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Märkische Reime (Fontane)

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Textdaten
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Autor: Theodor Fontane
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Titel: Märkische Reime
Untertitel:
aus: Gedichte, Seite 291–294
Herausgeber:
Auflage: 10. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1905
Verlag: J. G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Stuttgart und Berlin
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans auf Commons
Kurzbeschreibung:
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[291]
Märkische Reime.


1.
Gruß.

Blaue Havel, Grunewald,
Grüß’ mir alle beide,
Grüß’ und sag’ ich käme bald,
Und die Tegler Haide.


2.
Vom Fehrbelliner Schlachtfeld.

Blumen, o Freundin, Dir mitzubringen
Von diesem Feld, es wollt’ nicht gelingen.

Hafer nur, soweit ich sah,
Hafer, Hafer nur war da.

5
Märkische Rosse gewannen die Schlacht,

Haben das Feld berühmt gemacht.

Und das Feld, es zahlt mit Glück
Alte Schulden in Hafer zurück.


3.
Adlig Begräbniß.

Ein Zugwind ging durch die Stuben,
Aufstanden Hall und Thor,
Als die Mittelmärk’schen begruben
Ihren alten Otto von Rohr.

[292]
5
Sechs Rohrsche Vettern ihn tragen,

Sechs andre nebenher,
Dann folgen drei von der Hagen
Und drei von Häseler.

Ein Ribbeck, ein Stechow, ein Ziethen,

10
Ein Rathenow, ein Quast,

Vorüber an Scheunen und Miethen,
Auf den Schultern schwankt die Last.

Um den Kirchhof her ein Blitzen
Von Herbstessonnenschein,

15
Die rothen Berberitzen

Hängen über Mauer und Stein.

Eine dreizehner Landwehrfahne
Der alte von Bredow trug,
Und Hans Rochow von Rekahne

20
Schloß ab den Trauerzug.


4.
Siegesbotschaft.
(Am Abend des 18. April 64.)

Tanz
Ist heut im Kruge zu Vehlefanz.

Oben, auf rothgestrichner Empore,
Sitzt die Musik in vollem Chore:

5
Klarinette, Geigen, Contrebaß

Und vor jedem ein Pult und ein Weißbierglas.
Und unten drehn sich, in Schottschem und Walzer,
Die Paare, dazwischen ein Juchzer, ein Schnalzer,

[293]
Und Zug und Hitze und blakende Lichter,
10
Am Fenster neugierige Kindergesichter,

Ein Rempeln und Rennen, ein Stoßen und Stemmen,
Und mit eins: „Da kommt ja der Neumann aus Cremmen …
Der Laatsche-Neumann. Was will den der?
Laatsche-Neumann, hierher, hierher,

15
Er bringt was, stillgestanden, stramm,

Ich wett’, er bringt ein Telegramm.“
Und Neumann, plötzlich steht er oben,
Sie haben ihn auf den Tisch gehoben.

„Lesen …“

20
 „Muß erst zu Puste kommen …“

„Lesen …“
 „Düppel ist genommen;
Wir Schanze fünf, Garde Schanze sieben,
Feldwebel Probst beim Sturme geblieben.

25
Verluste wenig. Danske viel …“

Alles sich in die Arme fiel,
Und zu wissen, wie’s eigentlich gewesen,
Muß Neumann es immer wieder lesen.

Dem aber will es nicht mehr zu Sinn.

30
„Vehlefanzer, wo denkt ihr hin,

Habe noch andre gute Bekannte …“

„Welche denn, welche?“
 „Muß noch nach Schwante.“

„Schwante, die lumpigen tausend Schritt,

35
Hurrah, Neumann, da kommen wir mit.“


[294]
Und hinein in die laue Frühlingsnacht,

Ganz Vehlefanz hat sich aufgemacht.
Neumann laatscht nach.

 Schwante lag schon in Schlaf,

40
Als aber die Siegesbotschaft es traf,

Ward’s wach.

 Der Mond am Himmel stand
Und in Jubel stand das Havelland.