie Alexander, weitgehende Eroberungspläne gegen Arabien gefasst hatte, beauftragte Augustus den ägyptischen Statthalter Aelius Gallus mit dem Feldzuge gegen die Araber, welche damals (Hor. carm. I 35, 40) als Feinde Roms galten. Gegen das unbesiegte Sabaea (= A. felix, Hor. carm. I 29, 3) wurde bereits im J. 27 gerüstet, der Zug fand 24 statt. Berichte über ihn geben Plinius VI 160. Strabon XVI 780f. (XVII 816. 819; vgl. Schröder De Strab. itin. 6). Cassius Dio LIII 29; vgl. Joseph. ant. Iud. XV 317ff. Galen. IV 161. 189. 203. Der Sohn des Augustus, C. Caesar, ging auf Sendung seines Vaters nach Arabien, um sich dort Lorbeern zu holen. Über seine Erfolge verlautet nichts Genaues, Plin. II 168. VI 141. 160. XII 55. Für die arabische Expedition richtete Iuba an ihn sein Werk, Plin. VI 141. XII 56. XXXII 10. Arabische Gesandte in Rom zu seiner Zeit erwähnt Plinius VI 140. XII 57. In der Darstellung der Eroberungszüge des Tiridates aus dem J. 36 n. Chr. erwähnt Tacitus (ann. VI 44), dass nach Abdagaeses Rat die Truppen nach Mesopotamien zurückkehrten und zwar in fluchthafter Eile, wobei die Araber den Anfang machten.

[354] Caligula gab dem Soaimos einen Teil Arabiens und ebenso später dem Kotys, Cass. Dio LIX 12. Unter Claudius wurde der Freigelassene Annius Plocamus, als er in Angelegenheiten des Fiscus Arabien umschiffte, nach Taprobane verschlagen, über welches er Nachrichten nach Rom brachte, Plin. VI 84. Tacitus spricht zum J. 49 n. Chr. über die Mission des Cassius, Statthalters von Syrien, welcher den parthischen Prätendenten Meherdates in sein Reich an den Euphrat geleitete. Bei Zeugma kamen parthische Vornehme und der Araberkönig Acbarus zusammen (Nipperdeys Zweifel an der Richtigkeit dieses Namens sind unbegründet; es ist das arabische akbaru). Acbarus hielt in Emesa, seiner Residenz, den jungen Prinzen eine Zeit lang fest, ging aber mit verräterischen Absichten gegen ihn um und verliess ihn treulos, als es zwischen Meherdates und dem Gegenprätendenten Gotarzes zum Kampfe kam; Meherdates wurde besiegt. Tac. ann. XII 12–14. In dem Berichte über Titus Zug gegen Iudaea im J. 70 n. Chr. erwähnt Tacitus, dass unter den verschiedenen Hülfstruppen sich eine mächtige und von dem zwischen Grenznachbarn gewöhnlichen Hasse gegen Iudaea erfüllte Schar von Arabern befand, Tac. hist. V 1.

Zu Traians Regierungszeit unterwarf Palmas, der Statthalter von Syrien, τὴν Ἀραβίαν τὴν πρὸς τῇ Πέτρᾳ den Römern, Cass. Dio LXVIII 14. Aus Traians Zeit wird Mannos als φύλαρχος von Arabien genannt, Cass. Dio LXVIII 21. Traian belagert Atra, aber vergeblich, Cass. Dio LXVIII 31. Er unterwarf Arabien und machte es später zur Provinz, Eutrop. VIII 3, 1. 2. Ammian. XIV 8, 13. Im roten Meere unterhielt er eine Flotte zum Angriffe gegen Indien, Eutrop. a. a. O.

Zahlreiche Nachrichten über Arabien unter den auf Traian folgenden Kaisern bieten die Scriptores historiae Augustae und Cassius Dio; eingehender über Septimius Severus zweimaligen vergeblichen Belagerungsversuch gegen Atra im J. 199 Cass. Dio LXXV 10f. Über A. als römische Provinz seit Traian s. u. S. 359ff.

