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BLKÖ:Schlechter, Anton Joseph

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Schlechter, Johann
Band: 30 (1875), ab Seite: 68. (Quelle)
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Schlechter, Anton Joseph (Schriftsteller, geb. zu Laibach, Geburtsjahr unbekannt). Er dürfte im ersten Jahrzehend des laufenden Jahrhunderts geboren sein. Nachdem er die juridischen Studien in Wien beendet – er hielt sich um die Mitte der Zwanziger-Jahre in Wien auf – trat er in den Staatsdienst, welchem er in Laibach oblag. Nicht als Staatsbeamter erscheint er in diesem Werke, sondern als Poet, als welcher er sich zwar unter strenger Pseudonymität barg, die aber in Laibach ein offenes Geheimniß war. Er schrieb nämlich unter dem Namen Hugo vom Schwarzthale und ließ unter demselben einzelne Dichtungen in der mit der „Laibacher Zeitung“ verbundenen belletristischen Beilage „Das illyrische Blatt“, in welchem damals unter des Professors Heinrich Redaction die heimischen Talente sich tummelten, von Zeit zu Zeit erscheinen. In vormärzlichen Zeiten da galt so ein Provinzialpoet noch für ein Phänomen, zu dem der jüngere Nachwuchs mit einer Art sehnsüchtigen Bewunderns aufblickte. Nun aber gar, als ein ganz dickleibiger Band, betitelt: „Lyrische und romantische Dichtungen Hugo’s vom Schwarzthale“ (Laibach 1833, Ign. Al. Edl. v. Kleinmayr, 348 S. 8°.) in die Oeffentlichkeit trat, da war der geheimnißvolle, Allen bekannte Autor ein Gegenstand allgemeiner Aufmerksamkeit, und wenn der blonde, im Ganzen seinem Aeußern nach ganz angenehme, nur etwas stark selbstbewußte Autor öffentlich erschien, blickte sich insbesondere die Jugend nach ihm um. Die Gedichte waren von dem Autor „Allen, die ihn verstehen“, insbesondere dem Herrn Joseph Franz Trimmel [als Poet unter dem Pseudonym Emil bekannt] und dem Herrn Johann Kachler [Bd. X, S. 343] gewidmet. Das Alles aber wurde mit einem Schlage anders, als der Krainer Anastasius Grün mit seinen „Blättern der Liebe“, „Letztem Ritter“ und nun gar mit den „Spaziergängen eines Wiener Poeten“ auf dem literarischen Schauplatze erschien. Jetzt erst erkannten die jüngeren Nachstrebenden, daß der Standpunct, auf dem Hugo vom Schwarzthale in der Poesie steht, weit weit überholt war, und nun war der Poet nur mehr noch Gegenstand unseres bedauerlichen Achselzuckens. Denn wenn man in das „lachende Grün“ schaute, wollte man von dem „Schwarzthale“ nichts mehr wissen, so lautete damals ein Studentenwitz. Hugo vom Schwarzthale ist allgemach gänzlich verschollen, nur seine auf veritablem Löschpapier gedruckten „lyrischen und romantischen Dichtungen“ habe ich noch vor einiger Zeit bei einem Büchertrödler gefunden und aus Pietät um etliche Kreuzer gekauft. Die Literaturgeschichten, auch unsere heimischen Anthologien [69] von Mosenthal und Scheyrer kennen Hugo vom Schwarzthale nicht; nur das „Oesterreichische Balladenbuch“, herausgegeben von Ludwig Bowitsch und Alexander Gigl führt ihn im 2. Bande, S. 511, unmittelbar nach dem „Landsknecht“ (Friedrich Fürst von Schwarzenberg) auf, als Muster seine Ballade: „Die Zwillingsbrüder“ mittheilend. Ob Anton Joseph Schlechter, im „Balladenbuch“ unrichtig Schlechtner genannt, noch am Leben, ist dem Verfasser dieses Lexikons nicht bekannt.

Eigene handschriftliche Notizen.