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BLKÖ:Tiemar, Joseph Freiherr von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Tieftrunk, Karl
Band: 45 (1882), ab Seite: 142. (Quelle)
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Tiemar, Joseph Freiherr von (k. k. Major und Ritter des Maria Theresien-Ordens, geb. zu Wien im Jahre 1730, gest. zu Eger in Böhmen 16. Marz 1807). Der Sproß einer der Ritterschaft des Cantons Rhön und Werra angehörigen Adelsfamilie, welche in der Folge nach Wien übersiedelte, trat Joseph 1744, im Alter von 14 Jahren, als Cadet in das Kürassier-Regiment Lucchesi und focht in demselben bei Striegau und Trautenau. Als Fähnrich zu Königsegg-Infanterie Nr. 16 befördert, kämpfte er mit dem Regimente in Italien und zeichnete sich bei Piacenza und Roddofreddo aus. Hierauf focht er im siebenjährigen Kriege, in welchem er mehrmals verwundet und zweimal gefangen genommen wurde, bis er sich im letzten Feldzuge desselben, 1762, das höchste militärische Ehrenzeichen erstritt. Am 8. August begann König Friedrich II. die Belagerung der Feste Schweidnitz, in welcher sich Tiemar befand. Am 29. August wollte man nun die feindlichen Minengänge, denen man trotz aller Bemühungen nicht auf die Spur zu kommen vermochte, durch einen Ausfall entdecken. Dazu wurde der Grenadierhauptmann Erisam von Sachsen-Gotha-Infanterie mit seiner Compagnie ausersehen. Da machte Oberlieutenant von Tiemar den Vorschlag, daß, während Erisam seinen Ausfall von der Fronte unternehme, der Feind durch einen gleichzeitigen Angriff auf der linken Seite seiner Tranchée irregeleitet und die Flanke seiner Parallele gewonnen werde, und erbot sich zu gleicher Zeit auch freiwillig, diesen Plan auszuführen, wenn ihm fünfzig Freiwillige zugewiesen würden. Der Antrag wurde angenommen, Tiemar führte seinen Coup aus, nahm einen Mineur-Corporal, zwei Sappeurs und mehrere Arbeiter gefangen und zerstörte von Grund aus die feindliche Galerie, an welcher mindestens durch acht Tage gearbeitet worden war. Tiemar wurde für seine Waffenthat sofort zum Hauptmann befördert, in der achten Promotion, welche aus Anlaß der heldenmüthigen Vertheidigung der Festung Schweidnitz am 21. October 1762 statthatte, mit dem Ritterkreuze des Maria Theresien-Ordens ausgezeichnet und im Jahre 1773 den Ordensstatuten gemäß in den Freiherrnstand erhoben. Seine vielen Wunden nöthigten ihn nach Friedensschluß [143] aus der activen Dienstleistung zu treten, als aber 1778 der bayrische Erbfolgekrieg ausbrach, stellte er sich wieder zur Verfügung des Monarchen und erhielt im Juli 1778 die Platzmajorstelle in Eger, wo er noch 29 Jahre diente und im Alter von 77 Jahren starb.

Thürheim (Andreas Graf). Gedenkblätter aus der Kriegsgeschichte der k. k. österreichischen Armee (Wien und Teschen 1880, K. Prochaska, gr. 8°.) Bd. I, S. 94, unter Jahr 1762; S. 67, unter Jahr 1762.