Die Nachrichten der Alten über das Land Arabien, seine Tier- und Pflanzenwelt, tragen mitunter nicht nur das Gepräge des Strebens, Arabien als ein von der Natur reich beschenktes Land zu preisen, dem der Name εὐδαίμων, felix, beata gebührend zukomme, sondern auch das Merkmal der Sucht nach Übertreibung bis zum Wunderbaren. Auf glaubwürdiger Autopsie beruht Xenophons Beschreibung der Ebene, welche Kyros der Jüngere auf seinem Zuge durchwanderte (anab. I 5, 2). Diese Stelle Xenophons schreibt Arrian Cyneg. 24, 2 aus. Wilde Esel, Kamele, Hirsche, Rehe, Löwen, Panther, Wölfe in der Ebene nächst Nabataea gegenüber der Insel Dia erwähnt Strab. XVI 778 (nach Artemidor), Ameisenlöwen Strab. XVI 774. Über arabische und baktrische Kamele spricht Arist. hist. an. 498 b 3, über den Unterschied beider (im Buckel) 499 a 13. Plin. VIII 62 (daraus Solin. 49); vgl. Plin. XXXII 10. Die Zeit des Coitus der Kamele ist der Monat Μαιμακτηριών (September), Arist. hist. an. 546 b 2. Dass die Kamele ihre Mütter nicht bespringen wollen, behauptet und erläutert an einer Anekdote Arist. de mir. ausc. 830 b 5. Im Gegensatz dazu deutet ein Vers bei dem Dichter Aus b. Hagar, der [355] dann auch von andern übernommen worden ist und also lautet: ,Ihr (der Kamelin) Bruder ist ihr Vater, aus edler Rasse, ihr Oheim väterlicherseits ist ihr Oheim mütterlicherseits‘ auf den Gebrauch der Inzucht, um eine edle Rasse zu erhalten. Wundersames über schreckhafte Hyänen erzählt Arist. de mir. ausc. 845 a 24. Elefanten sollen durch das Meer aus Aithiopien nach Arabien kommen, Plin. VIII 35.

Schaf- und Rinderzucht bei den Arabern erwähnen Athen. V 201 c. Plin. VIII 189. Strab. XVI 784. Joseph. ant. VIII 391 u. a. Dagegen fehlen, wie die Alten ausdrücklich berichten, Schweine (Plin. VIII 212. Strab. XVI 768), Maultiere (Strab. XVI 768) und Pferde (Strab. XVI 768. 784). Jedoch erwähnen die sabaeischen Inschriften Pferde, und auf einem Relief ist ein Reiter zu Pferde abgebildet (ZDMG XXX 115). Vgl. Hommel Die Namen der Säugetiere bei den Südsemiten, Leipzig 1879. Den Dienst der Pferde ersetzen Kamele (Strab. XVI 784). Auch Gänse und Hühner fehlen (Strab. XVI 768). Den Eingeweide-, Spul-, Bandwurm, ἔλμις, taenia, lumbricus nennen Theophr. IX 20, 5. Plin. XXVII 145; ungewöhnlich grosse Eidechsen und Mäuse Arist. hist. an. 606 b 5, ellenlange (cubitales) Eidechsen Plin. VIII 141, scincus, eine besondere Eidechsenart Plin. XXVIII 119, giftige spannenlange rote Schlangen Strab. XVI 778, geflügelte Schlangen in Sümpfen Ammian XXII 15, 26, vgl. Mela III 82, daraus Solin. 32, farbenprächtige Grillen, Schlangen und besonders Fische Ael. h. a. X 13, einen seltsamen giftigen Fisch (φύσαλος) im arabischen Meerbusen Ael. h. a. III 18 (nach Leonidas von Byzanz), Muscheln und Fische Plin. XXXII 10 (nach Iuba). Die Araber betreiben Austernjagd, das Meer sei voll wilder grosser Tiere (κήτη), Philostr. v. Apoll. III 57. Über Perlen bei den Arabern spricht Plin. IX 106. 115. XXXVII 62. Er klagt, mit wie teuerem Gelde arabische und indische Perlen in Rom bezahlt werden, XII 84. Eine romanhafte Schilderung über prachtvolle Perlen im roten Meere giebt Ael. h. a. X 13. Wilde, stymphalische Vögel erwähnt Paus. VIII 22, 4. Über den Vogel Phoenix als dessen Heimat Arabien gilt, berichten Mela III 83. Plin. X 3f. Tac. ann. VI 28 und besonders das dem Lactantius zugeschriebene Gedicht de phoenice.

