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Französischer Deutschenhaß und die italienische Riviera

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Textdaten
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Autor: F. H.
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Titel: Französischer Deutschenhaß und die italienische Riviera
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 9, S. 155
Herausgeber: Ernst Ziel
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1884
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Französische Vorschläge zum Ausgleich, Heft 31, S. 520
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[155] Französischer Deutschenhaß und die italienische Riviera. Der alte, gewiß sehr verständige Ausspruch Rich. Sheridan’s, „daß es gar nichts schaden könne, wenn Jemand von dem, worüber er schreibt, auch etwas verstehe“, ist abermals von einem Schriftgelehrten unserer liebenswürdigen Nachbarn jenseits der Vogesen mißachtet worden. – Dies ist geschehen durch den als Deutschenfresser genügend bekannten Aurelian Scholl (hat der Mensch auch noch einen deutschen Namen!), der die Scene seiner Hetzjagd jetzt nach Nizza verlegt. Die dortige Ausstellung wird auch von Deutschen besucht und giebt Herrn Scholl Gelegenheit, einen angeblich an ihn eingesandten Brief zu veröffentlichen, in welchem er der ganzen französischen Nation die Belehrung ertheilt: „Die französische Regierung habe mit gewissen fremden Regierungen, um sich gemeinsam gegen das ‚deutsche Plündersystem‘ zu wehren, eine Convention zum Schutze der Fabrikzeichen abgeschlossen, an welcher die Deutschen allein keinen Antheil genommen, um um so freier die neuen Modelle stehlen und verwerthen zu können. Dies geschehe jetzt besonders eifrig von den Deutschen in Nizza.“ Von dem kleinen allbekannten Umstand, daß alle eingetragenen französischen Fabrikmarken auch in Deutschland den vollen gesetzlichen Schutz genießen, braucht Herr Scholl, der über dieses Gesetz schreibt, natürlich nichts zu wissen.

Die Hetzereien werden endlich ekelerregend. Der genannte Brief war nicht blos im Pariser „Evènement“, sondern im Nizzaer „Petit Niçot“ abgedruckt. Aber selbst bis nach Algier geht dasselbe Treiben. Ein Artikel des „Republicain Constantine“ beginnt folgendermaßen: „Kaufleute, Banquiers, Industrielle und Colonisten! Haltet die Augen offen! Eine Bande von deutschen Spionen stürzt sich auf unser theures Algier!“ Und der Schluß lautet: „Bewohner von Philippeville, Constantine, Sétif und Bougie, wacht, thut Eure Pflicht! Diese schmierigen Gesellen wagen Alles. Schon sind Algier und Oran durch ihre Gegenwart beschmutzt; heute sind wir an der Reihe. Wir stoßen den Alarmruf aus: Drauf auf die deutschen Spione! Gebe der Himmel, daß dieser Ruf nicht ohne Echo bleibt!“

Da möchte man denn doch ausrufen: „Sind denn alle Tollhäusler Frankreichs unter die Schriftsteller gegangen?“ Wir haben zu bittere Erfahrungen über die französische Nachbarschaft, um nicht noch Schlimmeres vom Fortbrennen des Haßfiebers der Franzosen befürchten zu müssen. Ihr Ludwig XIV. verheerte die ganze herrlich blühende Pfalz (1689 bis 1698), weil er sie nicht zum Eigenthum erhalten konnte, und setzte die Ausbreitung der Wüste zwischen Frankreich und Deutschland noch Jahre lang fort. Die Republikaner von 1870 vertrieben alle Deutschen, auch die eingeborenen, aus Frankreich, und heute ist jeder einzelne Deutsche dort so gut wie vogelfrei.

Und dies wird sogar auf die Bäder übertragen, die von Deutschen so stark besucht werden, auf Nizza und Mentone. Wohl mag der Geschäftsmann es nicht vermeiden können, die Chinesische Mauer der Franzosen zu übersteigen; aber wer am südlichen Meer Gesundheit und Erholung sucht, dem sollte die Einsicht und deutsches Ehrgefühl gebieten, den trefflichen Bade-Orten der italienischen Riviera den Vorzug zu geben. In Italien giebt es, Gottlob, keinen Deutschenhaß mehr, das ehemalige „Morte ai Tedeschi“ ist wie von den Mauern so aus den Herzen verschwunden. Es macht sich in der That nothwendig, daß auch die deutsche Familie in der Befriedigung ihrer Bedürfnisse sich nach der deutschen Politik richte. Ein festeres patriotisches Zusammenhalten der Deutschen in Industrie, Handel und Leben ist allein im Stande, unsere feindseligen Nachbarn von ihrem selbstmörderischen Irrwahn zu curiren. F. H.