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Beschreibung des Oberamts Waiblingen/Kapitel B 10

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10. Gemeinde Endersbach.


Das Pfarrdorf Endersbach (alt Andresbach, später auch Endelspach) eine Gemeinde II. Klasse, zählt 1067 evang. Einwohner, liegt eine Stunde südöstlich von Waiblingen, auf der linken Seite der Rems, im Thale, und grenzt westlich und südlich an das Oberamt Canstatt, östlich und südöstlich an das Oberamt Schorndorf. Endersbach ist ein ansehnliches Dorf, dessen 155 Haupt- und 270 Nebengebäude von der Wohlhabenheit eines großen Theiles der Einwohner zeugen. Die Lage ist mit Ausnahme des westlichen Theiles, der an eine Anhöhe angebaut ist, eben, das Dorf sehr in die Länge gestreckt. Durch dasselbe führt die schöne lebhafte Staatsstraße von Waiblingen nach Schorndorf. Der untere Theil ist von dem südlich herkommenden Haldenbach bewässert, welcher mehrmals austritt und dem Orte Schaden bringt, und zunächst des Dorfes in die Rems fällt, die von diesem nur 5 Minuten entfernt ist.

Es ist dem Forstamte Schorndorf, und da die grundherrlichen Rechte der Königl. Hofdomainenkammer zustehen, dem Hofcameralamt Stetten zugetheilt. Seit 1. Juli 1818 hat jedoch die Gemeinde für 12.710 fl. 23 kr. derselben an grundherrlichen Rechten abgekauft, so daß sie nur noch sämmtliche Zehenten und 5 Eimer 31/4 Maas Zins- und Boden-Wein jährlich zu erheben hat. Sie erwarb ihre Rechte im Jahr 1807 durch Tausch mit dem Staate, indem dieselben bis dahin der Kellerei und geistlichen Verwaltung Schorndorf und der geistlichen Verwaltung Waiblingen zustanden.

Die Kirche steht in dem höher gelegenen Theile des Dorfes. Sie ist von etwas moderner Bauart, gut gebaut und ziemlich geräumig und mag kaum 300 Jahre alt seyn. Der Thurm ist niedrig und sehr massenhaft. Die Baulast liegt auf der Gemeinde- und Stiftungs-Pflege. In den Jahren 1834 und 1835 verursachte der Blitz großen Schaden an Kirche und Thurm. Der mit einer Mauer umgebene Begräbnißplatz ist aufgegeben, da außerhalb des Ortes ein neuer angelegt wird. In den nahen Weinbergen finden sich die Überreste einer alten Capelle, von der jedoch sonst nichts bekannt ist. Das der Kirche gegenüber liegende, 1770 erbaute | Pfarrhaus hat die Hofdomainenkammer zu erhalten, welche auch die Pfarrbesoldung reicht. Zunächst der Kirche steht das durch die Ortskassen zu erhaltende Schulhaus, welches 1828 mit einem bedeutenden Beitrag aus der Königl. Hofkasse erweitert ward. Die zwei Keltern und eine Zehentscheune sind Eigenthum der Königl. Hofdomainenkammer. Die noch nicht lange erbaute Apotheke steht an der Hauptstraße.

Endersbach ist der Geburtsort Georg Konrad Maicler’s, eines Theologen, welcher als gekrönter Dichter sich ziemlich bekannt machte; er war geboren den 31. October 1574, wurde 1603 Diakonus zu Schorndorf, im Jahr 1610 Pfarrer in Felbach, als welcher er im Jahr 1647 zu Canstatt, wo er vor den Kriegsunruhen Sicherheit suchte, verschied.

Die Markung ist, auch im Verhältniß zur Einwohnerzahl, eine der größten. Sie begreift 533/8 Morgen Gärten, 11683/8 Morgen Äcker, 3752/8 Morgen Wiesen und 2643/8 Morgen Weinberg. Die Königl. Hofdomainenkammer besitzt 3 Morgen 216/10 Ruthen Äcker, 12 Morgen 209/10 Ruthen Wiesen und 1/8 Morgen 62/10 Ruthen Länder, die theilweise zur Meierei Rommelshausen gehören.