Die Tierwelt, namentlich die Beobachtung der Vögel, dient den Arabern zur Übung der Seherkunst. Mehrere Stellen bezeugen, dass die Araber im Altertum als Autorität in Sachen der Mantik galten, Cic. de div. I 92. 94; vgl. de leg. II 33. Philostr. v. Apoll. I 30. Appian. frg. 19 Mend. Pythagoras und Demokrit sollen sich bei den Arabern Kenntnisse über die Wahrsagekunst verschafft haben, Plin. XXV 13. Porphyr, vita Plot. 11. 12.

Zahlreich sind die Nachrichten der Alten über die Pflanzenwelt Arabiens, durch dessen reiche Flora (felicitas) ihnen die Bezeichnung A. felix füglich bedingt schien. Arist. de plantis 818 a 4 nennt Gummi arabicum (κόμμι Ἀραβικόν), Ἀραβικοί βέντελοι (eine Strauchgattung) 819 b 16. Theophrast findet es bemerkenswert, dass die Bewohner der Insel Tylos, sowie die Syrer, das fliessende salzige Wasser den Bäumen und Saaten für nützlicher erachten, denn das Regenwasser, Theophr. de caus. plant. II 5, 5 (nach Androsthenes). 6, 5. Die ausserordentlich baumreiche [356] Insel Tylos liefert vorzügliches Schiffsbauholz V 4, 7; auch wachsen dort Bäume, deren Früchte Wolle geben, aus welcher man σινδόνες webt, IV 7, 7; stellenweise aber wächst in Arabien kein Baum, sondern nur Dornsträucher, infolge der Hitze und des Regenmangels, IV 7, 1. Den Dorn erwähnt auch Plinius XIII 63. XXIV 107 (als Heilkraut); Acaciendorn neben Tamarisken und Palmen Strab. XVI 767; und so finden sich unter den späteren Schriftstellern vereinzelte Nachrichten über Bäume und Kräuter zerstreut, z. B. bei Athenaios über πέρσειον und βιστάκιον XIV 649 d (nach Poseidonios); vgl. Philostr. v. soph. II 5, 4 u. a. (vgl. Löw Aram. Pflanzennamen). Aber besonders häufig melden die Alten von den in Arabien wachsenden wohlriechenden Kräutern (ἀρώματα, odores); gerade die Ergiebigkeit an aromatischen Gewächsen, Weihrauch u. s. w. ist ihnen ein Hauptgrund für den Reichtum Arabiens und seine Bezeichnung als felix und beata, vgl. Strab. XVI 778. Plin. XII 51. 82. 84. Xenophon beschreibt die arabische Ebene auf dem Wege nach Korsote als baumlos, aber reich an ἀψίνθιον (Wermut) und wohlriechenden Sträuchern, anab. I 5, 1. Über Räucherspecereien handelt Herodot III 107. 110–112 (vgl. Dioscorides I 12, 28). Aristoteles nennt Arabien εὐώδης, probl. 907 b 16. 908 a 10. Theophrast, der sich mit Herodot mehrfach berührt, rühmt die εὔοσμα in Arabien, Syrien und Indien, wie λιβανωτός, σμύρνα, κασία, ὀποβάλσαμον, κιννάμωμον IV 4, 14, besonders um Saba IX 4, 2–3. 5, eine ausführliche, kritische Darstellung giebt er IX 4, 7–10; ἀρώματα Arabiens erwähnt Polyb. XIII 9; vgl. Tibull II 2, 3f. III 2, 23. 8, 15. Strab. XVI 782. Mela I 60; Curt. V 1, 11. Über Räucherspecereien in den Inschriften Rand νάρδος (Narde), dharw (Plin. tarum) kostos, κάγκαμον, ladanum und Weihrauch vgl. D. H. Müller Burgen und Schlösser II 975 und Mordtmann und Müller Sabaeische Denkmäler 81ff. Ausführlich ist Plinius Darstellung der arabischen Pflanzenwelt, und namentlich der odores. Er zählt eine bedeutende Anzahl von Bäumen und Kräutern auf, die in Arabien wachsen XII 28 (Ingwer). 32. 35. 39 (wolleliefernde Bäume). 41f. 50–77. 90f. und weiter an vereinzelten Stellen VI 158 Gerste. XIII 127 Kapern. XX 7 Gurke. XIX 15 Kürbis. XIX 62 Malve. XIX 155 Kresse. XIII 34. 46 Palme. XIV 22 Gummi, Harz. XV 99 Meerkirsche u. s. w. Verzeichnisse von arabischen Pflanzen und Gräsern liefert auch Hamdâni in seiner Geographie Arabiens 155ff. Die Bereitung von Palmenwein Plin. VI 161 und vor ihm Strab. XVI 783; Sesamöl in Ermangelung des Olivenöls. Strab. XVI 784. Arabiens Reichtum an Weihrauch, Plin. V 65. VI 104. XII 52f. 80. 86. Arabien machte sich der Flotte des Alexander auf hoher See durch seinen Geruch bemerkbar, Plin. XII 86 (ähnlich berichtet Theophr. IX 7, 2, dass man in Arabien einen angenehmen Wohlgeruch von Syrien her verspüre), und Plin. XII 62 erzählt die Anekdote über Alexander und Leonidas; Strab. XVI 778 findet den Grund des Reichtums der Sabaeer und Gerrhaeer in dem Handel mit Räucherwerk; die Menge der Gewürze bei diesen Völkern soll so gross gewesen sein, dass sie sich statt des Reisigs und Brennholzes des Zimmets, der Kasia und anderer Gewürze bedienten. Wenn [357] Plinius berichtet, dass Arabien kein cinnamomum und keine casia liefere, XII 82, und dass amomum und nardus sich dort nicht anbauen lassen, gegen Herod. III 107ff. Theophr. IX 4, 2–3 und Strab. XVI 782. 783, der κασία und die Narde nach einer Version im glücklichen Arabien erwähnt (vgl. Strab. XV 695), so zeigt sich hierin schon das Resultat der Expedition des Aelius Gallus, welche die falschen Berichte der Kaufleute, die africanische Erzeugnisse für arabische ausgaben, rectificierte.

