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Hilfe in der Not

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Textdaten
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Autor: unbekannt
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Titel: Hilfe in der Not
Untertitel:
aus: Chinesische Volksmärchen, S. 153–161
Herausgeber: Richard Wilhelm
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1914
Verlag: Eugen Diederichs
Drucker: Spamer, Leipzig
Erscheinungsort: Jena
Übersetzer: Richard Wilhelm
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Commons
Kurzbeschreibung:
E-Text nach Digitale Bibliothek Band 157: Märchen der Welt
Eintrag in der GND: [1]
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Bearbeitungsstand
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[153]
54. Hilfe in der Not

Zwanzig Meilen östlich von Gingdschou ist der Mädchensee. Er hat einige Meilen im Geviert. Er ist von dichtem, grünem Gebüsch und hohen Wäldern rings umgeben. Sein Wasser ist klar und tiefblau. Oft zeigt sich darin allerlei Wundergetier. Die Leute der Umgegend haben dort einen Tempel errichtet für die Drachenprinzessin. In dürren Zeiten wallfahrten sie alle dahin, um zu beten.

Westlich von Gingdschou, zweihundert Meilen weit, ist ebenfalls ein See, dessen Gott Tschauna heißt und viele Wunder wirkt. Zur Tang-Zeit war in Gingdschou ein Beamter namens Dschou Bau. In seiner Amtszeit begab es sich, daß im fünften Monat plötzlich Wolken sich erhoben, die sich wie Berge auftürmten, und zwischen denen Drachen und Schlangen sich wanden; die fluteten hin und her zwischen den beiden Seen. Sturm und Regen, Donner [154] und Blitz erhoben sich, also daß Häuser einfielen und Bäume entwurzelt wurden. Auch wurden Menschen getötet und am Getreide großer Schaden angerichtet. Dschou Bau nahm die Schuld auf sich und betete zum Himmel um Verzeihung für das Volk.

Am fünften Tage des sechsten Monats saß er in seinem Rathaus und sprach Recht. Da fühlte er sich plötzlich müd und schläfrig. Er nahm den Hut ab und legte sich aufs Kissen. Kaum hatte er die Augen geschlossen, da sah er einen Krieger in Helm und Panzer mit einer Hellebarde in der Hand vor den Stufen des Saales stehen, der meldete: „Eine Dame ist draußen, die einzutreten wünscht.“ Dschou Bau befragte ihn: „Wer bist du denn?“ Die Antwort war: „Ich bin Euer Torwart. In der unsichtbaren Welt pflege ich dieses Dienstes schon viele Jahre.“ Unterdessen kamen zwei Grünröcke die Stufen herauf, knieten vor ihm nieder und sprachen: „Unsere Herrin ist gekommen, Euch zu besuchen.“ Dschou Bau erhob sich. Da sah er liebliche Wolken, aus denen feiner Regen herunterrieselte, und ein fremder Duft bezauberte ihn. Plötzlich sah er eine Frau in einfachem Gewand, aber von ausnehmender Schönheit aus der Höhe herniederschweben mit einem Gefolge von vielen Dienerinnen. Sie alle waren reinlich und schmuck und dienten der Frau wie einer Prinzessin. Als sie in den Saal trat, erhob sie die Arme zum Gruß. Dschou Bau trat ihr entgegen und lud sie zum Sitzen ein. Von allen Seiten strömten farbige Wolken heran, und purpurner Äther erfüllte den Hof. Dschou Bau ließ Wein und Speisen auftragen und bewirtete sie aufs prächtigste. Die Göttin aber saß mit gerunzelten Brauen starr blickend da und sah recht traurig aus. Dann erhob sie sich, trat vor ihn hin und sagte errötend: „Ich wohne hier in der Nähe seit vielen Jahren. Unbill, die mir widerfahren ist, läßt mich die Schranken des Ziemlichen überschreiten und gibt mir den Mut, Euch eine Bitte vorzutragen. Doch weiß ich nicht, ob Ihr mich retten wollt.“

[155] „Darf ich hören, worum es sich handelt“, antwortete Dschou Bau. „Ich stehe Euch, wenn ich helfen kann, gerne zur Verfügung.“

