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BLKÖ:Tuczek, Vincenz

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Tutschek, Franz
Band: 48 (1883), ab Seite: 76. (Quelle)
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Tuczek, Vincenz (Compositeur, geb. in Prag um 1755, gest. in Pesth 1820). (Es gibt eine ganze Musikantenfamilie Namens Tuczek. Zu derselben gehören: Franz der Vater, Franz der Sohn, und ein dritter Franz (ob dessen Sohn oder Enkel?), des Letzteren Tochter Leopoldine, Sängerin, nachmalige Herrenburg-Tuczek, Vincenz, dessen Stellung zur Familie wir erst näher bestimmen müssen, und Philipp, ein Bruder genannter Sängerin. Die unten bezeichneten Quellenwerke von Dlabacz, Bernsdorf-Schladebach, Gaßner, Gerber und Riemann, statt Licht in die Familienverhältnisse zu bringen, verwirren vielmehr dieselben, und Franz Tuczek, der Sohn, über den Dlabacz, Bernsdorf-Schladebach’s „Lexikon der Tonkunst“ und der „Slovník naučný“ von Rieger-Malý ausführlich berichten, ist offenbar eine und dieselbe Person mit dem Vincenz des Gerber und Gaßner. Ueberdies ist der Artikel Franz Tuczek Nr. 1 im „Slovník naučný“ weiter nichts als eine Uebersetzung des gleichnamigen Artikels in Bernsdorf-Schladebach’s „Lexikon der Tonkunst“. Wir kehren nach dieser nothgedrungenen Einleitung, welche die Familienverhältnisse der Musikantengeschlechts Tuczek feststellt, zu unserem Vincenz zurück. Vielleicht entspringt aller Irrthum daraus, daß der in Rede Stehende zwei Taufnamen führte und eigentlich Franz Vincenz Tuczek hieß und von seinen Biographen bald nach ersterem, bald nach letzterem Vornamen bezeichnet wurde. Er ist der Sohn des Franz Tuczek, der 1771 als Chorregens an der Pfarrkirche zu St. Peter auf dem Poržicz in Prag fungirte, auch mehrere Jahre die Capellmeisterstelle bei der Neustädter Bürgergarde versah und in Prag um das Jahr 1780 starb, etliche böhmische Carnevalsoperetten, Sonaten und sonstige musikalische Kleinigkeiten hinterlassend. Dessen Sohn Vincenz, oder wie er von Anderen benannt erscheint: Franz, von dem Vater im Gesange und in der Musik unterrichtet, begann in Prag seine Künstlerlaufbahn als Sänger an dem Graf Sweerts’schen Theater, als dessen Leitung im Frühjahre 1795 der tüchtige Anton Grams [Bd. V, S. 306] übernahm, welcher dabei sein ganzes im Musikalienhandel erworbenes Vermögen verlor. Tuczek war an diesem Kunstinstitute nicht blos als erster Tenorist angestellt, sondern componirte für dasselbe auch etliche Operetten. Später gab er die Sängerlaufbahn auf, sich ausschließlich der Composition widmend, für welche er besondere Begabung zeigte, und zu der er von verschiedenen Seiten aufgefordert wurde. Er wirkte dann 1796 als Cembalist am Prager ständischen Theater, folgte um 1798 einem Rufe nach Sagan als Capellmeister des Herzogs [77] von Kurland und ging 1800 als Theatermusikdirector nach Breslau, wo er aber nur kurze Zeit verblieb, da er schon im Jahre 1801 die Stelle des Orchesterdirectors am Leopoldstädter Theater in Wien übernahm. Daselbst wirkte er mehrere Jahre, zuletzt begab er sich nach Pesth und starb dort um 1820 in ziemlich