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BLKÖ:Wratislaw, Albert Heinrich

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Wratislaw, Zdenko von
Band: 58 (1889), ab Seite: 163. (Quelle)
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38. Albert Heinrich Wratislaw (geb. zu Rugby in der englischen Grafschaft Warwick am 5. November 1821) [164] Ein in England lebender Abkömmling der Familie Wratislaw. Welcher Linie derselben er angehört, ist nirgends ersichtlich. Mikowec vermuthet, und zwar nicht mit Unrecht, daß der Großvater des in Rede Stehenden zur Zeit der Kaiserin Maria Theresia sein Vaterland verließ, um nach Besiegung Karl Albrechts von Bayern der Ahndung zu entgehen, welche allen denen bevorstand, die dem Usurpator gehuldigt hatten. Andererseits heißt es wieder, Alberts Großvater sei 1770 als Protestant nach England ausgewandert und habe sich dort anfangs Marc Wratislawia genannt. Unter diesem Namen wirkte er als Lehrer der neueren Sprachen an der Schule zu Rugby; als er später das Heimatsrecht daselbst erlangen wollte, mußte er seinen wirklichen Namen Wratislaw angeben; auf dem Sterbelager aber bekannte er seiner Gattin Francisca, daß er in der That einem Grafengeschlechte angehöre. In England hatte er sich zweimal verheiratet, und von seiner zweiten Frau stammen die heute in England lebenden Sprossen der Familie Wratislaw. Zwei seiner Söhne, John und William Ferdinand, hinterließen Nachkommen, und der Sohn des Letztgenannten ist der obige Albert Heinrich Wratislaw. Derselbe erhielt seine erste Ausbildung unter dem als Lehrer allgemein geschätzten Dr. Arnold an der Schule zu Rugby, welche er im Alter von 15 Jahren verließ, um sich fortan dem Studium der Rechte zu widmen. Doch diese Richtung gab er bei seiner großen Vorliebe für streng wissenschaftliche und namentlich theologische Studien bald wieder auf und ging 1840 zunächst auf die Universität Cambridge, wo er das Trinity College besuchte, später aber in das Christs College übertrat, in welchem er sich für ein Lehramt vorbereitete und mit besonderem Eifer und Erfolge das Studium der Mathematik und der alten Classiker betrieb. Ueberdies bekleidete er verschiedene Würden an diesem Colleg, schrieb auch Mehreres, namentlich über die Reform oder die nöthigen Aenderungen in den englischen Hochschulen, infolge dessen er die Genugthuung erhielt, daß seine Ideen von Seite der Oberleitung gewürdigt und allmälig auch verwirklicht wurden. Später ward er an derselben Hochschule, wie es bei der anglokanischen Kirche Brauch ist, zum Diakon und zuletzt zum Priester geweiht. In den Ferien 1848 machte er eine Reise nach Deutschland und studirte in Bonn deutsche Sprache und Literatur. Ueber den Ursprung seiner Familie in Kenntniß, richtete er seine nächste Aufmerksamkeit auf deren Heimat Böhmen, welche mit dem Geschicke seiner Familie in so enger Verbindung stand. Im Jahre 1849 besuchte er für längere Zeit Böhmen, machte sich mit den Oertlichkeiten, mit den Sitten und Bräuchen und dem Stande der politischen Verhältnisse bekannt und verlegte sich auch mit allem Eifer auf das Studium des Idioms, welches seine Vorfahren gesprochen. Er hielt sich längere Zeit auch in Prag auf, das er unter Führung des Professors Karl Tieftrunk und dessen Bruders Wenzel in allen Einzelnheiten kennen lernte. Im folgenden Jahre besuchte er Krakau und verlegte sich daselbst auf das Studium der polnischen Sprache. 1852 kam er als Hauptlehrer an die neuerrichtete Schule zu Felsted in der Grafschaft Essex, wo er sich auch vermälte. Dann folgte er einem Rufe als Director an die alte und berühmte, von König Eduard VI. gegründete Schule zu Bury St. Edmunds, an welcher er wohl noch zur Stunde thätig sein dürfte. Wratislaw ist auf theologischem Gebiete vielfach schriftstellerisch thätig und hat mehrere Hefte Kanzelvorträge und Abhandlungen über einzelne Stellen des neuen Testamentes u. d. m. herausgegeben. Aber auch die Literatur der Heimat seiner Familie pflegte er mit Vorliebe und Erfolg, so gab er in der „Lyra českoslowanska“, eine Sammlung älterer und neuerer čechischer Dichtungen in englischer metrischer Uebertragung heraus, übersetzte die Königinhofer Handschrift[WS 1], dann seines Urahns Wenzel Schicksale auf dessen Reise nach Constantinopel, ferner schrieb er ein Buch über die Heiligsprechung des Johann von Nepomuk, das er mit einer Sammlung der über denselben vorhandenen Legenden veröffentlichte, und welches dann in čechischer von J. Prochaska ausgeführter Uebersetzung 1868 in Prag erschienen ist. [Světozor (čechische illustrirte Zeitschrift, kl. Fol., 1867, Seite 34: „Albert Henry Wratislaw“]. – Porträt. Unterschrift: „Alb. Henr. Wratislaw, | Kreslil K. Maixner“. Guter Holzschnitt im vorbenannten „Světozor“.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vergleiche dazu Königinhofer Handschrift (Wikipedia).