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BLKÖ:Stampfer, Simon

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Stampfer, Cölestin
Band: 37 (1878), ab Seite: 118. (Quelle)
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Stampfer, Simon (Mathematiker und Naturforscher, geb. zu Windischmatrai in Tirol 28. October 1792, gest. zu Wien 10. November 1864). Der Sohn mittelloser Eltern, welche vom Taglohn ihr und ihrer fünf Kinder Leben fristeten. Der Knabe lebte von der Wohlthätigkeit fremder Menschen und wanderte von Bauernhof zu Bauernhof, wo er die empfangenen Liebesdienste als Hirtenknabe zu vergelten suchte. Als S. eilf Jahre alt war. gelang es den Bitten seiner Mutter, daß sein Brodherr ihm den Besuch der Schule gestattete, in welcher seine Fähigkeiten sich bald in so erfreulicher Weise kundgaben, daß ihn der Ortsseelsorger Dechant Georg Brandstätter in sein Haus aufnahm und ihm später den Besuch der Lehranstalt zu Lienz in Tirol ermöglichte. Als zwei Jahre später die letztgenannte Lehranstalt aufgelöst wurde, begab sich S., alle Bedenken über seine mittellose Lage überwindend, nach Salzburg wo er in den Jahren 1806 bis 1811 die Gymnasialstudien beendete und in den zwei nächstfolgenden an dem damals neu organisirten Lyceum den philosophischen Curs hörte. Im Anbeginne ganz auf die Unterstützung von Wohlthätern angewiesen, gelang es ihm allmälig, sich durch Privatunterricht seinen Lebensunterhalt zu verschaffen. Seinem inneren Drange folgend, wendete er sich dem Studium der mathematischen Wissenschaften zu und war entschlossen, sich dem Lehramte aus denselben zu widmen. Da Salzburg damals zur Krone Bayern gehörte, machte S. im Jahre 1814 seine Lehramtsprüfung in München. Von der Forderung, sich, um ein Lehramt zu erlangen, früher das Indigenat zu verschaffen, machte er keinen Gebrauch, da im Jahre 1816 Salzburg wieder an Oesterreich kam. Im nämlichen Jahre wurde er nun supplirender Lehrer der Mathematik, Naturgeschichte, Physik und griechischen Sprache am k. k. Gymnasium und der Elementarmathematik, der Physik und angewandten Mathematik am k. k. Lyceum zu Salzburg und im Jahre 1819 bereits zum ö. o. Professor der reinen Elementarmathematik an letztgenannter Lehranstalt ernannt. Als Lehrer gewannen ihm die Gründlichkeit und Vielseitigkeit seiner Kenntnisse und die pädagogische Kunst, dieselben seinen Zuhörern angenehm und ihre Erwerbung wünschenswerth zu machen, bald einen ausgezeichneten Ruf. Durch Ausflüge, [119] welche er in Ferienzeiten in die wundervolle Umgebung Salzburgs machte und dieselben bis nach Berchtesgaden und seinen dasselbe umschließenden Bergen ausdehnte, woran jene seiner Schüler theilnahmen, welche sich durch ihre Fortschritte besonders hervorthaten, weckte er den Eifer seiner Schüler, für welche die Theilnahme an einem solchen Ausflüge als ein Fest galt, wozu sich in der Fülle von Beobachtungsmomenten der daran unerschöpflichen Natur, durch barometrische und andere Messungen, eine Quelle von Belehrung darbot, welche für manchen seiner Zöglinge von nachhaltiger Wirkung war. Aber schon damals regte sich das höhere wissenschaftliche Streben S.’s, dem es nicht genügte, die Quellen seines reichen Wissens Anderen zu erschließen, sondern der noch selbst an dem Born der Wissenschaft sich erquicken wollte. So lückenhaft und unvollkommen die Hilfsmittel waren, welche das physikalische Cabinet der Lehranstalt damals besaß, so stellte S. doch seit dem Jahre 1816 regelmäßig astronomische Beobachtungen an und berechnete aus denselben, die er mit einem Baumann’schen Sextanten, der sein Eigenthum war, gemacht, nach Olbers Methode die Kometenbahnen. In Salzburg selbst führte er viele geodätische Messungen und auf seinen Ausflügen auf die Berge der Umgebung barometrische Höhenmessungen aus. Bei einer seltenen Erfindungsgabe und