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BLKÖ:Wagenschön, Franz Xaver

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 52 (1885), ab Seite: 69. (Quelle)
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Wagenschön, Franz Xaver (Historienmaler, geb. zu Wien 2. September 1726, gest. in Prag 1796, nach Bartsch bereits 1790 in Wien). Er soll ein und dieselbe Person mit einem Künstler sein, den Meusel, Füßly und Dlabacz unter dem Namen Fahrenschon anführen. Bei Nagler erscheint er zugleich ein Mal unter Fahrenschon, das andere Mal unter Wagenschön, bei Tschischka und Schreiner unter Wagenschön. Wir müssen es späteren Forschern überlassen, zu entscheiden, welcher Name der richtige ist: ob Fahrenschon oder Wagenschön. Wir entschließen uns einstweilen für den letzteren, und zwar auf Grundlage der Radirungen unseres Künstlers. Derselbe, wahrscheinlich ein Sohn des von 1715–1723 auf dem Pohorzelecz in Prag wohnenden Malers Paul Friedrich Wagenschön, über dessen Arbeiten uns alle weiteren Nachrichten fehlen, wäre nach Schreiner in Wien, nach Dlabacz in Komotau, nach Anderen wieder in Littisch geboren. Frühzeitig soll er Italien besucht, dann Reisen durch ganz Deutschland gemacht haben, an den großen Meisterwerken sich bildend, welche er in den Galerien fand. Den Besuch Italiens stellt Nagler in Abrede. Nach Schreiner wäre unser Mater Mitglied der k. k. Akademie der bildenden Künste in Wien gewesen, und de Luca gibt sogar an, daß derselbe 1770 mit der Allegorie „wie Minerva das Studium der Künste gegen deren Feinde unterstützt“, in die Akademie aufgenommen worden sei. In Wien lernte Wagenschön unter Peter Johann Brandel [Bd. II, S. 113]. Nach der Rückkehr von seinen Reisen nahm er bleibend seinen Aufenthalt in Prag, welches er nur verließ, wenn er größere Aufträge in verschiedenen Kirchen Oesterreichs auszuführen hatte. In Prag ging er aus und ein im Hause der gräflichen Familie von Pachta, für welche er auch sehr viel malte. Seine Arbeiten, meist historische und allegorische Bilder – nur wenig Bildnisse – finden sich in Kirchen und Schlössern der Erzherzogthümer, in Ungarn, in Böhmen, in der Steiermark. Die sehr lückenhaften Angaben Nagler’s versuchen wir im Folgenden zu ergänzen. In Niederösterreich befinden sich von seinen Arbeiten, und zwar zu Wien in der Franciscanerkirche zum h. Hieronymus: „Die Marter des h. Capistran“; – in der St. Ursulakirche: „Die Erscheinung der h. Jungfrau vor dem h. Ignatius“, „Die h. Angela“; – in der k. k. Akademie der bildenden Künste: die schon oben erwähnte Allegorie; – im Privatbesitz des Oberbaurathes Bergmann: „Pan und Nymphen in einer Landschaft“ [39 Centim. hoch, 51 Centim. br.]; – in der Kirche des Benedictinerstiftes Göttweih am ersten links stehenden Altar: „Der h. Georg tödtet den Lindwurm“ (bez. 1774); auf dem achten Seitenaltar: „Die h. Magdalena“ (bez. 1774), renovirt 1827 von seinem Schüler Hunglinger; – zu Tulln in der Klosterfrauenkirche: „Der h. Johannes von Nepomuk Almosen austheilend“; – zu Poysdorf in der Capucinerkirche: das Hochaltarblatt und „Die Vermälung der h. Katharina“; – in Oberösterreich [70] in der Stiftskirche zu St. Florian: das Hochaltarblatt –nach Anderen wäre dasselbe, eine „Himmelfahrt Mariä“ vorstellend, von Ghezzi, einem Schüler des Pietro da Cortona, gemalt; und in der Abtei: „Der Staatswagen des Kaisers Joseph II.