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BLKÖ:Wimpffen, Maximilian Freiherr

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 56 (1888), ab Seite: 252. (Quelle)
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Wimpffen, Maximilian Freiherr (k. k. Feldmarschall, Ritter des goldenen Vließes, Commandeur des Maria Theresien-Ordens, geb. zu Münster in Westphalen 19. Februar 1770, gest. zu Wien 29. August 1854), vom Georgs-Zweige des jüngeren (Johann Dietrich’schen) Hauptastes. Ein Sohn des k. k. Feldmarschall-Lieutenants Georg Siegmund, trat er, dem Soldatenstande sich widmend, am 1. Mai 1781 in die Wiener-Neustädter Akademie, aus welcher er am 1. November 1786 als Fahnencadet zu Clairfait-Infanterie Nr. 9 eingetheilt wurde. Schon im nächsten Jahre kam er als Fähnrich zu Alvinczy-Infanterie Nr. 19, in welchem Regimente er während des Türkenkrieges 1788 und 1789 wiederholt sich auszeichnete. Noch im Laufe des Feldzuges zum Lieutenant befördert, befand er sich bei dem Sturme auf die Festung Belgrad, am 30. September 1789, nach eigenem Antrage, an der Spitze der Freiwilligen der Colonne, die links von dem Constantinopeler Thore eindrang, erhielt durch einen Steinsplitter eine bedeutende Contusion am linken Fuße, die ihn aber nicht außer [253] Gefecht setzte, und wurde zu mehreren wichtigen und gefahrvollen Aufträgen durch den ebenfalls verwundeten Colonnencommandanten Obersten Karl Grafen Kolowrat vom Regimente Alvinczy verwendet. An diesem ruhmvollen Tage zog er durch seinen Muth, durch unermüdete Thätigkeit und praktische Anwendung der erworbenen militärischen Kenntnisse zuerst die Aufmerksamkeit auf sich. In Anerkennung der geleisteten ausgezeichneten Dienste erfolgte hierauf seine Beförderung zum Oberlieutenant im Grenadier-Bataillon Morzin. Die Revolution in Frankreich und die Unruhen in Belgien riefen, nach hergestelltem Frieden mit den Türken, die Waffen Oesterreichs 1791 nach den Niederlanden. Auch Wimpffen’s Bataillon zog dahin. Kaum zu Brüssel angelangt, ward es zu dem Corps beordert, mit welchem Feldzeugmeister Clairfait bestimmt war, durch das Luxemburgische nach Frankreich zur Bekämpfung der Revolution gemeinschaftlich mit den Preußen einzudringen. Der Feldzug war ungemein beschwerlich und hatte beinahe die jugendlichen Kräfte des Oberlieutenants Wimpffen erschöpft, und doch war dieser noch gezwungen, mit seinem Bataillon in Gewaltmärschen durch ganz Niederland bis Mons, an die durch die Franzosen bedrohte Westgrenze dieser Provinz zu rücken. Gleich nach seinem Eintreffen erfolgte die Schlacht von Jemappes, an welcher er nur geringen Antheil nahm. Das österreichische Heer sah nun seiner numerischen Schwäche wegen sich genöthigt, bis nahe an den Rhein zurückzugehen und daselbst Winterquartiere zu beziehen. Während aller dieser Ereignisse wurde Oberlieutenant Wimpffen größtentheils zu Adjutantendiensten bei dem Feldmarschall-Lieutenant Bacon Alvinczy verwendet. Im nächsten Feldzuge 1793 eroberte er mit einer Grenadiercompagnie in der Schlacht von Neerwinden dieses Dorf, nahm zwei Geschütze und rückte bis an das äußerste Ende des Ortes, nahe an den rechten Flügel der hinter demselben in Schlachtordnung aufgestellten französischen Armee vor. Allein, ohne Unterstützung und von einer weit überlegenen feindlichen Colonne angefallen, mußte er wieder weichen, wurde am rechten Fuße durch eine Gewehrkugel verwundet und kriegsgefangen gemacht. In dem Hauptquartier Tirlemont angekommen, verlangte er mit Dumouriez zu sprechen; dies wurde ihm aber erst