Auch die Steine, namentlich Edelsteine, behandelt Plinius besonders detailliert XXXVI 59. 62. 78. 147. 150. 153. 163. XXXVII 24. 37. 56–181. 194. Salz wird gegraben XXXI 78; vgl. auch Strab. XVII 822 und XVI 779 (nach Poseidonios); hervorzuheben ist Strabons Nachricht über das Vorkommen des Goldes im Lande der Debai XVI 777. 778 nach Artemidor (über andere Edelsteine Strab. XVI 779. 784. XVII 815). Solin 20 (über gallaica) schöpfte aus Plin. XXXVII 110. 112. Über Fundorte von Edelsteinen und Gold- und Silberminen handelt Hamdâni Geogr. 202 u. a.; über Salzbergwerke Hamdâni Geogr. 155.

Über den lebhaften Handel der Araber mit dem Orient und Occident, welchen schon Jerem. 6, 20. Ezech. 26, 15. 20. 22ff. Jes. 40, 6. Hiob 6, 19 erwähnen, geben mehrere Stellen Kunde. Strab. XVI 780 bemerkt, dass die Araber bessere Kaufleute und Krämer, als Krieger sind. Besonders die Sabaeer und Gerrhaer figurieren als Exporteure. Arabiens reiches Handelsleben würdigt Plin. VI 157. Ammian. XIV 8, 13. Handel mit Saba Theophr. IX 4, 5, die Sabaeer als Zwischenhändler zwischen ihren Nachbarn bis nach Syrien und Mesopotamien Strab. XVI 778 (nach Artemidor), mit Syrien bezeugt Theophr. IX 7, 2, mit Palästina Strab. XVI 776 (nach Artemidor), mit Babylon Strab. XVI 766 (nach Aristobulos), vgl. ebd. 729. Arrian. Ind. 41, 6, mit den Assyriern Arrian. Ind. 32, 6. Lebhaft waren Arabiens Handelsbeziehungen zu Ägypten; Koptos war ein wichtiges Emporium, Strab. XVI 781. XVII 815. Plin. V 60 (daraus Solin 32). XII 80. XIX 7; Handelsverbindungen der Sabaeer mit den Aithiopen, zu welchen sie in ledernen Booten schifften, erwähnt Strab. XVI 778 (nach Artemidor). Kaufleute brachten von den Persern her indische und arabische Waren zu den Römern, Appian. bell. civ. V 9; vgl. Herodian. III 9, 3. Tibull. III 2, 23. Ammian. XXIX 1, 30. Dio Chrys. II 10. 13.

