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BLKÖ:Wenzel, Christoph

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Wenzel, Bernhard
Band: 55 (1887), ab Seite: 20. (Quelle)
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3. Christoph Wenzel (geb. zu Erbach im Bayreuth’schen 1742, gest. in Gratz 5. November 1800). Ein denkwürdiger Pädagog. Nachdem er guten Unterricht genossen hatte, sollte er sich dem geistlichen Berufe widmen, traf aber eine diesem gerade entgegengesetzte Wahl und trat in das österreichische Infanterie-Regiment Puebla als gemeiner Soldat ein. Daselbst gewann der gebildete Gemeine bald die Gunst seiner Vorgesetzten, welche noch mehr wuchs, als durch seine schöne Schrift und sein musicalisches[WS 1] Compositionstalent seine Verwendbarkeit sich steigerte, indem die Officiere ihm ihre Kinder zum Unterricht schickten. Mittlerweile zum Fourier vorgerückt, erhielt er, als sich die Heeresreduction, welche 1767 stattfand, auch auf die Fouriere erstreckte, seine Entlassung und in Klagenfurt seinen Abschied. Zunächst trat er als Spielmann bei Pálffy-Infanterie ein. wo bald seine Beförderung zum Capellmeister erfolgte. Auch verwendete man ihn seiner Geschicklichkeit wegen in der Regimentschule, und wieder ließen ihn die Officiere ihre Kinder unterrichten. Als er dann im April 1775 auch in diesem Regimente. das damals in Kaschau stationirte, entlassen ward, wirkte er einige Zeit in dieser Stadt als Hofmeister bei einer adeligen Familie. Dann ging er nach Pettau in Untersteiermark und leistete Aushilfe in einer Militärschule. bis er zu Gratz an einer eben errichteten Hauptschule in der Murvorstadt zuerst als Schuldiener eintrat. Schon nach kurzer Zeit wurde er Lehrer an der Pfarrschule im Münzgraben zu Gratz und leitete gegen besondere Vergütung auch den Unterricht, in der in der Kaserne befindlichen Militärschule. Als in dieser Zeit eines Tages Kaiser Joseph während seines Besuches der Stadt Gratz einer Unterrichtsstunde beiwohnte, war er von den Leistungen Wenzel’s in hohem Grade befriedigt. Bei der noch im nämlichen Jahre vorgenommenen Einrichtung des Normalschulwesens wurde dann derselbe von der deutschen Schuldirection berufen, die Lehrer und Gehilfen in der neuen Normallehrmethode und in den Lehrgegenständen zu unterweisen. Auf diesem Posten leistete er so Verdienstliches, daß ihm von allen Seiten Anerkennungen und Belohnungen zutheil wurden. In den letzten zwölf Jahren verfiel er infolge der großen Anstrengungen wiederholt in schwere Krankheiten, welche ihn zuletzt seines Gehörs völlig beraubten. Aber nichtsdestoweniger versah er nach wie vor in so musterhafter Weise sein Lehramt, daß Niemand, der dem Unterrichte Wenzel’s beiwohnte, ahnte, daß derselbe taub sei. Noch mehrere Jahre wirkte unser Pädagog, bis zunehmende Leiden ihm die Ausübung seines Berufes, in welchem er für andere ein Muster gewesen, gänzlich unmöglich machten. 1797 trat er in den Ruhestand, den er nur noch drei Jahre genoß. Von seinen zwölf Kindern überlebten ihn nebst seiner Frau nur vier. [Kunitsch (Michael). Biographien merkwürdiger Männer der österreichischen Monarchie (Gratz 1805, Tanzer, gr. 12°.) Bd. I, S. 85.] –

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: musicaliches.