gestattet, als er wissen ließ, er sei ein Neffe des französischen Generals Felix Wimpffen, welcher gleich General Dumouriez als Mitglied der Assemblée constituante gewirkt habe. Letzterer empfing ihn mit vieler Theilnahme und versprach, ihn auf Parole zu entlassen, was auch nach sechs Wochen erfolgte, so daß Wimpffen im Jahre 1793 noch der Belagerung von Valenciennes und der Schlacht von Maubeuge beiwohnen konnte. Im Feldzuge von 1794 befand er sich bei der Einschließung der Festung Landrecy und den daselbst vorgefallenen mehrtägigen Gefechten, in welchen er eine Compagnie befehligte. Auch kämpfte er in den beiden Schlachten von Charleroi an der Sambre und bezog sodann mit der Armee das Winterquartier hinter dem Rhein. Nun zum Capitänlieutenant befördert, mußte er 1795 von den Grenadieren zum Regimente seiner Bestimmung nach der Riviera von Genua einrücken, wo er noch vor der Schlacht bei Loano ankam. Es wurde ihm die Vertheidigung dieser auf dem äußersten linken Flügel am Meere gelegenen [254] Stadt, die ein wichtiger Stützpunkt der Armee war, mit geringen Mitteln übertragen. Nichts destoweniger schlug er alle vom Feinde gegen dieselbe unternommenen Angriffe zurück, machte auch selbst einige Ausfälle und räumte Loano erst, als der allgemeine Rückzug der Armee angeordnet worden war. Bei Beginn des Jahres 1796 langte der Flügeladjutant Major Malcamp, welcher zur Führung der französischen Correspondenz mit dem englischen Admiral Keith nach Voltri bei Genua beordert war, daselbst an und bewog den Capitänlieutenant Wimpffen, mit ihm in das Hauptquartier zu kommen. Dort wurde derselbe dem Feldzeugmeister Beaulieu zur Dienstleistung zugetheilt und in kurzer Zeit zum wirklichen Hauptmann im Generalquartiermeisterstabe ernannt. In dem Treffen am Mincio ward ihm ein Pferd getödtet und er durch zwei Bajonnetstiche verwundet; jedoch durch seinen energischen Widerstand hatte er den commandirenden General, die Kriegscasse und das Hauptquartier der im Rückzug begriffenen, in der Eile gesammelten Truppen in der Hauptgasse von Valeggio gerettet. In der nach Uebernahme des Armeecommandos durch den Feldmarschall Wurmser erfolgten Schlacht bei Castiglione delle Stiviere befand er sich in der Umgebung desselben, wurde jedoch zu keinen besonderen Aufträgen verwendet. Bei dem zweiten Versuche Wurmser’s, die Festung Mantua zu entsetzen, war er so glücklich, unter Commando des Feldzeugmeisters Alvinczy bei den am 6. und 12. November 1796 an der Brenta und bei Caldiero stattgehabten Treffen wesentlich zum Siege beizutragen. In der für die österreichischen Waffen zwar unglücklichen, aber dennoch, nach den Relationen des Feindes selbst, sehr ruhmvollen Schlacht von Arcole, die den 15., 16. und 17. November 1796 dauerte, befand sich Hauptmann Wimpffen ganz allein als dirigirender Officier des Generalquartiermeisterstabes bei der linken Armeehälfte. Nun nach Tirol übersetzt, wo Feldmarschall-Lieutenant Bellegarde ein sehr starkes Armeecorps befehligte, wurde er hier mit der Oberleitung der Generalquartiermeisterstabs-Geschäfte betraut. Während des strengen Winters von 1798 verschanzte er eine Position bei Feldkirch im Vorarlbergischen mit solcher Festigkeit, daß Masséna im Frühjahre 1799 nach einem dreitägigen vergeblichen Angriff, in welchem er den Kern seiner Grenadiere opferte, abzuziehen gezwungen war. Als in diesem Frühjahre noch in den Gebirgen Tirols Schnee lag und die Feindseligkeiten noch nicht eröffnet waren, nahm Feldmarschall-Lieutenant Bellegarde in Begleitung des Hauptmannes