“, mit verschiedenen Figuren; – in Ungarn zu Eisenstadt in der Kirche zu den barmherzigen Brüdern: „Der h. Antonius von Padua“; – zu Erlau in der Domkirche: das Hochaltarblatt; – zu Preßburg im Palais des Herzogs von Sachsen-Teschen: ein Wagen mit poetischen Figuren und vier Supraporten mit Kindergestalten, welche die Künste darstellen; – für den Grafen Balassa ebenda: eine „h. Anna“ und zwei kleinere Heiligenbilder; – zu Waitzen im bischöflichen Palaste zwei kleinere Heiligenbilder; – im Banat zu Temesvár: ein Altarblatt: „Der h. Wendelin“; – in Steiermark zu Gratz im Mausoleum Kaiser Ferdinands II. in der Seitenhalle auf dem rechten Altartische das Altarblatt: „Der h. Ignatius von Engeln gegen den Himmel getragen; auf der Brust ruht der strahlende Name Jesu, von welchem – ganz entgegen den Worten des Erlösers – vernichtende Blitze auf die zu Boden geschmetterten Ketzer herabfahren“. Von seinen Bildnissen ist jenes der gräflichen Familie Pachta anzuführen, das sich im Besitze derselben befindet und selbst von Künstlern seiner Schönheit wegen bewundert wurde. Außer Gemälden in Oel hat Wagenschön sehr schöne getuschte Federzeichnungen ausgeführt, deren mehrere in der historischen Kunstausstellung zu sehen waren, welche 1877 anläßlich der Eröffnung der neuen k. k. Akademie der bildenden Künste auf dem Schillerplatze zu Wien stattfand, so: „Steinigung des h. Stephan“ [14 Centim. hoch, 20 Centim. breit]; – „Die Geburt Christi“ [23·5 C. hoch, 17·5 Centim. br., 1756 bez,], beide Eigenthum des Herrn Klinkosch; – „St. Florian, St. Leopold und zwei andere Heilige“ [31 Centim. hoch, 19 Centim. breit], Eigenthum des Oberbaurathes Bergmann; – „Lautenschläger, Clarinetspieler und Sängerin“ [15 Centim. hoch, 14 Centim. breit, bez. 1755] und „Religiöse Scene“ [27 Centimeter hoch, 18 C. breit], beide Eigenthum der kunstakademischen Bibliothek in Wien; – und in der Sammlung des Grafen Sternberg zu Prag: „Die vier Elemente“, mythologische Figuren in der Weise des Cornelis Schut. Auch hat der Meister einige Blätter eigenhändig radirt, jedoch sind nur etwa zwanzig Blätter seines Grabstichels bekannt, den er in ganz geistreicher Weise, etwa in der Art des Cornelis Schut zu führen verstand. Diese sind – die mit einem Stern (*) bezeichneten gelten als Hauptblätter – „Die Kreuzabnahme Christi. Der Erlöser liegt am Fusse des Kreuzes“, F. Wagenschön fec., anno 1771, (8°.); – *„Der vom Kreuze abgenommene Heiland; sein Kopf ruht im Schoos der Mutter, und Magdalena ist zu seinen Füssen hingestreckt“, F. Wagenschön inv. et †. anno 1771 (Fol.); – *„Der Satyr mit dem Horn, links eine Bakchantin und der Panther, rechts Silen“. Nach J. Jordaens radirt, F. Wagenschön fec. (4°.); – „Seegötter und Nymphen“; F. Wagenschön fec. 1771 (Qu.-Fol.); – „Neptun und Amphitrite rechts unter dem Zelte sitzend; Nereiden reichen Muscheln und Korallen“, F. Wagenschön fecit 1784 (Qu.-Fol.). Diese Composition Wagenschön’s erscheint zweimal; die eine gleicht etwas dem Bilde von Rubens in der Galerie Liechtenstein in der Roßau zu Wien; – „Ein sitzendes altes Weib mit gefalteten Händen“, unten bezeichnet F. W. inv. et inc. Sept. 1764 (8°.), schöne Radirung [71] in Rubens’ Charakter; – zwölf Blätter, Büsten nach Rubens und Van Dyk (12°.). Fritzsch – welcher von den drei ziemlich gleichzeitigen Künstlern dieses Namens, kann nicht sicher angegeben werden – stach nach ihm das Bildniß des Erzherzogs Joseph, späteren Kaisers Joseph II. Durch die Bezeichnung einiger seiner radirten Blätter scheinen sich die Zweifel über seinen Namen lösen zu wollen; denn es ist kein Blatt mit Fahrenschon, wohl aber sind mehrere mit Wagenschön bezeichnete zu finden. Wagenschön ist ein Maler von eminenter künstlerischer Bedeutung, der sich vornehmlich an niederländischen Meistern herangebildet hat, aber sonderbarer Weise, obgleich seine Werke mitunter wahre Galeriebilder sind, weder in der kaiserlichen noch in einer Privatgalerie der Monarchie durch ein Werk vertreten ist.

Nagler (G. K. Dr.). Neues allgemeines Künstler-Lexikon (München 1839, E. A. Fleischmann, 8°.) Bd. XXI, S. 50. – Schreiner (Gustav Dr.). Grätz... (Grätz 1843, 8°.) S. 182. – Tschischka (Franz). Kunst und Alterthum im österreichischen Kaiserstaate geographisch dargestellt (Wien 1836, Fr. Beck, gr. 8°.) S. 15, 17, 54, 78, 79 und 406.