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BLKÖ:Thielen, Maximilian Ritter von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Thiel
Band: 44 (1882), ab Seite: 220. (Quelle)
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Thielen, Maximilian Ritter von (k. k. Major, geb. zu Bonn am Rhein am 8. Jänner 1781, gest. zu Baden nächst Wien am 17. März 1865). Um der französischen Conscription zu entgehen, trat Thielen mit seinen drei Brüdern in den Dienst der österreichischen Armee. Jene besiegelten ihre Anhänglichkeit an den Kaiser und an ihr neues Vaterland mit dem Tode. Der Letztgeborene blieb, achtzehn Jahre alt, als Cadet bei Hohenzollern-Chevauxlegers im russischen Feldzuge 1812 auf dem Schlachtfelde bei Podubny, die beiden Anderen, von denen der Jüngere sich 1809 bei Sandomir die silberne Tapferkeitsmedaille erwarb, starben frühzeitig an den 1805 und 1809 erhaltenen Wunden. Nachdem Maximilian 1803 auf der Universität zu Münster in Westphalen die Rechte beendet hatte, trat er am 4. Jänner 1804 als ex propriis Cadet in das Kronprinz-Kürassier-Regiment Nr. 4, in welchem er [221] den Feldzug 1805 mitmachte. 1809 wurde er auf dem Schlachtfelde zum Oberlieutenant, später zum Regimentsadjutanten ernannt und bei Beginn des Feldzuges 1813 dem Generalquartiermeisterstabe der Hauptarmee zugetheilt, als wirklicher Hauptmann im Corps in dieser Stellung verbleibend bis zum Wiederausbruche des Krieges im Jahre 1815, wo er als Chef des Interimsecums des Generalstabes zum Reserve-Corps unter Erzherzog Ferdinand d’Este kam. Im Ganzen wohnte er während seiner militärischen Laufbahn in fünf Kriegen zwanzig Schlachten und mehreren Gefechten bei. Aus den Relationen über die Feldzüge 1813 und 1814 erfahren wir, daß er durch sein Verhalten vor dem Feinde die Aufmerksamkeit des obersten Feldherrn Feldmarschalls Fürsten Schwarzenberg in der Art auf sich zog, daß seiner Betheiligung an sieben Hauptschlachten des Befreiungskrieges, nämlich bei Dresden, Leipzig, Brienne, Bar-sur-Aube, Arcis-sur-Aube, Fère-Champenoise und Paris rühmlich gedacht ist. In den genannten Feldzügen stets bei den im Feuer stehenden Truppen verwendet, wirkte er am 18. October bei Leipzig besonders dadurch, daß er gegen Abend dieses Tages, nachdem die Schlacht eigentlich schon gewonnen war, dem Feinde, der ungeachtet dessen wiederholt versuchte, mit Infanterie und Cavallerie aus Probstheida hervorzubrechen, durch das kräftige Feuer einer gegen diesen Ort aufgeführten schweren Batterie jede weitere Möglichkeit zum Durchbruche benahm. Wenn dann das in Eilmärschen von Dresden her zur Schlacht von Leipzig herbeigerufene 30.000 Mann starke erste Armee-Corps des Feldzeugmeisters Colloredo am 17. October schon um zehn Uhr Vormittags auf dem Schlachtfelde eintreffen und nach mehr als zwanzigstündiger Rast den bekannten rühmlichen Antheil an der Schlacht vom 18. nehmen konnte, so war dies der Vorsicht Thielen’s zu danken, der schon am 12. October aus eigenem Antriebe die während der Gefechte am 3. desselben Monats an der Flöha bis auf die gemauerten Pfeiler abgebrannte gedeckte hölzerne Brücke durch den Magistrat der königlich sächsischen Bergstadt Oederan hatte herstellen lassen, in Folge dessen dem Corps der rechtzeitige Uebergang über den Fluß ermöglicht wurde. Gleich nach Beginn der Schlacht bei Brienne in Frankreich am 2. Februar 1814 wurde Thielen vom Feldmarschall Fürsten Schwarzenberg von der Anhöhe von Trannes zu dem äußersten rechten Flügel des fünften Armee-Corps unter dem General der Cavallerie Grafen Wrede geschickt, um bestimmte Nachricht über den Gang der