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BLKÖ:Scheiger, Joseph Edler von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Scheiner, Joseph
Band: 29 (1875), ab Seite: 169. (Quelle)
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Scheiger, Joseph Edler von (Alterthumsforscher, geb. zu Wien im Jahre 1801). Trat nach beendeten rechtswissenschaftlichen Studien am 1. April 1824 bei dem Gerichte der Stiftsherrschaft Schotten in Wien in öffentliche Dienste. Er war bei demselben als Actuar, Untersuchungscommissär und Stiftsrichters-Adjunct bis Februar 1827 thätig und trat am 10. Februar l. J. in den Staatsdienst über zunächst als Concepts-Praktikant bei der k. k. Fahrpost-Direction in Wien. Am 1. December 1829 wurde er Hof-Postamts-Accessist und Official, am 24. April 1835 Ober-Postverwalter in Zara, am 21. Juni 1839 Adjunct der Postdirection in Venedig, am 15. März 1845 Ober-Postverwalter in Gratz und am 29. November 1850 Postdirector ebenda, in welcher Eigenschaft er nach 43jähriger Dienstzeit in den Ruhestand übertrat. Nicht diese, wenngleich höchst verdienstliche Beamtenlaufbahn ist es, die ihm Anspruch gibt auf einen Platz in diesem Lexikon. Neben seinem amtlichen Berufe war S. ein unermüdlicher Forscher auf dem Gebiete der vaterländischen Geschichte, zu einer Zeit, als diese Species noch sehr dünn gesäet war und es, wie leider noch jetzt, dem Beamten nicht als [170] Verdienst zugeschrieben wurde, wenn er die Muße seines amtlichen Berufes zu Arbeiten in gloriam patriae verwendete. Durch Hormayr war zunächst die Liebe für vaterländische Geschichte geweckt worden, und schon im Jahre 1820 war S. in dieser Richtung thätig; Primisser’s persönliche Bekanntschaft und ein Briefwechsel mit Büsching in Breslau förderten ihn nicht wenig in derselben, und als er im J. 1824 die Katalogisirung des v. Schönfeld’schen Museums in Wien übernahm, erweiterten sich seine Kenntnisse im Fache der Archäologie des Mittelalters. Ein weiteres thaten dazu seine freilich bei beschränkten Vermögensverhältnissen unternommenen, thatsächlich wissenschaftlichen größeren und kleineren Reisen in Oesterreich, Böhmen, Mähren, Ungarn, Siebenbürgen, Steiermark, welche er auch sogar in einige Grenzländer, wie Preußisch-Schlesien, Walachei u. s. w. ausdehnte und von denen er eine reiche Ausbeute theils in alterthümlichen Funden, theils in Zeichnungen mitbrachte. Er schrieb damals viele Aufsätze – öfter anonym, einige auch pseudonym – in Hormayr’s „Archiv“, in Schickh’s „Wiener Zeitschrift“, in den „Hesperus“, in späteren Jahren, als für das Fach, dem er oblag, eigene Blätter entstanden, für die Mittheilungen der k. k. Central-Commission zur Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale, für welche er seit 10. November 1851 bis Ende 1871 das Ehrenamt eines Conservators, anfänglich für den Gratzer Kreis, seit 1855 aber für Steiermark, jedoch nicht dem Titel nach, sondern mit dem ganzen Ernste, den diese schwierige und mühevolle Aufgabe erfordert, versah; ferner für die Mittheilungen des historischen Vereins für Steiermark, des Alterthums-Vereins, dann für die Gratzer Zeitung und das mit ihr verbundene belehrende Beiblatt: Der Aufmerksame, in welchen beiden Blättern er getreuen Bericht über seine als Conservator erzielten Resultate niederlegte. Die Titel der von S. herausgegebenen selbstständigen Schriften sind: „Der Fussreisende in Oesterreich“ (Wien 1827, Armbruster, 12°.); – „Andeutungen zu einigen Ausflügen im Viertel unter dem Wiener Walde und seinen nächsten Umgebungen, besonders in geschichtlicher Hinsicht“ (Wien 1829, Adolph, 16°.); – „Ueber Schutz und Hülfe gegen Feuersbrünste. Den Bewohnern der kleinen Städte, der Märkte, Dörfer und einzelnen Höfe in Oesterreich gewidmet“ (ebd. 1835, Gerold, 8°.); – „Ueber Burgen und Schlösser im Lande Oesterreich unter der Enns. Versuch einer gedrängten Darstellung ihrer Schicksale, Bauart, inneren Einrichtung, des Lebens in denselben, ihrer Angriffs- und Vertheidigungsweise“ (Wien 1837, Beck, 16°.); – „Andeutungen über Erhaltung und Herstellung alter Burgen und Schlösser“ (Gratz 1853, Hesse, gr. 8°.); – „Das Wiener bürgerliche Zeughaus“ (Wien ...., 8°.), früher auch in den Beiträgen zur Landeskunde Niederösterreichs abgedruckt. Zu einer Zeit, wo seit Gaheis, Schultes und Embel für die vaterländische Topographie beinahe gar nichts geschehen war, eröffnete Scheiger ein neues Feld, das der archäologischen Topographie, was bei dem Mangel an Hilfsmitteln in den Zwanziger-Jahren eine schwere Aufgabe war und wobei er mit seinen Arbeiten den Impuls zu mancher schönen Leistung gab. Aber mit dem Vorstehenden ist das Gebiet der verdienstlichen Leistungen S.’s noch lange nicht erschöpft. Er förderte auch noch andere gemeinnützige Zwecke, so als Verwaltungsrath des steiermärkischen Gewerbevereins, als Ausschuß des Kunstindustrie-Vereins und als Obmann [171] des Comité’s der Mädchenschule des Gewerbevereins, und bereicherte endlich die Büchersammlungen des Gewerbevereins, des akademischen Lesevereins in Gratz und der dortigen Garnison, sowie das Joanneum in Gratz und andere Sammlungen mit zahlreichen und werthvollen Beiträgen. Für dieses vieljährige verdienstliche Wirken wurde S. mit ah. Entschließung vom 28. Juni 1872 in den erbländischen Adelstand mit dem Ehrenworte „Edler von“ erhoben. Zahlreiche gelehrte und gemeinnützige Gesellschaften und Vereine würdigten S.’s Verdienste durch Aufnahme in den Schooß ihrer Mitglieder: so ward er denn Ausschußmitglied des historischen Vereins für Steiermark, Ehrenmitglied des Geschichtsvereins für Kärnthen, der archäologischen Section des böhmischen Museums und des Vereins für niederösterreichische Landeskunde, correspondirendes Mitglied der historischen Vereine in Brünn, Laibach, Mainz, Regensburg und Riga, des Alterthums-Vereins in Wien, ordentliches Mitglied des Gelehrten-Ausschusses am germanischen Museum in Nürnberg, des steiermärkischen Kunst-Industrie- und des dortigen Gewerbevereins.

Adelstands-Diplom ddo. 29. August 1872. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1836, 8°.) Bd. IV, S. 514. – Wappen. In einem rothen Schilde mit schmaler goldener Einfassung ein pfahlweise gestürzter hölzerner, eisenbespitzter Armbrustbolzen, zweifach umschlungen von einer mit dem Kopfe linksgekehrten silbernen Schlange. Auf dem Schilde ruht ein gekrönter Turnierhelm, von welchem rothe, rechts mit Silber, links mit Gold unterlegte Decken herabhängen. Aus der Helmkrone wallen drei Straußenfedern, und zwar eine rothe, rechts beseitet von einer silbernen, links von einer goldenen.