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Beschreibung des Oberamts Geislingen/Kapitel B 27

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27. Stötten,

ein evangelisches Pfarrdorf auf der Alp, 11/4 Stunde nördlich von Geislingen, mit 223 Einwohnern, Kameralamt Geislingen, Forstamt Kirchheim, Revier Altenstadt, Dekanat Geislingen.

Der Name des Orts findet sich in den ältesten Kirchenbüchern „Stötten,“ erst in späteren „Stetten“ geschrieben; erstere Schreibart ist die gewöhnlichere.

Auf der Markung haben acht Lehen-Herrschaften | Abgaben zu beziehen, und es ist aus Äckern, Wiesen und Ländern von allen Gattungen des Ertrags der große und kleine Zehnten zu reichen 1) dem Staat, vormals der ulmischen Kirchenpflege (der größte Theil), 2) dem Hospital Geislingen von 24 Jauchert, 3) der katholischen Pfarrei Eybach von 28 Jauchert, 4) der katholischen Pfarrei Donzdorf von 52 Jauchert, 5) dem Grafen von Rechberg von 1/2 Jauchert. An dem kleinen Zehnten haben noch Antheil 7) die Pfarrei Gingen von 200 Jauchert, 8) die Ortspfarrei; sie bezieht den Heu- und Obstzehnten von 18 Morgen, den Hanf- und Flachszehnten von 1800 Morgen und den Blutzehnten. Mit Hanf und Flachs werden jedoch gewöhnlich nur 10–11 Morgen angebaut.

Gülten, theils an Früchten, theils an Geld, haben einzelne Bürger zu liefern an den Staat, an den Hospital in Geislingen, an den Grafen von Degenfeld und an die Ortspfarrei.

Der Ort, welcher 33 Wohnhäuser enthält, liegt sehr hoch auf einer eigentlichen Berginsel, welche gegen Ost, Süd und West ziemlich eben, gegen Nord aber bergig ist; er ist rauhen Winden und Stürmen sehr ausgesetzt, und hat im Frühjahr und Herbst viele Nebel. Übrigens ist die Lage des Orts sehr gesund. Auf einer Anhöhe, oberhalb des Orts, der sogenannten Viehstelle, genießt man eine sehr schöne Aussicht. Die Einwohner sind größtentheils wohlhabend. Arme gibt es nicht. Die Halmfrüchte gerathen gut und sind auf dem Fruchtmarkt gesucht; hingegen fehlt es alle Jahre an grünem Futter, obgleich Klee und Esper gepflanzt werden.

Wiesen hat der Ort im Thale, dem sogenannten Längenthal; das Heu wird in eigenen Hütten aufbewahrt, und erst im Winter auf Schlitten abgeholt.

Die Markung hat 3134 Morgen, meist angebaut; die Schafweide nährt 700 Stücke; Waldungen 305 Morgen. Es bestehen 29 Real-Gemeinderechte, deren jedes 9 Mrgn. Güter, 2 Klafter Holz und 4 Pförchnächte erhält.

| Die Gemeinde hat keine Schulden und keine Aktiv-Kapitalien, die Stiftung besitzt 800 fl. Kapitalien und 65 Mrgn. Güter. Die Landes- und Patronatsherrschaft des althelfensteinischen Ortes war seit 1396 bei Ulm, welches hier ein Amt hatte. Im Jahre 1802 kam Stötten an Baiern, im Jahre 1810 an Württemberg.

Die Baulast der Kirche hat die Stiftung; die Kirche ist alt und wurde im Jahre 1697 renovirt; die größere Glocke hat die Jahrszahl 1484. Die Baulast des Pfarrhauses hat der Staat. Im 30jährigen Kriege wurde auch Stötten in Asche gelegt, und es sind noch viele Brandstätten vorhanden, welche nicht mehr überbaut wurden. In Folge dieses Unglücks war die Gemeinde auch in den Jahren 1635 bis 1656 ohne Pfarrer und der Pfarrei Altenstadt zugetheilt.

Ein Übelstand für den Ort ist der nicht selten eintretende Wassermangel, indem, wenn die Cisternen geleert sind, das Wasser mit großer Beschwerde aus dem Filsthal heraufgeführt werden muß.

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