Wimpffen eine Bereisung der westlichen Landesgrenze vor. Zu Mals, wo er übernachtete, lief des Morgens durch Bauern die Nachricht ein, General Loudon (des berühmten Feldmarschalls Neffe), dem die Vertheidigung des Passes bei Tauffers mit einem starken Corps anvertraut war, sei in der vergangenen Nacht überfallen, sein Corps zerstreut und größtentheils gefangen genommen worden. Hauptmann Wimpffen eilte sogleich von Mals dahin und versuchte mit den in Eile unterwegs aufgebrachten Truppen die Loudon in den Rücken gekommenen feindlichen Abtheilungen anzugreifen, um ihn hiedurch zu degagiren, falls er sich noch bei Tauffers schlüge. Bei einem dieser Angriffe an der Spitze einer Division von Erdődy-Huszaren wurde Wimpffen durch einen Schuß, der ihm [255] das rechte Achselgelenk gänzlich zerschmetterte, schwer verwundet, so daß er nur mit Muhe bis Bozen zurückgebracht werden konnte, wo er einige Monate zwischen Leben und Tod lag. Genesen, rückte er noch im Laufe des Jahres zum Major im Generalquartiermeisterstabe vor und erhielt von der Tiroler Landschaft durch eine eigene Deputation nebst zwei Danksagungsschreiben auch die Tapferkeitsmedaille. Im Frühjahre 1800 wurde ihm ein Urlaub in das Badener Bad bei Wien zur Beförderung der Absplitterung bewilligt. Nach langem Leiden erst genas er so weit, daß er wieder ein Pferd besteigen konnte. Feldzeugmeister Alvinczy, commandirender General in Ungarn, entdeckte Wimpffen’s Aufenthalt und trug ihm eine Anstellung bei der ungarischen Insurrection an. Da diese aber nicht vor dem Feinde stand, lehnte Wimpffen ab und verfügte sich in das Hauptquartier zu Verona unter Commando des Feldzeugmeisters Grafen Bellegarde. Dieser verwendete ihn zum Dienst eines Flügeladjutanten, wozu Wimpffen auch nachher ernannt wurde. Derselbe trug den rechten Arm in der Schlinge, mußte sich auf das Pferd heben lassen, schrieb, ungeachtet er es in seiner Jugend nicht gelernt hatte, mit der linken Hand und mußte seine noch tiefe mit Beinsplittern behaftete Wunde zwei Mal des Tages verbinden lassen. Dieser Zustand hielt ihn jedoch nicht ab, der Anfangs Winter vorgefallenen Schlacht am Mincio gegen den Marschall Brune beizuwohnen. Er erhielt an der Seite Bellegarde’s eine bedeutende Contusion von einer kleinen Kugel am linken Arme, die ihn aber nicht außer Gefecht setzte. Er wurde zum Oberstlieutenant bei Ignaz Gyulai-Infanterie befördert und mußte sich 1801 zur Uebernahme des 3. Bataillons nach Semlin begeben. Von da wurde er nach Peterwardein übersetzt. Daselbst erst, im Jahre 1802, heilte die Achselgelenkwunde gänzlich zu. Aber da die Natur die künstliche Gestaltung eines zerschmetterten Gelenkes nicht herzustellen vermag, blieb Oberstlieutenant Wimpffen am rechten Arme gelähmt. Indessen wurde er ganz unerwartet bei der Einführung des neuen Militär-Administrationssystems zum Generalcommando-Adjutanten und Militärreferenten in Innerösterreich ernannt, wozu er sich nach Gratz begab. In den Jahren 1803 und 1804 verblieb er in dieser Anstellung, als aber die Armeen zwischen 1804 und 1805 in Italien und Deutschland zu dem bevorstehenden Feldzuge gesammelt wurden, wendete sich der 1805 zum Obersten vorgerückte Freiherr Wimpffen vergebens an den Hofkriegsrath um eine Anstellung bei der Armee des Erzherzogs Karl, ungeachtet er sich auf eine Versicherung desselben berief, daß er ihn mit Vergnügen bei derselben sehen würde. Endlich als die Unglücksfälle bei Ulm und Mariazell eingetreten waren, erhielt er durch den Kriegspräsidenten General der Cavallerie Grafen Latour