Der Boden ist Lehmboden (in den Weinbergen wie fast überall Kerf). Auf der Markung sind, außer mehreren Sandgruben, 6 Steinbrüche, aus welchen Kalksteine gebrochen werden. Das Klima ist mild und der Boden sehr fruchtbar an allen Erzeugnissen. Die Einwohner sind im Allgemeinen die wohlhabendsten des Bezirkes, und leben mehr vom Acker- als vom Wein-Bau, und die Bevölkerung (1792 830) nimmt nicht allzurasch zu. Die landwirthschaftliche Kultur ist bei meist freier Wirthschaft so hoch als möglich getrieben. Der Ertrag vom Morgen ist fast noch so groß als in andern mittlern Orten des Bezirkes. An Getreide wird nächst den anderwärts üblichen Arten viel Sommergerste gebaut. Der Schwerzische Pflug findet seit 9 Jahren immer mehr Beifall, und wie groß auch anfänglich der Widerwillen dagegen war, so wird er doch bald den Wendepflug vollends verdrängen. Der schon S. 48 erwähnte Landwirth Joh. Aldinger, wegen musterhaften Betriebs seiner Feldwirthschaft 1843 durch Ertheilung der silbernen Preismedaille ausgezeichnet, geht mit lobenswerthem Beispiel voran. Namentlich ist auch der starke Flachsbau (s. S. 52) hervorzuheben. Der Flachs ist nicht besonders fein, aber lang und gut. Was nicht zum Hausbrauch dient, wird zubereitet und gehechelt verkauft. Der Breisgauer Samen wird dem Rigaer vorgezogen. Die Gemeinde hat 1844 eine kunstmäßige Röstegrube nach den neuesten Grundsätzen erbaut. Dinkel, Gerste und Flachs sind Gegenstände der Ausfuhr; der letztere wird auf die benachbarten | Märkte getragen, den Dinkel und die Gerste dagegen kaufen Bäcker und Bierbrauer hier auf. Auch der Bau der Runkelrüben ist namhaft.

Enderbachs Wein gehört zu den besseren des Remsthales; in früheren Zeiten aber war sein Name noch besser. In dem etwa 40 Morgen großen Beutelstein soll in älteren Zeiten der beste Wein im Remsthal erzeugt worden seyn, und die Bestockung in Klevnern, Fütterling, Gutedeln und Sylvanern bestanden haben; jetzt sind die beiden erstgenannten Rebsorten durch Schwarzwälsche etc. verdrängt und die gedachte Halde gehört zu den geringen und es sind nunmehr die vordere und die hintere Klinge die besten Halden. Durchschnittlich ist der Preis von 1 Morgen Acker 800 fl., Wiese 500 fl., Weinberg 600 fl. Das Obst geräth, wenn es nicht, wie in dem hier sehr weiten Thale häufig geschieht, durch Frost leidet.

Der Viehstand ist ansehnlich und die Viehzucht namhaft. Das Rindvieh ist ursprünglich von der rothen Landrace, aber veredelt durch die Simmenthaler Race. Es ist, weil die Kühe viel zum Fahren dienen, von größerem Schlage. Die Holländer Race, welche früher Eingang gefunden, kommt in Abgang. Auch die Schweinehaltung ist von Belang.

Die Gewerbe sind, mit Ausnahme einer Apotheke, zwei Getreidemühlen, einer Ziegelhütte und einiger Branntweinbrennereien, allermeist auf das örtliche Bedürfniß beschränkt. Mit Butter wird nach Stuttgart Handel getrieben. Des Fegsandes ist S. 46, der Käserei S. 63 gedacht.

Die Pfarrei hat keine Filialien. Das Patronat stand von jeher dem Landesherrn zu. Neben der Pfarrei bestand bis zur Reformation auch eine Frühmesse. An der Schule steht ein Schullehrer mit einem Lehrgehülfen. Die aus den Heiligen Agatha, Margaretha und Barbara zusammengesetzte Stiftungspflege besitzt ein Capitalvermögen von 6020 fl. Die Einkünfte der Gemeindepflege sind 10.899 fl.; die Gemeindeumlage ist 2000 fl. Die Gemeindewaldungen liegen auf der Markung von Strümpfelbach; sie bestehen meist in Eichenwald und sind in ziemlich gutem Zustand.