Die Göttin sprach: „Mein Geschlecht wohnt seit Jahrhunderten in der Tiefe des Ostmeers. Da traf uns das Unglück, daß unsere Schätze den Neid der Menschen erregten. So Pi-Los Ahn hat unsern Stamm durch Feuer fast gänzlich ausgerottet. Unsere Vorfahren mußten flüchten und sich verbergen, von einer Rache konnte keine Rede sein. Vor kurzem hat noch dazuhin unser Feind So Pi-Lo selbst einen kaiserlichen Brief in der Höhle des Dungting-Sees abgeben wollen. Unter dem Vorwand, Perlen und Schätze zu erbitten, wollte er in das Drachenschloß eindringen und unsern Stamm ausrotten. Zum Glück hat ein Weiser seine verräterische Absicht erkannt und ihn verhindert, hinzugehen. Statt seiner wurden Lo Dsï-Tschun und seine Brüder ausgesandt. Dennoch fühlen sich die Unsern vor künftigem Schaden nicht sicher. Darum verzogen sie zum fernen Westen. Mein Vater hat sich viel Verdienste um die Menschen erworben und ist dort hochgeehrt. Ich bin seine neunte Tochter. Mit sechzehn Jahren ward ich dem jüngsten Sohn des Felsdrachens vermählt. Mein guter Mann war hitzigen Wesens; darum verstieß er öfters gegen gute Sitte, und ehe ich ein Jahr mit ihm zusammen wohnte, traf ihn des Himmels Strafe. Einsam blieb ich übrig und kehrte in mein Elternhaus zurück. Mein Vater wollte mich zum zweiten Male verheiraten; doch ich wollte meinem Gatten die Treue wahren und tat einen Schwur, meinem Vater nicht zu folgen. Die Eltern wurden böse, und ich mußte mich vor ihrem Groll hierher zurückziehen. Drei Jahre sind es her. Wer konnte denken, daß der gemeine Drache Tschauna, der für seinen jüngsten Bruder eine Gattin suchte, mir mit Gewalt die Hochzeitsgabe überbrachte. Ich sträubte mich, sie anzunehmen; aber Tschauna wußte sich bei meinem Vater wohl dranzumachen und war entschlossen, sein Vorhaben [156] auszuführen. Mein Vater, unbekümmert, ob ich wollte oder nicht, sprach mich ihm zu. Nun kam der Drache Tschauna mit seinem jüngsten Bruder und wollte mich mit Waffengewalt entführen. Ich trat mit meinen fünfzig Getreuen ihm entgegen, und wir kämpften auf dem Anger vor der Stadt. Wir wurden besiegt, und ich fürchte, daß der Bube mir Schande antun wird, so daß ich mich vor meinem verstorbenen Gatten nicht mehr sehen lassen könnte. Darum habe ich ein Herz gefaßt, Euch anzuflehen, ob Ihr mir Söldner leihen wollt, die Feinde abzuwehren, um meinen Witwenstand zu wahren. Wenn Ihr mir helft, so will ich Euch bis ans Ende der Tage dankbar sein.“

Dschou Bau erwiderte: „Ihr seid von einem edlen Stamme; habt Ihr denn keine Anverwandten, die Euch in Eurer Not zu Hilfe eilen, daß Ihr an einen sterblichen Menschen Euch wenden müßt?“

„Wohl ist mein Stamm berühmt und zahlreich. Wenn ich ihnen Briefe schickte und sie zu Hilfe kämen, so würden sie den Tschauna, diese Schuppe, zerreiben, wie man Knoblauch reibt. Doch hat mein verstorbener Gatte sich gegen den Himmel versündigt, und noch ward ihm Verzeihung nicht zuteil. Auch steht der Wille meiner Eltern mir entgegen, so daß ich mich an meine Sippe um Hilfe nicht wenden kann. Ihr werdet meine Not verstehen.“ Da sagte Dschou Bau ihr seine Hilfe zu, und die Prinzessin dankte und nahm Abschied.

Als er erwachte, seufzte er lange noch ob des seltsamen Erlebnisses. Am andern Tage sandte er fünfzehnhundert Soldaten ab, am Mädchensee die Wacht zu halten.

