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Die letzten Büffel von Nordamerika

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Textdaten
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Autor: unbekannt
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Titel: Die letzten Büffel von Nordamerika
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 2, S. 36
Herausgeber: Adolf Kröner
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Erscheinungsdatum: 1893
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[36] Die letzten Büffel von Nordamerika. Die weiten Prairien Nordamerikas wurden vor 350 Jahren zum ersten Male von den Europäern betreten. Im Jahre 1540 brach der Spanier Coronado von Mexiko auf, um das Wunder- und Goldland Cibola zu entdecken. Er fand es nicht, aber er brachte der Welt die Kunde von den Prairien und von den unzähligen Büffelherden, die in denselben grasten. Stellenweise sah man dort laut den Berichten des Spaniers Castaneda nichts als Himmel und – Büffel.

Die Spanier waren in den Prairien flüchtige Gäste. Erst im Anfang dieses Jahrhunderts ergoß sich von den Gestaden des Atlantischen Oceans ein neuer Auswandererstrom gegen die Prairien. Jäger folgten den zurückweichenden Indianern auf der Spur und stießen auf Büffelherden, in deren Reihen sie Tod und Verderben brachten. Mit glühenden Farben schildert der amerikanische Dichter Washington Irving seine Prairiefahrten aus dem Jahre 1832, und trotz aller Jagden schien der Büffelreichthum unerschöpflich; noch in den sechziger Jahren zogen die Wagenkarawanen tagelang unaufhörlich zwischen Büffelherden dahin, und den ersten Eisenbahnzügen, welche die Prairie durcheilten, stellten sich noch erstaunte Büffel in den Weg; aber schon damals bleichten tausendmal mehr Schädel erlegter Büffel in den Prairien, als Büffel noch in ihnen lebten.

Und heute! Die mächtigen Herden sind verschwunden, und die Amerikaner sind glücklich so weit gekommen, daß sie ihre Büffel zählen können. In einer amerikanischen Veröffentlichung finden wir eine Büffelstatistik aus den letzten[WS 1] Jahren; hier die deutlich sprechenden Zahlen: es leben laut derselben 254 Büffel gefangen in verschiedenen Parks von Amerika, 200 Stück wild im Yellowstone Park, 85 Stück gleichfalls wild in verschiedenen anderen Gegenden der Vereinigten Staaten, 550 Stück wild in dem fernen Norden Amerikas am Athapascastrome, 7 Stück gefangen im Auslande. Das macht zusammen 1096 Stück.

Eine solche Viehzählung kann keinen Anspruch auf volle Genauigkeit erheben; es mögen sich noch viele ungezählte Häupter in der Wildniß umhertreiben, aber die Schätzung wird von der Wahrheit nicht weit entfernt sein, und wir können heute in der That von den letzten Büffeln Nordamerikas sprechen. Den amerikanischen Büffel oder Bison hat dasselbe Schicksal erreicht, wie seinen europäischen Vetter, den Wisent, der einst über weite Strecken Europas verbreitet war und heute in dem Walde von Bialowicza in Rußland als zoologische Merkwürdigkeit sein Gnadenbrot frißt. Auch die Amerikaner fühlen jetzt Erbarmen mit ihrem „Buffalo“ und man agitiert drüben lebhaft für den Schutz der winzigen Ueberreste der einst so zahlreichen Thiere. Optimisten hoffen, daß sie sich noch leicht vermehren könnten, wenn man ihnen Ruhe gönnen würde. Sei dem, wie ihm wolle, vorderhand müssen wir uns damit begnügen, daß der Bison im Nationalparke von Yellowstone ein Gegenstück zu dem Wisent im Walde von Bialowicza bildet! *     

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: letzen