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BLKÖ:Thürheim, Christoph Wilhelm der Aeltere

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 44 (1882), ab Seite: 275. (Quelle)
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Christoph Wilhelm I. von Thürheim in der Wikipedia
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6. Christoph Wilhelm der Aeltere (geb. zu Salaberg bei Haag in Niederösterreich am 13. März 1661, gest. am 8. Jänner 1738 im kaiserlichen Residenzschlosse zu Linz): Der erstgeborene Sohn Christoph Leopolds Grafen Thürheim aus dessen Ehe mit Anna Judith Gräfin von Salburg, erbte er nach dem Tode seines Vaters, 1689, die Herrschaft Weinberg cum apertinentiis. Anfangs k. k. Kämmerer, Rath und Landrath in Oesterreich ob der Enns, zugleich Ausschuß der Landschaft daselbst, auch Raitrath, wurde er im Jahre 1701 Verordneter des oberösterreichischen Herrenstandes, welchem Amte er während des bayrisch-französischen Krieges mit sehr vielem Eifer zum großen Nutzen des Landes oblag. In dieser Eigenschaft ging er auf Wunsch der Stände dem dänischen Feldmarschall Trompe nach St. Görgen im Attergau entgegen, um denselben dringend zu ersuchen, mit seinen vier Regimentern, lauter alten versuchten Soldaten, im Lande zu bleiben, wozu den kaiserlichen Befehl einzuholen die Stände sich anheischig machten. Diese dänischen Truppen waren nämlich auf dem Marsche aus Italien und sollten nach Schlesien beordert werden. Es gelang Thürheim’s Bemühungen, den dänischen General zu bewegen, den kaiserlichen Befehl abzuwarten, der auch nach einigen Tagen einlangte, und in Folge dessen die Dänen zur Vertheidigung Oberösterreichs im Lande blieben. Christoph Wilhelm wurde von Kaiser Joseph I. nicht nur zum Hofkammerrathe ernannt, sondern erhielt auch von ihm sowohl in Ansehung seiner eigenen Verdienste als jener seiner Voreltern mit kaiserlichem Diplom ddo. Wien 24. September 1705 „für sich und seine männliche Descendenz“ das Oberst-Erbland-Falkenmeisteramt im Erzherzogthum Oesterreich ob der Enns, „so zwar, daß sich der Aelteste Oberst-Erbland-Falkenmeister, alle Uebrigen aber mit Auslassung des Wörtchens Oberst blos Erbland-Falkenmeister zu nennen haben und sich aller, dergleichen Erbämtern zugehörigen Prärogativen, Rechte und Gerechtigkeiten, absonderlich bei vorgehenden Erbhuldigungen zu erfreuen und zu gebrauchen haben sollten u. s. w.“ Unter Verleihung der geheimen Rathswürde erhob Kaiser Karl VI. den Grafen zum Landeshauptmann von Oberösterreich und. ließ ihn als solchen den Ständen dieses Landes am 13. Februar 1713 auf dem Residenzschlosse zu Linz nach den üblichen Ceremonien vorstellen. Den umsichtigen Anordnungen Christoph Wilhelms war es hauptsächlich zu danken, daß das weitere Umsichgreifen der im Juli 1713 in Oberösterreich ausgebrochenen Pestseuche, insbesondere auf dem Lande daselbst möglichst verhütet wurde. Die schreckliche Krankheit dauerte bis Mitte Februar 1714, im Ganzen also über sechs Monate, während welcher Zeit sich Thürheim ungeachtet der großen Ansteckungsgefahr [276] nicht von seinem Posten entfernte und sich in den Spitälern wie überall von dem genauen Vollzuge seiner Sicherheitsmaßregeln stets persönlich überzeugte. Bei Gelegenheit der feierlichen Erbhuldigung Kaiser Karls VI. zu Linz am 10. September 1732 fungirte Christoph Wilhelm, ein damals 71jähriger Greis, zum ersten Male als Oberst-Erbland-Falkenmeister von Oberösterreich und trug den kaiserlichen Falken vor. Das kostbare, mit reicher Goldstickerei geschmückte Falkenmeistergezeuge von grünem Sammt hatte er von seinem Monarchen als Geschenk erhalten. In seiner Würde als Landeschef war der Graf schon am 20. August zum feierlichen Empfange der kaiserlichen Majestäten an die Landesgrenze bis Kaplitz in Böhmen