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BLKÖ:Stain, Karl Leopold Graf

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Stain
Band: 37 (1878), ab Seite: 92. (Quelle)
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Stain, Karl Leopold Graf (k. k. Feldzeugmeister, und Ritter des Maria Theresien-Ordens, geb. zu Brüssel 24. December 1729, gest. zu Niederstozingen (nicht Nieder-Stolzingen, wie es bei Hirtenfeld heißt) in Württemberg [93] 5. März 1809). Seit den ältesten Zeiten trug die Familie Stain[WS 1] ruhmvoll die Waffen im Dienste Oesterreichs. und auch der Vater Ferdinand Heinrich von S. diente in der kaiserlichen Armee und starb im Jahre 1737, n. A. 1738, als k. k. Feldmarschall-Lieutenant in Wien. Von früher Jugend an wurde Karl Leopold in der damals berühmten Ritterschule zu Turin unter jesuitischen Lehrern gebildet, machte ausgezeichnete Fortschritte in den mathematischen Wissenschaften, gewann aber auch den alten Classikern und den besten Schriftstellern Italiens und Frankreichs Interesse ab. Mit 18 Jahren, im Jahre 1748, trat er als Fähnrich in die kaiserliche Armee, focht unter Mercy in den Niederlanden und wohnte mehreren Gefechten und Schlachten bis zu dem 1748 zu Aachen geschlossenen Frieden bei. Im Jahre 1750 wurde er Hauptmann, und als der siebenjährige Krieg ausbrach, zog er 1757 als Oberstlieutenant in den Kampf. Im Jahre 1758 wurde er zum Oberst im 56. Infanterie-Regiment ernannt. In der Schlacht bei Torgau (3. November 1760) hatte S., als unsere Truppen von zwei Seiten von einem überlegenen Gegner angegriffen und geworfen wurden, sich von seinem Brigadier die Erlaubniß erbeten, mit seinem Regiment vorrücken zu dürfen. Nachdem er diese erhalten, warf er den aus dem Debouché des Waldes bei Weidenheim vordringenden Feind mit Entschiedenheit zurück und behauptete seine Stellung bis in die tiefe Nacht, während welcher Zeit unsere geworfenen Regimenter sich sammeln, ordnen und zu neuem Widerstande vorbereiten konnten. Nicht minder that sich S. im folgenden Jahre bei der Erstürmung der Festung Schweidnitz (1. October 1761) hervor, wo er mit einem Bataillon den vom zweiten Bataillon unternommenen Sturm auf das Jauerniker Fort kräftigst unterstützte. Für die vorerwähnten Waffenthaten wurde S. in der 6. Promotion (vom 22. December 1761) mit dem Ritterkreuze des Maria Theresien-Ordens ausgezeichnet. Nach dem Hubertsburger Frieden rückte S. zum General-Major, im Jahre 1773 zum Feldmarschall-Lieutenant vor, auch ernannte ihn der Kaiser im nämlichen Jahre zum Inhaber des im Jahre 1809 reducirten 50. Infanterie-Regiments. Im baierischen Erbfolgekriege erhielt S. das Commando über ein Armeecorps bei Jägerndorf. Im November 1778 wurde ihm der Auftrag, mit nur vier Bataillons die um Jägerndorf von den Preußen angelegten Verschanzungen zu recognosciren. Da die Preußen durch Spione davon unterrichtet worden und mit überlegenen Streitkräften in großer Eile auf Weiskirchen vorrückten, war Stain außer Stande, diese Aufgabe vollends auszuführen, aber er hatte mit großer Umsicht seine kleine Truppe geführt und vor jedem Ueberfall gesichert, und später auch dem Vordringen des Herzogs von Braunschweig den entschiedensten und erfolgreichen Widerstand geleistet. In Anerkennung dessen erhob ihn Kaiser Joseph 1779 in den Reichsgrafenstand. Im Jahre 1781 wurde S. zum commandirenden General in Italien und zu gleicher Zeit zum Feldzeugmeister ernannt und nahm als solcher seinen Sitz in Mailand. Durch 15 Jahre blieb er in dieser Anstellung, erbaute in dieser Zeit die Citadelle von Mailand und wirkte überhaupt in seiner Stellung auf das verdienstlichste, sich ebenso im ungeschmälerten Vertrauen seines Monarchen erhaltend, als sich die Achtung der Italiener [94] erwerbend, denen er durch seinen rechtlichen Sinn, seine Unparteilichkeit und seinen Freimuth imponirte. Als im Jahre 1796 die Franzosen in Italien einbrachen, legte er sein Commando nieder und zog sich in der ersten Zeit nach Gratz zurück. Später übersiedelte er nach Wien und verlebte seitdem einen Theil des Jahres in der Residenz, den anderen auf seinem Familiengute Nieder-Stozingen, wo er denn auch als der Letzte einer Linie derer von Stain, die seit 1458 Nieder-Stozingen, Bergenweiler und Riedenhausen besessen hatte, im hohen Alter von 80 Jahren starb. In frühen Jahren hatte sich Stain mit einer Tochter des belgischen Herzogs von Ursel vermält, aber die Gattin, wie den mit ihr erzeugten Sohn, entriß ihm ein früher Tod. Stain war als Mensch ein erprobter Charakter von unbeugsamem Rechtlichkeitsgefühl, voll Wohlwollen und einer seltenen Güte des Herzens, Eigenschaften, die immer recht lebendig zu Tage traten, wenn er im Feindeslande sich befand, wo sein Wohlwollen und seine Menschlichkeit größere Erfolge erzielten, als soldatische Brutalität und eine Strenge à la Alba. Seine Unterthanen betrauerten in ihm, als er starb, den Tod eines Vaters. Als Kriegsmann verband er mit dem Muthe des Kriegers die Einsicht und den weiten Blick des Feldherrn. Graf Stain erfreute sich besonders des Wohlwollens des Kaisers Joseph II., der ihn immer nur „seinen Stain“ zu nennen pflegte. Durch des Grafen Karl Leopold Tod kamen die Herrschaften Bergenweiler, Kallenburg, Nieder- und Oberstozingen und Stetten an den Sohn seiner Schwestr, Gemalin des Joseph Grafen Maldeghem, den Grafen Joseph Alexander Franz von Maldeghem. Die Herrschaft Brandenburg wurde an Dr. Eduard von Bühler verkauft und nur die Rittergüter Ichenhausen und Lichtenegg mit den Hofgütern zu Emmerlingen und Oberwilzingen blieben bei der in Bayern ansäßigen freiherrlichen Linie der Stain.

Baur (Samuel), Allgemeines historisches biographisch-literarisches Handwörterbuch aller merkwürdigen Personen, die in dem ersten Jahrzehent des 19. Jahrhunderts gestorben sind (Wien 1816, Stettini, Lex.-8°.) Band II, Sp. 528. – Hirtenfeld (J.), Der Militär-Maria Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1875, Staatsdruckerei, kl. 4°.). Bd. II, S. 135, 1729. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1837, 8°.) Bd. V, S. 124.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Herren vom Stain (Wikipedia).