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BLKÖ:Gigl, Alexander

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Gigler, Joseph
Band: 5 (1859), ab Seite: 183. (Quelle)
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Gigl, Alexander (Schriftsteller, geb. zu Wien 9. Dec. 1821). Sohn eines kaiserl. Beamten, beendete in Wien die Gymnasial- und philosophischen Studien, trat 1841 bei der damaligen Hofkammer im Münz- und Bergwesen ein, kam später zur vereinigten Hofkanzlei, nachmals Ministerium des Innern, wo er 1850 in der daselbst eben begründeten administrativen Bibliothek zum Official befördert wurde, und in dieser Eigenschaft noch gegenwärtig dient.[BN 1] Frühzeitig versuchte er sich auf dem literarischen [184] Gebiete, worin ihn Grillparzers Aufmunterung wesentlich förderte. In der „Thalia“ und in dem von J. N. Vogl' herausgegebenen „Morgenblatte“ erschienen seine ersten Arbeiten. Später (1845) wurde er mit J. Chmel (gest. 28. Nov. 1858, s. d. III. Bd. S. 351) bekannt und erhielt von diesem um Oesterreichs, namentlich um des Hauses Habsburg Geschichte hochverdienten Gelehrten, die Anregung zu ernsteren Arbeiten, worin er durch seinen Eintritt in die administrative Bibliothek in mehr als Einer Richtung unterstützt wurde. Mit größeren Arbeiten trat er Ende 1852 auf und zwar im „Wiener Lloyd“ (der nachmal. „österreichischen Zeitung“) mit einer Reihe von Kunstbriefen im Feuilleton, deren Titel: „Aesthetische Bilderschau in Briefen“ auch ihren Inhalt bezeichnet. Selbständig erschienen von ihm: „Erinnerungen aus Baiern. Reisebilder“ (Wien 1854, Wallishausser), in gebundener Rede eine Poetenfahrt durch die herrlichen Gegenden Baierns nach Possenhofen, dem Geburtsorte Ihrer Majestät der Kaiserin Elisabeth, zu deren Vermälungsfeier das Büchlein einen Beitrag bildet. Im J. 1856 gab er mit L. Bowitsch[WS 1] „Das österr. Balladenbuch“, 2 Bde. (Wien 1855–56, kl. 8°.) heraus, eine Sammlung Balladen von östr. Dichtern, die erste dieser Art und reich an Namen jeden Klanges. Seit Begründung der kaiserl. geograph. Gesellschaft, deren Mitglied G. ist, betrat er dasjenige Gebiet seiner literarischen Thätigkeit, welches im Kaiserstaate noch wenig gepflegt ist und reiche Ausbeute verspricht. Die Herausgabe einer „Geographischen Zeitschrift“, für die er die Concession erhalten, wurde in Folge der Zeitereignisse aufgeschoben; ebenso auch die einer größeren Schrift: „Aus Wiens Campagna“, eine Reihe landschaftlicher und ethnographischer Studien in Riehls beliebter Manier.

Bäuerle’s Theater-Zeitung 1854, 1. August. – Scheyrer(Ludw.), Die östr. Schriftsteller (Wien 1856, Zamarski) S. 487.