Schlacht an dieser Stelle zu bringen. Nachdem er sich mit seiner Kosakenbedeckung mühsam durch das coupirte Terrain des Schlachtfeldes durchgewunden hatte, erreichte er das fünfte Armee-Corps gerade in dem Augenblicke, als Graf Wrede Vorbereitungen zum Sturme auf Chaumenil machte. Da schloß er sich an das Szekler Grenzbataillon an, das mit dem 7. bayrischen Infanterie-Regimente, dessen Oberst bei dieser Gelegenheit schwer verwundet wurde, zum Sturme bestimmt war, und hatte die Freude, zu sehen, wie die Tapfern, ohne einen Schuß zu thun, den Feind mit dem Bajonnete über den Haufen warfen und den Ort nahmen. Als Chaumenil besetzt und die Ordnung daselbst wieder hergestellt war, sandte ihn Graf Wrede mit den Worten an den Fürsten zurück: „Sagen Sie dem Feldmarschall, was Sie gesehen, ich lasse ihm Glück wünschen, die Szekler hätten sich selbst übertroffen“. Erst nach eingebrochener Nacht erreichte [222] Thielen die Höhe von Trannes wieder, nachdem er den Weg an der Schlachtlinie genommen und sich zweimal mit seinen Kosaken durch feindliche Flanqueurs hatte durchschlagen müssen. Auf direkten Vorschlag des Grafen Wrede erhielt er von dessen König am Schlusse des Feldzuges das Ritterkreuz des bayrischen Max Joseph-Ordens. In der Schlacht von Bar-sur-Aube am 27. Februar 1814 hatte die feindliche Infanterie die erste Anhöhe westlich von der Stadt in dem Augenblicke erstiegen, als der König von Preußen mit den beiden Prinzen, seinen Söhnen, sowie der Feldmarschall Fürst Schwarzenberg, nur unter Bedeckung des 24. russischen Jäger-Regiments und einer Abtheilung des Pskow’schen Kürassier-Regiments sich befanden, die Jäger wie die Kürassiere schon geworfen, der russische General en chef Graf Wittgenstein bereits verwundet war, und da trug Thielen sehr viel dazu bei, dem Feinde diesen Vortheil zu entreißen, indem er, während der Hauptmann Sanchez des Generalstabes mit zwei Geschützen den Berg in der Fronte vom Feinde säuberte, mit zwei anderen Geschützen jene feindliche Infanterie, die zur gleichen Zeit durch eine Schlucht im Rücken der Stellung der Alliirten den Berg erstieg, durch schnell wiederholte, gut angebrachte Kartätschenschüsse wieder hinabschleudern ließ und so auf dieser Seite für die ganze Folge des Kampfes Ruhe schaffte. Bei der Schlacht von Fêre-Champenoise am 25. März 1814 rückte von der rechten Seite von Villeseneux her eine vom preußischen General Korff des schlesischen Heeres verfolgte feindliche Division an, in der Absicht, sich noch mit den Marschällen Marmont und Mortier zu vereinigen. Da der größte Theil der alliirten Cavallerie dem Feinde gegen Sezanne gefolgt war, so fehlte es jetzt bei Fère-Champenoise gänzlich an dieser Waffe, von welcher, wie sich nachher zeigte, ein Regiment hinreichte, die von den Preußen schon mehr als decimirte feindliche Division, welche ganz ohne Cavallerie war, vollends zu vernichten. Zufällig hatte Thielen früher in einem Seitenthale im Vorbeireiten das russische Garde-Kürassier-Regiment erblickt, welches dort abfütterte. Auf den Ruf des Feldmarschalls: „Cavallerie vor!