Wegen ihres Reichtums waren die Araber bei den Römern sprichwörtlich geworden, Hor. carm. I 29, 1. II 12, 24. III 24, 2: epist. I 7, 36. 6, 5. 11, 5. Plin. VI 162. Mit Rücksicht auf ihren Luxus nennt Catull die Araber molles 11, 5. Tibull. II 2, 4 spricht von dem tener Arabs; dem Dion. Per. 968 sind sie das ἁβροβίων Ἀράβων γένος; vgl. orac. Sib. XIII 64. Als charakteristisch für die Araber galt neben der luxuriösen Weichlichkeit die Schlauheit, sie gab dem Babrius den Vorwurf zu einer Fabel (fab. 57) und Frontin. strateg. II 5, 16 zeigt sie auch als einen Zug ihrer militärischen Taktik. Strab. XVI 780. XVII 819 nennt sie unkriegerisch, ungeschickt in der Führung der Waffen XVI 782. Plinius nennt sie nicht nur reich, sondern auch räuberisch VI 162. Menschenopfer in Arabien Euseb. praep. IV 16, 27. Was [358] ihre Kulturverhältnisse des weiteren anlangt, so meldet Strabon von dem glücklichen Arabien, dass ein jeder die Beschäftigung seines Vaters aufnehme; Brüder seien geehrter als Kinder; nach dem Rechte der Erstgeburt erben die Königswürde und die übrigen Ehrenstellen fort; das Vermögen gehöre den Verwandten gemeinsam; der Älteste sei Verwalter desselben. Die moralischen Anschauungen über das Verhältnis der Familienmitglieder zu einander (vgl. R. Smith Kinship and Marriage und Wellhausen Die Ehe bei den Arabern, Nachrichten der Gött. Gesellsch. d. Wiss. 1883 Juli) sind höchst locker und tolerant. Die Nabataeer rühmt Strabo als mässig und erwerbsam XVI 783. Im glücklichen Arabien achte man die Leichname, auch die der Könige, dem Miste gleich, eine Anschauung, welche an Heraklit erinnert, Strab. XVI 784. Als Kulturzeugnis gilt für Eusebius die Strenge der Araber gegen die Ehebrecherinnen, welche mit dem Tode bestraft werden, während die nur in diesem Verdachte stehenden Frauen auch nicht straflos ausgehen, Euseb. praep. VI 10, 22 (vgl. Herodot).

In Ansehung der Verfassung erwähnt Strabon nach Eratosthenes Bericht über die Minaeer, Sabaeer, Kattabanen und Chatramotiten, dass die Königswürde über jeden dieser vier Gaue nicht der Sohn vom Vater überkomme, sondern der erste Sohn, der nach Einsetzung des Königs einem der Vornehmen geboren werde, XVI 768. Der König von Petra nimmt einen seiner Freunde, welcher sein Bruder heisst, zum Stellvertreter XVI 779. Spärlich sind die Nachrichten über die Religion der Araber, was um so auffallender ist, als die Inschriften zahlreiche Gottheiten nennen, die in unzähligen Tempeln verehrt worden sind (über die Religion der Nordaraber vgl. L. Krehl Über die Religion der vorislamischen Araber, Leipzig 1863). Aus dem mit Herodot übereinstimmenden Berichte Arrians, dass die Araber nur zwei Götter, den Uranos und Dionysos verehren (Strab. XVI 741 nennt nach Aristoteles nur für Uranos den Zeus), schöpft Phot. bibl. 68 b 32. Den Sonnenkultus in Arabien erwähnt Strab. XVI 784. Über die Religion der Südaraber (Sabaeer, Minaeer u. s. w.) vgl. unter Saba.

