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BLKÖ:Seovaud de la Bastide, Franz Friedrich Freiherr

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 34 (1877), ab Seite: 131. (Quelle)
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Seovaud de la Bastide, Franz Friedrich Freiherr (k. k. General-Major und Ritter des Maria Theresien-Ordens, geb. zu Avignon in Frankreich am 5. August 1759, gest. zu Wien 25. December 1838). Ein Sohn Peter’s von Seovaud de la Bastide, ehemaligem Präfecten der Stadt Dath im Hennegau, aus dessen Ehe mit Therese geborene von Tentenier. Im Adelsdiplom und sonst noch öfter erscheint er als Scovaud de la Bastide, im Maria Theresien-Ordens-Diplom ist er Scoveaud geschrieben. Jedoch nach seiner eigenen, im Adelsarchiv öfter vorkommenden Unterschrift, wie auch nach seiner Visitenkarte erscheint er deutlich als Seovaud de la Bastide, daher er auch in dieser Schreibart hier aufgeführt erscheint. Franz Friedrich, trat am 26. August 1776 als Cadet in das k. k. Infanterie-Regiment Baron Vierset Nr. 58, rückte im Jahre 1777 zum Fähnrich, 1782 zum Unterlieutenant, 1789 zum Oberlieutenant. 1794 zum Hauptmann, 1805 zum Major, 1809 zum Oberstlieutenant vor, trat 1811 Wunden halber mit Oberstens-Charakter in den Pensionsstand, übernahm aber 1814 und 1815 zu Parma die Stelle eines Stadt- und Militär-Commandanten, kam alsdann als Platz-Oberst nach Wien, worauf er im Juli 1831 sich bleibend aus der activen Dienstleistung zurückzog, bei welcher Gelegenheit ihm der Kaiser den General-Majors-Charakter ad honores“ verlieh. S. hatte während dieser nahezu 40jährigen Dienstzeit neunzehn Feldzüge, u. z. jene der Jahre 1778, 1779, 1784, 1785, 1787, 1788, 1789, 1790, 1791, 1792, 1793, 1794, 1795, 1796, 1797, 1799, 1800, 1805, 1806, 1809 mitgemacht, und mit Uebergehung mehrerer kleiner Gefechte in 23 Schlachten mitgekämpft. Bei mehreren Gelegenheiten aber hatte er Beweise ungewöhnlicher Tapferkeit, verbunden mit großer Umsicht, gegeben und sich so das höchste Ehrenzeichen der kais. Armee, den Maria Theresien-Orden, erkämpft. So stand er als Oberlieutenant 1787 gegen die niederländischen Insurgenten im Felde. Von dem commandirenden General d’Alton zu mehreren geheimen Sendungen verwendet, hatte er dieselben mit großem Tacte ausgeführt. So hatte er die Aufgabe, jene Aebte, in deren Abteien die Revolution durch geheime Zusammenkünfte der Aufständischen und andere Mittel genährt wurde, aufzuheben, und in der That bemächtigte sich S., ohne Aufsehen zu erregen, vier solcher geistlicher Häupter und brachte sie in sicheren Gewahrsam. Ein andermal besorgte S. die Bergung der Universitätsbibliothek und Archive von Löwen nach Brüssel in 180 Wagen mit nur 120 Mann Bedeckung [132] mitten durch die Aufrührer; ein drittes Mal aber überfiel er Tirlemont, wo die Aufständischen eben ihr Conventikel hielten, hob die Rädelsführer auf und stellte die Ordnung wieder her. Im Mai 1799 kam S. zu Baillet-Infanterie, wo er bis 1805 zum Major vorrückte. – Im Feldzuge des Jahres 1809 commandirte S. ein aus den Divisionen Baillet, Kerpen und Deutschmeister zusammengesetztes Grenadier-Bataillon. Mit demselben bildete er bei dem Rückzuge unserer Armee nach Landshut die Nachhut und gab sowohl während des ganzen Marsches, auf welchem er wiederholt von dem Feinde angegriffen wurde, als namentlich bei Geisenhausen (21. April), Beweise seiner Tapferkeit. An letzterem Orte hatte sich ein bayerisches Chevauxlegers-Regiment zum Ueberfalle der Unseren aufgestellt. Als S. den Feind in seiner Aufstellung gewahrte, marschirte er ohne zu zögern weiter und kam in Massen formirt dem Regimente bis auf 50 Schritte nahe, nun commandirte er Feuer und die feindlichen Reiter ergriffen mit Hinterlassung mehrerer Todten die Flucht. – Bei Aspern hatte sich S. vornehmlich am 2. Schlachttage ausgezeichnet, als er – damals bereits Oberstlieutenant – den Auftrag erhielt, das zum Sturm auf Eßlingen vorgerückte Bataillon Scharlach zu unterstützen. Dieses letztere dem verheerenden Feuer mehrerer feindlicher Bataillone preisgegeben, wich demselben, in der Richtung gegen Enzersdorf vorrückend, aus. Aber durch diesen Vorgang war die Absicht, das Centrum des Feindes zu werfen, vereitelt. S., der dieß erkannte, seinem Auftrage gemäß aber dem Bataillone hätte folgen sollen, unterließ das letztere, und mit seinem Bataillon, das nur noch 160 Mann zählte und einer kleinen Verstärkung von 46 Mann, welche von einem anderen im Feuer fast ganz vernichteten Bataillon übrig geblieben waren, griff er das stark besetzte und hartnäckig vertheidigte Eßlingen mit dem Bajonnete an, bemächtigte sich des Friedhofes und zwang die Garde zum Rückzuge. In seinem Feuereifer aber hatte sich S. zu weit vorgewagt, wurde unglücklicher Weise von unseren eigenen Batterien beschossen und so genöthigt, den blutig errungenen Vortheil aufzugeben und sich unter dem mörderischen Feuer des Feindes zurückzuziehen. – Auch der Tag bei Wagram nennt seinen Namen unter den Helden des Tages. Am 6. Juli früh griff er mit seinen Grenadieren das Dorf Aderklaa mit Bravour an und hielt es standhaft, bis ihm der Auftrag, sich zurückzuziehen, gegeben wurde, worauf er an Stelle des verwundeten General-Majors Merville das Commando der Brigade übernahm. Einige Tage später, am 10. Juli, leistete S. im Thayathale, dem Vordringen des Feindes sich standhaft widersetzend, treffliche Dienste. Er behauptete während der ganzen Dauer des Gefechtes seine Stellung, bis das zweite Armee-Corps angelangt war. Am folgenden Tage aber, am 11. Juli, fanden seine trefflichen Vorkehrungen, welche er zur Vertheidigung von Znaim getroffen, die Anerkennung des Oberst-Commandirenden. Im Capitel des Jahres 1810 wurde S. für seine Waffenthaten, vornehmlich für jene bei Aspern, mit dem Ritterkreuze des Maria Theresien-Ordens ausgezeichnet. Als sich S. im Jahre 1830 bleibend in den Ruhestand zurückzog, erlangte er ein Jahr vor seinem Ableben 1837, den Statuten des Ordens gemäß, die Freiherrnwürde und starb im folgenden im Alter von 79 Jahren.

Freiherrnstands-Diplom ddo. 31. Mai 1837. – Hirtenfeld (J.), Der Militär-Maria [133] Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1857, Staatsdruckerei, kl. 4°.) S. 988 u. 1746.
Wappen. Silberner Schild mit blauem Schildeshaupt. Im Schilde drei übereinanderlaufende schwarze Windhunde. Den Schild bedeckt die Freiherrnkrone. Schildhalter sind zwei silberne, gegenüberstehende Windhunde.