mittelst Estafette die Weisung, sich eiligst zu Seiner Majestät dem Kaiser Franz zu verfügen, dessen Hauptquartier mittlerweile von Wien nach Olmütz abgegangen war. Als er daselbst anlangte, wurde er von Kaiser Franz beordert, das Referat bei einem aus mehreren Generälen höheren Ranges zur Oberleitung der Kriegsoperationen zusammengesetzten Comité zu übernehmen, dann eine Position vor und eine andere hinter Olmütz sogleich zu verschanzen, endlich die Generalquartiermeister-Geschäfte bei dem russischen Heere unter Kutusow zu besorgen. Da aber General [256] Weyrotter, der dieselben schon früher bei der ganzen russisch-österreichischen Armee verrichtet hatte, darin fortfuhr und Oberst Wimpffen wohl wußte, daß Weyrotter die besondere Gunst des Kaisers Alexander, sowie das Zutrauen des Kaisers Franz besaß, begab er sich zu dem unter Commando des Feldmarschalls Fürsten Johann Liechtenstein gestellten schwachen, jedoch abgesonderten österreichischen Corps. Alle Vorkehrungen verriethen die Absicht, Napoleon unverweilt anzugreifen. Oberst Wimpffen bewog den Feldmarschall Johann Liechtenstein, dem Kaiser Franz eine Denkschrift zu überreichen, in welcher dargestellt war. wie gefährlich es sei, vor der Ankunft der erwarteten russischen[WS 1] Verstärkungen und vor der Verbindung mit der aus Italien bei Oedenburg angelangten Armee des Erzherzogs Karl sich in eine Schlacht einzulassen. Allein diese Vorstellung, sowie jene, die er persönlich dem General Weyrotter machte, blieb ohne Erfolg, und die Schlacht bei Austerlitz wurde beschlossen. In der Nacht vor derselben erhielt er den Auftrag, die Führung der Hauptcolonne zu übernehmen. Er bat Kutusow um eine Avantgarde, mit welcher er sich vorausbegeben, ihm seine Wahrnehmungen und die Richtung, in welcher sich die Colonne zu bewegen hätte, anzeigen lassen würde. Da ein Corps von 30- bis 40.000 Franzosen eiligst gegen den Fuß der Anhöhen von Prazen rückte und er dieselben als den wichtigsten Punkt des ganzen Schlachtfeldes betrachtete, so forderte er Kutusow auf, diese Höhen ungesäumt zu gewinnen. Allein dies erfolgte nicht!!! Als das französische Armeecorps hierin zuvorgekommen war, suchte man es vergebens zu delogiren. Bei einem dieser Angriffe wurde dem Obersten Wimpffen ein Pferd getödtet, derselbe in die rechte Hand und nachher in das Gelenk des rechten Fußes geschossen, hiemit außer Gefecht gesetzt. Bei dem, nach dem Kriege im April 1806 abgehaltenen Theresien-Ordenscapitel erkannte man ihm für seine Leistungen bei dieser Schlacht einstimmig das Ritterkreuz zu. Er wurde nun als überzähliger Oberst des Generalquartiermeisterstabes wieder auf seinen früheren Posten in Gratz zurückgesendet, aber noch im Jahre 1806 zum Generaladjutanten Seiner kaiserlichen Hoheit des Generalissimus Erzherzogs Karl und zur Uebernahme der Geschäfte bei der General-Militärdirection in Wien berufen. In dieser Anstellung brachte er 1807 und 1808 zu. Beim Ausbruche des Krieges 1809 erhielt er als Generaladjutant des Erzherzogs den Auftrag, auch die Generaladjutanten-Geschäfte bei der großen Armee zu besorgen. Der auf Mayer von Heldenfeld [Bd. XVIII, S. 83, Nr. 15] folgende Chef des Generalquartiermeisterstabes entsendete die Armee in mehreren divergirenden Colonnen gegen Napoleon, was die Detailniederlage derselben bei Regensburg und Landshut zur nothwendigen Folge haben mußte. Hiebei wurden dem Obersten Wimpffen, der bei dem Gefechte von Hausen und dem Haupttreffen vor Regensburg sich vergebens für einen glücklicheren Erfolg verwendete, zwei Pferde