Zum Inhalt springen

Der Nachdruck in Deutschland

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Textdaten
<<< >>>
Autor: unbekannt
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Der Nachdruck in Deutschland
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 34, S. 544
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1867
Verlag: Verlag von Ernst Keil
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung: Wider Nach- und Raubdruck
Blätter und Blüthen
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[544] Der Nachdruck in Deutschland. Eine neue Schillerstiftung für die deutschen Schriftsteller. – Wer den in Deutschlands allgemein üblichen Nachdruck mit aufmerksamen Blicken verfolgt, wird zu ganz eigenthümlichen Resultaten gelangen. Selbst recht bedeutende und sehr wohlhabende Zeitungen schämen sich keineswegs, einen Aufsatz, der ihnen gerade gefällt, ohne Weiteres nachzudrucken. Die meisten Leute scheinen es gar nicht zu wissen, daß sie dadurch ein Unrecht und dem Schriftsteller eine Schädigung zufügen. Andere aber wissen es recht gut und greifen zu den schnödesten Mitteln, lassen den Verfassernamen fort, ändern den Titel und Anfang etc., um den Nachdruck zu verbergen und sich ungestraft zu bereichern.

Sobald ein Schriftsteller Ansprüche eines Nachdrucks wegen erhebt, wird er zunächst den Einwand hören, daß es ihm ja lieb sein könne, wenn sein Name doch recht sehr verbreitet werde. Nun frage ich aber doch einmal, was kann z. B. Gerstäcker daran gelegen sein, wenn irgend eine Buxtehuder Zeitung seinen Namen nennt – um ihm nämlich eine Novelle zu stehlen! Und in dem Falle befinden sich recht viele deutsche Schriftsteller. Da aber kein einziger derselben, und sei es der allerbedeutendste, ebenso wenig vom Vielgenanntsein, als von Mondschein und Morgenroth zu leben vermag, so müssen sie wohl oder übel ihrerseits fortan jeden unerlaubten Nachdruck unnachsichtlich verfolgen.

Hierzu werden nun bereits durch eine Organisation, die vom deutschen Schriftstellerverein ausgeht, die entschiedensten Schritte eingeschlagen. Nach diesen wird zunächst eine Aufforderung an sämmtliche deutsche Zeitungen erlassen, sich des ehrlosen Nachdrucks ferner zu enthalten. Derselben ist ein Verzeichniß beigefügt, mit Namen und Wohnungsangabe aller derjenigen Schriftsteller, welche bereit sind, unter billigen Ansprüchen die Wiederabdrücke ihrer Arbeiten zu gestatten. Eine kleine, freiwillig gebildete Commission ist bereits in voller Thätigkeit, um an den Centralpunkten des Zeitungs- und Zeitschriftenverkehrs den Nachdruck zu überwachen und durch Listen und Kreuzbandsendungen sämmtliche Nachdrücke zur Kenntniß ihrer Eigenthümer zu bringen. Alle ohne Namensangabe begangenen und nicht so leicht zu ermittelnden Nachdrücke sollen in den betreffenden Zeitungsexemplaren gesammelt und am nächsten Schriftstellertage in Dresden öffentlich ausgelegt werden, damit jeder Anwesende dann sein herrenlos herumlaufendes Gut zu reclamiren vermag. – Werden auf diese Weise die bis jetzt nachdruckenden Blätter gezwungen, auch nur die geringe Summe von je fünfzig Thaler für das ganze Jahr zur Beschaffung ihres Lesestoffes auszusetzen – so erwächst daraus den deutschen Schriftstellern der außerordentliche Zuschuß von fünfzigtausend Thalern jährlicher Einnahmen.

Zugleich leidet aber zweifellos Niemand Schaden dadurch. Denn jener einzig statthafte Einwand: daß man dadurch die kleinen und kleinsten Localblätter vernichten und somit die Volksbildung beeinträchtigen werde, beruht in einer schiefen Auffassung. Einerseits wird nämlich jeder human denkende Schriftsteller die Wiederabdrücke seiner Arbeiten unter so liberalen Bedingungen gestatten, daß gewiß keine höhere Summe, als etwa fünfzig Thaler zur jährlichen Füllung des Unterhaltungsstoffes in den kleinsten und ärmsten Blättchen erforderlich ist, und andrerseits kann die Summe von fünfzig Thalern für das ganze Jahr unzweifelhaft das winzigste Wochenblatt ohne Opfer erschwingen. Damit fallen dann aber jene düstern, unappetitlichen und unsaubern Geschichten, die zur Volksbildung nichts weniger als geeignet sind und bis jetzt meistens neben den unerlaubten Nachdrucken die Spalten solcher Blätter füllen, ganz von selbst fort. Auch braucht der Besitzer eines solchen Blattes nicht mehr, wie bisher, nur gerade das, was ihm in den Wurf kommt, abzudrucken, sondern er kann nach Einsicht und Ermessen wählen und er wird dann selbstverständlich doch nicht thörichterweise noch schlechte Machwerke ankaufen, wenn er gute Leistungen anerkannter Schriftsteller für dieselben Preise zu erwerben vermag. Somit kann in jeder Hinsicht die Volksbildung nur gewinnen.

Wir wollen hiermit diese Angelegenheit gewissermaßen vor das Forum des ganzen deutschen Volkes gezogen haben und verweisen dringend alle Freunde der zeitgenössischen Literatur, sowie alle hierbei Betheiligten auf den in Nr. 31 der „Deutschen Blätter“ abgedruckten Artikel „Nachdruckliches“, welcher einerseits das Wesen, die Nachtheile und Uebelstände des Nachdrucks, andererseits die Verhältnisse der deutschen Schriftsteller, sowie die angedeuteten Bestrebungen derselben: durch Unterdrückung des Nachdrucks sich eine jährliche Mehreinnahme von etwa fünfzigtausend Thalern und damit eine neue, durchaus stichhaltige Schillerstiftung zu begründen, eingehend beleuchtet.