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Hermann, schla Lärm an etc.

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Textdaten
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Titel: „Hermann, schla Lärm an etc.“
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 10, S. 172
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1876
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[172] „Hermann, schla Lärm an etc.“ Auf die Frage nach Alter und Herkunft dieses Volksliedchens sind zwölf Antworten eingegangen. Zwei derselben sind geneigt, den Ursprung des Liedes bis auf Armin, den Cherusker, zurückzuleiten; von den übrigen stimmt die Mehrzahl in der Ansicht überein, daß dieses Volks- und jetzt Kinderspielliedchen weit späteren Ursprungs und höchstens auf die Zerstörung der Irmensäule durch Kaiser Karl den Großen zurückzuführen sei. Anderen geht auch dieses noch zu weit. K. Aue in Weimar wiederholt den schon mehrfach von ihm gebrachten Nachweis, daß erst um die Mitte des sechszehnten Jahrhunderts die Namen Armin und Hermann für gleichbedeutend angenommen worden seien, und daß also auch das Lied selbst nicht älter sein könne. Ein Anderer macht auf den Umstand aufmerksam, daß die Trommeln erst durch die Kreuzzüge nach Europa gekommen seien, was ebenfalls Beachtung verdient. Wir stimmen vollkommen dem bei, was „ein Westfale“, Fr. Br. zu Mühlhausen in Thüringen, darüber mittheilt und das wir hier folgen lassen:

„Zwar bemerkt Tacitus bei Gelegenheit der Lebensbeschreibung Armin’s ausdrücklich: ‚noch wird er besungen in Liedern seines Volkes‘, dennoch ist es sehr unwahrscheinlich, daß die in Frage stehenden Verse: ‚Hermann, schla Lärm an! etc.‘ ursprünglich zur Verherrlichung dieses Volkshelden gedichtet und gesungen wurden.

Zu dieser Behauptung werden wir durch eine Erklärung Grimm’s geführt, die er über denselben Reim giebt, den er jedoch in der Form, wie er noch heute in einigen Gegenden Westfalens und Hessens im Munde des Volkes lebt, mittheilt:

Hermen, sla Dermen,
Sla Pipen, sla Trummen,
De Kaiser will kummen
Met Hamer un Stangen
Will Hermen uphangen.

‚Nicht unmöglich,‘ spricht dieser gründliche Kenner unseres deutschen Alterthums, ‚daß sich in diesen, durch die lange Tradition der Jahrhunderte gegangenen und wahrscheinlich entstellten Worten Ueberreste eines Liedes erhalten haben, das zu der Zeit erscholl, als Karl die Irmensäule zerstörte. Auf den noch älteren Arminius und die Römer lassen sie sich viel weniger deuten.‘

Die fraglichen Verse möchten in ihrer jetzigen Gestalt also wohl erst in jüngster Zeit aus jenem Liede entstanden sein, da das Volk, dem das richtige Verständniß desselben im Laufe der Jahrhunderte verloren gegangen war, es sich durch Verwandlung des Ermen in den bekannteren Hermann mundgerecht machte und den jetzt untergeschobenen Grundgedanken durch willkürliche Hinzufügung des letzteren Verses weiter ausführte.“