unter dem Leibe erschossen. Nach der Schlacht von Regensburg auf dem Rückzugsmarsche der Armee über Budweis ward Oberst Wimpffen durch ein Handbillet Seiner Majestät des Kaisers zum Chef des Generalstabes ernannt und bald darauf zum Generalmajor befördert. Bei dem Eintreffen der Armee auf dem Marchfelde erwartete man, daß Napoleon den Donaustrom [257] übersetzen und hiedurch Gelegenheit zum Kampf bieten würde. So kam es auch am 21. und 22. Mai 1809 zur Schlacht von Aspern. In der Relation dieses über Napoleon erfochtenen ersten Sieges bemerkt Erzherzog Karl ausdrücklich: „daß er in den einsichtsvollen Dispositionen und der rastlosen Verwendung des Chefs des Generalstabes Generalmajors von Wimpffen die erste Grundlage des Sieges erkenne“. Auf dem Schlachtfelde selbst wurde ihm das Commandeurkreuz des Maria Theresien-Ordens verliehen. Als nach den Schlachten von Wagram und Znaim, in welchen das österreichische Heer gegen einen an Stärke so weit überlegenen Feind, der über Europas vereinte Kräfte gebot und ein großer Feldherr war, ganz allein, ohne auch nur einen Verbündeten kämpfte – denn Rußland hatte am 1. Mai 1809 Oesterreich auch den Krieg erklärt und Preußen war noch nicht entschieden – der Generalissimus das Commando der Armee niedergelegt hatte, sollte dasselbe durch ein Comité mehrerer Generäle geführt werden!!! Diese in der Kriegsgeschichte unerhörte Maßregel, welche die nachtheiligsten Folgen hätte nach sich ziehen müssen, bewog General Wimpffen als Chef des Generalstabes, Seiner Majestät sein Amt zu Füßen zu legen. Er wurde hierauf als Brigadier nach Böhmen, Polen und endlich nach Siebenbürgen beordert, wo er 1810, 1811 und 1812 zubrachte. Kaiser Alexander ließ während dieser Zeit durch den damaligen Obersten und Generaladjutanten de Witt ihm den Antrag machen, unter den vortheilhaftesten Bedingungen als Generallieutenant an der Seite des Kriegsministers Barclay de Tolly in russische Dienste zu treten, allein Wimpffen lehnte dieses Anerbieten ab. 1813 zum Feldmarschall-Lieutenant befördert, kämpfte derselbe ruhmvoll mit seiner Division in der Schlacht von Leipzig, übersetzte mit der Armee 1814 den Rhein und nahm thätigen Antheil an mehreren Gefechten in Frankreich, die bei der Führung des linken Flügels der Südarmee gegen Augereau, bei St. George und Limonet, dann bei der Einnahme Lyons und der Vorrückung bis Grenoble stattfanden. Seit dem 2. April 1814, an welchem Tage Feldmarschall-Lieutenant Wimpffen in dem Thale der Isère, ohne Auftrag, die verschanzte Stellung eines feindlichen Corps unter Marchaud bei Voreppe erstürmte, befand er sich bei keiner Waffenthat, die besondere Erwähnung verdiente, weil 1815 durch den entscheidenden Sieg der Verbündeten bei Waterloo, wo weder Oesterreicher noch Russen kämpften, der ganze Krieg beendigt und Frankreich erobert war. 1815 wurde Wimpffen Inhaber des 13. Infanterie-Regimentes. Von 1816–1819 befand er sich als Militärcommandant Oesterreichisch-Schlesiens zu Troppau, und während des dortigen Monarchencongresses 1820 wurde er zur Uebernahme des Generalcommandos im Venetianischen, nach dem Abmarsche Frimont’s gegen Neapel nach Padua, beordert. Da gleich hierauf die Revolution in Piemont ausbrach, entsendete er ohne irgend eine Weisung, aus freiwilligem Entschlusse, mit beinahe gänzlicher Entblößung des Venetianischen, in Eilmärschen zwölf Bataillons und mehrere Batterien nach Mailand, weil Feldmarschall-Lieutenant Bubna im Begriffe war, bei Annäherung des revolutionirten piemontesischen Heeres aus Mangel an Truppen