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BLKÖ:Stadler, Robert

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Stadler, Anton
Band: 37 (1878), ab Seite: 69. (Quelle)
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Stadler, Robert (Benedictiner-Abt des Stiftes Schotten in Wien, geb. in Wien 19. Februar 1706, gest. ebd. 4. Jänner 1765). Trat im Jahre 1724, damals 18 J. alt, in das Stift Schotten, in welchem er im nächsten Jahre Profeß ablegte und im Jahre 1730 die Priesterweihe erlangte. Einige Zeit wirkte er als Professor der Philosophie an der Stiftsschule im Lehramte, dann als Prediger und Curat an der Stiftskirche. Bald aber ernannte ihn der Prälat Karl, sein Vorgänger, zum Subprior [70] und Stadtpfarrer, worauf er, als Abt Karl am 28. Jänner 1750 gestorben, am 21. April d. J. zu dessen Nachfolger gewählt wurde. Abt Robert zählt zu den würdigsten Vorständen seines berühmten Stiftes, der in schwerer Zeit mit Umsicht und Energie das Kirchenregiment in der ihm unterstehenden großen Kirchengemeinde und unter seinen Capitularen führte. Die Vermögensverhältnisse des Stiftes befanden sich beim Ableben des vorigen Abtes Karl in wenig günstiger Lage. Schwere Schulden drückten das Stift, an welches überdieß in den bedrängnißreichen Zeitereignissen jener Tage große Anforderungen gestellt wurden. Der Prälat setzte eine besondere Commission zur Regelung dieser Verhältnisse ein; es wurden einerseits Ersparnisse und andererseits eine sorgfältige Bewirthschaftung der Stiftsgüter eingeleitet. Hauswirth, in dem unten angeführten Werke, gibt ein recht anschauliches Bild, wie Abt Robert in der Zeit des siebenjährigen Krieges (1756–1763), in diesen schweren Tagen, das Stift mit sicherer Hand leitete und den Anforderungen nach allen Seiten gerecht werden konnte, ohne die Hebung des Stiftes außer Acht zu lassen. Die Disciplin im Stifte wurde sorgfältig geregelt und strenge eingehalten. Gleich im ersten Jahre seines Prälatenthums vollzog sich eine interessante Meßregel, die der Durchführung eines ewigen Chorgebetes in der Stadt Wien. Die Kaiserin Maria Theresia hatte nämlich die Gründung eines ewigen Chorgebetes in der Hofcapelle oder in einer anderen Stadtkirche gewünscht. Darüber forderte das Consistorium die Ordensvorsteher zu Gutachten auf über die beste Art und Weise der Ausführung dieses kaiserlichen Wunsches. Es stellten nun einzelne Stifte und Klöster ihre Mitglieder bei, und es wurden nach einer festgestellten Ordnung die Gebete des Capitels zu St. Stephan und aller klösterlichen Gemeinden in Wien aneinander gereiht, und so ein ununterbrochenes Chorgebet in Wien erzielt. Die Kirche blieb in jenen Tagen auch nicht ohne Angriffe, und der Geist der Feindseligkeit gegen dieselbe gab sich in verschiedenen gegen die Geistlichkeit im Allgemeinen und gegen einzelne Mitglieder derselben gerichteten verleumderischen Schriften kund. Diesem unwürdigen Treiben sah Abt Robert nichts weniger als gleichgiltig zu. Er eiferte nun die Stiftspriester zur sorgsamen Pflege der Religion an, er ermunterte sie zu wissenschaftlichen Studien, damit seine Priester mit den Waffen des Wissens gegen die Angreifer der Kirche auftreten konnten. Er hat dadurch nicht nur die sittliche Richtung seiner Capitularen, sondern auch den wissenschaftlichen Geist derselben gehoben, welcher seit dieser Zeit im Stifte seine bleibende Stätte aufgeschlagen und manche verdienstliche Arbeit zu Tage gefördert hat. Vornehmlich war es unter Abt Robert sein Stiftspfarrer P. Amand Preschel, welcher sich um die Bibliothek und die Sammlung von historischen Notizen über das Stift hoch verdient gemacht hat. Unter Abt Robert begannen auch die Vorbereitungen zur Anlage eines neuen Friedhofes für seinen Sprengel, weil die Beerdigung der Tobten auf dem Stiftsgottesacker seit 1751 untersagt war. Doch erst unter seinem Nachfolger Abt Benno fand die Einweihung des neuen schottischen Pfarrfriedhofes am Alserbache statt. Noch manche andere Maßregel, betreffend die inneren Verhältnisse des Stiftes, die Verwendung der [71] Capitularen zu auswärtigen Diensten u. d. m., wurde von dem Abte Robert immer im Hinblick auf Zweckmäßigkeit mit möglichster Wahrung der alten Rechte des Stiftes getroffen. Als im Kloster der Schwarzspanier, welches im Kirchensprengel des Schottenstiftes lag, zwischen dem Abte und den Ordensbrüdern Zwietracht ausbrach, welche immer bedenklichere Dimensionen annahm, betraute der Fürsterzbischof Migazzi den Abt Robert mit der Aufgabe, den Frieden im besagten Kloster wieder herzustellen, was ihm auch (1759) vollends gelang. Der Abt Robert starb im 59. Jahre seines Lebens.

Ruschitzka (Anton), Leichenrede auf den Prälaten des Benedictinerstiftes zu den Schotten in Wien (Wien 1765). – Hauswirth (Ernst Dr.), Abriß einer Geschichte der Benedictinerabtei U. L. F. zu den Schotten in Wien (Wien 1858, 4°.), S. 137, u. f.
Porträt. J. E. Mansfeld fec. 1765. (Wien Fol.). Dasselbe ließ Thomas Edler von Trattner in Kupfer stechen, mit der Umschrift: eX pIetarIs pLeno et sInCero CorDls affeCtV fIerI feCIt, VtI fVIt In VIta affInIs, Ita qVoqVe post fata DefVnCtI CVLtor Joannes Thomas nobilis de Trattnern.