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BLKÖ:Zeno, Johann Baptist

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Zentner, Adam
Band: 59 (1890), ab Seite: 325. (Quelle)
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4. Johann Baptist [326] Zeno, bekannter als Astrolog Seni, der im Leben Wallenstein’s eine nicht unwichtige Rolle spielt. Wallenstein, oder wie er richtig genannt wird Waldstein, war von Jugend auf sehr für das Studium der Astrologie und geheimen – Kabala genannten – Kunst eingenommen und hielt fest an dem Glauben an den Einfluß der Gestirne auf das Leben des einzelnen Menschen. Auf seiner 1608 durch einen Theil Europas unternommenen Reise hielt er sich längere Zeit in Padua auf, wo er mit großem Eifer die Vorlesungen des Astrologen Andreas Orioli besuchte, und als er dann heimkehrte, führte er in seinem Gefolge stets gelehrte Männer mit sich, unter denen auch einige Zeit der berühmte Kepler am Hofe Waldstein’s die Sterne im Auftrage des Grafen beobachtete. Auf Kepler – wie es scheint – folgte Johann Baptist Zeno, und wurde er der Hofastrolog Waldstein’s. Früher Professor der Astrologie zu Genua, kam er mit hohem Gehalte in gleicher Eigenschaft an die Universität in Wien. Von da berief ihn der Graf zu sich, der ihm ein Jahresgehalt von 2000 Thalern mit freier Verpflegung aus der gräflichen Küche gab und ihm einen eigenen Stall mit sechs Pferden und Kalesche zur ausschließlichen Verfügung stellte. Bekannt ist es, wie dann Wallenstein bei allen seinen Unternehmungen vorher Zeno’s Rath einholte, und noch in der Nacht vom 25. Februar 1634, in welcher er in Eger ermordet wurde, beobachtete er mit dem Astrologen die Sterne, der ihm nicht verhehlte, daß die Constellation sich nicht günstig zeige. Wallenstein legte aber Zeno’s Beobachtungen dahin aus, daß dieselben wohl richtig seien, aber sich nicht auf ihn, sondern auf jenen selbst bezögen, dem die Soldaten des Friedländers nicht geneigt waren. Und in der That, nach Wallenstein’s Ermordung wurde Zeno von den kaiserlichen Soldaten sofort verhaftet und so lange in Eger gefangen gehalten, bis er sich mit 4000 Goldgulden, die er von seinem Herrn kurz vor dessen Tode zum Geschenk erhalten hatte, loskaufte. Am 11. März 1634, also in der dritten Woche nach Wallenstein’s Ermordung, befand sich Zeno noch in Eger, wurde von dem mit der Führung des Processes betrauten kaiserlichen Rath Dr. Justus Gebhard wegen Wallenstein’s Verrath verhört und von der Untersuchungscommission nach Wien geführt. Fand man ihn nun von jeder Schuld frei, oder wirkten andere Umstände mit, kurz Anfang 1635 erfolgte seine Entlassung aus der Haft. Ueber seine weiteren Geschicke ist nichts Gewisses bekannt; er hielt sich noch lange in Wien auf. Am 1. April 1643 wurde er auf dem Stephansplatz von dem polnischen Gesandten Biboni für einige beleidigende Worte zweimal mit dem Degen durchstochen und dann von den Dienern desselben zusammengehauen. Ob er von diesen Verwundungen genas oder infolge derselben starb, ist nicht bekannt.