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BLKÖ:Wodzicki, Stanislaus Graf

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 57 (1889), ab Seite: 212. (Quelle)
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Wodzicki, Stanislaus Graf (Staatsmann und Botaniker, geb. zu Rogów an der Weichsel am 27. Juli 1764, gest. in Krakau am 15. März 1843). Ein Sohn des Grafen Franz Wodzicki, Starosten von Grzybów, aus dessen Ehe mit Sophie geborenen Gräfin Krasińska, erhielt er die erste Erziehung im Elternhause unter der Leitung Michael Krajewski’s, eines wissenschaftlich gebildeten Priesters aus dem Orden der frommen Schulen. Im Jahre 1784, als Kaiser Joseph die Universität in Lemberg gestiftet, bezog er dieselbe, um die Rechte zu studiren. Zur praktischen Ausbildung begab er sich dann zum Tribunale in Lublin, in welchem er zugleich einen daselbst anhängigen Familienproceß zu Ende führte. Die Art und Weise seines damaligen Auftretens, namentlich die Obsorge, die er seinen Angehörigen zuwendete, lenkte bald die Aufmerksamkeit auf den jungen Edelmann, und so wählte ihn 1789 die Wojwodschaft Sandomir zum Civil- und Militärcommissär der Woiwodschaften Sandomir und Wislice, in welcher Stellung er mehrere Jahre in den damaligen schweren politischen Wirren mit großer Umsicht und zum Frommen der Bevölkerung thätig war. Als dann friedlichere Zeiten kamen, vermälte er sich 1796 mit Anna geborenen Fürstin Jablonowska. Die nun nach dem Falle der Republik folgenden zwölf Jahre verlebte er auf seinen Gütern, beschäftigt mit der Bewirthschaftung derselben, wobei er der Blumenzucht und Gartenpflege seine besondere Aufmerksamkeit zuwendete. Dabei übte er auf seine Umgebung, auf die ländliche Bevölkerung einen ungemein wohlthätigen, durch sein eigenes Beispiel mächtig fördernden Einfluß. Aus diesem Wirken rissen ihn mit einem Male die politischen Bewegungen der Zeit. Als 1809 infolge der politischen Ereignisse das Herzogthum Warschau entstand, wurde er sogleich in den neugebildeten Nationalrath gewählt und übernahm zunächst die Obliegenheiten eines Polizeidirectors der Stadt Krakau, dann eines Präfecturrathes und nachdem Heinrich Fürst Lubomirski zu anderer Stelle berufen worden, eines Präfecten des Departements Krakau, welch letzteren Posten ihm Friedrich August König von Sachsen als Herzog von Warschau 1810 während seiner Anwesenheit in Krakau übertrug. Für seine erfolgreiche Thätigkeit n dieser Stellung gewann er ebenso die Herzen der Bevölkerung als die Anerkennung des Königs, der ihn im September 1812 mit dem St. Stanislausorden erster Classe schmückte. Als dann auf dem Wiener Congreß mit 3. Mai 1815 der Freistaat Krakau ins Leben trat, erfolgte des Grafen Wodzicki Ernennung zum Senatspräsidenten des Rathes des Freistaates. Mit aller Umsicht und großem Tacte verwaltete er sein schwieriges Amt in diesem von der Eifersucht der drei Schutzmächte Oesterreich, Preußen und Rußland überwachten Staate. Eine seiner ersten segensvollen Maßnahmen war die Bildung der Krakauer Wohlthätigkeitsgesellschaft, welche [213] sich bald in sehr erfolgreicher Weise entwickelte. An Anerkennung seines nach allen Seiten so verdienstvollen Wirkens fehlte es nicht, 1817 wurde er Castellan im Senate des Königreichs Polen, 1829 erhielt er die Wojwodenwürde, und bis 1833 war er in diesen Stellungen thätig. Die Beschwerden des Amtes und das vorgerückte Alter, wozu sich die Nothwendigkeit für eine