Zum Inhalt springen

BLKÖ:Tauber, Hans

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Tauber, Caspar
Band: 43 (1881), ab Seite: 129. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
Hans Tauber in Wikidata
GND-Eintrag: [1], SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Tauber, Hans|43|129|}}

2. Ein Hans Tauber, seines Zeichens Weinhändler aus Meran, trat erst in neuerer Zeit in den Vordergrund. Er stellte sich keine geringere Aufgabe, als die Vorurtheile, [130] von welchen man im Auslande ziemlich allgemein gegen Land und Leute von Tirol eingenommen ist, zu zerstreuen und durch Anführung geeigneter Thatsachen zu widerlegen. Im November 1880, bei seiner Anwesenheit in München, hörte er, daß Freising am 20, d. M. das Fest des h. Corbinian, des Diöcesanpatrons begehe. Da Corbinian ein auch den Meranern wohlbekannter Heiliger ist, der mit der Stadt Meran und deren Valentinskirchlein in engen Beziehungen gestanden, so entschloß er sich kurz, diesen Umstand zu benützen, um im Casino zu Freising zu Gunsten des österreichisch-ungarischen Hilfsvereins einen öffentlichen Vortrag zu halten, in welchem er in naturwüchsiger und darum nur um so eindringlicherer Rede die gegen die Tiroler, ihre Intoleranz und Unbildung gerichteten Anklagen widerlegte. Er that es mit überzeugender Kraft, so bemerkte er unter anderem: der Leiter der von dem ultramontanen Landtage errichteten landwirthschaftlichen Schule in St. Michele sei ein Protestant, zwischen Tirol und Bayern bestehe seit jeher und besonders gegenwärtig frisch und lebendig eine geistige Verbindung, wovon vor Allem die Künstler Zeugniß geben, welche aus Tyrol stammen und in Bayern Bildung, oft auch bleibenden Aufenthalt, also eine zweite Heimat gefunden, u. s. w. Die treffliche, von Tauber in seiner schmucken und kleidsamen Landestracht mit Wärme gehaltene Rede verfehlte ihre Wirkung nicht, obwohl die Zuhörerschaft eine nicht sehr zahlreiche war. Gewiß wären solche vorurtheilsfreie Vorträge in den Tagen des Nationalitätenzwistes auch bei uns wünschenswerth, denn es käme den Deutschen, Ungarn und all den verschiedenen Slavenstämmen Oesterreichs wechselseitig zugute, wenn sie von ihren gegenseitigen Bildungs-, Cultur- und Kunstzuständen Notiz nähmen, was durch solche von unbefangenen Kennern der betreffenden Länder, ihrer Cultur und Literatur gehaltene Vorträge zunächst zu erzielen wäre. [Münchener Fremdenblatt, 26. November 1880, Nr. 331, in der Rubrik: „Provinz- und auswärtige Nachrichten“. – Augsburger Abendzeitung, 1881, Nr. 106.]