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Der Kampf mit dem Wilderer

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Textdaten
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Titel: Der Kampf mit dem Wilderer
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 10, S. 169, 172
Herausgeber: Ernst Keil
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Erscheinungsdatum: 1876
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[169]

Kampf mit dem Wilderer.
Ein Winterbild von A. Franck in München.

[172] Der Kampf mit dem Wilderer. (Abbildung Seite 169.) Nichts weniger als gemüthserquickend ist der Anblick der zwei Ringer, welche A. Franck dieser Winterlandschaft zur Staffage giebt, aber wenn er einen der schroffsten Contraste, die das Natur- und Menschenleben bietet, darstellen wollte, so ist ihm dies in hohem Grade gelungen. Des Künstlers Meisterschaft in der Wiedergabe der Schnee- und Eisduftwirkung hat sich hier abermals auf das Glänzendste bewährt. Aus dem hochstämmigen Wald athmet uns die frische Winterluft entgegen; wir waten im Schneegestöber auf dem Waldpfade dahin und können uns an den beschneiten Tannen und Sträuchern nicht satt sehen. Und so geräuschlos treibt selbst der schärfere Wind die Flocken daher, so lauschend still ist rings die ganze in feierlichem Schmuck des blüthenweißen Gewandes prangende Natur, daß es uns selbst ganz feierlich zu Muthe wird. – Da kreischt mitten in diese heilige Stille plötzlich der Wuthschrei zweier Männer, die wilder als reißende Thiere um das Leben kämpfen. Der Forstwart hat den Wildschütz auf frischer That ergriffen; die Jagdbeute liegt noch am Boden. Der Kampf ist entsetzlich; das furchtbare Ringen in der tiefen weiten Waldeinsamkeit – wie wird es enden? Wird der Mann des Gesetzes siegen oder wird der Wilderer ein zweites und das schwerste Verbrechen begehen, das der Schnee bedeckt, bis der kommende Lenz die Decke von dem geheimen Mord hebt? Oder naht bereits ein Warner für Beide, der beider Hände vor vergossenem Menschenblut bewahrt? Jedenfalls hat die Kunst hier ihre Kraft gezeigt, das Herz mächtig zu ergreifen, aber diesmal nicht, um es zu erheben, sondern um es mit dem Fingerzeig, zu was Allem der Mensch fähig sei, niederzudrücken bis zum demüthigsten Gefühl der menschlichen Schwachheit.