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BLKÖ:Wanzura von Rzehnitz-Brachfeld, die Freiherren

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Wanzura, Ceslaus
Band: 53 (1886), ab Seite: 77. (Quelle)
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Die Freiherren Wanzura von Rzehnitz-Brachfeld. Dieses im Mannesstamme bereits erloschene böhmische Adelsgeschlecht führte seine Abstammung bis in die Zeit der Przemysliden zurück, und die Stammesfolge läßt sich urkundlich bis zum Ende des vierzehnten Jahrhunderts verfolgen. Ein Ritter Johann Wanzura von Rzehnitz fiel 1278 unter den Fahnen des Königs Ottokar in der Marchfelder Schlacht. Ritter Wenzel Wanzura und seine Gemalin Johanna geborene Freiin von Poboly erscheinen um 1390 als die Ahnen des Hauses. Der Freiherrenstand gelangte spät, erst um die Mitte des achtzehnten Jahrhunderts, wiederholt und bald hintereinander, zuerst mit Anton Ferdinand Ritter von Wanzura mit Diplom Kaiser Karls VI. vom 8. Februar 1731 und dann mit Wenzel Rudolf Wanzura auf Barchow mit Diplom vom [78] 5. April 1746 in die Familie. Diese bietet nur geringes geschichtliches Interesse, und wer sich des Näheren über sie unterrichten und den Wechsel des beweglichen Besitzes, der durch Heiraten, Kauf und Verkauf stattgefunden, kennen lernen will, findet dies ganz ausführlich dargestellt im genealogischen Artikel des „Slovník naučný“, nämlich des von Rieger-Malý herausgegebenen čechischen Conversations-Lexikons Bd. IX, S. 891 u. f. Der letzte männliche Sproß dieses Hauses war Joseph Joachim (geb. 6. Juli 1766, ein Sohn Anton Karl Wanzura’s auf Rokolaus und Radonitz in Böhmen und der Anna Maria Freiin Hildprandt von Ottenhausen. Er war k. k. Kämmerer, Major des Chevauxlegers-Regiments Latour, wurde von Johann Paul Zebo Ritter von Brachfeld, dem Oheim seiner ersten Gemalin, laut Testaments ddo. 27. September 1809 zum Eiben der Güter Chotieborz, Nemajow und Dobkow im Čáslauer Kreise Böhmens eingesetzt und erhielt infolge ah. Entschließung vom 7. April (Diplomausfertigung 16. April) 1810 die Bewilligung, mit seinem Namen und Wappen des Erblassers Namen und Wappen zu verbinden. Freiherr Joseph Joachim starb am 23. März 1827. Er war zweimal vermält: zuerst 1804 mit Johanna Nepomucena Zebo von Brachfeld (geb. 9. Februar 1787, gest. 12. October 1809); zum andern Male 1811 mit Maria Friederike Freiin Lamolle von Frintropp (geb. 12. Februar 1789, gest. 18. April 1858). Aus keiner Ehe wurden ihm männliche Nachkommen; die zweite Frau gebar ihm drei Töchter: Maria Friederike Wanzura, vermält 1837 mit Johann Freiherrn Dobrzensky von Dobrzeniz; Aloisia Henriette (geb. 24. October 1816), vermält am 24. April 1838 mit Heinrich Grafen Attems-Ehrenhausen, und Karoline Sophie (geb. 24. August 1817), vermält 1841 mit Victor von Mylius, k. k. Obersten.

Der schwitzende Grabstein der Familie Wanzura. So wie die Familie Kolowrat den schwitzenden Grabstein des Klosterstifters Albert von Kolowrat [Bd. XII, S. 374, Nr. 2] in der Augustinerkirche zu Ročow unweit Laun besitzt, hat auch die Familie Wanzura einen solchen aufzuweisen. Dieser Stein, an den sich eine ganz unheimliche Sage knüpft, befindet sich (oder befand sich wenigstens noch im Jahre 1861) in der Pfarrkirche St. Georg zu Unter-Krnsko unweit Jungbunzlau, und zwar hinter dem Hochaltare derselben unter altern Geräth und war einst im Pflaster der Sacristei angebracht. Ganz ausführlich gedenkt Balbin dieses Grabsteines, der das Andenken bewahrt an den Erbauer oder doch Erneuerer der Kirche zu Unter-Krnsko, Ritter Georg Wanzura von Rzehnitz, Herrn auf Walečon, welcher 1555 starb. Das Denkmal zeigt den Ritter mit rund geschnittenem Vollbarte, barhaupt in voller Rüstung, die Linke mit ihrem Blechhandschuh auf die Hüfte gestützt, die Rechte auf dem befiederten offenen Ritterhelme ruhend, der auf einem mit dem Wappen der Wanzura – einem mitten im Hirschgeweihe stehenden wilden Manne – gezierten Sockel liegt. Von diesem Grabstein ging die Sage: Jemand aus der Familie Wanzura müsse sterben, wenn der steinerne Ahnherr in der Kirche zu Unter-Krnsko zu „schwitzen“ beginne, namentlich aber wenn sich in dem offenen Helme des Ritters Wasser ansammle. Und die Familie glaubte an diese Erscheinung. Sobald sich an dem Steine oder am Helme die erwähnten Todeszeichen bemerkbar machten, wurden sofort an alle Glieder des Hauses Boten abgesendet. Lag ein Wanzura krank danieder, so ließ man das Denkmal des Ahnherrn Georg zu Krnsko untersuchen, ob es Zeit sei, daß der Kranke sein Haus bestelle! Der Pfarrer Thomas Doležal (gest. 1776) wurde von dem Sohne des Königgrätzer Kreishauptmanns Wenzel Ferdinand Wanzura dringend um gefällige Beaufsichtigung des verhängnißvollen Grabmals und um schleunige Berichte über die etwa daran sichtbar werdenden Todesanzeichen gebeten. Da waren die Kolowrat doch klüger, schon in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts verbaten sie sich alle Berichte über den schwitzenden Stein zu Ročow, der auch, wenn er schwitzte, jedesmal das Hinscheiden eines Sprossen der Familie Kolowrat ankündigen sollte. Dieser schwitzende Stein befindet sich heute noch in der Klosterkirche zu Ročow.