ungewöhnlichen manuellen Geschicklichkeit verfertigte er zu seinen Zwecken; Barometer, Thermometer, Distanzmesser u. s. w. Schon seit dem Jahre 1816 verbanden ihn freundschaftliche Beziehungen mit dem ob der Pflege der Wissenschaften und durch die Heranbildung tüchtiger Staatsbürger berühmten Benedictinerstifte Kremsmünster, welches Verhältniß bis an sein Lebensende dauerte. Dort brachte er häufig einen Theil seiner Herbstferien zu und vertiefte sich in Arbeiten, wozu ihm der von dem Abte Fixlmillner (1748–1758) erbaute sogenannte astronomische Thurm einen reichen literarischen und physikalischen Apparat darbot. Diese hervorragende Thätigkeit S.’s richtete bald die Aufmerksamkeit der Regierung auf den jungen Gelehrten und als in Folge des Staatsvertrages vom 14. April 1816 die Regulirung der Grenze zwischen den Oesterreich zurückgefallenen Provinzen und dem Königreiche Bayern stattfinden sollte, wurde S. der aus dem Obersten Fallon [Bd. IV, S. 141][WS 1], den Oberstlieutenants Nageldinger [Bd. XX, S. 34], Weiß, Major von Myrbach [Bd. XVIII, S. 477], Hauptmann Spanoghe [Bd. XXXVI, S. 63] und Lieutenant Philippovic [Bd. XXII, S. 210, in den Quellen] zusammengesetzten k. k. Demarcations-Hofcommission beigezogen und hatte bei den erforderlichen geodätischen Operationen unter den schwierigsten Verhältnissen, namentlich bei den Bestimmungen der nassen Landesgrenze, wo seine eigenen Meßapparate und Vermessungsmethode sich als besonders zweckmäßig bewährten, so treffliche Dienste geleistet, daß die Commission selbst sich bewogen fand, ihm die Anerkennung darüber rückhaltlos auszusprechen. Hier knüpften sich auch zwischen Stampfer einerseits und Fallon und Myrbach andererseits jene freundschaftlichen Bande, welche für Ersteren in der Folge nicht ohne Einfluß blieben, denn Stampfer wurde nun öfter bei wichtigen Anlässen zur Mitwirkung herbeigezogen, so u. a. in den Jahren 1818, 1820, 1822 und 1823 bei den anläßlich der Längengradmessung zwischen München, Wien, Ofen und Prag ausgeführten [120] Blickfeuer-Operationen, indem auch Salzburg als astronomisch bestimmter Punct des oberösterreichischen Dreiecknetzes in die Operation einbezogen und daselbst eine Beobachtungsstation eingerichtet wurde, auf welcher Stampfer gemeinschaftlich mit Major von Myrbach die Signalisirung auf dem Untersberge leitete. Als durch den großen Brand am 30. April 1818 der Thurm des k. k. Lustschlosses Mirabel in Salzburg, welcher als astronomisch bestimmter Dreieckspunct galt, zerstört war, unternahm es S. aus eigenem Antriebe und mit Hilfe eines aus eigenen Mitteln angeschafften achtzölligen astronomischen Theodoliten nach Reichenbach’s Construction aus Utzschneider’s und Liebherr’s berühmter Werkstätte in München im Jahre 1822 einen neuen Punct auf dem Mönchstein durch eine neu ausgeführte Triangulirung an das Hauptnetz anzuschließen; auch bestimmte er mit dem nämlichen Instrumente über von Fallon’s Aufforderung im Jahre 1824 zum Behufe der Orientirung des Dreiecksnetzes Polhöhe und Azimuth in Kremsmünster. In diese Zeit fallen ferner S.’s Versuche über die Fortpflanzungsgeschwindigkeit des Schalles, deren Ergebnisse er in den Jahrbüchern des k. k. polytechnischen Institutes in Wien (S.’s Schriften folgen S. 123) veröffentlichte. Seine Tabellen zum Höhenmessen mit dem Barometer und seine sechsstelligen Logarithmentafeln erwiesen sich bald als zwei höchst zweckmäßige Handbücher und erschienen beide in mehreren Auflagen. Als im Jahre 1824 Franz Ritter von Gerstner [Bd. V, Nr. 160] seine Professur der praktischen Geometrie am Wiener Polytechnikum niederlegte, bewarb sich S. um dieselbe, unterzog sich dem ausgeschriebenen Concurse und erhielt sie mit ah. Entschließung vom 22. December 1825. Anfangs des Jahres 1826 trat S., damals 33 Jahre alt, sein neues Lehramt an und versah dasselbe