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Beschreibung des Oberamts Waiblingen/Kapitel B 9

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9. Gemeinde Buoch.


Das Pfarrdorf Buoch hat 330 evang. Einwohner und ist auf der Hochebene, der „Buocher Höhe“ gelegen, die nur 1/4 Stunde bis zu ihren rings herum sich ziehenden, bewaldeten steilen Abhängen umfaßt, und sich rechts über dem Remsthal erhebt, nördlich vom großen Roßberg und der Gaiswand, und östlich von den Berglen begrenzt ist, eine Gemeinde III. Classe, östlich 21/2 Stunden von Waiblingen, südwestlich an Groß-Heppach, südlich an Grunbach, Oberamts Schorndorf, stoßend. Es ist der höchste trigonometrisch bestimmte Ort des Bezirkes. Es liegt 1546 Pariser Fuß über dem Meere und 866 Pariser Fuß über dem Remsthal. Wie das Dorf auf mehrere Stunden im Umkreise sichtbar ist, so gewährt es auch die schönste Fernsicht (s. S. 16). Bäche sind keine vorhanden. Sandsteine, die auch zu Sand benützt werden. Die Gemeinde gehört zum Forstamt Schorndorf.

Sämmtliche Zehenten, mit Ausnahme des Novalzehenten, stehen der Ortspfarrei zu, welcher deßwegen die Faselviehhaltung obliegt. Im Übrigen ist das Königl. Hofcameralamt Winnenden gefällberechtigt. Die Gemeinde hat jedoch alle Rechte derselben, ausschließlich eines jährlichen Forstzinses von 5 fl. 58 kr., mit 900 fl. 58 kr. abgelöst.

| Das Pfarrdorf ist auf der höchsten Spitze der südlichen Seite des Buocher Berges gebaut, der hier von der Grenze des Oberamtes Schorndorf durchschnitten ist. Zunächst unter dem Dorfe fängt sogleich der Abhang an. Das Klima ist gesund und mild, die Temperatur bei Windstille milder als im Remsthale. Die Gewächse halten gegen den Winter hin dem Froste besser Stand als im Thale, und Nußbäume z. B., die in demselben erfrieren, gedeihen auf dieser Höhe, doch reifen die Früchte 14 Tage später als in den Thalorten. Gewitter und Hagelschlag sind selten. Der Boden besteht nur aus seichtem Lehmboden mit steiniger Unterlage. Ganz oben sind zwar nur schlechte sogenannte Schwingbrunnen, die oft versiegen; einige hundert Schritte weiter unten aber sind einige Quellen, die vor Wassermangel schützen und in einen einige Ruthen großen Teich sich ergießen.

Buoch hat 59 Haupt- und 40 Neben-Gebäude. Durch den Ort führt die Vicinalstraße von Waiblingen über Korb nach Schorndorf und über Breuningsweiler nach Winnenden. Die Kirche zum heil. Sebastian liegt an der östlichen Seite des Ortes und bietet nichts Merkwürdiges dar. Sie ist von geringer Beschaffenheit und zeigt theilweise gothischen Styl. Bis jetzt hat die Pfarrgemeinde die Baulast getragen. Das Pfarrhaus, zunächst bei der Kirche, hat der Staat zu unterhalten; das Schulhaus hat die Gemeinde 1837 mit einem Staatsbeitrag gebaut. Der Gottesacker liegt zunächst der Kirche.