entgegengefahren, um sowohl an der feierlichen Audienz der bis Freistadt entgegengesandten ständischen Deputation an deren Spitze Theil zu nehmen, als auch dem Landesfürsten das übliche Ehrengeleite bei dessen Eintritte in die Landeshauptstadt am 23. August 1732 zu leisten. Kaiser Karl VI. beschenkte den Grafen mit seinem reich mit Edelsteinen geschmückten, um den Hals gehängt zu tragenden Medaillonbildnisse. Vermöge kaiserlichen Diploms ddo. Wien 1. August 1724 erhielt Christoph Wilhelm auch für sich und seine eheliche Descendenz beiderlei Geschlechtes das bereits von der älteren Linie seines Ohms väterlicherseits Franz Leopold Grafen Thürheim besessene Incolat in dem Herrenstande des Königreichs Böhmen und der incorporirten Länder. Ein volles Vierteljahrhundert, von 1713 bis zu seinem Tode 1738, leitete er als Landeshauptmann mit rühmlichstem Eifer die Angelegenheiten des ihm anvertrauten Oberösterreich. Sein Porträt in Lebensgröße, sowie mehrere Brustbilder von ihm befinden sich im Schlosse Weinberg; in dessen Nähe, in der Pfarrkirche zu Käfermarkt ruhen seine irdischen Ueberreste in der Familiengruft. Christoph Wilhelm hatte sich am 25. September 1690 mit Maria Francisca Michaela Gräfin von Kuefstein vermält, welche ihm nebst einem todtgeborenen Kinde sechzehn Kinder gebar; sie war Sternkreuzordensdame und erbte nach dem Tode ihres Neffen, des Grafen Gottlieb Max Kuefstein (gest. 1748), des letzten Sprossen der in Oberösterreich ansässigen Linie seines Hauses, die Herrschaften Schwertberg, Windeck, Ponneggen, das Hartschlössel und Hartheim, welche sie jedoch sogleich ihrem jüngeren Sohne Joseph Gundakar Grafen Thürheim eigenthümlich übergab. Sie stiftete in der St. Wolfgangskirche zu Käfermarkt über der Familiengruft einen Altar, auf dem noch gegenwärtig ein Marienbild mit ihrem Doppelwappen sich befindet, auch gründete sie im Schlosse Weinberg eine eigene große Hausapotheke. Sie starb nach dreizehnjährigem Witwenstande am 17. August 1751 zu Linz im 82. Lebensjahre und wurde in der Familiengruft zu Käfermarkt an der Seite ihres Gemals beigesetzt. Mehrere Porträte von ihr befinden sich im Schlosse Weinberg. Außer jenen Söhnen, von denen eigene Skizzen handeln, sind noch zu erwähnen: Franz Joseph (geb. zu Linz 1694, gest. 1753), zuletzt Domherr und Capitular des Hochstiftes Passau und Pfarrer zu Peuerbach, und Leopold Maximilian (geb. 1710, gest. 1738), Domherr und Capitular des Hochstiftes Olmütz. Von Christoph Wilhelms Töchtern erwähnen wir: Maria Josepha Elisabeth (geb. 1691, gest. 1726), vermält in erster Ehe mit dem bei Francavilla 1719 gefallenen Feldmarschall-Lieutenant Grafen Eck, sodann mit dem kurbayrischen geheimen Rath Max Grafen Seinsheim; Maria Anna Carolina (geb. 1695, gest. 1769), vermält 1720 mit Johann Anton Grafen Goës, k. k. geheimen Rath, Kämmerer und Landeshauptmann von Kärnthen [siehe dieses Lexikon Bd. V, S. 243 und 245, Nr. 3]; Francisca Maria (siehe S. 277, Nr. 9]; Eleonore Jacobine (geb. 1698, gest. 1767), vermält 1731 mit dem k. k. geheimen Rath und Raitrathspräsidenten Norbert Anton Oswald Grafen Salburg; Francisca Aloisia (geb. 1704, gest. 1772), vermält 1727 mit Max Guidobald Grafen Cavriani, Geheimrath, Kämmerer und Stifter der österreichischen Linie seines Hauses. Ueber Maximiliana Xav. Josepha [siehe S. 282, Nr. 33]. Die übrigen Töchter starben in der Kindheit. [Hohenegg, Bd. II, S. 655. – Kurz. Geschichte der oberösterreichischen Landwehr, Bd. II, S. 60. – Linz. Einst und Jetzt von Pillwein, 1846, zweiter Theil, S. 42. – Oberst-Erbland-Falkenmeister-Originaldiplom ddo. Wien 24. September 1705. – Aufnahmsdiplom im böhmischen Herrenstand ddo. Wien 1. August 1724. – Hock (Ritter von). Der österreichische Staatsrath (Wien 187., Manz, gr. 8°.), S. 133 und 139.] –