ununterbrochen durch 23 Jahre mit glänzendem Erfolge. In dieser Stellung war es nun, wo er im Gebiete der Geodäsie, im Fache, wo er Meister war, reformirend auftrat, da namentlich das Feld der niederen Geodäsie bis vor ihm nur geringer Pflege sich erfreut hatte. In seinen Vorträgen hatte er ein vollständiges Lehrbuch der praktischen Geometrie ausgeführt, welches durch den Druck der Oeffentlichkeit zu übergeben, ihm leider nicht gegönnt war. Doch gab er die wohlgeordneten Hefte seiner Vorträge gern seinen Schülern, welche davon Abschriften nahmen, welche wieder weit über Oesterreichs Grenzen verbreitet wurden. Nun begann eine Literatur über diesen Gegenstand, welcher bis dahin kaum beachtet worden, und Stampfer’s Lehren wanderten oft, ohne daß sein Name genannt worden wäre, als Ergebnisse fremder Studien zu ihrem Urheber zurück. Diese Vorträge aber enthielten Vieles, was S.’s ausschließliches Eigenthum ist, so seine vielen neuen Sätze über Berechnung und Theilung der Figuren entweder durch Construction oder durch Rechnung auf polygonometrischem Wege über die Auflösung der Polygone; über Auffindung und Bestimmung von Messungsfehlern in Polygonen, deren Umfangsstücke gemessen sind; über die bei Constructionen und Messungen mit verschiedenen Instrumenten erreichbare Genauigkeit und über den Einfluß der Instrumentalfehler auf die Beobachtungen; seine neue Methode des Nivellirens u. m. a. Auch seine Vorträge über Construction der Landkarten sind unveröffentlicht und darin namentlich seine Theorie der Kegelprojectionen, seine neuen Projectionen, [121] vorzugsweise zur Darstellung der Halbkugel, welche den bis heute allgemein angewendeten perspectivischen an Genauigkeit weit voranstehen, hervorzuheben. Ein anderes Verdienst erwarb sich S. durch eine wesentliche Verbesserung des Nivellir-Instrumentes, indem er die sogenannte Mikrometer- oder Elevationsschraube zur genauen Messung der Verticalwinkelbenützen lehrte und dadurch eine neue Methode des Nivellirens in die geometrische Praxis einführte. Der Umstand, daß bereits[WS 2] Hagrewe dieses Princip angedeutet, schmälert S.’s Verdienst nicht im mindesten, denn es fehlte die Möglichkeit der praktischen Anwendung des Hagrewe’schen Principes, und eben diese verdanken wir Stampfer. Er veröffentlichte auch sein Verfahren in einer besonderen, seit 1845 in fünf Auflagen verbreiteten Monographie. Durch die astronomische Werkstätte des k. k. polytechnischen Institutes, welche in ihren Apparaten so Ausgezeichnetes leistet, bot sich unserem Gelehrten noch mancher Anlaß zu interessanten Untersuchungen und Versuchen, so z. B. über die technische Bearbeitung der Rotationszapfen an astronomischen und geodätischen Instrumenten über das Wetli’sche Planimeter, über welches er eine vollständige Theorie gab und Untersuchungen über den vortheilhaftesten Bau und Fehlerquellen anstellte, wodurch die astronomische Werkstätte in die Lage kam, die trefflichsten Instrumente dieser Art herzustellen, welche auch weite Verbreitung fanden; über das von Professor Miller in Leoben angeregte, auf Polarcoordinaten gegründete Planimeter, wo wieder S. die theoretischen Grundlagen in ihrer allgemeinsten Form lieferte, welche dann zur Ausführung des Apparates in seiner jetzigen Form führten. Eine andere nicht minder wichtige Arbeit sind S.’s Untersuchungen und Studien über den von Voigtländer im Jahre 1816 hergestellten Comparator, über welche er seine wissenschaftlichen Ergebnisse in den Jahrbüchern des k. k. polytechnischen Institutes veröffentlichte. An diese zunächst mit der Geodäsie in Verbindung stehenden Arbeiten reihen sich aber Stampfer’s Leistungen im Gebiete der Astronomie. Ein gründlicher Kenner dieser Wissenschaft, zu der ihn seine innerste Neigung zog, blieb er ihr bis an sein Lebensende treu, ohne daß es ihm vergönnt gewesen wäre, an