Zum Inhalt springen

BLKÖ:Ursz, Nicola (Juon Hóra)

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Ursini
Band: 49 (1884), ab Seite: 147. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
Nicola Ursz in Wikidata
GND-Eintrag: [1], SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Ursz, Nicola (Juon Hóra)|49|147|}}

Ursz, Nicola, auch Juon Hóra genannt (Bauernrebell in den Siebenbürger Bergwerkdistricten, geb. zu Nagy-Aranyos in Siebenbürgen um die Mitte des achtzehnten Jahrhunderts, gerädert am 28. Februar 1785). Die sogenannten Bergwerkdistricte von Siebenbürgen, die westlich von Karlsburg über Abrudbánya und Zalathna gegen die ungarische Grenze sich hinziehenden Waldbezirke, sind durchwegs von Walachen (seit 1848 Romanen genannt) bewohnt, welche meist von befugtem oder unbefugtem Holzhandel leben. Verhältnisse und Eigenschaft der Ansiedelung der verschiedenen im Gebirge zerstreuten Ortschaften waren von eher ebenso unklar und seit Jahren Gegenstand erbitterter Zerwürfnisse zwischen den Unterthanen und der königlichen Kammer, welche große und ausgedehnte Waldherrschaften daselbst besitzt, wie die Frage des Nutzungsrechtes, welches die Unterthanen fast überall unbedingt auf die Waldungen ansprechen, immer wieder endlose, noch in die Gegenwart hereinragende Streitigkeiten hervorgerufen hat. Die sogenannten Motzen, ein kräftiges, betriebsames, doch urwüchsiges und rohes Naturvolk, stiegen schon öfter aus ihren Wäldern hernieder und erregten, da stets [148] Brand und Blut den Weg der entfesselten Volkswuth bezeichneten, immer und nicht ohne Grund die Furcht der ungarischen Gutsbesitzer. Von hier aus ging denn auch im Jahre 1784 ein furchtbarer Bauernaufstand aus, welcher die Gespanschaften Alba, Hunyad und Zaránd verheerte. Nicola Ursz, zu Nagy-Aranyos, und Juon Kloska, zu Kerpenyes in der Zalathnaer Cameralherrschaft seßhaft, hatten unter allerlei Vorspiegelungen die walachischen Landleute jener Gegenden aufgewiegelt. Die Bewegung begann damit, daß im Juli und August 1784 die Bewohner jener Gegenden ohne Aufforderung – wenigstens ist von einer solchen nirgends etwas bekannt geworden – schaarenweise nach Karlsburg zogen, um sich freiwillig zur Militärgrenze als Soldaten einschreiben zu lassen. Schon bei dieser Gelegenheit kamen manche Widersetzlichkeiten und Ausschweifungen vor. Alle Versuche, die Leute zu beruhigen, blieben erfolglos, der Aufruhr nahm zu und wurde um so gefährlicher, als Kloska am 28. October zu Brád im Zaránder Comitate den beim Wochenmarkt anwesenden Leuten einredete, Ursz (Hóra) habe den höheren Befehl, sie nach Karlsburg zu fuhren, damit sie dort zur Ermordung der Ungarn mit Waffen versehen würden, und sie alsdann aufforderte, am nächsten Sonntag – 31. October – zahlreich bei der Kirche im Dorfe Mesztákon zusammenzukommen. Die Ungarn versuchten es, der Bewegung Einhalt zu thun, und bei Kurety traten die Stuhlrichter Gál und Nalatzi, von sechs Soldaten begleitet, dem aufgeregten Haufen entgegen und machten Miene, Kloska zu verhaften beide Stuhlrichter büßten diesen Versuch mit dem Leben, denn sie wurden erschlagen und die Soldaten grausam mißhandelt. Nun aber gaben die Aufrührer den beabsichtigten Zug nach Karlsburg auf, und ihre ganze Wuth richtete sich gegen die ungarischen Edelleute. Sie wandten sich nach Kristsor, Brád und vielen anderen Orten, wo überall die ungarischen Edelhöfe überfallen, verwüstet und viele Ungarn getödtet wurden Abrudbánya ward – mit Ausnahme des Cameralgebäudes und der Casse, welche unbeschädigt blieben – ganz zerstört. Binnen wenigen Tagen war der Rebellenhaufen auf eine Masse von 3000–4000 Mann angewachsen. Dabei erklärten die Führer der Aufständischen offen und laut: „sie würden die Kammer, deren Cassen, die Deutschen und die Walachen schonen, nur die ungarischen Edelleute wollten sie ausrotten“. Der Aufruhr wuchs mit jedem Tage, die aufgebotenen militärischen Kräfte