strengere Obsorge seiner Güter gesellte, bestimmten ihn, sich aus dem Staatsdienste zurückzuziehen. Die Versammlung der Repräsentanten des Freistaates Krakau ehrte aber die vieljährigen erfolgreichen Dienste des Grafen durch Verleihung der goldenen Medaille, der höchsten Auszeichnung, welche der Freistaat zu vergeben hatte. Noch eine Reihe von Jahren war es dem Greise vergönnt, in Zurückgezogenheit ländlicher Ruhe seiner Lieblingsneigung, der landwirthschaftlichen und botanischen Beschäftigung, zu leben, auf welchem Gebiete er auch schriftstellerisch aufgetreten ist. Er hatte auf seinem großväterlichen Gute Niedzwiedz einen Garten angelegt, der wegen des Reichthums seiner Pflanzen aus allen Theilen der Erde in Polen eine Berühmtheit war, denn nicht nur dauerten alle möglichen Arten im Freien aus, sondern unzählige tropische waren in Glas- und Treibhäusern untergebracht. Im Druck sind von Wodzicki erschienen: „Uwagi nad żydami w Polsce“, d. i. Betrachtungen über die Juden in Polen (Krakau 1816, 8°.); – „Mowa przy katafalku Tadeusza Kościnszki dnia 23. Czerwca 1818 miana“, d. i. Rede, gehalten am Katafalk des Thaddäus Kościuszko am 23. Juni 1818 (ebd. 1818, 8°.); – „O hodowaniu, użytku, mnożeniu i poznawąniu drzew, krzewów, roslin i ziól celniejszych“, d. i. Von der Zucht, dem Gebrauche, der Vermehrung und dem Erkennen der wichtigeren Hölzer, Sträucher, Gewächse und Kräuter, 6 Bände (ebd. 1818–1828, 8°.), der 1., 2. und 3. Band wurden 1824 und 1827 neu aufgelegt; – „Śzklarnie ogrodowe Niedżwiedzkie czyli opis zimochówków“, d. i. Die Garten-Glashäuser in Niedzwiedz oder Beschreibung der Winterpflanzen (ebd. 1825, 8°.). Kleinere Abhandlungen veröffentlichte er in polnischen und französischen Blättern, und zwar ist in letzteren besonders bemerkenswerth: „Notice sur l’agriculture de l’ancienne Pologne“ abgedruckt im „Journal de l’Académie d’Horticulture“ 1833, worüber das Petersburger Tageblatt (Tygodnik Petersburgski) 1836, Nr. 13 eingehende Betrachtungen brachte. In den Jahren 1829, 1830, 1834, 1835 und 1839 gab der Graf auch den „Dziennik ogrodniczy“, d. i. Gartenzeitung, heraus, deren fünf Bände (4°.) viele Arbeiten seiner Feder enthalten. Er erreichte das Alter von nahezu 80 Jahren, in seinem Nachlasse befinden sich zahlreiche Schriften seiner Hand, darunter Denkwürdigkeiten aus der Zeit seiner Verwaltung der Republik Krakau, welche für die Zeitgeschichte wichtige Materialien enthalten. Aus seiner Ehe mit Anna Fürstin Jablonowska hinterließ er Söhne und Töchter, welche aus der Stammtafel ersichtlich sind.

Krakau unter der Präsidentschaft des Stanislaus Wodzicki (o. O. 1831, 8°.). – Pamiętnik towarzystwa dobroczynności Krakowskiego wydany powodu obchodzonego w d. 24. i 25. czerwca 1866 r. pięcdziescąt-letniego Jubileusza, d. i. Denkschrift der Gesellschaft der Wohlthätigkeit in Krakau, herausgegeben aus Anlaß der am 24. und 25. Juni 1866 stattgehabten Feier des fünfzigjährigen Bestandes derselben (Krakau 1868, Kirchmayer, schm. 4°.) S. 126 [214] bis 136: „Nekrolog“ von Jos. Theodor Głębocki. – Thierry (F.). Le Comte S. Wodzicki ancien président de Cracovie (Paris 1846, 8°.), Auszug aus dem Nécrologe universel du XIX siècle.
Porträt. Unterschrift: „Stanisław hr. Wodzicki, Prezes Senatu Rządzącego Rzeczypospolitćy Krakowskiej | jeden z pierwszych załozicieli Towarz. Dobr. w Krakowie“. Lithographie ohne Angabe des Zeichners und Lithographen (Krakau 1868, M. Salb, 4°.).