Auf der Markung entspringt die S. 11 erwähnte Mineralquelle.[1]

| Eine hiesige Burg,[2] schon im dreizehnten Jahrhundert den Grafen von Württemberg gehörig, wurde im August 1291 von Graf Albrecht von Hohenberg im Kriege gegen Graf Eberhard von Württemberg zerstört (Sindelfinger Chronik); im Jahr 1416 erhielt Hans von Lichtenstein den Burgstall als Lehen, wie solchen Heinrich von Lichtenstein, genannt Glockhuß, innegehabt. Am 30. April 1522 verlieh Kaiser Karl V. dem Dorfe das Recht, einen Wegzoll zu erheben: vom Wagen 2, vom Karren 1 Pfennig.

Endersbach war bis 1462 Filial von Waiblingen; den 5. Mai dieses Jahres erlaubte Graf Ulrich von Württemberg den armen Leuten zu Endersbach, daß sie die Sakramente in ihrem Dorfe versehen lassen und nicht mehr nach Waiblingen gehen dürfen, weil der Ort jetzt über 40 Hofstätten habe; der Caplan Wieland und seine Nachfolger sollen allen Gottesdienst versehen, der Pfarrer in Waiblingen aber für das Opfer 4 Pfund Heller und für den Heuzehnten 4 Pfund Heller empfangen (vergl. Sattler, Grafen, 4. Beil. S. 96). Hierauf, den 14. Mai 1462, sonderte der Vikarius des Bischofs von Constanz die von Endersbach auf ewig von der Pfarrkirche in Waiblingen und erhob die hiesige Capelle zu St. Agatha selbst zur Pfarrkirche. In Folge der Drangsale des dreißigjährigen Krieges wurde in den Jahren 1645 bis 1650 die Pfarrei durch den Pfarrer von Strümpfelbach versehen.

Endersbach, welches ursprünglich zum Amte Schorndorf gehörte, ist gleich diesem in ältester Zeit an Württemberg gekommen. Auf württembergische Verhältnisse beziehen sich folgende Urkunden: 1337, Februar 14., trugen Friederich und Heinrich von Echterdingen dem Grafen Ulrich von Württemberg ihre Weingärten und all ihr Gut in Endersbach zu Lehen auf, da er ihnen Weingärten in Uhlbach eignete (Stuttgarter Staatsarchiv); im Jahr 1435 verpfändete Württemberg einen Hof in Endersbach an | Hans Gaisberger (Steinhofer 2, 794); 1467, März 31., verkaufte Agatha von Baldeck, Walthers von Urbach Wittwe, ihren Hof Endersbach an Graf Ulrich von Württemberg (Staatsarch.).