einer diese Wissenschaft pflegenden Staatsanstalt wirken zu können. Seine Sternwarte war sein Zimmer, nicht selten, wenn er wegen Beschränktheit der Aussicht genöthigt war, der Dachboden des Hauses, in welchem er wohnte. Von seinen Arbeiten in dieser Richtung seien erwähnt; seine neue und sinnreiche Methode zur Berechnung der Sonnenfinsternisse; seine aus photometrischen Messungen berechneten Durchmesser der kleinen Planeten zwischen Mars und Jupiter; seine Beobachtungen über das Helligkeitsverhältniß der Größenclassen der Fixsterne; seine Versuche über die Absorption des Lichtes in der Atmosphäre und über die farbenzerstreuende Kraft der Atmosphäre. Um die praktische Astronomie erwarb sich S. ein wesentliches Verdienst durch die Erfindung seines Mikrometers mit hellen Puncten oder Linien im dunklen Gesichtsfelde des Fernrohres zur Beobachtung sehr schwacher Lichtobjecte. Besonders sind die sinnreichen, praktischen Ideen, an denen S. so reich war, hervorzuheben, wozu sich ein merkwürdiger Scharfsinn im Auffinden und Beseitigen von Fehlerquellen gesellte. In allen diesen seinen Schöpfungen aber wurde S. vornehmlich [122] durch die auf einer ungewöhnlichen Höhe der Vollendung stehende, schon erwähnte astronomische Werkstätte des Polytechnikums, dann aber durch den eng freundschaftlichen Verkehr mit den berühmten Kremsmünster Benedictinern Marian Koller [Bd. XII, S. 346], Augustin Reslhuber [Band XXV, S. 310] und Bonifaz Schwarzenbrunner [Bd. XXXII, S. 325] wesentlich gefördert und unterstützt. Später, nachdem S. von seinem Lehramte zurückgetreten war, widmete er in seinen astronomischen Studien seine ganze Aufmerksamkeit den Kometen, über welche er tausende von Beobachtungen, anfänglich mit einem Fraunhofer’schen Fernrohr von 37 Linien, später mit einem kleinen Refractor von Merz von 43 Linien Oeffnung machte. In den letzten Jahren veröffentlichte er auch die Resultate seiner Kometenrechnungen in den „Astronomischen Nachrichten“. Neben der Astronomie beschäftigte sich S. fleißig mit der Dioptrik, welche in ihrer praktischen Anwendung auf die Astronomie ihm besonders wichtig erschien. In der Construction achromatischer Fernrohre erscheint er bahnbrechend: so lehrte er 1828 eine neue genaue Methode, die Krümmungshalbmesser von Linsen, sowie das Brechungs- und Zerstreuungsvermögen des Glases, aus welchem sie hergestellt sind, zu messen, und dann entwickelte er die Theorie der achromatischen Objective, durch welche die von ihm untersuchten Fraunhofer’schen Objective vollkommen dargestellt werden und aus welcher auch noch andere damals bekannt gewordene Constructionen, wie das Herschl’sche[WS 3] und Gauß’sche Objectiv, hervorgehen. Im nämlichen Jahre noch veröffentlichte S. seine Idee zu den später sogenannten dialytischen Fernrohren und im nächsten eine vollständige Theorie dieser Fernrohre, in welcher er die Ausführbarkeit derselben durch Rechnung nachwies und ihre Construction erläuterte. An diese Arbeiten reihen sich sein Optometer, ein Instrument zur Messung der deutlichen Sehweite des Auges; seine stroboskopischen Scheiben, welche seinen Namen in die Kinderstube verpflanzten, wo dieselben eine Quelle reicher Unterhaltung wurden, seine vergleichende Prüfungsmethode für Fernrohre u. s. w. Die astronomische Werkstätte des Polytechnikums bewahrt noch andere von ihm erfundene sinnreiche Constructionen zu physikalischen Zwecken, deren hier, als zunächst für den Fachmann wichtig, nur kurzweg gedacht wird. Daß ein Mann, dessen ebenso exacte als sinnreiche Arbeiten sich in den wissenschaftlichen Kreisen verdienter Anerkennung erfreuten, in wichtigen Fragen auch von der Regierung zu Rathe gezogen worden, erklärt sich wohl leicht; so geschah es, als es sich um Herstellung einer verläßlichen und leicht anwendbaren Branntweinwaage handelte, und dann, als die von