Zum Inhalt springen

General Baldissera

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Textdaten
<<< >>>
Autor:
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: General Baldissera
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 13, S. 220_a
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1896
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite

[220] General Baldissera. An die Spitze des tapferen, aber vom Schlachtenglück nicht begünstigten italienischen Heeres in Abessinien ist General Baldissera getreten. Ob es ihm gelingen wird, die Fehler seines Vorgängers Baratieri wieder gut zu machen und die Scharte von Adua auszuwetzen? Man hofft es; denn Baldissera hat sich auf Afrikas Boden in der Erythräischen Kolonie bereits einmal als Krieger und Diplomat bewährt. Anton Baldissera steht gegenwärtig im 58. Lebensjahre, 1838 ist er als Sohn eines österreichischen Statthaltereirates in Udine geboren, zu Wiener-Neustadt erhielt er seine militärische Erziehung und diente bei dem 59. Infanterieregiment. Im österreichischen Heere machte er 1859 den Feldzug gegen Italien mit, kämpfte mit Auszeichnung und wurde zum Hauptmann im Generalstabe befördert. Auch in dem Kriege von 1866 zeichnete er sich in der Schlacht bei Custozza aus. Nach erfolgtem Friedensschluß verließ Baldissera die österreichischen Fahnen, denen er bis dahin treu gedient hatte, und trat in die italienische Armee ein. Der Hauptmann rückte hier langsam in höhere Stellungen empor, bis er im Jahre 1889 die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich lenkte. Als Generalmajor erhielt er die Führung der Expedition nach Massaua. Während Baldissera als Befehlshaber in der Kolonie wirkte, gelang es den Italienern, die ersten Erfolge auf dem abessinischen Hochlande zu erzielen. Baldissera gebührt auch das Verdienst, die eingeborenen Truppen, die ursprünglich ein zuchtloses Gesindel bildeten, in eine brauchbare Miliz verwandelt zu haben. Leider wurde er nach kurzer Wirksamkeit abberufen, weil die öffentliche Meinung über Ausschreitungen oder zu strenges Vorgehen seiner Untergebenen entrüstet war. Nach seiner Rückkehr in die Heimat wirkte Baldissera als Brigadier in Calabrien, war später Divisionär in Bari und wurde 1893 zum Generallieutenant befördert.

General Baldissera.

Baldissera ist tapfer, aber kühl in seinem Wollen und nicht nur ein kluger Heerführer, sondern auch ein gewandter Diplomat. Man sagt von ihm, daß er während seiner ersten Thätigkeit in Afrika verstanden habe, selbst ohne Schlacht zu siegen. Sollte diese seine Kunst sich diesmal wieder bewähren und zu einem Abessinien wie Italien versöhnenden Friedensschluß führen, dann wäre wohl damit die beste Lösung dieser afrikanischen Wirren erreicht.