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RE:Anatolius 1

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Azutrio, aus Berytus; Jurist und praefectus praetorio
Band I,2 (1894) S. 2071 (IA)–2072 (IA)
GND: 102409307
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Anatolius. 1) A. mit dem Spitznamen Azutrio aus Berytus (Eun. vit. soph. 85. Lib. ep. 342. 1242. 1280), Vater des Anatolius (s. Nr. 7), Apollinaris und Gemellus (Sievers Libanius 238), bildete sich in seiner Vaterstadt zum Juristen und ging, nachdem er sich zeitweilig auch in Antiochia aufgehalten hatte (Lib. ep. 1280; vgl. 342), nach Rom, verliess es aber wieder, um am Hofe ein Amt zu suchen (Eun. a. O. Lib. ep. 1201). Er wurde Consularis Syriae (Lib. ep. 314), war im J. 339 Vicarius Asiae (Cod. Theod. XI 30, 19. XII 1, 28), erlangte spätestens 349 die Praefectur von Italien, Illyricum und Africa (Cod. Theod. XII 1, 39; die Datierung von XII 1, 38 ist zweifelhaft. Amm. XIX 11, 2. Eun. a. O. Phot. bibl. p. 375b 10 Bekker. Vict. Caes. 13, 6. Lib. ep. 317. 342. 351. 365. 394 a. 449. 463. 466. 490. 494 a) und bekleidete sie, obgleich zeitweilig von seinem Rücktritt die Rede war (Lib. ep. 79. 394 a. 423. 426. 478), bis zu seinem Tode im J. 360 oder 361 (Amm. XXI 6, 5). Er wusste sich im Amte zu bereichern und allen seinen Angehörigen Stellungen zu verschaffen (Lib. ep. 18), hielt aber die Gesetze auch mächtigen Sündern gegenüber mit Strenge aufrecht (Lib. ep. 423. 466. 478), erleichterte den Unterthanen die Lasten des Postwesens (Vict. Caes. 13, 6) und sorgte mit Geschick für die Verpflegung der Heere, welche gegen die Donaubarbaren kämpften (Amm. XIX 11, 2; vgl. Lib. ep. 18). Er gehörte zu jenen feingebildeten Heiden, welche an den Leistungen der Rhetorik den lebhaftesten Anteil nahmen, obgleich er das Treiben der Sophisten mitunter derb verspottete (Eun. vit. soph. 86. Lib. ep. 18. 78. 317. 394 a. 466. 494 a). Er veranstaltete rhetorische Wettkämpfe in Griechenland (Eun. a. O.) und liess sich von Himerius eine Declamation widmen (Phot. cod. 243 p. 375). Libanius, der ihn sich in Constantinopel verpflichtet hatte (ep. 466), schätzte er sehr hoch (ep. 78. 394 a. 423. 449. 466. 478. 490. 494 a. 1242), obgleich er ihm die Bitte um einen Titel abschlug (ep. 18). Er besuchte ihn in Antiochia (ep. 298. 314. 394 a), vertraute ihm seine Söhne Apollinaris und Gemellus zum Unterricht (ep. 211; vgl. 306 u. 307. 551 u. 552) und liess sich sehr grobe Briefe von ihm mit gutem Humor gefallen (ep. 18. 78. 79. 211. 317. 336. 351. 494 a. 498). Falls er mit dem Geoponiker Vindanius A. identisch ist, wofür die gleiche Vaterstadt spricht (s. u. Nr. 14), war er auch [2072] selbst litterarisch thätig. An ihn gerichtet Lib. ep. 18. 78. 79. 211. 298. 306. 314. 317. 336. 342. 351. 365. 366. 394 a. 423. 426. 436. 449. 463. 466. 478. 490. 494 a. 498. 551. 1201. 1242. 1280; erwähnt ep. 587. 588. 978; or. I 430 Reiske.

[Seeck. ]