Professor Carnevalli in Mailand eingereichte geometrische Visirmethode für Fässer von der Regierung wegen zu großer Weitläufigkeit für den zollamtlichen Gebrauch für ungeeignet erklärt wurde, worauf S. sich der Lösung dieser Aufgabe unterzog und seine Arbeit, die aber leider unberücksichtigt blieb, schon 1830 vorlegte und erst 19 Jahre später, 1849, in einer besonderen, in den Schriften der kaiserlichen Akademie abgedruckten Abhandlung der Oeffentlichkeit übergab. Im Jahre 1848 trat S. nach 40jähriger Lehrthätigkeit in den Ruhestand über, den er noch 16 Jahre zu genießen so glücklich war, wobei er jedoch nichts weniger denn feierte, sondern, wie seine zahlreichen [123] nach dieser Zeit erschienenen, meist astronomischen Arbeiten beweisen, im treuen Dienste der Wissenschaft verlebte. Als Lehrer hinterließ S., der sich mit ganzer Seele diesem Berufe hingab, ein unvergeßliches Andenken. Bei der Gründung der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften im Jahre 1847 befand sich S.’s Name unter den (am 14. Mai) ersternannten Mitgliedern, und im Jahre 1849 wurde S. von Seiner Majestät dem Kaiser mit dem Ritterkreuze des Leopoldordens ausgezeichnet. Schwere Schicksalsschläge trafen den Gelehrten, als er im Jahre 1850 seinen hoffnungsvollen Sohn Anton in schon reiferen Jahren – 24 Jahre alt und bereits Adjunct eines Professors am polytechnischen Institute in Wien – und seine jüngere Tochter Betti wenige Wochen später durch den Tod verlor. Die zweite Tochter Louise, die einzige, die ihm von drei Kindern blieb, ist die Gattin des Professors J. Herr, des Nachfolgers Stampfer’s im Lehramte, geworden, dem wir bisher die ausführlichsten Nachrichten über seinen Schwiegervater verdanken. Stampfer litt sein ganzes Leben hindurch an Schwerhörigkeit, in Folge eines Unfalles, der ihn noch als Kind getroffen, da ein schweres Holzstück auf seinen Kopf und Arm fiel, welch’ letzterer ihn gleichfalls viele Jahre hindurch empfindlich schmerzte. Sein Biograph schildert ihn als einen offenen, geraden, biederen Charakter, der, so strenge er in den Anforderungen gegen sich selbst, so milde in der Beurtheilung fremder Leistungen war. Ein warmes Charakterbild des Gelehrten entwirft Friedrich Kaiser in seinen unten angegebenen Erinnerungen: „Verstorbene und Lebende“. Stampfer’s Zimmer war seine Welt, Alles, was ihn umgab, verarbeitete sein denkender und unablässig forschender und untersuchender Geist. Seit 1826, also nahezu 40 Jahre, wohnte er in demselben Hause (Wieden, Taubstummengasse Nr. 64), in denselben Räumlichkeiten. Mit dem kleinen, an dem einen Fenster aufgestellten Passage-Instrumente überwachte er in ungezählter Menge von Sterndurchgängen den Gang einer vorzüglichen, von Professor Arzberger construirten Pendeluhr. Die Objecte, die im Gesichtskreise seiner Fenster lagen, Thurmspitzen, Mauerkanten, Blitzableiter, dienten ihm zu mannigfaltigen Versuchen und Messungen. In seiner Wohnung maß er eine Basis, welche von der Mitte des ersten bis zur Mitte des siebenten Fensters reichte, mit schärfster Genauigkeit. Diese Basis bildete eine wichtige Grundlage seiner Triangulirung von Wien. Durch Messungen an einem hundert Klafter entfernten Kerzenlicht bestimmte er die Größe der Pupille am menschlichen Auge im Dunkeln und wies nach, daß dieselbe für eine vierzig Klafter entfernte Straßengaslaterne schon entschieden kleiner ist, mit einer Sicherheit auf ein Zehntel-Linie. Gesimsrosetten an einem Hause in der Feldgasse dienten ihm für sein Passage-Instrument als zweites Azimuthzeichen. So wurde Alles, was ihn umgab, Mittel zu seinen wissenschaftlichen Zwecken, mit denen er wichtige Resultate erzielte. Sein wissenschaftlicher, nach seinem Fleiße zu bemessender, nicht unbeträchtlicher Nachlaß befindet sich im Besitze seines oben genannten Schwiegersohnes und Biographen.