“ eilte er schnell zu diesem Regimente zurück, dessen Commandant, General Depreradovich, ihm mit demselben bereitwillig folgte. Er führte es den näheren Weg durch eine ihm schon bekannte Furt und kam gerade in dem Augenblicke mit ihm auf dem Kampfplatze an, als die letzte noch übrige Masse der feindlichen Division sich bei Banne in den Morast von Sainte Gond retten wollte. Von allen Seiten umzingelt, angegriffen von der Cavallerie, warfen die Franzosen die Waffen weg und ergaben sich. Den General Depreradovich ward hier Gelegenheit gegeben, sich das Theresienkreuz zu erwerben, das er auch erhielt. Die in den Feldacten des k. k. Kriegsarchivs aufbewahrte Darstellung der Kriegsereignisse vom 19. bis 31. März 1814 in Frankreich sagt: daß die Hauptleute Thielen und Herbert des Generalquartiermeisterstabes sich bei den Angriffen am 25. März bei Fêre-Champenoise durch kluges und tapferes Benehmen rühmlichst hervorgethan. Nach der Besitznahme von Paris erhielt Thielen am 5. April den Auftrag, das zum provisorischen Gouvernement Frankreichs übergetretene Armee-Corps des Marschalls Marmont in die Normandie zu führen. Bei dem Aufruhr dieses Corps am 6. April in Versailles war er bei der Zügellosigkeit der Truppen [223] in mehr als gewöhnlicher Lebensgefahr. Nachdem die Ordnung wieder hergestellt war, begleitete er dasselbe jedoch nur bis Nantes, von wo er zurückberufen wurde, um einen gleich schwierigen Auftrag zu übernehmen, nämlich auf der Straße, die der Kaiser Napoleon von Fontainebleau über Lyon ans Meer zu nehmen hatte, denselben in den Nachtstationen anzusagen. Durch eine offene Ordre waren dabei die Abtheilungs-Commandanten im Bereiche der alliirten Armee angewiesen, jene Nachtstationen, die in ihrem Rayon lagen, mit einer Garnison von einem Bataillon, einer Division Cavallerie und einer Batterie auszustatten. Ueber diesen Rayon hinaus war Thielen auf der Straße, der Partisans wegen, in steter Lebensgefahr, und einmal dankte er sein Leben nur dem Postmeister von Saulieu, in dessen Kleidern er zwischen letzterem Orte und Arnay in der Nacht einer Rotte Partisans entging. Die für Napoleon in Lyon gefürchteten Unruhen veranlaßten die Aenderung der Route, dieser zog rechts durch das Bourbonnais, ohne jene Stadt zu berühren, und Th. ging, anfänglich unter den nämlichen Gefahren, wieder ins Hauptquartier nach Saint Cloud zurück. Während des Wiener Congresses wurde Thielen zu verschiedenen Missionen nach Deutschland verwendet, unter anderen im Februar 1815 zu einer solchen nach Preußen, an den in Friedrichsfelde gefangen gehaltenen König von Sachsen. Später, in Folge seiner Verheiratung aus dem Generalstabe als Schwadrons-Commandant zu Friedrich Wilhelm-Huszaren übersetzt, wurde er 1820 im Lager bei Pesth durch einen Sturz mit dem Pferde körperlich invalid, dafür aber wieder dem Generalquartiermeisterstabe zugetheilt und in der statistischen, wie in der kriegsgeschichtlichen Abtheilung verwendet, bis ihn 1835 häusliche Verhältnisse veranlaßten, seine Stellung aufzugeben. In den Jahren 1848 und 1849 an der Grenze gegen Ungarn wohnend, benützte er diesen Umstand, mit den Gutgesinnten daselbst in seiner Nähe in genauer Verbindung zu bleiben, sie mit den diesseitigen Proclamationen und Nachrichten zu versehen und zugleich die Ruhe unter dem Landvolke diesseits der Grenze zu erhalten. Während der rebellische Commandant in dem nahen Oedenburg, Major Sreter, einen Preis auf Thielen’s Kopf gesetzt hatte, beehrte den Verfolgten die Gemeinde des Marktes Wiesmath, seines Wohnortes, mit dem Ehrenbürgerrechte. Für sein Verhalten in jener Zeit wurde ihm von Sr. Majestät dem Kaiser der Majorscharakter verliehen. Als Schriftsteller hat Thielen hauptsächlich für den Ruhm des kaiserlich österreichischen Heeres gearbeitet. Er hat sowohl mehrere selbstständige Werke als auch in Militär-Zeitschriften zahlreiche militärische und kriegsgeschichtliche Artikel veröffentlicht, über welch letztere ich trotz aller Bemühungen nicht den nöthigen Aufschluß erhalten konnte, um sie in bibliographischer Uebersicht geordnet aufzuzählen. Die Titel seiner im Buchhandel erschienenen Schriften sind: „Die Kriege der Oesterreicher und ihrer Verbündeten vom Jahre 1756 bis zur gegenwärtigen Zeit“, erster Theil; auch unter dem Titel: „Der siebenjährige Krieg vom Jahre 1756 bis 1762. Mit dem Bildnisse des Feldmarschalls Grafen Daun“ (Wien 1837; Wallishausser, gr. 8°., mit 1 Tab.), es ist das die erste Geschichte dieses Krieges aus einer österreichischen Feder; – „Der Uebergang über den Rhein der verbündeten Hauptarmee unter Feldmarschall Fürsten Schwarzenberg am 21. December 1813 nebst einem Bericht über die Ereignisse nach dem 2. Februar 1814“ [224] (Wien 1853, 8°.); – „Geschichte des Feldzuges der verbündeten Heere 1814 in Frankreich“ (Wien 1854, Staatsdruckerei); – „Erinnerungen aus dem Kriegsleben eines 82jährigen Veteranen der österreichischen Armee mit besonderer Bezugnahme auf die Feldzüge der Jahre 1805, 1809, 1813, 1814, 1815, nebst einem Anhange, die Politik Oesterreichs vom Jahre 1809 bis 1814 betreffend. Mit dem Porträt des Feldmarschalls Fürsten Karl zu Schwarzenberg“ (Wien 1863, Braumüller, gr. 8°.). Die Schels’sche „Militär-Zeitschrift“ brachte 1832 aus Thielen’s Feder eine „Darstellung der Schlacht von Bar-sur-Aube“, welcher dann jene der Schlacht von Brienne, gleichfalls nach Originalquellen, folgen sollte, aber der Druck dieser letzteren Schrift wurde mit Berufung auf kaiserlichen Befehl untersagt. Als 1852 in Rußland ein auf Befehl des Kaisers Nicolaus in russischer Sprache verfaßtes Werk unter dem Titel: „Geschichte des Krieges Rußlands gegen Frankreich im Jahre 1799 unter der Regierung Kaisers Paul I.“ erschien, welches die Tendenz, Oesterreich, seinen Kaiser und sein Heer in allen nur möglichen Beziehungen herabzusetzen, verfolgte, und dessen Verfasser der russische General-Lieutenant Mihailowsky-Danilewsky und nach dessen Ableben der Generalstabsoberst Miljutin war, welche Beide weniger als Kriegshistoriker denn als Lobhudler Rußlands um jeden Preis und als Verleumder Oesterreichs gelten können, veröffentlichte der Lieutenant im königlich bayrischen 2. Infanterie-Regimente Kronprinz Chr. Schmitt eine deutsche Uebersetzung, welche sich treu an das russische Original hält und somit auch auf Oesterreichs Schmähung abzielt. Thielen machte auf diese Schmähschrift aufmerksam und erhielt den Auftrag, als Widerlegung eine Geschichte des Feldzuges 1799 nach den Kriegsacten zu schreiben; er vollendete sie, ob sie aber in Druck gelangte, ist dem Herausgeber dieses Lexikons nicht bekannt. Nun trug sich Thielen auch mit der Hoffnung, daß ihm die Darstellung der Geschichte der Feldzüge 1813, 1814 und 1815 übertragen werde. Aber seine Hoffnung erfüllte sich nicht, da schon vor ihm der Oberst Hermann mit dieser Aufgabe betraut worden war, und als derselbe vor Vollendung des Werkes starb, ging die Arbeit auf Feldmarschall-Lieutenant Heller über. Nahezu ihrem Ende zugeführt, wurde sie aus Sparsamkeitsrücksichten eingestellt, später jedoch an Thielen übertragen, der sie aber, durch Krankheit gehindert und schließlich vom Tode ereilt, auch nicht beendete. Nur noch seiner „Erinnerungen eines 82jährigen Veteranen“ sei gedacht, welche uns manchen Aufschluß über den alten Soldaten geben, sowie auch darüber, warum er es nicht weiter als bis zum Titular-Major gebracht. Diese Frage hatte 1849 sein ehemaliger Waffengefährte Feldzeugmeister Benedek an ihn gestellt und dann hinzugefügt: „Ich habe mich um Dich erkundigt. Du hast ein sehr gutes Renommée in der Armee, sag’ nur, warum bist Du nicht auch Feldzeugmeister?