sich zurückzuziehen. Nun sah sich Bubna in den Stand gesetzt, von Mailand gegen Novara vorzurücken [258] und das überraschte piemontesische Heer zu einer rückgängigen Bewegung zu vermögen. Dafür wurde Feldmarschall-Lieutenant Wimpffen mit der Würde eines geheimen Rathes ausgezeichnet. Im Jahre 1824, nach dem Tode des Chefs vom Generalquartiermeisterstabe, Feldmarschall-Lieutenants Prohaska, an dessen Stelle nach Wien berufen, ward er gegen Ende October 1830 zum Feldzeugmeister und commandirenden General in Oesterreich ernannt. Nach 14jähriger Leitung dieser Stelle fühlte er durch die früheren Kriegsfatiguen und Wunden seine Kräfte und seine Gesundheit so herabgekommen, daß er die Obliegenheiten eines commandirenden Generals nicht mehr mit der erforderlichen Thätigkeit zu erfüllen im Stande war, und bat daher, in den Ruhestand versetzt zu werden. In Anerkennung einer beinahe 60jährigen ausgezeichneten Dienstzeit und 20 mitgemachter Campagnen wurde er am 4. September 1844 zum Feldmarschall und Capitän der ersten Arcieren-Leibgarde ernannt. Kaiser Franz Joseph aber würdigte die hohen Verdienste des tapferen Soldaten durch Verleihung des goldenen Vließes, welche am 8. December 1852 erfolgte. Wimpffen widmete sein ganzes 84jähriges Leben dem Ruhme der Armee, wurde achtmal verwundet, verlor 6 Pferde vor dem Feinde, wohnte unter vielen Aufopferungen, mit noch offener tiefer Wunde einem Winter-Feldzuge in Italien bei, in welchem er bei der Schlacht am Mincio einen zweiten Schuß erhielt. Unwandelbar war seine Anhänglichkeit an Monarchen und Vaterland, darum lehnte er auch den mit vielen Vortheilen verknüpften Antrag 1811, in russische Dienste zu treten, gerne ab. Einer seiner Biographen charakterisirt ihn: Mit allen Kenntnissen der höheren Taktik und Strategie verband er viele Dispositionsfähigkeit und ein scharfes, richtiges coup d’oeil, daher auch alle von ihm eingeleiteten Gefechte und Schlachten, insbesondere jene von Aspern, einen ruhmvollen Erfolg hatten. Er wurde zu wiederholten Malen zum Chef des Generalquartiermeisterstabes ernannt und immer an der Spitze solcher Anstellungen verwendet, welche die größte Thätigkeit, besonderen Nachdruck und gründliche Kenntnisse in Anspruch nahmen. Von jeder Eitelkeit entfernt, glaubte er sich stets durch das eigene Bewußtsein hinreichend belohnt, ohne je nach Orden oder Beförderung zu haschen. Mit einem lebhaften Temperamente verband er Strenge im Dienste, unerschütterliche Gerechtigkeitsliebe, das lebhafteste Wohlwollen für seine Untergebenen, ein besonderes Zartgefühl und viele Gemüthlichkeit. Sehr uneigennützig und wohlthätig im Verhältniß seiner Mittel, sammelte er kein Vermögen. Von jedem Stolz oder Hochmuth befreit, genoß er einen Grad achtungsvoller Ergebenheit und freiwilliger Unterwerfung, welcher die genaueste Befolgung aller Anordnungen vollkommen sicherte, und Alle, die unter ihm bei den beiden Generalcommanden, denen er längere Zeit vorstand, dienten, erschöpften sich in nicht hervorgerufenen Aeußerungen von Zufriedenheit. Obgleich von Wunden und Kriegsfatiguen herrührende anhaltende Leiden ihm die letzten Jahre seines Daseins verbitterten, verließ ihn die Lieblingsgewohnheit einer ausgebreiteten Gastfreundschaft nicht. Allein hierin bestand auch sein einziges Vergnügen, indem der so herabgekommene Gesundheitszustand ihn an dem Genusse jeder sonstigen Unterhaltung gänzlich hinderte. Er blieb daher auf die größte Zurückgezogenheit [259] beschränkt. Erinnerungen an die zahlreichen großen welterschütternden Ereignisse einer längst vergangenen, so viel bewegten Zeit beschäftigten seinen Geist, angenehme auserlesene Lecture und Besuche von Freunden erheiterten ihn, und er überschritt mit Muth und Ergebung den Uebergang, der zur Unsterblichkeit führt.