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BLKÖ:Szeptycki, Athanasius (I.)

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Szeps, Moriz
Band: 42 (1880), ab Seite: 122. (Quelle)
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Szeptycki, Athanasius (erster Primas der ruthenischen Kirche in Lemberg, geb. um das Jahr 1680, gest. in Lemberg 11. Dec. a. St. 1746, nach Anderen schon 1748). Nach Familiendocumenten ist Athanasius ein Sohn des Belzer Schwertträgers Alexander aus dessen Ehe mit Barbara Wyszpolska von Wyszpolsk und Neffe des Lemberger unirten Bischofs Barlaam. Da es in der Familie Szeptycki] zwei hohe kirchliche Würdenträger mit dem Vornamen Athanasius gibt, von denen der eine Bischof von Lemberg, der andere Erzbischof von Kiew gewesen[WS 1], und welche beide zur selben Zeit gelebt haben, so ist es nicht zu verwundern, wenn in Hinsicht der Angaben über den Einen und den Anderen hie und da Irrthümer und Verwechslungen stattfinden. Nachdem unser Athanasius eine sorgfältige Erziehung genossen hatte, trat er in den Basilianerorden, in welchem er Archimandrit des Klosters Uniow und am 18. Mai 1713 Coadjutor des Bischofs von Lemberg wurde. Nach dem Tode Barlaam’s im Jahre 1715 fiel von Seite des Adels, der Geistlichkeit und des Stauropigiums, einer aus lauter Weltlichen bestehenden, aber damals noch ziemlich einflußreichen Bruderschaft, die Wahl zum Bischof von Lemberg, Halicz und Kamieniec auf Athanasius, der als solcher auch von Seite des Königs am 18. April 1715 bestätigt wurde. Um das Jahr 1720, für welches Szeptycki eine Synode nach Zamosc berief, begannen die Mißhelligkeiten mit den Stauropigiern, deren Privilegien mit der neuen Kirchenordnung nicht mehr vereinbar waren. Die Stauropigier, obgleich Weltliche, beanspruchten Einfluß auf die geistlichen Angelegenheiten der Kirche, welcher ihnen weder zukam, noch eingeräumt werden konnte. Die hierüber entstandenen Kämpfe und Streitigkeiten, welche zu verfolgen, nicht unsere Aufgabe sein kann, nahmen immer mehr an Erbitterung zu, es kam zu richterlichen Aussprüchen, ohne daß dadurch die Angelegenheit, welche zuletzt im Jahre 1727 vor den Papst gebracht wurde, in einer allen Theilen entsprechenden Weise entschieden worden wäre. Zu Rom hatte der Bischof den [123] Kürzeren gezogen, und erst durch den Verfall der Gesellschaft, welche in Schulden gerieth und dadurch nach und nach allen Einfluß verlor, bekam die Angelegenheit eine für den Bischof günstigere Wendung. Nun wurde er von dem damaligen Metropoliten Leo Kiszka zu dessen Coadjutor erwählt. Als aber derselbe schon kurze Zeit danach, 1728, starb, weigerten sich die Basilianer, welche das Vorrecht, die Bischöfe aus ihrer Mitte zu wählen, seit Jahrhunderten ausgeübt hatten, die Wahl Szeptycki’s anzuerkennen, auf ihr uraltes Recht sich berufend. Auch diese Angelegenheit schleppte sich längere Zeit hin, da Szeptycki den Basilianern einen entschiedenen Widerstand entgegenstellte. Endlich aber ging er siegreich aus dem Kampfe hervor. Am 19. September 1730, an dem Tage, auf welchen nach dem russischen Kalender das Fest Maria Geburt fällt, vollzog er, umgeben von den Bischöfen von Wlodzimir und Pińsk, Godebski und Bulhak, von vielen Archimandriten der Basilianerklöster, von zahlreichem Clerus und Adel, unter dem Andrange einer großen Menge Volkes zu Źyrowic die Krönung des Bildes der ah. Jungfrau Maria. Die Fürstin Radziwill, eine geborene Fürstin Sanguszko, welche die von Benedict III. eingesegnete, von ihrem Sohne Hieronymus aus Rom gebrachte Krone mit ihrem eigenen reichen Schmucke behängt hatte, bestritt den Aufwand der großartig ins Werk gesetzten