Uebersicht der Schriften von Simon Stampfer. a) Selbständige Schriften. „Tabellen zum Höhenmessen mit dem Barometer, womit man leicht und ohne Logarithmen die Höhe so genau findet, als die Laplace’sche Formel sie gibt“ (Salzburg 1818, Duyle, 8°.). – „Logarithmisch-trigonometrische Tafeln [124] nebst verschiedenen anderen nützlichen Tafeln und Formeln und einer Anweisung zum Gebrauche. Zunächst für höhere Schulen“ (ebd. 1822, 8°.; 2. Aufl. Wien 1824, Gerold; 3. Aufl. ebd. 1846; 4. Aufl. ebd. 1852; 3. Aufl. ebd. 1858). – „Theoretisch-praktische Anleitung zum Nivelliren und zu anderen damit verwandten, beim Eisenbahnbau vorkommenden Arbeiten“ (Wien 1845; 2. Aufl. 1847; 3. Aufl. 1852: 4. Aufl. 1858; 5. Aufl. 1864, Gerold). – „Die Sonnenfinsterniß am 8. Juli 1842 sammt einer graphischen Darstellung derselben auf einer Landkarte, aus welcher für jeden Ort der Karte die Zeit des Anfangs und Endes, dann die Größe oder totale Verfinsterung entnommen werden kann. Mit vorzüglicher Berücksichtigung der österreichischen Monarchie“ (Wien 1842, Schaumburg und Comp., 8°.). – b) In Sammelwerken zerstreut abgedruckte Abhandlungen, u. z. in den Jahrbüchern des k. k. polytechnischen Institutes in Wien: „Reise auf den Glockner im September 1824 von S. Stampfer und P. K. Thurnwieser“ [Bd. VII (1825), S. 1]; – „Versuche über die Geschwindigkeit des Schalles, angestellt zwischen dem Untersberge und Mönchstein in Salzburg“ [Bd. VII (1825), S. 23]; – „Methode, die Krümmungshalbmesser eines Objectivglases zu messen, angewendet auf die Untersuchung einiger Fraunhofer’schen Objective“ [Bd. XIII (1828), S. 30]; – „Ueber die Theorie der achromatischen Objective, besonders der Fraunhofer’schen [Bd. XIII (1828), S. 52]; – „Untersuchung der von Rogers vorgeschlagenen Verbesserung in der Construction achromatischer Fernrohre (Theorie der dialytischen Fernrohre)“ [Bd. XIV (1829), S. 108); – „Versuche zur Bestimmung des absoluten Gewichtes des Wassers, der Temperatur, seiner größten Dichtigkeit und der Ausdehnung desselben“ [Bd. XVI (1830), S. 1]; – „Beschreibung eines Instrumentes (Optometers), um die Kurzsichtigkeit und Weitsichtigkeit der Augen zu messen“ [Bd. XVII (1832), S. 35]; – „Beschreibung zweier am k. k. polytechnischen Institute befindlichen Comparatoren (Maßvergleicher) und Untersuchung ihrer Genauigkeit“ [Bd. XVIII (1834), S. 149]; – „Ueber die Genauigkeit des Visirens bei Winkelmessungen“ [Bd. XVIII (1834), S. 211]; – „Ueber die optischen Täuschungs-Phänomene, welche durch die stroboskopischen Scheiben (optische Zauberscheiben) hervorgebracht werden“ [Bd. XVIII (1834), S. 237]; – „Ueber die technische Bearbeitung der Rotationszapfen an astronomischen und geodätischen Instrumenten und über den Einfluß ihrer Unvollkommenheit auf die Beobachtungen“ [Bd. XIX (1837), S. 1]; – „Vorschlag einer vergleichenden Prüfungsmethode für Fernrohre“ [Bd. XIX (1837), S. 24]: – „Ueber