Die Markung umfaßt nur 223 Morgen Baufeldes, so daß hievon auf eine Familie etwa 31/2 Morgen kommen. Weinbau und Ackerbau halten sich die Wage, sind aber unbedeutend. Der Boden ist mittelmäßig fruchtbar. Die Minderzahl der Einwohner hat ihr hinreichendes Auskommen. Der Ackerbau wird zwar fleißig, aber nach altem Herkommen betrieben. Die isolirte Lage des Ortes ist der Verbesserung nicht förderlich. Die Dungstätten sind nicht zweckmäßig; Wendepflüge die gewöhnlichen. Vor der Ernte gehen Viele in fremde Orte und schneiden nachher das Ihrige selbst. Die Brache wird vollständig angebaut. In mittleren Jahren trägt der Morgen bei einem Scheffel Aussaat bloß 4–5fach. Die Pflüge sind mit ein Paar Ochsen oder Kühen am Doppeljoch bespannt. Flachs und Hanf, von mittlerer Güte, wird nur zum Hausbrauch gepflanzt. Die Wiesen ertragen wenig und schlechtes Futter; der zweite Schnitt wirft häufig gar nichts ab. Es muß sogar Futter von Außen gekauft werden, was um so schwerer fällt, als selten Getreide zum Verkaufe gebracht werden kann. Verhältnißmäßig am Bedeutendsten ist die Obstzucht, da viel Obst, namentlich Kirschen, zum Verkauf kommt; ebenso | Kirschengeist. Auch mit Obstbäumen wird viel Handel getrieben. Durchschnittlich wird 1 Morgen Acker um 250 fl., Wiese um 400 fl. verkauft. Weinberge hat die Markung nicht; jene, welche die Einwohner besitzen, liegen auf Heppacher und Grunbacher Markung. Das Rindvieh ist nicht von besonders guter Beschaffenheit und auch die Zahl klein (S. 61); das schlechte und wenige Futter hindert die Zunahme und Verbesserung. Außer 21 Webern sind keine Handwerker zu erwähnen. Hühner, welche im Orte gezogen werden, kommen durch Händler nach Stuttgart.

Das Patronat ist königlich. Zur Parochie gehören außer dem Mutterorte die Filialien Steinach, Reichenbach, Kottweil (Oberamts Schorndorf), Lehnenberg und Spechtshof. Bis Ende 1846 war auch Höslinswarth, Oberamts Schorndorf, und bis 1496 auch Schornbach, desselben Oberamts, hieher eingepfarrt. An der Schule steht Ein Lehrer. Eine 1836 errichtete Industrieschule ist noch Winters im Gange. – Die Gemeindepflege besitzt hauptsächlich 1581/2 Morgen Wald. Die Stiftungspflege besitzt 2122 fl. Capitalvermögen.

In Buoch wird ausnahmsweise die alte Schreibart (statt Buch) beibehalten. Geschichtlich merkwürdig ist die hiesige Kirche. Rechte auf dieselbe erwarben die Herren von Neuffen, ohne Zweifel um 1200 zugleich mit dem ganzen Erbe der Herren von Winnenden. Im Jahr 1270, Februar 2., verzichtet der Edle Heinrich von Niffen (Neufen; die Urkunde ist ausgestellt in castro Niffen) mit seinen Söhnen Berthold und Albert auf ihre Rechte an die Kirche in »villa Buoche« und gibt sie mit dem Patronatrechte und den Zehenten in die Hände des Klosters Lorch, dem zuvor schon der größere Theil gebührt hatte, welches aber noch im December desselben Jahres diese Rechte an das Domcapitel Constanz veräußerte, das auch die hiesige Frühmesse zu verleihen hatte. Nach Einführung der Reformation nahm Württemberg das Confirmationsrecht an sich; auch wurde das constanzische Patronat in sofern eingeschränkt, daß nur ein geborner Württemberger zum Pfarrer ernannt werden durfte. Die noch bei Constanz gebliebenen Rechte gelangten mit diesem 1802 an das Großherzogthum Baden und von letzterem am 16. Juli 1807 durch Vertrag an Württemberg. Nach der Veräußerung vom December 1270 behielt übrigens das Kloster Lorch doch noch die hiesige Grundherrschaft, wegen welcher die württembergischen Grafen als seine Schirmherren laut Urkunde Graf Eberhards des Erlauchten von 1293, Juli 22., und Graf Ulrichs von 1331, Juli 22., das Vogtrecht bezogen (Besold 736. 737). Namentlich besaß Lorch 1542 18 Lehengüter. Die Zehenten, ausschließlich der der Herrschaft gebührenden | Novalzehenten, genoß Namens des Domcapitels Constanz die Ortspfarrei.

Buoch gehörte gleichfalls zu dem äußeren Gerichte in Winnenden. Die Gefälle der Königl. Hofdomainenkammer erwarb dieselbe 1807 durch Tausch vom Staate.

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