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Der Großzehente in Endersbach und in Strümpfelbach ging zum Theil von den Grafen von Sulz zu Lehen; von ihnen wurde ein Theil desselben verliehen zuerst an Wendel von Remchingen, dann an Dieterich von Frauenberg, an Martin von Balzhofen und hierauf an Simon von Balzhofen. Antheile daran eigneten im Jahr 1460 Graf Rudolf von Sulz und im Jahr 1465 Graf Johann von Sulz dem ebengenannten Simon von Balzhofen, worauf dieser sie im Jahr 1473 an das Stift Göppingen verkaufte. Hiegegen protestirten, wiewohl vergeblich, Eucharius und Balthasar von Angeloch, indem sie behaupteten, Graf Johann von Sulz habe den Zehenten im Jahr 1464 ihrem Vater geliehen (Gabelk.). – Weitere Theile des großen Zehenten erwarb das Kloster Adelberg von Adam Schenck von Winterstetten in den Jahren 1495 und 1498, worauf sie ihm von den Grafen von Sulz geeignet wurden (Gabelk.). Einen Antheil an den Korn- und Wein-Zehenten in den beiden Orten vertauschte Württemberg im Jahr 1470 an’s Stift Göppingen für Gefälle in Göppingen und Dettingen am Schloßberg (Steinhofer 3, 184). Adelberg hatte übrigens schon früher von Adelheid Truchsessin von Höfingen laut Urkunde von 1442, März 9., und von Elisabeth gleichfalls Truchsessin von Höfingen vermittelst Urkunde von 1442, August 27., ihre Zehenten an Wein und Korn erkauft. Durch diese Käufe und sonstige Zehentrechte hatte sich das Verhältniß nach dem Lagerbuche von 1598 wie folgt gestaltet. Vom großen Zehenten in einem Bezirke bezog das Stift Göppingen vornweg 1 Scheffel Roggen, genannt Stabscheffel, sodann gehörten 27/64 Adelberg, 31/64 dem Stift Göppingen, 6/64 der St. Peter- und Paul-Caplanei auf dem Capellenberg bei Beutelsbach. In einem andern Bezirke bezogen das Stift Göppingen und Adelberg, das seinen Theil hier 1527 von Privaten erworben, je die Hälfte, und ging dieses Recht von der Herrschaft Hochberg als Patrons der beiden Caplaneien daselbst zu Lehen, die deßwegen jährlich von jedem Theile 5 Scheffel 61/2 Simri Roggen, 6 Scheffel 4 Simri Dinkel, 6 Scheffel 11/2 Simri Haber, und 19 Sommerhühner empfingen. In einem dritten Bezirke war die Ortspfarrei allein zehentberechtigt. Ähnlich verhielt es sich mit dem Wein-, Heu- und kleinen Zehenten. Vom Weinzehenten erhob das Stift Göppingen vornweg 1 Eimer Stabwein; vom Rest dieses 13/24, Adelberg 9/24 und die beiden Caplaneien auf dem Capellenberg 2/24. Die Ortspfarrei sollte hievon 3 Eimer, oder, wenn kein Wein geräth, 4 Pfund Heller für den | Eimer bekommen. Adelberg besaß hier auch ein Tafernlehen. Von andern Klöstern machten besonders die Eßlinger allhier Erwerbungen, wenigstens von Zinsen und Gülten; so das dortige Augustinerkloster, das Barfüßerkloster, das Karmeliterkloster; auch der Eßlinger Spital erwarb Gülten. Im Jahr 1695 erkaufte das Kloster Ursperg einige Weinberge (Staatsarch.). Ferner besaßen die Seelschwestern zu Schorndorf ein von Gaisberg 1478 erkauftes Lehen, die Stiftungspflege Beutelsbach einen Hof und die Frühmesse zu Grunbach ein Lehen. Die übrigen grundherrlichen Rechte standen allermeist der Herrschaft zu; 1500 besaß die Kellerei den Gandelhof, worein der halbe Burgstall gehörte, den Fronhof, den von Stetten Hof, die Mühle, 41/2 Huben und 41/2 Lehen.

Am 13. Juni 1707 lagerte das französische Heer nach seinem Neckarübergang bei Endersbach.


  1. Diese im Sommer 1850 von Herrn Reallehrer Furch näher untersuchte Mineralquelle besaß, bei einer Lufttemperatur von 7° C., 17° Cels. oder 131/2° R. und das Wasser hatte ein spec. Gewicht von 1,0035. Hundert Gewichtstheile hinterließen beim Abdampfen 0,356 trocknen Rückstand, nämlich:
    Kieselerde 0,001.
    Eisenoxyd 0,0005.
    Kohlensauren Kalk 0,060.
    Schwefelsaurer Kalk 0,089.
    Kohlensaure Kalkerde 0,002.
    Chlor-Magnium 0,032.
    Schwefelsaures Kali 0,009.
    Schwefelsaures Natron 0,066.
    Chlor-Natrium 0,092.
      0,352.

    Von gasförmigen Bestandtheilen fanden sich darin 0,088 Gramm oder 30,79 Kubikcentimeter kohlensaures Gas.

  2. Heinricus de Antirspach in einer Urkunde von 1123 gehört nicht unserm Orte, sondern (Ober- oder Unter-) Entersbach bei Gengenbach im Baden’schen an.
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