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BLKÖ:Torre, Franz della

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 45 (1882), ab Seite: 100. (Quelle)
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10. Franz, ein Sohn des Johann della Torre aus dessen Ehe mit Paula, nach Anderen Helena, geborenen Savorgnani [siehe Hübner, geneal. Tabellen, Bd. III, Tab. 769]. Der kaiserliche Leibarzt Lazius lenkte zuerst die Aufmerksamkeit Ferdinands I. auf Franz della Torre, als auf einen Mann ebenso reich an Kenntnissen als ehrenhaft durch seine Tugenden, „qualita“, wie sein Biograph berichtet, „altrettanto più stimabili, quanto rare in que’ tempi agli uomini di nascità“. Franz wurde zunächst kaiserlicher Rath und im Jahre 1550 Rath bei der Regentschaft in Niederösterreich zu Wien. Nachdem er sechs Jahre lang letztere Würde bekleidet hatte, richtete er an Ferdinand die Bitte, ihm die nach dem Tode seines Oheims Nicolaus erledigte Hauptmannschaft von Gradisca zu übertragen, welches Amt ihm aber von Ferdinand, der ihn für Wichtigeres ausersehen hatte, verweigert wurde. Als Karl V. die Kaiserkrone an seinen Bruder abgetreten, und nun auch die Regelung der Geschäfte mit der Republik Venedig einen Gesandten erheischte, glaubte der neue Kaiser in Franz della Torre den für diesen zu jener Zeit so wichtigen Posten geeignetsten Mann zu erkennen. Zur Uebernahme dieser Mission am 5. August 1557 von Ferdinand aufgefordert. lehnte della Torre ab, da er sich nicht für geeignet genug hielt, mit einem so vorsichtigen und gewandten Senat wie jener Venedigs zu verhandeln. Endlich aber gab er den wiederholten Vorstellungen des Kaisers nach, empfing am 25. April 1558 die Beglaubigungsschreiben, wählte sich Giovanni Andrea Bocasso, ersten königlichen Vicar zu Marano, zum Gesandtschaftssecretär und begab sich auf seinen Posten. Dort vertrat er einer Regierung gegenüber, welche immer bereit war, die Interessen Oesterreichs zu verletzen. mit Energie seinen Monarchen, und bemerkenswerth ist in seinem Berichte vom 2. Juni 1558 die Schilderung des Verfahrens, welches die Venetianer in ihren Geschäften ihm gegenüber beobachteten. „L’ordinario stile“, schreibt Franz, „del Senato è di trarre tutte le cose a lungo e di dimandare sempre quello, che è di suo vantaggio ed utile“ [ein Verfahren, welches in diplomatischen Geschäften noch heutzutage so ziemlich überall gang und gäbe ist]. Als dann die Erkrankung des Papstes Paul IV. eine nahe Papstwahl in Aussicht stellte, ernannte der Kaiser mit Beglaubigungsschreiben vom 15. Juli 1559 Franz della Torre zum Gesandten beim künftigen Vater der Christenheit, mit dem Auftrage, nach Pauls IV. Tode sich sofort auf seinen Posten zu begeben. Und kaum hatte Paul IV. in der Nacht vom 20. August das Zeitliche gesegnet, als sich Franz auch schon am nächsten Morgen auf der Reise nach Rom befand, wo er am 27. August eintraf. Die Stellung della Torre’s beim heiligen Stuhl war eine äußerst schwierige, denn es herrschte zwischen der Curie und dem kaiserlichen Hofe noch von Papst Paul IV. her eine starke Spannung. Letzterer hatte sich sehr unwirsch[WS 1] darüber gezeigt, daß Ferdinand den Kaisertitel angenommen, ohne, wie es bis dahin üblich gewesen, vom päpstlichen Hofe die Bewilligung einzuholen, so daß der Papst den kaiserlichen Oberstkämmerer, der eigens zur Ueberbringung der Nachricht von der Besteigung des Kaiserthrones durch Ferdinand nach Rom abgeschickt worden war, gar nicht empfangen wollte und auch den neuen Kaiser nie anerkannte. Unter solchen Umständen war della Torre’s Stellung am päpstlichen Hofe ebenso schwierig als heiklich, aber seine Gewandtheit beseitigte in kurzer Zeit alle Hindernisse, die sich ihm entgegenstellten. Das h. Collegium anerkannte ihn als kaiserlichen Gesandten und nahm ihm als solchem den Eid ab zur Bewachung des Conclave. Franz hielt in demselben aus diesem Anlasse zwei Reden, in welchen er die Cardinäle ermahnte, ein Oberhaupt zu wählen, wie es die Kirche, welche damals durch verschiedene Glaubensparteien völlig gespalten war, zum einheitlichen Gedeihen erfordere. Als nach der Papstwahl der Kaiser eine außerordentliche Gesandtschaft zur Begrüßung des neuen Oberhauptes der Kirche, Pius IV., nach Rom schickte, erhielt della Torre den Auftrag, bis zur Ankunft des neuen Gesandten am päpstlichen Hofe zu verweilen, und erst um die Mitte des Jahres 1560[WS 2] konnte er auf seinen Posten nach Venedig zurückkehren, wo er bis zu seinem Tode verblieb. Aus seiner Ehe mit Laura Arco hatte er einen Sohn Raimund, über welchen Näheres S. 114, unter Nr. 44 berichtet wird. [Morelli di Schönfeld (Carlo)). Istoria della Contea di Gorizia (Gorizia 1855, Paternolli, [101] gr. 12°.) Volume III, p. 361.] –

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: unwirrsch.
  2. Zahl handschriftlich korrigiert.