Aus christlicher Zeit stammen die Nachrichten des Eusebius über kirchliche Häresien in Arabien, Euseb. hist. eccl. VI 19, 15; über Märtyrer in Arabien VIII 12, 1; Verbreitung des Christentums VII 5, 2 (vgl. Th. Wright Early Christianity in Arabia). In später Zeit wird genannt Θυανδρίτης, ein weibisch machender Gott der Araber, Damascius bei Phot. bibl. 347, 26. Marin. vita Procli 19. der epischen Dichtung Dionysiaca des Nonnos (5. Jhdt. n. Chr.) gehört die mythische Behandlung der Thaten und Erlebnisse des Dionysos (Bacchus) an, welcher auch in Arabien Kämpfe (gegen Lykurgos) zu bestehen hatte.

Litteratur: Von Älteren seien erwähnt die Geographen Mannert, Gosselin, Rosenmüller, Reichard und insbesondere Ritter und die Reisenden Niebuhr, Seetzen, Salt und Valentin, Burckhardt, Delaborde und Wellstedt. Aus jüngster Zeit sind hervorzuheben: A. Sprenger Alte Geographie Arabiens, Bern 1875. Zehme Arabien in den letzten hundert Jahren. Th. Nöldeke Tabaris Geschichte der [359] Perser und Araber, Leiden 1879. D. H. Müller Burgen u. Schlösser Südarabiens, Wien 1879. 1881, und dessen Artikel ,Yemen‘ in der Encyclopaedia Britanica. Mordtmann u. Müller Sabaeische Denkmäler, 1883. J. H. Mordtmann ZDMG XXXI 61ff. E. Glaser Skizze I u. II; ferner D. H. Müller Epigraphische Denkmäler aus Arabien, 1889, und von Reisenden: v. Wrede, Maltzan, Halévy, Manzoni Doughty, Langer, Glaser und Bent.[1]

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Das alte Königreich der Nabataeer mit den Städten Petra und Bostra wurde unter Traian von dem Statthalter Syriens (A. Cornelius) Palma zur römischen Provinz gemacht (Münzen mit Arab. adquis. bei Eckhel VI 420. Dio LXVIII 14, 5. Festus brev. 14, 3. Ammian. XIV 8, 13). Der Anlass dazu ist unbekannt. Der letzte uns bekannte nabataeische König Dab’êl oder Rab’êl ist bisher nur bis zum J. 95 n. Chr. nachzuweisen (vgl. v. Gutschmid bei Euting Nabataeische Inschriften aus Arabien 1885, 86f.). Unsicher ist auch, ob die Einverleibung Arabiens im J. 105 oder 106 n. Chr. geschah. Nach dem Chron. Pasch. I 472, 8 begann die Provincialaera im J. 105; die inschriftlichen Datierungen führen aber im allgemeinen auf das J. 106. Da nun das arabische Jahr mit Frühlingsanfang begann, so hält Waddington den 22. März 106 n. Chr. für den Anfangstag der arabischen Aera (vgl. Kubitschek oben Bd. I S. 642).

Die Grenzen der neuen Provinz umfassten nicht das gesamte Gebiet des Nabataeerreiches, sondern wurden namentlich im Süden erheblich zurückgezogen, ein Teil im Norden (z. B. das Castell Dmer, CIL III 129) auch zu Syrien geschlagen. Jedenfalls gehörte im Nordosten das Castell Nemara (CIL III 111f. Le Bas III 2264. 2270f. 2279ff.) und im Süden Aila am roten Meere zur Provinz Arabien. Im Nordwesten war die Grenze so gezogen, dass von der sogenannten Decapolis nur Adraa (CIK VIII 7052) zu Arabien, die übrigen Städte (namentlich auch Gerasa und Philadelphia) zu Syrien gehörten (vgl. v. Rohden De Palaestina et Arabia 16 und die nebenstehende Skizze).

