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Der Brückeneinsturz in Freiburg i. B.

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Textdaten
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Autor: Unbekannt
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Titel: Der Brückeneinsturz in Freiburg i. B.
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 13, S. 220_a
Herausgeber: Adolf Kröner
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1896
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[220] Der Brückeneinsturz in Freiburg i. B. In der zweiten Woche des März, in welcher anhaltender Regen und plötzliche Schneeschmelze in vielen Gegenden Deutschlands große Überschwemmungen herbeiführten, sind die Flußthäler des Schwarzwalds besonders schwer heimgesucht worden. Leider haben diese Ueberflutungen auch den Verlust von Menschenleben zur Folge gehabt, so die der Dreisam den Tod zweier angesehenen Beamten, die in Ausübung ihres Berufes ein Raub der Wellen wurden. Die Dreisam wird von zahlreichen wilden Bergbächen gespeist, deren gleichzeitiges jähes Anschwellen die Katastrophe herbeiführte. Es war am 8. März abends 10 Uhr, als die plötzliche Ueberschwemmung für die schöne Breisgaustadt Freiburg eine gefährliche Wendung nahm.

Der Einsturz der Schwabenthorbrücke in Freiburg im Breisgau.
Nach einer Photographie von E. Kempke in Freiburg i. Br.

Der eiserne Steg an der Fabrikstraße wurde von der tobenden Flut weggerissen und mit zahlreichen Baumstämmen und anderen Trümmern gegen die nahe Schwabenthorbrücke getrieben. Unter dem südöstlichen ihrer drei Bogen entstand eine vollständige Stauung, und das Wasser drängte nunmehr mit umso größerer Gewalt nach der Stadtseite. Um Mitternacht war die niedriggelegene Karthäuserstraße bereits überschwemmt, aber schon war auch die Feuerwehr und unter dem Befehl des Erbgroßherzogs von Baden das Militär zur Stelle, um den gefährdeten Anwohnern Hilfe zu leisten. Die Schwabenthorbrücke wurde für das Publikum gesperrt, dagegen leiteten von ihr aus die obersten Beamten der Stadt die Vorkehrungen, welche den Schutz der Ufer und der weiteren Brücken bezweckten. Daß die Brücke selber dem Ansturm der Flut nicht gewachsen sei, scheint man nicht befürchtet zu haben; da brach zwischen 3 und 4 Uhr nachts ihr nordwestlicher Bogen jählings in sich zusammen. Der Oberbürgermeister Winterer und andere städtische Beamten konnten sich retten; den Landeskomissar Geheimen Oberregierungsrat Siegel und den Stadtdirektor Geheimen Regierungsrat Sonntag verschlang dagegen die Flut. Bald fiel auch die übrige Brücke mit dem nächsten Pfeiler in Trümmer. Der Bruch des Gasrohres verbreitete Finsternis ringsumher. Die Leitung der Schutzmaßregeln übernahm nun der Major v. Lindenau. Sie wurden auch erfolgreich durchgeführt und weiteres Unheil von ähnlicher Größe verhütet. Die telegraphisch herbeigerufenen Pioniere aus Kehl machten sich sofort nach ihrer Herbeikunft an die Sprengung des noch stehenden Brückenpfeilers und an die Hebung der Trümmer, um einen rascheren Abfluß des noch immer gewaltig angeschwollenen Wassers zu bewirken.