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BLKÖ:Waldhütter von Minenburg, Michael

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 52 (1885), ab Seite: 181. (Quelle)
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Waldhütter von Minenburg, Michael (k. k. Oberstlieutenant und Ritter des Maria Theresien-Ordens, geb. zu Schäßburg in Siebenbürgen 1716, gest. zu Preßburg am 26. März 1779). Als Gemeiner trat er in das Infanterie-Regiment Erzherzog Karl Josef Nr. 2, [182] und bei Beginn des siebenjährigen Krieges, 1756, diente er bereits als Oberlieutenant. Bei jedem Anlaß machte er sich dem Feinde gegenüber in so hervorragender Weise bemerkbar, daß das Vertrauen seiner Commandanten und der Garnison zu ihm stetig wuchs und man beschloß, sich des tapferen Officiers zu bedienen, sobald ein besonderer Vorfall eintreten sollte. Und dieser ließ nicht lange auf sich warten. Die Festung Schweidnitz, welche Loudon in der Nacht vom 1. October 1761 durch Ueberfall und Sturm genommen hatte, wurde 1762 (8. August bis 9. October) von den Preußen wieder belagert. Gegen Ende September waren die Belagerer durch mehrere gesprengte Minen bereits so weit vorgerückt, daß sie an den Pallisaden eine sehr tiefe Minengrube zu Stande brachten, mittelst deren am folgenden Tage eine neue Bresche gesprengt werden sollte, welche den Fall der Festung unfehlbar nach sich gezogen haben würde. Nun wurde dem durch seine Unerschrockenheit und Entschlossenheit in der Festung wohlbekannten Waldhütter der Antrag gemacht, mit einigen Freiwilligen seines Regiments den Versuch zu wagen, den Feind aus dem Minentrichter zu vertreiben und dann diesen selbst zu zerstören. Ohne sich weiter zu besinnen, nahm der muthige Officier den Auftrag an und wählte sich den Feldwebel Haiba nebst 30 Mann seines Regiments zu dem Wagniß aus. Zunächst galt es, den Feind irrezuführen. Zu diesem Zwecke wollte man in der Nähe zwei kleinere Minen sprengen und die Detonation sollte das Signal zum Angriffe des Minentrichters sein. Es war den 27. September. Nachdem Waldhütter seine Vorkehrungen getroffen hatte, stellte er seine 30 Freiwilligen auf, berieth sich kurz mit seinem Feldwebel, ging an die Sprengung der zwei kleinen Minen und eilte, nachdem dies geschehen, mit seiner ganzen Mannschaft mit gezogenem Säbel auf den Trichter los. Ohne Zagen sprang er mit Feldwebel Haiba mitten in denselben, und die 30 Ungarn mit dem Säbel in der Faust folgten ihren beiden Führern in die 24 Schuh tiefe Minengrube nach. Aber die Preußen waren auf ihrer Hut geblieben und empfingen die gleichsam aus der Luft Herabgeflogenen theils mit scharfen Schüssen, theils knieend mit gefälltem Bajonnet. Der Kampf war mörderisch, und von den 30 Helden – denn diesen Namen verdienen sie – wurden 13 theils getödtet, theils schwer verwundet; Waldhütter trug durch einen Bajonnetstich eine Streifwunde von der Wange bis über die Schläfe davon. Aber den Zweck hatte man doch erreicht. Der Feind war durch diesen ebenso seltsamen wie gewagten Angriff, ferner durch die Entschlossenheit des Führers so sehr aus der Fassung gebracht, daß, als Oberlieutenant Waldhütter seinen Soldaten mit erhobener Stimme „dreingehauen!“ zurief und diese mit aller Erbitterung über die Preußen herfielen, Letztere sofort in eiliger Flucht ihre Rettung suchten. War nun schon insoweit der Plan gelungen, so gestaltete sich die Sache noch günstiger, als Oberlieutenant Graff [Bd. V, S. 302] mit 20 Grenadieren des 43. Infanterie-Regiments auf der anderen Seite zur Hilfe herbeieilte und durch diese vereinten Kräfte die Preußen in den dritten Minentrichter, bis in die Parallele gedrängt wurden. Die bei dem Sprunge des Oberlieutenants Waldhütter rückwärts aufgestellte Grenadier-Compagnie ging aber nun, nachdem sie den glücklichen Erfolg des Wagnisses mit eigenen Augen gesehen hatte, sofort daran, alle von den Preußen seit Wochen zu Stande gebrachten Arbeiten [183] zu vernichten. Waldhütter wurde zum Hauptmann, Feldwebel Haiba zum Unterlieutenant befördert. Ersterer erhielt in der 8. Promotion vom 21. October 1762 das Ritterkreuz des Maria Theresien-Ordens, und demselben folgte die Erhebung in den Freiherrnstand mit dem Prädicate von Minenburg. Aber die vielen Wunden gestatteten es dem tapferen Officier nicht lange mehr, in der Armee zu dienen. Im April 1774 schied er als Hauptmann aus dem activen Dienste, Maria Theresia aber, eingedenk der Römerthat des Helden, von welcher geschrieben wird, daß „die Geschichte ihres Gleichen vergebens suche“, verlieh ihm den Oberstlieutenants-Charakter. Fortan lebte Waldhutter in Preßburg, wo er aber nicht lange nachher im Alter von 63 Jahren starb.