“ Die angestrengte dienstliche Thätigkeit, aus der Wimpffen zeit seines Lebens nicht herauskam, gestattete ihm nicht, seine Erfahrungen als langjähriger Generalstabsofficier und wiederholt als Generalstabschef zum Frommen der kaiserlichen Armee schriftstellerisch zu verwerthen. Freilich sind seine wichtigsten Dispositionen in den Acten des Kriegsarchivs niedergelegt. Einmal aber trat er doch – allerdings ohne sich zu nennen – aus der ihm durch seine Stellung gebotenen Zurückhaltung heraus und ließ die Flugschrift erscheinen: „Warum benützten die Oesterreicher den Sieg von Aspern zu einer offensiven Operation auf das rechte Donauufer?“ (Deutschland 1810 [Leipzig, Bruder] 4°.). Auch ist zu erwähnen, daß auf Wimpffen’s Veranlassung dem berühmten Oberdirector und eigentlichen Reformator der Wiener-Neustädter Militärakademie, Franz Joseph Grafen Kinsky, im Parke dieser Anstalt ein Denkmal aufgestellt wurde. Er hatte im Jahre 1808, damals Generalmajor, an alle seine Erziehungsgenossen einen Aufruf erlassen, Beiträge beizusteuern, aber erst 22 Jahre später, am 4. October 1830, konnte das von dem Bildhauer Schaller ausgeführte Denkmal enthüllt werden, dessen colossales, 9 Schuh hohes Brustbild aus Kanonenmetall auf einem 16 Schuh hohen marmornen Fußgestell ruht. Der Feldmarschall bewohnte mehr als dreißig Jahre hindurch in Wien ein und dasselbe Haus, so daß sich zwischen ihm und dessen Besitzer, Herrn Pargfrider, ein geradezu freundschaftliches Verhältniß herausbildete. Dadurch fühlte sich dieser eines Tages bewogen, seinen langjährigen Miether um die Gunst zu bitten, daß er ihm auch im Tode nicht untreu werden möge und seinen Leichnam in dem (Pargfrider gehörigen) Parke zu Wetzdorf nächst Stockerau zur ewigen Ruhe bestatten lasse. Wimpffen lachte herzlich über die originelle Zumuthung und gab mit Freuden seine Zustimmung. Herr Pargfrider aber schuf daraufhin die unter dem Namen „der Heldenberg“ bekannte militärische Nekropolis, für welche er sich auch den Leichnam Radetzky’s rechtzeitig zu sichern wußte. So ruhen zwei Feldmarschälle an einer Stätte und zwischen ihnen der langjährige Freund Beider, Herr Gottfried Joseph Pargfrider. Max Wimpffen war unvermält geblieben; sein nächstälterer Bruder Freiherr Dagobert hat diesen Zweig der jüngeren (Johann Dietrich’schen) Linie der Wimpffen fortgepflanzt.

Hirtenfeld (J.). Der Militär-Maria Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1857, Staatsdruckerei, kl. 4°.) S. 809, 871, 1745, 1746. – Oesterreichischer Zuschauer von Ebersberg (Wien, 8°.) 1850, S. 304: „Kurze Biographie“, mit Holzschnittbildniß; 1854, Nr. 70: „Nekrolog“. – Oesterreichischer Soldatenfreund (Wien, gr. 4°.) 1854, S. 751 im Artikel: „Ueber Hirtenfeld’s Kalender für 1855“. – (Streffleur). Oesterreichische militärische Zeitschrift (Lex. 8°.) IV. Jahrgang (1863) Bd. III, S. 285: „Feldmarschall-Lieutenant Baron Wimpffen im Feldzuge 1815“. – (Steger’s) Ergänzungsblätter (Altenburg, gr. 8°.) Bd. X, S. 207. – Allgemeine Theater-Zeitung. Von Adolf Bäuerle (Wien, kl. Fol.) 48. Jahrg. 1854, Nr. 200, S. 827.
Porträt. Lithographie ohne Angabe des Zeichners und Lithographen auf dem Umschlag [260] von Hirtenfeld’s „Oesterreichischem Militär-Kalender für 1855“. Sehr selten.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: russichen.