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BLKÖ:Schiffermiller, Ignaz

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 29 (1875), ab Seite: 295. (Quelle)
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Schiffermiller, Ignaz (gelehrter Jesuit, geb. zu Helmondset in Oberösterreich 2. November 1727, gest. zu Linz im Jahre 1806). Trat 1746, nach beendeten Humanitätsclassen, im Alter von 19 Jahren in den Orden der Gesellschaft Jesu, wo er seine Studien fortsetzte, zugleich aber im Lehramte verwendet wurde. Dabei auf seine eigene wissenschaftliche Ausbildung sorgfältig bedacht, hörte er unter P. Franz [Bd. IV, S. 342] Mineralogie, unter Khell [Bd. XI, S. 208][WS 1] Numismatik, wobei er letzteren bei der Aufstellung und Ordnung verschiedener Münzsammlungen unterstützte; während seines Aufenthaltes in Passau, wo er an dem dortigen Gymnasium die Grammatik lehrte, studirte er bei dem Botaniker Johann Damian die Botanik, und als er nach in Wien beendeten theologischen Studien das Baccalaureat und dann die Priesterwürde erlangte, wurde er Subregens im Seminar zum h. Pankraz. Im Jahre 1759 kam er in die Theresianische Ritterakademie, von dort im nächsten Jahre zur Vollendung des dritten Probejahres nach Judenburg, worauf er nach Wien in das Theresianum zurückkehrte und daselbst das Lehramt des architektonischen Zeichnens, der Civil- und Militärbaukunst übernahm. Einige Zeit nach Aufhebung seines Ordens ernannte ihn die Kaiserin unter gleichzeitiger Verleihung des Titels eines k. k. Rathes zum Regens des nordischen Stiftes in Linz, welche Stelle vor ihm Sigmund Anton von Hohenwarth [Bd. IX, S. 208], der nachmalige Erzbischof von Wien, versehen hatte. Nachdem er mehrere Jahre diesen Posten bekleidet, wurde er im Jahre 1789 Pfarrer und Dechant zu Waizenkirchen, darauf Titular-Domherr zu Linz und starb im hohen Alter von 79 Jahren. S., ein Freund und Kenner der Naturgeschichte, war in seinem Fache auch schriftstellerisch thätig und sind von ihm folgende Werke im Drucke erschienen: „Versuch eines Farbensystems. Mit illum. K. K.“ (Wien 1772, Beck, 8°.) [und nicht, wie es in Kayser’s „Bücher-Lexikon“ mißverständlich genug heißt: Versuch eines Färbesystems]; – „Systematisches Verzeichniss der Schmetterlinge der Wiener Gegend“ (Wien 1776, 4°.). Mehr aber, als gedruckt von S. erschienen, [296] besaß er in Handschrift, und zwar einen Anhang zu seinem Schmetterling-Verzeichnisse, worin die Abbildungen jener Schmetterlinge aufgezählt sind, welche sich schon in Rösel’s Belustigungen und in anderen Werken deutscher Entomologen vorfinden; Fortsetzungen über seinen Versuch eines Farbensystems; Abbildungen und Beschreibungen jener Schmetterlinge und Raupen, welche bis dahin noch in keinem Werke beschrieben waren; eine Beschreibung der bis dahin unbekannten Insecten mit harten Flügeldecken in den Erzherzogthümern; eine Darstellung seiner in Gemeinschaft mit dem Hofrathe Mygind in mehreren Jahren unternommenen Alpenreisen u. s. w. In Schrank’s „Briefen naturhistorischen, physikalischen und ökonomischen Inhalts“ veröffentlichte S. eine Aehrenlese der Geschichte der Insecten Oesterreichs und eine Beschreibung des von ihm angelegten ökonomisch-botanischen Gartens. Sein oberwähntes Verzeichniß der Schmetterlinge der Wiener Gegend vollendete S. in Gemeinschaft mit Michael Denis [Bd. III, S. 238] und eine vermehrte Ausgabe dieses Werkes in zwei Bänden gab später J. K. W. Illiger (Braunschweig 1801, 8°.) heraus. Noch sei bemerkt, daß S. bald Schiffermiller, bald Schiffermüller geschrieben erscheint.

Stoeger (Joh. Nep.), Scriptores Provinciae Austriacae Societatis Jesu (Viennae 1855, Lex. 8°.) p. 315. – Poggendorff (J. C.), Biographisch-literarisches Handwörterbuch zur Geschichte der exacten Wissenschaften (Leipzig 1859, Joh. Ambr. Barth, gr. 8°.) Bd. II, Sp. 797. – Annalen der Literatur und Kunst in dem österreichischen Kaiserthume (Wien, Doll. 4°.) I. Bd. (1809), Intelligenzbl. Juni, Sp. 263.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: [Bd. IX, S. 208].