Entweder von Diocletian (so Waddington zu Le Bas III 2463. 2081) oder vielmehr schon von Septimius Severus (vgl. v. Rohden De Palaestina 17ff., wo zu den angeführten Gründen hinzuzufügen ist, dass nach CIL III 125 auch Zorava schon vor Diocletian zu Arabien gehört haben muss) wurde die Provinz Arabien nach Norden und Nordwesten hin erheblich vergrössert; namentlich kamen hinzu: Philadelphia, Gerasa, Dium, Canatha, Philippopolis, Phaina. Unter Diocletian war für kurze Zeit Arabien nach dem Veroneser Provinzenverzeichnis vom J. 297 (Seeck Notitia dignitatum p. 247) in Arabia (Provinz von Petra) und Arabia Augusta Libanensis (Provinz von Bostra) geteilt. Aber entweder schon von Diocletian selbst oder bald nach seiner Abdankung (anscheinend vor dem [360] J. 307, vgl. Eusebius de mart. Palaest. 7, 2ff. v. Rohden De Palaestina 20) wurde das Gebiet von Petra mit Palaestina vereinigt. Denn es steht nach dem unanfechtbaren Zeugnis des antiochenischen Rhetors Libanius (epist. 318. 324. 337), mit dem alle anderen Angaben übereinstimmen, unumstösslich fest, dass das Gebiet von Petra, als es um 358 n. Chr. selbständige Provinz wurde, nicht von Arabien, sondern von Palaestina abgetrennt wurde (vgl. v. Rohden De Palaestina 22ff.); es erhielt daher den Namen Palaestina (nicht Arabia) salutaris, während der einfache Name A. schon vorher auf die Provinz von Bostra beschränkt war.

Als Statthalter der Provinz A. wurde von Traian ein praetorischer Legatus Augusti pro praetore eingesetzt, der gleich nach seiner Verwaltung zum Consulat zu gelangen pflegte, so dass er häufig schon als Statthalter consul designatus heisst. Anfangs scheint er seinen Sitz in Petra gehabt zu haben (wenigstens ist dort einer begraben, CIL III 87, vgl. v. Rohden De Palaestina 49, 1), später aber (vielleicht seit Septimius Severus) war Bostra seine Residenz, wo auch von Anfang an (vgl. CIL III 89ff.) bis ins 5. Jhdt. hinein (Not. dign. p. 81 Seeck) die legio III Cyrenaica als Besatzung stand. Die Legati sind nachzuweisen bis zur Zeit des Gallienus (CIL III 89); bisher sind folgende bekannt: Fronto (Le Bas III 1907), ..inius Sextus Florentinus (CIL III 87 add. p. 968 = Le Bas III zu nr. 2349), L. Aemilius Carus (CIL VI 1333 = Dessau 1077, vgl. oben Bd. I S. 549), P. Aelius Severianus Maximus (CIL III 91 = Le Bas III 1493), ...us Antistius Adv[entus] (CIL III 92 add. p. 968 = Le Bas III 1944), P. Julius Geminius Marcianus im J. 169 n. Chr. (CIL VIII 7050ff. III 96 = Le Bas III 1945), [Er]ucius(?) Severus (CIL III 6028 = Le Bas III 2057 b. 2070 c), M. Caecilius Fuscianus Crepereianus Florianus (CIL III 93 = Le Bas III 1946), Q. Fl(avius) Balbus (CIL III 95 = Le Bas III 1942), P. Plotius Romanus [361] (CIL VI 332), Modestus(?) (Arch.-ep. Mitt. VIII 188 nr. 21). L. Marius Perpetuus (CIL III 1178), ...tianus im J. 209 n. Chr. (Le Bas III 2460), C. Allius Fuscianus (CIL III 118), Gellius (oder Arabianus oder Tuscus) im J. 217/18 n. Chr. (Hist. Aug. Diad. 8, 4, vgl. 9, 1), Pica Caerianus im J. 219 n. Chr. (Dio LXXIX 3, 4), Cl(audius) Sollemnius Pac[atianus] (CIL III 94 add. p. 968 = Le Bas III 1947f.), Pomponius Iulianus im J. 236 n. Chr. (CIG 4585 = Le Bas III 2399), Marc ... im J. 239 n. Chr. (CIG 4644 = Le Bas III 1908), Theophanes (CIL III 125), M. Aelius Aurelius Theo unter Valerianus und Gallienus (CIL III 89f. = Le Bas III 1949f.), [Viri]us Lupus um 277 n. Chr. (praes., Bull. com. 1887, 225 nr. 1935), M. Petrus im J. 278 n. Chr. (ἡγεμ., CIG III 4649 = Le Bas III 1909), Gallonianus (ὑπατικ., CIG III 4645 = Le Bas III 1911), Coc(ceius?) Rufi[nus] (ἡ[γε]μό[νος], Le Bas III 2070 e). Unter diesen Legaten fungierten Procuratoren, von denen wir nur zwei oder drei kennen: L. Didius Marinus (CIL III 249 = 6753 = Le Bas III 1794), C. Furius Sabinius Aquila Timesitheus (Henzen 5530 = Wilmanns 1293 = Dessau 1330) und vielleicht (Aurelius) Honoratus (CIL III 6034).