Am siebenten Tage des sechsten Monats stand Dschou Bau frühe auf. Es war noch dunkel vor den Fenstern; doch kam es ihm vor, als sähe er einen Mann vor dem Vorhang stehen. Er fragte, wer er sei. Der sprach: „Ich bin der Ratgeber der Prinzessin. Gestern hattet Ihr die Güte, Soldaten uns zu schicken, um uns aus unserer Not zu retten. Doch [157] sind das alles lebende Menschen. Sie können nicht mit Unsichtbaren fechten. Ihr müßt uns verstorbene Soldaten schicken, dann erst ist uns geholfen.“

Dschou Bau besann sich eine Weile, dann fiel ihm ein: „Natürlich ist es so.“ So ließ er den Feldschreiber in den Listen nachsehen, wieviele von seinen Soldaten im Kampfe gefallen waren. Man zählte zweitausend Mann Fußtruppen und fünfhundert Reiter. Er ernannte einen verstorbenen Offizier Mong Yüan zum Anführer, schrieb den Befehl auf ein Papier, das er verbrannte, um sie auf diese Weise der Prinzessin zur Verfügung zu stellen. Die lebenden Soldaten rief er zurück. Als er im Hofe sie nach ihrer Rückkehr musterte, fiel ein Soldat plötzlich bewußtlos nieder. Am andern Morgen in der Frühe kam er erst wieder zu sich. Man fragte ihn, und er erwiderte: „Ich sah einen Mann in roter Kleidung auf mich zukommen, der sprach zu mir: ‚Unsere Prinzessin ist für die gütige Hilfe Eures Herrn dankbar. Doch hat sie noch eine Bitte; darum soll ich Euch rufen.‘ Ich folgte ihm bis zu dem Tempel. Die Prinzessin hieß mich vortreten und sagte zu mir: ‚Ich bin Eurem Herrn für die Entsendung der Geistersoldaten von Herzen dankbar. Nur der Anführer Mong Yüan ist nicht tüchtig. Die Räuber kamen gestern mit dreitausend Leuten, und Mong Yüan wurde von ihnen geschlagen. Wenn Ihr zurückkommt und Euren Herrn seht, so saget zu ihm, ich lasse ihn sehr bitten, einen tüchtigen Führer zu senden. Vielleicht kann mir dann geholfen werden.‘ Darauf ließ sie mich zurückbringen, und ich kam wieder zu mir.“

Als Dschou Bau diese Worte vernommen hatte, die mit seinem Traume merkwürdig zusammentrafen, da wollte er einen Versuch machen, ob die Sache stimme. Darum wählte er seinen siegreichen Feldherrn Dschong Tschong-Fu aus, an die Stelle des Mong Yüan zu treten. Am Abend zündete er Weihrauch an, spendete Wein und übergab die Seele dieses Feldherrn der Prinzessin.

[158] Am sechsundzwanzigsten des Monats kam aus dem Lager des Feldherrn die Nachricht, daß er am dreizehnten um Mitternacht plötzlich verschieden sei. Dschou Bau erschrak und sandte einen Mann, nach ihm zu sehen. Der berichtete, daß die Herzgrube des Verstorbenen noch nicht kalt sei. Auch sei der Leichnam trotz des heißen Sommerwetters von allen Spuren der Verwesung frei. So gab er den Befehl, ihn nicht zu bestatten.

Eines Nachts erhob sich nun ein eisiger Geisterwind, der Sand und Steine aufwirbelte, Bäume zerbrach und Häuser einwarf. Das Korn des Feldes wurde alles umgeweht. Den ganzen Tag hörte es nicht auf. Schließlich ertönte krachend ein Donnerschlag, der Himmel wurde wieder klar, die Wolken zerstreuten sich. Um diese Stunde begann der tote Feldherr röchelnd auf dem Bett zu atmen, und als die Seinen nach ihm schauten, da war er zum Leben zurückgekehrt.