eine besondere Art von Ovalen“ [Bd. XIX (1837), S. 34]; – „Ueber die Construction und den erweiterten Gebrauch der verbesserten Nivellir- Instrumente, welche in der Werkstätte des k. k. polytechnischen Institutes verfertigt werden“ [Bd. XX (1839), S. 1]; – „Ueber Verbesserungen an Thurmuhren und anderen Pendeluhren, angewendet auf die neue Thurmuhr auf dem Rathhause zu Bamberg“ [Bd. XX (1839), S. 78]; – „Ueber das Verhältniß der Wiener Klafter zum Meter“ [Bd. XX (1839), S. 145]; – in den Denkschriften der (Wiener) kaiserlichen Akademie der Wissenschaften mathematisch-naturwissenschaftlicher Classe: „Ueber die farbenzerstreuende Kraft der Atmosphäre“ [Bd. II, S. 1]; – „Theoretisch-praktische Abhandlung über die Verfertigung und den Verbrauch der Alkoholometer“ [Bd. III, S. 237]; – „Ueber den scheinbaren Durchmesser der Fixsterne“ [Bd. V, S. 91]; – und in den „Bemerkungen und Anweisungen für die Naturforscher, welche die Novara-Expedition unter Oberst Wüllerstorf von Urbair begleiten“: „Photometer, womit die Sterne hinsichtlich ihrer Helligkeit mit einander verglichen werden, und Anwendung desselben zur Bestimmung der Lichtabsorption der Atmosphäre [Bd. V, S. 109]; – in den Sitzungsberichten der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften mathematisch-naturwissenschaftlicher Classe: „Bemerkungen über Hermann’s Verbesserungen zur II. Callet’schen Tafel der gemeinen Logarithmen mit 20 Stellen“ [Bd. I, S. 126], in Gemeinschaft mit Burg; – „Gutachten über Moth’s Bestimmung der reellen Wurzeln der Gleichungen mit numerischen Coefficienten“ [Bd. I, S. 194]; – „Ueber den Gebrauch des Nivellir-Instrumentes aus der Werkstätte des k. k. polytechnischen Institutes auf wissenschaftlichen Reisen“ [Band II, S. 159]; – „Methode der Visirung der Fässer, vom k. k. Handelsministerium der kaiserlichen Akademie zur Begutachtung zugewiesen“ [Bd. II, S. 208]; – „Vorschlag [125] eines Barometers, welches den mittleren Barometerstand für beliebige Zeitperioden angibt“ [Bd. II, S. 221]; – „Darstellung einer möglichst brauchbaren geometrischen Visirmethode für Fässer“ [Bd. II, S. 227]; – „Aeußerung über die in Preußen übliche Visirmethode für Fässer“ [Bd. II, S. 291]; – „Zur Begründung des Commissionsvorschlages über die Feststellung guter und bequemer Branntweinwagen“[Bd. III, S. 304]; – „Ueber die Farbenzerstreuung der Atmosphäre“ [Bd. IV, S. 34]; – „Ueber das neue Planimeter des Ingenieurs Caspar Wetli in Zürich“ [Bd. IV, S. 134]; – „Commissionsbericht, betreffend die Einführung genauer Alkoholometer“ [Band VI, S. 253]; – „Ueber Versuche, welche sich auf die Wirkung der Capillarität beziehen“ [Bd. VI, S. 265]; – „Ueber einen in der Werkstätte des k. k. polytechnischen Institutes verfertigten Theodoliten für Markscheider“ [Bd. VI, S. 555]; – „Preisaufgabe: Bestimmung der Masse der Planeten“ [Bd. VI, S. 685]; – „Ueber die am 28. Juli 1851 bevorstehende