Zum Inhalt springen

An den Märzminister Graf Schwerin-Putzar (Fontane)

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Textdaten
<<< >>>
Autor: Theodor Fontane
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: An den Märzminister Graf Schwerin-Putzar
Untertitel:
aus: Gedichte, Seite 283–284
Herausgeber:
Auflage: 10. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1905
Verlag: J. G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Stuttgart und Berlin
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans auf Commons
Kurzbeschreibung:
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
[[index:|Indexseite]]


[283]
An den Märzminister Graf Schwerin-Putzar. [WS 1]


     Dein Ahnherr – mit dem Schwerte,
Du selber – mit dem Wort!
So lebt das Ruhmeswerthe
Bis auf den Enkel fort.

5
Was einst in letzter Stunde

Der greise Feldmarschall sprach,
Auf’s Neu aus Deinem Munde
Erklang es uns: „mir nach!“

     Du stehst, in Lieb und Treue,

10
Zu Thron und Herrscherhaus,

Und baust doch, für das Neue,
Die alten Pfeiler aus.
Nicht trägst Du der Verneinung
Im Kampfe die Fahne vor,

15
Doch für die freie Meinung

Schwingst Du sie hoch empor.

     Du bist von jenen Alten
Im Geiste noch gezeugt,
Die keinem Stirnefalten

20
Jemalen sich gebeugt.

Du sprichst noch wie der Zieten
Sonst wohl bei Hofe sprach,
Was dem die Schranzen riethen,
Er fragte nichts danach.

25
     Der Zieten, ja, beim Fürsten

Zu Tafel saß er gern,
Einst aber andres Dürsten
Treib ihn zum Tisch des Herrn;

[284]
Erst als er da genossen
30
Von Christi heil’gem Mahl,

Ernst noch und abgeschlossen,
Trat er in Schloß und Saal.

     Der König sieht den Degen
Und wie so fromm er schaut;

35
Da ruft er ihm entgegen:

„He, Zieten, schon verdaut?!“
Der hört es; unter Blitzen
Blickt er den König an,
Daß selbst das Aug’ des Fritzen

40
Nicht Stich ihm halten kann.


     Dann laut: „Für Euch, in Nächten
Geblutet hab’ ich gern,
Nun will ich auch ’mal fechten
Für Christum, meinen Herrn!“

45
Wohl stutzet da und staunet

Das höfische Geschlecht,
Der König aber raunet:
„Still, Zieten, Er hat Recht!“

     So war’s und – ist’s geblieben

50
Durch ein Jahrhundert fort:

Die Hohenzollern lieben
Ein freies Manneswort.
Auch Du, für heil’ge Rechte
Ficht weiter, sonder Scheu:

55
Treulos sind alle Knechte,

Der Freie nur ist treu.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Maximilian von Schwerin-Putzar (1804–1872), 1848 Kultusminister der preußischen Märzregierung.