Sie fragten ihn nun aus, und er erzählte: „Erst sah ich einen Mann in purpurnem Gewand auf schwarzem Pferd, der mit großem Gefolge herbeikam. Vor der Tür stieg er ab. Er hielt in der Hand eine Ernennungsurkunde und gab sie mir, indem er sprach: ‚Unsere Prinzessin bittet Euch ehrerbietig, ihr Feldherr zu werden. Ich hoffe, Ihr lehnt nicht ab.‘ Dann tat er Geschenke hervor und häufte sie vor der Treppe auf. Jaspis, Brokat und seidene Kleider, Sättel, Pferde, Helme und Panzer türmte er im Hofe auf. Ich wollte ablehnen; aber er ließ es nicht zu und drängte mich, mit ihm einen Wagen zu besteigen. Wir fuhren hundert Meilen weit, da kam ein Zug von dreihundert gepanzerten Reitern, mich einzuholen. Sie führten mich nach einer großen Stadt. Vor der Stadt war ein Zelt errichtet, in dem eine Musikbande spielte. Ein hoher Beamter kredenzte mir Wein zum Willkomm. Als ich die Stadt betrat, da standen die Zuschauenden wie Mauern gedrängt, Diener liefen ab und zu und überbrachten Befehle. Es ging wohl durch ein Dutzend Tore, bis wir an [159] ein Schloß kamen. Dort ward ich gebeten, abzusteigen und die Kleider zu wechseln, um vor die Prinzessin zu treten. Die Prinzessin wollte mich als ihren Gast empfangen. Ich hielt die Ehre für zu hoch und begrüßte sie unten an den Stufen. Sie aber lud mich ein, bei ihr im Saale Platz zu nehmen. Aufrecht saß sie da von unvergleichlicher Schönheit, umgeben von geschminkten Dienerinnen in reichem Schmuck. Sie schlugen die Saiten und bliesen auf Flöten. Eine Schar von Dienern stand umher mit goldenen Gürteln und purpurnen Quasten, der Befehle gewärtig. Unzählbare Scharen standen vor dem Palast. Fünf, sechs Besucherinnen saßen im Kreise um die Prinzessin, und ein Feldherr führte mich auf meinen Platz. Die Prinzessin sprach zu mir: ‚Ich habe Euch hergebeten, um Euch die Führung meines Heeres zu übergeben. Wenn Ihr die Kraft meines Feindes brecht, will ich Euch reichlich belohnen.‘ Ich sagte Gehorsam zu. Da wurde Wein herbeigeschafft und unter den Klängen der Musik das Mahl aufgetragen. Unter dem Essen kam ein Bote: ‚Der Räuber Tschauna ist mit Zehntausenden zu Fuß und zu Pferd in unserm Lande eingebrochen und naht sich auf verschiedenen Straßen unserer Stadt. Rauch und Feuersäulen zeichnen seinen Weg.‘ Die Gäste alle entfärbten sich vor Schreck, als sie die Nachricht hörten. Und die Prinzessin sprach: ‚Das ist der Feind, um dessentwillen ich Euch gebeten. Rettet mich aus meiner Not!‘ Dann gab sie mir zwei Schlachtrosse, einen goldenen Panzer und die Abzeichen des Feldherrn und verneigte sich vor mir. Dankend ging ich von ihr, berief die Führer, ließ das Heer antreten und zog vor die Stadt. An einigen entscheidenden Punkten legte ich Truppen in den Hinterhalt. Schon nahte sich der Feind mit großer Macht, unbesorgt und leichten Sinns, berauscht von seinen früheren Siegen. Ich schickte erst die untüchtigsten meiner Soldaten voran, die sich schlagen ließen, um ihn heranzulocken. Leichtbewaffnete traten ihm dann entgegen und zogen sich plänkelnd vor [160] ihm zurück. So fiel er in den Hinterhalt. Pauken und Trommeln ertönten zugleich. Von allen Seiten schloß sich der Kreis, und das Heer der Räuber erlitt eine große Niederlage. Wie Hanfstengel lagen die Toten umher; doch gelang es dem kleinen Tschauna, durchzubrechen. Ich schickte leichte Reiterei ihm nach, die ihn vor dem feindlichen Feldherrnzelt ergriff. Eiligst sandte ich der Prinzessin Nachricht. Vor ihrem Palaste nahm sie die Gefangenen entgegen. Alles Volk, hoch und niedrig, strömte herbei, ihr Glück zu wünschen. Der kleine Tschauna sollte auf dem Markte hingerichtet werden. Da kam unversehens ein reitender Bote daher mit einem Befehl vom Vater der Prinzessin, man solle ihm verzeihen. Die Prinzessin wagte nicht, den Gehorsam zu weigern. So entließ sie ihn in seine Heimat, nachdem er vorher feierlich allen frevlen Gedanken abgeschworen hatte. Ich wurde für meinen Sieg mit Gnaden überhäuft. Ein Lehensgut mit dreitausend Bauern wurde mir zugewiesen. Ich erhielt einen Palast, Wagen und Pferde, alle Arten von Kleinodien, Knechte und Mägde, Gärten und Wälder, Fahnen und Rüstungen. Und auch die Unterführer wurden nach Verdienst belohnt. Am andern Tage ward ein Festmahl gehalten, zu dem auch die edlen Frauen, die auf Besuch waren, sich einfanden. Bis tief in die Nacht dauerte das Trinkgelage. Die Prinzessin füllte eigenhändig ihren kostbaren Becher, ließ ihn durch eine Dienerin mir überbringen und sprach zu mir: ‚Frühe verwitwet, widersetzte ich mich dem Willen meines strengen Vaters und floh vor ihm an diesen Ort. Da bedrängte mich der Schurke Tschauna und hätte beinahe Schmach und Schande über mich gebracht. Wenn nicht Eures Herrn große Güte und Eure Tapferkeit mir zu Hilfe gekommen wären, so wäre mir das Los jener Königstochter zugefallen, die, gewaltsam zum Weibe genommen, stumm blieb bis an ihr Lebensende.‘ Dann fing sie an sich zu bedanken, und vor Rührung rollten ihr reichliche Tränen nieder. Ich verneigte mich [161] vor ihr und bat um Urlaub, um nach den Meinen zu sehen. Ein Monat ward mir gewährt. Am andern Tage entließ sie mich mit einem reichen Gefolge. Vor der Stadt war ein Pavillon errichtet, um mir den Abschiedstrunk darzubringen. So ritt ich weg, und als ich vor unserem Tore ankam, ertönte krachend ein Donnerschlag, und ich erwachte.“