Feierlichkeit. Nach derselben begab sich Bischof Szeptycki auf den Landtag zu Grodno. Indessen fuhr die wenngleich schon sehr gesunkene Bruderschaft der Stauropigier in ihrem nie ganz aufgegebenen Widerstande fort, so daß er, um sie noch mehr zu schwächen, 1732 eine eigene Druckerei errichtete, denn bis dahin wurden alle kirchlichen Sachen in der Druckerei der Stauropigier gedruckt. Ueber diese Beschränkung des ihnen zustehenden Rechtes erhoben sie neuerdings Klage, die Angelegenheit kam vor den Kanzler der Krone, den Fürsten Zaluski, und da die Stauropigier nachwiesen, daß sie in ihren Rechten verletzt seien, verlor der Metropolit den Proceß. Ungeachtet der oben erwähnten Streitigkeiten mit den Basilianern blieb ihm der Orden doch immer werth, und er berief zu verschiedenen Malen Capitel der Basilianerklöster, bei denen er dann persönlich den Vorsitz führte, so im Jahre 1730 nach Nowogrod, 1736 nach Bytensk. 1739 nach Lemberg und auf diesem letzteren nahm er eine Umgestaltung des Ordens vor, welcher nun eine ganz dem katholischen Ritus entsprechende Einrichtung erhielt. Bis dahin theilte sich der Orden in zwei Provinzen, in die der Krone und in die lithauische. An der Spitze einer jeden stand ein Provinzial, über den ganzen Orden der Protoarchimandrit oder General, der nicht in Rom, sondern in Polen seinen beständigen Sitz hatte. Die neue Organisation, welcher zufolge der Orden der Basilianer ganz unter römischem Einfluß stand, wurde von Papst Benedict XIV. mit der Bulle „Inter plures jucunditatis fructus“ ddo. 2. Mai 1744 bestätigt. Mit dem damaligen lateinischen Erzbischof von Lemberg Nicolaus Wyżycki gerieth Szeptycki in einen Streit über den Vorrang und über die Priestertracht. Die russische Geistlichkeit begann sich ganz wie die lateinische zu kleiden, worüber die letztere gewaltigen Lärm erhob. Es wurden Schriften und Briefe gewechselt, und auf einem Capitel zu Lemberg im Mai 1739 traten die Differenzen [124] sichtlich zu Tage. Darüber berichtete Szeptycki nach Rom und verlangte Verhaltungsregeln in dieser Angelegenheit. Ein wesentliches Verdienst erwarb er sich durch den Bau der stattlichen Kathedrale auf dem St. Georgshügel in Lemberg. Sie steht an der Stelle der alten St. Georgskirche, die er im Jahre 1745 abtragen ließ. Er begann mit der Errichtung der neuen wohl spät, denn er sollte die Vollendung nicht mehr erleben, zu welcher er eine Summe von 116.800 polnischen Gulden testirte. In seinem letzten Willen bestimmte er auch die Summe von 10.000 polnischen Gulden zur Erhaltung zweier Jünglinge im Lemberger Collegium der Theatiner, jedoch mit der Bemerkung, daß, wenn das Collegium je aufgelöst werden sollte, das Stiftungscapital an die St. Georgs-Kathedrale zu übertragen sei, damit dort zwei Cleriker zu Caplänen herangebildet würden. Ueber die Zeit seines Todes weichen die Angaben ab. Nach Familiendocumenten wäre er am 11. December 1746 alten Styls gestorben und in der St. Georgskirche in Lemberg feierlich beigesetzt worden.

Lwowianin czyli zbiór potrzebnych i użytecznych wiadomości wydawany przez Ludwika Zielińskiego, d. i. Der Lemberger oder Sammlung erforderlicher und nützlicher Kenntnisse, herausgegeben von Ludwig Zieliński (Lemberg, Druck von Peter Poller, schm. 4°.) II. Jahrg. (1837) S. 45: „Atanazy Szeptycki Metropolita całey Rusi“. – Cerkownaja Gazeta, d. i. Kirchenzeitung, 1858, Nr. 2.
Porträt. Unterschrift: „Szeptycki Atanazy | Metropolita Rusi czerwonéj“, d. i. Athanasius Szeptycki, Metropolit von Rothreußen. Auer lith.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Athanasius (I.) war beides. Es handelt sich hier also um eine Person.