Berichtigungen und Nachträge

  1. E Gigl, Alexander [Bd. V, S. 183]. Im Jahre 1867 trat G. aus der administrativen Bibliothek des k. k. Ministeriums des Innern in das Archiv desselben als dessen Leiter ein. Außer den schon im V. Bande dieses Werkes angeführten Arbeiten G.’s sind noch folgende zu nennen: „Der Einfluß des Werkzeuges auf den arbeitenden Menschen“, in der deutschen Vierteljahrschrift 1861; – „Geschichte der Wiener Marktordnung vom 16. Jahrhunderte an bis Ende des 18. Aus Urkunden“, als XXXV. Band des Archivs für Kunde österreichischer Geschichtsquellen; – „Aus Wiens Campagna“, im Abendblatte der Wiener Zeitung, Juli und August 1868, Juni und Juli 1869; – „Statistische Daten über die Cholera-Epidemie des Jahres 1866 in Wien“, im LIX. Bande der Sitzungsberichte der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften; – „Herr Ottocar Lorenz und Kaiser Joseph“ (Wien 1863, Lechner, 8°.), als Gegenschrift auf Ott. Lorenz „Joseph II. und die belgische Revolution. Nach den Papieren des General-Gouverneurs Grafen Murray 1787“ [vergleiche darüber die Lebensskizze Murray de Melgum, Bd. XIX, S. 467, worin Zweck und Bedeutung der Gigl’schen Schrift auseinandergesetzt werden]; – „Zur Geschichte der Landesvertheidigungs-Anstalten in Böhmen 1796–1801“, in Streffleur’s Oesterr. militärischer Zeitschrift 1870, I. Band; – „Illustrirte Geschichte des deutsch-französischen Krieges 1870–1871“ [342] Wien, Hartleben, 4°.), dieses letztere umfangreiche Werk ist unstreitig die bedeutendste literarische Leistung G.’s. sowohl was dessen Standpunct in Beurtheilung dieses gewaltigen Ereignisses und die geschickte Bewältigung des riesigen Materiales, als auch die stylistische Form betrifft. Des eigenen Urtheils uns enthaltend, führen wir jenes eines anerkannten Fachblattes, der „Oesterr. militärischen Zeitschrift“, an. welche im Literaturblatte des Jahres 1871, S. 134 u. f., eine ausführliche Besprechung des bedeutenden Werkes bringt und darin u. a. sagt: „In der schon Bibliotheken füllenden Kriegsliteratur über den letzten Riesenkampf zwischen Deutschland und Frankreich nimmt die vorstehende illustrirte Geschichte einen hervorragenden Platz ein. Der gehaltvolle geschichtliche Stoff ist in einer meisterhaften Weise geordnet und in einer wissenschaftlichen Form behandelt; die dem Buche beigegebenen, ausgezeichnet ausgeführten 260 Illustrationen der hervorragenden Persönlichkeiten und wichtigsten kriegerischen Ereignisse sind höchst anziehend; beide erhöhen den Werth des Buches in hohem Grade, selbst für den Fachmann und Politiker, und sichern demselben ein bleibendes historisches Interesse. Nicht blindes Nachschreiben der officiellen Berichte, der Zeitungs-Correspondenzen und Journal-Phrasen, sondern eine kritische, auf Vergleich der Organisation und Stärke der Streitkräfte, dann der strategischen Combinationen und taktischen Momente basirende Darstellung der Begebenheiten bildet den Inhalt des vortrefflich gelungenen Werkes. Ueberall tritt sichtlich das Bestreben hervor, das Richteramt zu üben, ohne selbst Partei zu ergreifen und den streitenden Theilen im vollsten Maaße gerecht zu werden. Weder die mitunter zu weit gehende Glorificirung der Waffenthaten der Deutschen, noch die nicht selten bis zur Verunglimpfung sich steigernde Absprechung der Kriegstüchtigkeit der Franzosen fand in dem Werke Eingang. Der geistreiche Autor widerstand aller Beeinflußung, bewahrte das richtige Verständniß und nahm einen nationalen Standpunct ein, von dem aus er Recht von Unrecht unterscheiden konnte, und eigenen Gefühlen und Empfindungen auf Rechnung der historischen Wahrheit keine Gewalt anzuthun brauchte“. Mehrere kleinere Arbeiten G.’s sind in der Beilage der Augsburger „Allgemeinen Zeitung“, im Feuilleton der „Neuen freien Presse“ und in anderen Blättern erschienen. In seiner Stellung als Archivsvorstand hat er die bisher wenig beachteten und ebenso wenig benützten Schätze des Archivs durch eine neue treffliche Aufstellung dem gelehrten Forscher zugänglich zu machen angefangen, eine Arbeit, welche bei den nicht zureichenden Arbeitskräften nur allmälig vorwärts schreiten kann, in welcher jedoch bereits ein nicht unbedeutender Fortschritt bemerkbar ist. Wie glücklich auch in seinen geistigen Erfolgen – denn G.’s Arbeiten erfreuen sich in Fachkreisen der unbedingten Anerkennung der competenten Kritik – so läßt sich leider nicht ein Gleiches von seinen häuslichen Verhältnissen sagen. Die zwei einzigen Sohne entriß ihm, nachdem sie schon erwachsen und nahe daran waren, jeder in seinem Berufe selbstständig zu wirken, in kurzer Zeit der Tod. Insbesondere ist der Tod des jüngeren, Alexander G., der in der Musik meisterhaft ausgebildet war und ein Vierteljahr vor seinem Ableben eine Anstellung als Concertmeister erhalten hatte, tief zu beklagen, da er bei seiner [343] außerordentlichen Begabung und einem Eifer, sich fortzubilden, ohne Gleichen, zu den bedeutendsten Hoffnungen berechtigte. [Band 28, S. 341–343]

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: L. Bowisch.