Von Diocletian oder Constantin, jedenfalls vor dem J. 346, scheint die Civilverwaltung einem Praeses (ἡγεμῶν), die Militärverwaltung einem Dux übertragen zu sein; aber schon im J. 392 begegnen wir wieder einem einzigen comes et dux (vgl. auch Not. dign. p. 2. 6. 80 Seeck), hundert Jahre später einem σχο(λαστικός) und ἡγεμῶν oder κομ., ἡγεμών καὶ σχο. Im J. 535 endlich war die Verwaltung wieder geteilt, zwischen einem dux und einem praeses oder corrector, dem im folgenden Jahre der Name moderator verliehen wurde (Iustin. nov. p. 115. 355 Zach. de Ling.). Aus dieser späteren Zeit sind mir nur folgende Beamten bekannt: Flavius Hierocles im J. 343 (Le Bas III 2034), Theodorus, Praeses im J. 346 (Cod. Th. IX 40, 4 = Cod. Iust. IX 47, 18), Fl(avius) Salvinianus, Dux im J. 351 (Le Bas III 2194), Sabinianus, ἡγεμών um 355 (CIG 8606 = Le Bas III 1912), Belaeus (Liban. epist. 672 b, vgl. 1182. 1105. 659. 686), Maximus (Lib. ep. 323), Modestus (Lib. ep. 1099), Harmonius (Lib. ep. 1302), F(lavius) Bonus, κόμ. καὶ δούξ im J. 392 (Le Bas III 2293 a), Fl(avius) Arcadius Alexander, σχο. καὶ ἡγεμών im J. 488 (CIG IV 8663 = Le Bas III 1913), Hesychius, κομ., ἡγεμών καὶ σχο. im J. 490 (Revue arch. 1884, 274 nr. 24).

Inschriften: CIL III 86–114. 6027–6033; Suppl. 6637. CIG III 4667–4669 add. p. 1183f. Le Bas III 1906–2548. Münzen: Eckhel III 499–505. Litteratur: Bormann De Syriae provinciae Romanae partibus, Berl. Diss. 1865. Sievers Das Leben des Libanius, Berl. 1868, Beilage L. Nöldeke Herm. X 1876, 163–170. Kuhn Jahrb. f. Phil. 1877, 697–719. Czwalina Über das Verzeichnis der römischen Provinzen vom J. 297, Wesel Progr. 1881. Marquardt St.-V. I² 431–434. Mommsen Röm. Gesch. V 476–486. P. v. Rohden De Palaestina et Arabia provinciis Romanis, Berl. Diss. 1885. Liebenam Forschungen zur Verwaltungsgesch. 1888, 42ff. Ohnesorge Die römische Provinz-Liste von 297, Duisb. Progr. 1889, vgl. P. v. Rohden Berl. Phil. Wochenschr. [362] 1889, 1561–1564. Ruggiero Dizionario epigrafico I 1890, 607–609.

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S. 346, 29 zum Art. Arabia Nr. 1:

Besonders zu erwähnen die auf Poseidonios zurückgehende ausgezeichnete Schilderung bei Diodor. II 48–53, worauf Oder Ein angebl. Bruchstück Demokrits, Philol. Suppl. VII 324–326 hingewiesen hat.

[Knaack. ]
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Arabia

1) Das Land Arabien. (L) S I.

Anmerkungen

  1. Beim Sammeln und Excerpieren der griechischen und römischen Schriftsteller, besonders der vereinzelten und zerstreuten Stellen, hat mich Dr. J. Tkač in dankenswerter Weise unterstützt.