Sonnenfinsterniß“ [Bd. VII, S. 228]; – „Ueber die kleinen Planeten zwischen Mars und Jupiter“ [Bd. VII, S. 756]; – „Ueber den scheinbaren Durchmesser der Fixsterne“ [Bd. VIII, S. 504]; – „Methode, den Durchmesser der Pupille sowohl bei Tage als bei Nacht am eigenen Auge zu messen“ [Bd. VIII, S. 511]; – „Bericht über die Abhandlung des Dr. A. Winkler, betreffend das Problem der vier Punkte bei Anwendung des Meßtisches“ [Bd. XV, S. 210]; – „Zusatz zu Reslhuber’s Abhandlung: Ueber Stampfer’s Lichtpunkt-Mikrometer“ [Bd. XX, S. 327]; in den Astronomischen Nachrichten: „Parabolische Elemente des Kometen V, 1858 (Donati)“ [Bd. XLIX]; – „Elliptische Elemente des Kometen V, 1858“ [Bd. XLIX]; – „Elemente und Ephemeride des Kometen I, 1859“ [Bd. L]; – „Elliptische Elemente des Kometen II, 1862“ [Bd. LVIII], – „Beobachtungen und Elemente des Kometen IV, 1863“ [Bd. LXI]; – „Beobachtungen und Elemente des Kometen V, 1863“ [Bd. LXI]; – „Beobachtungen und Elemente des Kometen VI, 1863“ [Bd. LXI]; – „Beobachtungen des Kometen I, 1864“ [Bd. LXII]; – „Elemente und Ephemeride des Kometen I, 1864“ [Bd. LXII]; – in den Annalen der Wiener Sternwarte: „Beschreibung eines Apparates, um den Abstand der Schneiden bei einem Reversionspendel zu messen“ [Theil XV]; – „Vorschlag eines neuen Fernrohr-Mikrometers mit hellen Linien und Punkten im dunklen Gesichtsfelde“ [Theil XXI (Neue Folge. Theil I)].
Quellen zur Biographie. Almanach der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften (Wien, Staatsdruckerei, 8°.), II. Jahrgang (1852), S. 148: XV. Jahrgang (1865), S. 189: „Simon Stampfer. Eine Lebensskizze, bearbeitet von Professor J. Herr“ [Stampfer’s Schwiegersohn, Gatte von S.’s ältester Tochter]. – Oesterreichische Wochenschrift für Wissenschaft, Kunst und öffentliches Leben (Beilage der Wiener Zeitung, Wien, Lex.-8°.) Jahrgang 1864, Bd. IV, S. 1672: „Simon Stampfer. Von Franz Unferdinger“. – Poggendorff (J. C.), Biographisch-literarisches Handwörterbuch zur Geschichte der exacten Wissenschaften (Leipzig 1859, J. Ambr. Barth, Lex.-8°.) Bd. II, Sp. 983. – Neue freie Presse (Wiener polit. Blatt, kl. Fol.), 1868, Nr. 1290: „Optische Wunder“. Von Pisko. – Neues Fremden-Blatt (Wien, 4°.), 10. Mai 1867, Nr. 136, zweite Beilage: „Verstorbene und Lebende“. Von Friedrich Kaiser. – Oesterreichischer Volks- und Wirthschafts-Kalender für das Jahr 1866 (Wien, Karl Fromme, gr. 8°.) S. 39, in Ritter von Hoffinger’s „Oesterreichischer Ehrenhalle“. – In Zarncke’s Literarischem Centralblatt (Leipzig, Avenarius, 4°.), 1864, Sp. 1184, und auch in anderen Blättern erscheint er mit dem irrigen Taufnamen: „Friedrich“.
Porträt. Unterschrift. Facsimile des Namenszuges: „S. Stampfer. Dauthage 1853“. Nach der Natur gezeichnet und lith. (Joseph Bermann in Wien, Fol.).

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: [Bd. VI, S. 140].
  2. Vorlage: bereis.
  3. John Herschel (Wikipedia).