genügten längst nicht mehr. Bald schonten die Rebellen auch ärarisches Eigenthum nicht. In Topánfalva zerstörten sie das cameralherrschaftliche Haus und nahmen die Goldeinlösungscasse mit, dann plünderten und verwüsteten sie Offenbánya, Toroczkó-Szentgyörgy und andere Orte. Ursz richtete nun an die Comitatsbehörde in Déva eine Aufforderung, für deren Erfüllung er die Frist bis zum 14. November festsetzte, indem er für den Fall der Verweigerung dem Orte ein gleiches Geschick, wie den übrigen, nämlich völlige Verwüstung in Aussicht stellte. Die Aufforderung aber enthielt folgende Bedingungen: Aufhebung des Adels und seiner Vorrechte, Besteuerung desselben, Entfernung der Edelleute und Auftheilung ihrer Besitzungen unter das Volk. Darauf entsendete das Gubernium den Gubernialrath Michael von Bruckenthal als Gubernialcommissär zugleich mit dem griechischen Bischof Nikitsch und dem [149] Doctor Molnár von Müllersheim, einem in der Gegend allgemein bekannten und sehr beliebten Arzte; später beorderte noch der Kaiser selbst den Grafen Jankovics als königlichen Commissär, ließ auch größere Truppenkörper aus dem Banat und aus Galizien in die Gegend des Aufstandes werfen, das Standrecht verkünden und auf die Köpfe der Führer einen Preis von 300 Ducaten aussetzen. Der Aufstand hatte bereits großartige Dimensionen angenommen. Die einzelnen Volkshaufen waren oft an 6000 Mann stark. Der ganze Zaránder Bezirk, das Hatzeger Thal, wenige Dörfer ausgenommen, seiner ganzen Ausdehnung nach, dann die Gegend um Déva und am Marosflusse, waren der Schauplatz der greulichsten Verwüstungen. Im Hunyader Bezirke waren in 61 Dörfern 232 Edelhöfe niedergebrannt oder sonst zerstört, 28 Edelleute ermordet worden. Nachdem man endlich den Aufstand bewältigt hatte, ging man an die Bestrafung der Rädelsführer. Bei Topánfalva wurde zuerst einer derselben, der sogenannte junge Hóra, recte Ujbar Ursz, gefangen genommen; später, im December, ein zweiter: Dibertz Ursz, zwischen Mihelény und Butsets erschossen. Der Hauptführer, des Nicola Ursz, Kloska und ihres gefürchteten Genossen Georg (Dsurds) Krizsán, konnte man lange nicht habhaft werden. Erst gegen Ende des Jahres 1784 wurden die zwei Erstgenannten von sieben Einwohnern des Dorfes Nagy-Aranyos ergriffen und abgeliefert, Ende Jänner 1785 aber nahm man Georg Krizsán gefangen, welcher sich dann im Gefängnisse zu Karlsburg entleibte. An den beiden Hauptrebellen Nicola Ursz (Juon Hóra) und Juon Kloska wurde am 28. Februar 1785 das Urtheil der Räderung von unten auf in Gegenwart von 2512 aus 419 Ortschaften dahin beorderte Landleuten vollzogen. War so dem Frevel sein Recht geschehen, so sollte auch die Hauptursache des Frevels beseitigt werden, und mit Patent vom 21. August 1785 hob der Kaiser die Leibeigenschaft auf und gestattete die Freizügigkeit der Unterthanen. Der Führer dieses Bauernaufruhrs Nicola Ursz (Juon Hóra) wird aber noch heute, und zwar nicht blos in jener Gegend, auch sonst in Siebenbürgen, von den Romanen als Nationalheld gefeiert, und lebt sein Andenken in einem unheimlichen Volksliede, welches mit den Worten beginnt: „Hóra trinkt und freuet sich“, im Lande fort. Dieses Lexikon brachte schon im IX. Bande S. 272 eine gedrängte Lebensskizze des Rebellen. Innerhalb der zwanzig Jahre, welche seit jenem Artikel vorübergegangen, hat aber die Forschung Manches berichtigt, neue Daten gebracht, und auf Grund dieser letzteren wurde im vorstehenden Artikel der frühere ergänzt und richtig gestellt.

Schaser (J. G.). Denkwürdigkeiten aus dem Leben des Freiherrn Samuel von Bruckenthal (Hermannstadt 1848) S. 60–99. – Szilágyi (Ferencz). A’ Hóra-világ Erdélyben, d. i. Die Hóra-Zeit in Siebenbürgen (Pesth 1871). Früher schon, doch nicht so ausführlich, in der Zeitschrift „Budapesti. Szemle“ im Artikel: „Hóra lázadása“, d. i. Die Empörung Hóra’s. – Teleki (Domokos). A Hóra támadás, d. i. Der Hóra-Aufstand (Pesth 1865, 8°.).