“ Da entdeckte denn Thielen mit seiner gewohnten Offenheit, daß seine zweite Heirat, seine Verbindung mit einer ungarischen Magnatenfamilie der Schlußstein seines Glückes gewesen sei. Als er im Jahre 1814 von dem Feldmarschall Fürsten Schwarzenberg dem Kaiser zum Ritterkreuze des Leopoldordens vorgeschlagen worden war, hatte er dasselbe aus der angegebenen Ursache nicht erhalten. Aber 46 Jahre später, am 22. Mai 1860, dem Tage der Enthüllung des Denkmales des Erzherzogs Karl, brachte das Verordnungsblatt die Nachricht, daß Se. Majestät dem [225] Major Thielen „in Anerkennung dessen langer vor dem Feinde und im Frieden sehr guter Dienstleistung, der dann auch im Ruhestande vielfach bethätigten verdienstlichen Leistungen das Ritterkreuz des Leopoldordens taxfrei verliehen habe“. Thielen ahnte sofort, daß er diese längst verdiente Auszeichnung seinem Gönner Benedek zu danken habe. Fünf Jahre darauf, 1865, wurde er nach längerem Leiden durch den Tod von einem sorgenvollen Leben erlöst. Thielen hinterließ eine 63jährige Witwe und einen 37jährigen Sohn Otto, der zur Zeit als Hauptmann im 76. Infanterie-Regimente dient und dem Militär-Fuhrwesens-Corps zugetheilt ist. Es ist ein ziemlich bewegtes, wenig vom Glücke begünstigtes Leben, das wir eben erzählt haben, und doch war der wackere Veteran, der zu den besten und verdienstvollsten Männern seines Standes gehört, werth des Glückes. Es sollte eben nicht sein. Auf den Greis fiel noch einmal ein Strahl der kaiserlichen Huld, deren er ja immer würdig gewesen, gleichsam um das unverdiente Dunkel seines Geschickes zu beleuchten. Brav als Soldat, ein Charakter als Mensch, war Thielen ein unerschrockener Partisan der Waffenehre des österreichischen Heeres, für welche er, wo und wann es galt, mit seinem Wissen und Können einstand. Es ist ja bekannt, wie militärische Geschichtsschreiber fremder Staaten die Waffenthaten des kaiserlichen Heeres herabzusetzen bemüht sind, als ob deshalb das österreichische Heer sich minder brav halten würde, weil ein fremder Officier in seiner Darstellung unwahr ist, Entstellungen bringt oder gar Facta erdichtet, die niemals geschehen. Aber da mußte man unseren Thielen gesehen haben, wenn er dergleichen entdeckte, man mußte ihn gesehen haben, als er das Werk des russischen General-Lieutenants Mihailowsky-Danilewsky und die Fortsetzung dieser Arbeit durch den russischen Generalstabsobersten Miljutin in Schmitt’s deutscher Bearbeitung gelesen und dieses par ordre de Mufti zusammengeschweißte Conglomerat von Lügen mit Empörung ein eines Soldaten und selbst einer feindlichen Armee unwürdiges Pamphlet nannte. Als die preußischen Geschichtsschreiber, die mit unglaublicher Hartnäckigkeit Alles, was Oesterreich und seine diplomatischen und militärischen Aktionen betrifft, oft nur ungeschickt genug entstellen, immer wieder mit der Behauptung auftraten, Feldmarschall-Lieutenant Andreas Graf Hadik de Futak [Bd. VII, S. 166] sei 1757 nie in Berlin, nur vor Berlin erschienen, da bewies Thielen diesen historischen Leugnern, um nicht zu sagen Lügnern, daß Hadik wirklich durch vierundzwanzig Stunden innerhalb der Haupt- und Residenzstadt Berlin die Fahnen der großen Kaiserin entfaltet, darin die strengste Mannszucht gehalten, die Stadt selbst geschont und nichts als sechs preußische Fahnen und zwei Dutzend mit dem Stadtwappen gezierte Handschuhe mitgenommen habe, welche er an die Kaiserin geschickt. Zur Vervollständigung der Lebensskizze unseres wackeren Soldaten erwähnen wir noch, daß er außer von Oesterreich und Bayern, wie bereits gesagt, auch noch von Rußland und der Türkei mit Orden, von England, Preußen und Schweden aber mit den goldenen Medaillen für Kunst und Wissenschaft ausgezeichnet wurde.