Darauf schrieb der Feldherr einen Bericht an Dschou Bau, in dem er den Dank der Prinzessin übermittelte. Er kümmerte sich von da ab nicht mehr um die Weltgeschäfte, sondern bestellte sein Haus und übergab es seiner Frau und seinem Sohn. Als ein Monat vorüber war, starb er ohne Krankheit.

An jenem Tage war einer seiner Offiziere unterwegs. Plötzlich sah er, wie eine dichte Staubwolke aufwirbelte und Flaggen und Fahnen die Sonne verdunkelten. Tausend Ritter gaben einem Manne das Geleite, der stolz und heldenhaft zu Pferde saß. Als er ihm ins Gesicht sah, war es der Feldherr Dschong Tschong-Fu. Eilig trat er an den Rand der Straße, um Platz zu machen, da sah er den Zug vorüberreiten. Sie ritten nach dem Mädchensee, wo sie verschwanden.

Anmerkungen des Übersetzers

[398] 54. Hilfe in der Not.

„Dschou Bau nahm die Schuld auf sich“: Der Beamte ist für das Ergehen in seinem Bezirk verantwortlich, wie der Kaiser für das des ganzen Reichs. Da außerordentliche Naturereignisse eine Strafe des Himmels sind, liegt, wo sie vorkommen, eine Schuld der Menschen vor. Dieser Gedankengang vereinigt sich aber sehr wohl damit, daß, wie im vorliegenden Fall, Uneinigkeiten unter den Luftgeistern zu dem Unglück geführt; denn wo in der Menschenwelt starke Tugend herrscht, sind die Geister an solchem Gebahren gehindert.

„Pauken und Trommeln ertönten zugleich“, wörtlich: Pauken und Becken .... Pauken gaben das Zeichen zum Vorrücken, Becken zum Rückzug. Das gleichzeitige Ertönen beider Signale sollte das feindliche Heer verwirren.