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BLKÖ:Sternberg, Joachim Graf

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 38 (1879), ab Seite: 289. (Quelle)
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Sternberg, Joachim Graf (Naturforscher, geb. 12. März, n. A. erst 13. August 1755, gest. auf seinem Schlosse Brzesina in Böhmen 18. October 1808). Ein Sohn des Grafen Johann Nepomuk aus dessen Ehe mit Anna Josepha Gräfin Kolowrat-Krakowsky, und ein Bruder des berühmten Gelehrten Caspar [siehe die S. 252]. Nachdem der Graf eine sorgfältige Erziehung genossen, trat er 16 Jahre alt, in das Infanterie-Regiment Wolfenbüttel. Die damalige Friedenszeit gab ihm Muße zu wissenschaftlichen Studien, vornehmlich der Mathematik und Alchemie, auch trieb er mit Eifer Musik. Zu Anbeginn des Feldzuges 1778 war der Graf Oberlieutenant bei Stein-Infanterie. Nun nahm ihn Feldmarschall Loudon als Galopin ins Hauptquartier und in dieser Stellung gewann er das Vertrauen des Feldmarschalls, der ihn zu verschiedenen Sendungen verwendete. Nahezu 14 Jahre hatte er das Soldatenleben mitgemacht, um 1784 verließ er den Dienst und lebte, einige kleinere Reisen abgerechnet, meist auf dem Lande, wo er sich nun ausschließlich dem Studium der Mathematik, Astronomie, Chemie und der Musik hingab. Im nämlichen Jahre errichtete er zu Darowa die Eisenmanufactur. Als im Jahre 1790 der Luftschiffer Blanchard nach Prag kam, unternahm er am 31. October d. J. mit ihm die Luftfahrt, wobei er zu physikalischen Untersuchungen sich mit verschiedenen Instrumenten als Barometer, Eudiometer, Thermometer u. a. versah. Nun lebte er wieder seinen wissenschaftlichen Studien auf seiner Besitzung zu Radnitz, bis er im Frühjahr 1792 eine größere Reise unternahm, auf der ihm zum Theil Abbé Dobrowsky [Band III, S. 344] das Geleite gab. Am 15. Mai g. J. verließ er mit dem Abbé Radnitz und ging über Lübeck, wo ihn Dobrowsky verließ, nach Dänemark, Schweden, von wo er nach Petersburg überschiffte und dort längere Zeit verweilte. Sein Hauptaugenmerk hatte er dabei auf Bergwerke und Manufacturen gerichtet, worüber er auch an Kaiser Joseph II. einen Bericht erstattete. Als er in Petersburg erfuhr, daß eine englische Botschaft nach Peking abgehen sollte, faßte er den Entschluß, mit derselben über Kiachtä dahin zu reisen. Er [290] verließ auch Petersburg im Winter 1793. Seine Reise nach Peking kam nicht zu Stande. Ueber Moskau kam er nach Sophia, von dort kehrte er über Königsberg in seine Heimat zurück, wo er die gewonnenen Erfahrungen in verschiedenen Verbesserungen im Bergbau und in der Eisenmanufactur verwerthete und seine Studien eifrig fortsetzte, während ihm die Musik zur Erholung diente. Als ihn im J. 1800 Erzherzog Karl einlud, an der Aufnahme der böhmischen Grenzen sich zu betheiligen, folgte er diesem Rufe und unternahm bei dieser Gelegenheit auch eine Reise nach Frankreich, welche er bis Paris ausdehnte, wo er mit mehreren Gelehrten in wissenschaftliche Verbindung trat, zugleich aber die Gestaltung der Grenzen Frankreichs kennen lernte. Von Paris reiste er 1802 über Calais nach London, besichtigte und studirte in England verschiedene Bergwerke und Manufacturen, worüber sich in seinen Aufzeichnungen die werthvollsten Materialien finden, da sie mit Bemerkungen über Englands Manufacturen, mit Zeichnungen von Maschinen, mit cartographischen Aufnahmen der Canäle und des Betriebes der vorzüglichsten Eisengewerkschaften überfüllt sind. Im