Oesterreichischer Militär-Kalender für das Jahr 1866. Herausgegeben von Dr. J. Hirtenfeld (Wien, 8°.) S. 213 u. f. – Militär-Zeitung von J. Hirtenfeld (Wien, 4°.) 1863, S. 38 und 66. „Thielen’s Erinnerungen“. – Der Kamerad [226] (Wiener Soldatenblatt, 4°.) 1865, Nr. 24, S. 195: „Major Maximilian Ritter von Thielen“. – Hoffinger (Ritter von). Oesterreichische Ehrenhalle. III. Jahrg. 1865 [Separatabdruck aus dem „Volks- und Wirthschafts-Kalender für 1867“, Verlag von Prandel und Ewald.] (Wien 1866, Anton Schweiger und Comp., gr. 8°.) S. 4. – Oesterreichischer Soldatenfreund (Wien, gr. 4°.) 1854, S. 159: „Astor und Thielen“.
Von einem Max Fr. Thielen sind in Wien nachstehende geo- und topographische Schriften und Uebersetzungen französischer Werke erschienen: „Alphabetisch-topographisches Postreise-Handbuch für den österreichischen Kaiserstaat nebst einer tabellarischen Uebersicht der politischen und kirchlichen Eintheilung der Monarchie sammt ihrem Flächeninhalte und ihrer gegenwärtigen Bevölkerung mit Beziehung auf die von dem k. k. Generalquartiermeisterstabe 1824 herausgegebene Postkarte...“ (Wien 1826, Tendler, gr. 8°); – „Die europäische Türkei. Ein Handwörterbuch für Zeitungsleser, enthaltend die alphabetisch geordnete Beschreibung aller türkischen Provinzen in Europa, ihrer Bewohner, der Gebirge und deren merkwürdiger Pässe. Mit einer Uebersichtskarte“ (Wien 1828, Gerold, gr. 8°.); – „Neueste Erzählungen und Novellen. Nach dem französischen des Victor Hugo, Alex. Dumas, George Sand und Andern“, zwei Bände (Wien 1835, Tendler, gr. 12°.); – „Historische Erzählungen aus der älteren Geschichte Frankreichs. Nach dem Französischen des Alex. Dumas von Max Fr. Thielen“ (Wien 1835, Haas, gr. 12°.), und „Bartillat. Erinnerungen aus dem Feldzuge in Africa“ (Wien 183.); eine Uebersetzung des Werkes: „Relation de la campagne d’Afrique en 1830“ des Marquis A. L. J. Johannot-Bartillat, das anfänglich anonym erschien und damals großes Aufsehen erregt hat. Die Gleichheit des Taufnamens Max, und bei den Uebersetzungen der Umstand, daß Major Thielen gerade um die Zeit ihres Erscheinens (1835) genöthigt war, seine militärische Stellung aufzugeben, lassen fast vermuthen, daß er ihr Verfasser und Uebersetzer ist.