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Die Fahne Schwerins (Fontane)

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Textdaten
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Autor: Theodor Fontane
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Titel: Die Fahne Schwerins
Untertitel:
aus: Gedichte, Seite 281–282
Herausgeber:
Auflage: 10. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1905
Verlag: J. G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Stuttgart und Berlin
Übersetzer:
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Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans auf Commons
Kurzbeschreibung:
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[281]
Die Fahne Schwerins.


     Im Arsenal, dem alten,
Zu Petersburg am Dock,
Zersplittert und zerspalten
Steht ein alter Fahnenstock;

5
Er steht in seiner Ecken

An die hundert Jahre nun,
Mit den andern Fahnenstöcken
Hat er nichts zu thun.

     Der Fahnen jüngste schmunzelt:

10
„He, Kamerad im Eck,

Warum so viel gerunzelt?
Das bringt uns nicht vom Fleck;
Nicht ewig stumm und einsam
Und nicht so steif-apart,

15
Gesellig hübsch, gemeinsam

Und etwas Lebensart.“

     Der drauf: „An Schaftes Runde
Sieh hier den Silberring,
Er deckt die breite Wunde,

20
Die ich bei Prag empfing,

Zersplittert hat, zerspalten
Die Kugel mich von Erz,
Schwerin[WS 1], der mich gehalten,
Dem ging sie durch das Herz.

[282]
25
     „Wen solch ein Held getragen,

In solcher Preußenstund’,
Dem will es nicht behagen
Auf fremdem, russischen Grund,
Der will unter Trommelchören

30
In Berlin im Zeughaus stehn

Und den Dessauer wieder hören,
Und von Hohenfriedberg[WS 2] den.“

     Im Arsenal, dem alten,
Zu Petersburg, am Dock,

35
Zersplittert und zerspalten,

Sprach so der Fahnenstock.
Die andern nickten leise,
Der Zugwind wehte sacht,
Immer stiller ward’s im Kreise; –

40
Ein Stern schien durch die Nacht.“*)[VL 1]

  1. *) Die Fahne befindet sich jetzt wieder im Zeughause zu Berlin.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Kurt Christoph von Schwerin (1684–1756), Generalfeldmarschall von Preußen, gefallen in der Schlacht von Prag.
  2. Die Militärmärsche Dessauer Marsch und Hohenfriedberger Marsch.