Zum Inhalt springen

BLKÖ:Sigray, Jacob Graf

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 34 (1877), ab Seite: 277. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
Jacob Sigray in Wikidata
GND-Eintrag: [1], SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Sigray, Jacob Graf|34|277|}}

Sigray, Jacob Graf (Theilnehmer an des ungarischen Abtes Martinovics Verschwörung, enthauptet zu Ofen 20. Mai 1795). Entstammt einer ungarischen Adelsfamilie, welche ihre Geschlechtsregister bis in das dreizehnte Jahrhundert zurückführt. Ein Johann Sigray war unter Ferdinand III. und Leopold I. Commandant der Festung Stomfa. Von seinen Nachkommen bildeten seine Enkel, die Kinder seines Sohnes Franz und dessen Gemalin Sophie Nadányi, Joseph und Franz zwei Linien, von denen die des Letzteren schon in dessen Kindern erlosch, während die Nachkommenschaft Joseph’s bis zur Stunde fortblüht. Joseph S., im Jahre 1739 Obergespan des Somogyer Comitates, wurde im Jahre 1724 ungarischer Baron, welche Standeserhöhung 1728 auch sein jüngerer Bruder Johann (gest. 1763) und dessen Neffen Ladislaus erlangte. Des Freiherrn Joseph Sohn Karl war gleichfalls Somogyer Obergespan, Septemvir, und wurde, nach dem genealogischen Almanach der gräflichen Häuser bereits 1754, nach ungarischen Quellen aber erst 1774 Graf. Von des Grafen Karl Sigray Söhnen aus seiner Ehe mit einer geborenen Szvetics, Jacob und Joseph, sollte Ersterer zu trauriger Berühmtheit gelangen. Es war durch die Reformen, welche Kaiser Joseph II. in Ungarn eingeführt, große Aufregung im Lande entstanden und noch in seinen letzten Lebenstagen – am 28. Jänner 1790 – hatte der sterbende Kaiser, was er angeordnet, selbst widerrufen, und sein Nachfolger Leopold II. suchte die im Lande entstandene Aufregung zu stillen. Aber die Emissäre des republikanischen Frankreich hatten eine noch schlimmere Saat im Lande gesäet, wo es eine mit jedem Tage wachsende Partei gab, welch den völligen Umsturz der bestehenden Verfassung plante, und unter dem Namen der Resurrection im ganzen Lande verbreitet war. Um diesen traurigen Zustand der Dinge zu beschwören, berief [278] der Kaiser mehrere Vertrauensmänner, unter diesen den nachmals so berüchtigt gewordenen[WS 1] Mönch Joseph Ignaz Martinovics an seinen Hof. Dieser sollte die aufgeregten Gemüther beruhigen und dem Kaiser die Wege ebnen, wie er sie zur Herstellung geordneter Zustände brauchte. Mitten in seinem Reformwerke starb der Kaiser Leopold II. Sein Nachfolger, Kaiser Franz I., aber hatte keineswegs die Absicht, die Wege seines Vorgängers zu wandeln und nun gab es für die Revolutionäre keinen Grund mehr, ihren Plänen zu entsagen. Im Gegentheil, sie erblickten nun ein Recht dazu, und Martinovics, der das Oberhaupt dieser Verschwörung bildete, fachte heimlich die Flammen und bereitete alles zum Ausbruch der Bewegung vor. Seine hochverrätherischen Pläne wurden von den Männern unterstützt, mit denen er sich umgeben hatte, nämlich von den Leitern der vier Districte, des Pesther, Debrecziner, Kaschauer und jenes dießseits der Donau, in welche Martinovics das Land Ungarn getheilt hatte. Ueber die Absichten und den Gang dieser Verschwörung vergleiche den Artikel: Martinovics [Bd. XVII, S. 50 u. f.]. Director des Districts dießseits der Donau war Jacob Graf Sigray. Die Verschwörung, welche Ende August 1794 losbrechen sollte, wurde entdeckt und ihre Häupter verhaftet. Graf Sigray, als er von der Verhaftung seiner Collegen Nachricht erhielt, ergriff die Flucht und wollte eine Freistatt bei den Franziskanern in Weszprim suchen, wurde aber auf der Flucht gefangen und nach Wien gebracht. Den Verschworenen wurde nun der Proceß gemacht, von den Richtern der ungarischen Magnatentafel über die fünf Häupter: Martinovics, Hajnoczy, Laczkovics, Szent-Mariay und Sigray das Todesurtheil gefällt und dasselbe am 20. Mai 1795[WS 2] zu Ofen durch Enthauptung vollzogen. Die heutigen Grafen Sigray sind directe Nachkommen des Grafen Joseph, eines leiblichen Bruders des enthaupteten Grafen Jacob [siehe die Quellen).

Dictionnaire biographique et historique des hommes marquans de la fin du dix-huitième siècle etc. (Londres 1800, 8°.) Tome III, p. 370. – Memoria posthuma trium insignium ex Hungarica societate Jeso virorum (Adami Fitter, A. Sigray, Pauli Kolosvári) (Tyrnaviae 1749, 8°.).

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: gewordenenen.
  2. Vorlage: 1775.