hohem Alter. Tuczek hat viel und auf verschiedenen Gebieten der Tonkunst componirt, so: Messen, Cantaten, Oratorien und andere Kirchenstücke, Chöre, Lieder, Vocalquartette, Nationalsingspiele in čechischer Sprache, und mehrere Opern, von denen einige zu ihrer Zeit mit großem Beifalle gegeben wurden. Im Druck ist von seinen Compositionen verhältnißmäßig nur sehr wenig erschienen, so z. B.: „Fünf Menuets für Guitare“ (Wien, bei S. A. Steiner); – „Fantaisie et 5 Hongroises für Guitarre“ (ebd.), – und der Clavierauszug von „Dämona, das Bergweibchen. Zauberoper in drei Acten“, – Ouverture dazu allein, beide in Leipzig bei Kühnel. Von seinen Operetten, Singspielen, Pantomimen sind bekannt: „Die lächerlichen Schwestern von Prag“, jugendlicher Erstlingsversuch; – „Die Polterhexe bei Greiffenstein“, Volkssage; – „Moses in Aegypten“ und „Samson“, zwei biblische Dramen; – „Geistliche Cantate zur Feyer der Wiedergenesung des Königs von Preussen“, vor dem Hofe von Sagan 1798 aufgeführt; noch im nämlichen Jahre wurde die Herausgabe des Werkes – das nach seinem Preise von acht Thalern ein ganz stattliches Opus gewesen sein mag – auf Pränumeration angekündigt; ob es zur Herausgabe gekommen, ist nicht bekannt; – „Rübezahl“, auch unter dem Titel „Typhon“ bekannt; – „Hans Klachel oder das Rendezvous in der neuen Allee“, Operette, 1797, Vorläufer des berüchtigten „Pumpernickel“; – „Die beiden Dacheln“, später für Wien umgearbeitet; – „Das Hökerweibchen“; – „Sultan Konradin“; – „Das Wunschhütlein“, Pantomime; – „Idus und Marpissa“. travestirte Decorationsoper in drei Acten, Text in Knittelreimen von Perinet; – „Lanassa“. große Oper, Tuczek’s bestes Werk, besonders geschätzt ob der trefflichen Chöre, deren mehrere Volkslieder geworden sind. Auch seine Tanzmusik, in welcher er seine belebenden Rhythmen durch kräftige Instrumentation zu heben verstand, war seinerzeit sehr beliebt. Ob Vincenz Tuczek ein Oheim der Sängerin Leopoldine, der nachmaligen Herrenburg-Tuczek, und des Violinspielers Philipp ist, können wir nicht bestimmen; ihr Vater, wie es hie und da heißt, ist er nicht, derselbe heißt Franz.

Dlabacz (Gottfried Johann). Allgemeines historisches Künstler-Lexikon für Böhmen und zum Theile auch für Mähren und Schlesien (Prag 1815, Gottlieb Haase, 4°.) Bd. III, Sp. 282 und 283. – Gaßner (F. S. Dr.). Universal-Lexikon der Tonkunst. Neue Handausgabe in einem Bande (Stuttgart 1849, Franz Köhler, schm. 4°.) S. 846. – Gerber (Ernst Ludwig). Neues historisch-biographisches Lexikon der Tonkünstler (Leipzig 1814, A. Kühnel, gr. 8°.) Bd. IV, Sp. 399. – Neues Universal-Lexikon der Tonkunst. Für Künstler, Kunstfreunde und alle Gebildeten. Angefangen von Dr. Julius Schladebach, fortgesetzt von Ed. Bernsdorf (Offenbach 1861, Joh. André, gr. 8°.) Bd. III, S. 769. – Riemann (Hugo Dr.). Musik-Lexikon (Leipzig 1882, Bibliogr. Institut, br. 12°.) [aus der Suite der Meyer’schen Fach-Lexika] S. 942.– Slovník naučný. Redaktoři Dr. Frant. Lad. Rieger a J. Malý, d. i. Conversations-Lexikon. Redigirt von Dr. Franz Lad. Rieger und J. Malý (Prag 1872, I. L. Kober, Lex.-8°.) Bd. IX, S. 615, Nr. 1.