Jahre 1807 unternahm der Graf eine Reise nach Ungarn, besuchte dort Schemnitz, Kremnitz und die wichtigeren Bergstädte, darauf die Karpathen, wo er mehrere Polhöhen nahm und Barometerhöhen bestimmte. Im folgenden Jahre reiste er über Pola nach Triest, besuchte Fiume, ging von da nach Unterkärnten, wo er die höchsten Berge bestieg und die wichtigsten Bergwerke befuhr. Als er dann in seine Heimat zurückkehrte, raffte ihn, im besten Mannesalter von erst 53 Jahren, der Tod dahin. Des Grafen Leben war ganz in wissenschaftlichen Arbeiten und Forschungen aufgegangen, worüber er zum Theil in den von ihm veröffentlichten Werken instructive Aufschlüsse gab. Im Druck sind von ihm erschienen: „Reise von Moskau über Sophia nach Königsberg mit einer kurzen Beschreibung von Moskau“ (Berlin 1793, gr. 8°.); – „Bemerkungen über Russland auf einer Reise 1792–93“ (Dresden 1794, Walther, 8°.); – „Versuch über das vortheilhafte Ausschmelzen des Roheisens aus seinen Erzen und dessen Verarbeitung in den Frischherden.“ Mit KK. (Prag 1795, Calve, 8°.); – „Reise nach den ungarischen Bergstädten Schemnitz, Neusohl, Schmölnitz, dem Karpathengebirge und Pesth im Jahre 1807.“ Mit 1 Karte und 1 Tabelle (Wien 1808 [Prag, Calve] 8°.); – In den „Abhandlungen der königl. böhmischen Gesellschaft der Wissenschaften“: „Chemische Untersuchungen der Fribusser Weltaugen“ [1790, Bd. I, S. 225]; – „Zerlegung des Chrysoprasses aus der Iser“ [ebd., S. 229]; – „Bemerkungen über den Feuergrad in hohen Oefen und über den Einfluß atmosphärischer Beschaffenheit auf metallurgische Arbeiten“ [1795, Bd. II, S. 29]. – In Joh. Mayer’s „Sammlung physikalischer Aufsätze“: „Ueber die Unrichtigkeit der eudiometrischen Versuche“ [Bd. I, 1791]; – „Ueber Bildung der Donnerwolken und die Entstehung der Donnerwetter“ [Band II, 1792]; – „Ueber das Wachsthum der Pflanzen [ebd.]; – „Von der Eisenerzfischerei in dem See bei Petrojawoska“ [Bd. III, 1793]; – „Bemerkungen über die vortheilhafte Verwendung der Eisenschlaken in Schweden“ [Bd. IV]; – „Ueber den Bailit“ [Bd. IV, 1794]; – „Geologische Bemerkungen auf einer Reise nach Norden“ [ebd.]. – In Crell’s „Annalen“: [291] „Versuche über die Verbrennung des Diamants“ [1796], und noch Einiges in Hoppe’sBotanischem Taschenbuche“. Für die Förderung der Wissenschaften in seinem Vaterlande that er viel, so widmete er unter anderem die Summe von 10.000 Gulden, um jungen Leuten, welche sich durch besonderes Talent auszeichnen, durch Beiträge das Studiren zu erleichtern. Seine Büchersammlung war reich an den gediegensten Werken über Naturwissenschaften, Mathematik und Astronomie, wie er denn auch in diesen Richtungen treffliche Instrumente besaß. Sein literarischer Nachlaß ist nicht unbedeutend, doch durch die ordnungslosen Aufzeichnungen seine Benützung sehr erschwert. Seinem Werke über Rußland wirft man parteiische Tadelsucht vor. Der Graf war Mitglied der königlich böhmischen Gesellschaft der Wissenschaften. Er war unvermält geblieben.

Abhandlungen der königlich böhmischen Gesellschaft der Wissenschaften (Prag) dritte Folge, Band II (1811), Seite 147: „Biographie“. – Der Biograph. Darstellung merkwürdiger Menschen der drei letzten Jahrhunderte (Halle 1802–9, Waisenhaus, gr. 8°.), Bd. VIII, S. 479. – Baur (Samuel), Allgemeines historisch-biographisch-literarisches Handwörterbuch aller merkwürdigen Personen, die in dem ersten Jahrzehent des 19. Jahrhunderts gestorben sind (Ulm 1816, Stettini, Lex.-8°.) Bd. III, S. 542.