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BLKÖ:Schaller, Jaroslaw a Sancto Josepho

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
fertig
Band: 29 (1875), ab Seite: 96. (Quelle)
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Schaller, Jaroslaw a Sancto Josepho (Topograph und Priester der frommen Schulen, geb. zu Konopischt im Taborer Kreise Böhmens am 6. März 1738, gest. am 6. Jänner 1809). Sein Vater Johann Georg, der ein Anwesen zu Benoš, unweit Konopischt, besaß, war in Diensten des Grafen Wrtby. Das Gymnasium beendete S. im Jahre 1753 in Benoš bei den Piaristen. Im letztgenannten Jahre trat er selbst in den Orden der frommen Schulen, in welchem er bis zum Jahre 1761 die theologischen Studien beendete, in der Zwischenzeit aber zu Nikolsburg in [97] den Mittelschulen. 1762 und 1763 zu Prag, 1764 und 1765 zu Kosmanos thätig war, worauf er im Jahre 1766 die Erziehung der Söhne des Grafen Anton Franz Nostitz-Rieneck übernahm und dieselbe bis zum Jahre 1771 besorgte. Im Jahre 1771 berief ihn sein Orden zur Uebernahme des Lehramtes der Dichtkunst und Redekunst an den höheren Gymnasialclassen zu Nikolsburg, wo S. bis zum Jahre 1774 verblieb, in welchem ihm die Direction des Seminars der Gymnasialschule zu Weißwasser in Schlesien übertragen wurde. Im folgenden Jahre begab er sich wieder als Erzieher zur gräflichen Familie Nostiz nach Prag, bei welcher er bis zu seinem mit 71 Jahren erfolgten Ableben verblieb. Von früher Jugend besaß S. eine große Vorliebe für topographische Studien, und noch als Knabe bereitete ihm der Besuch alter Burgen und Schlösser, interessanter Ruinen und anderer örtlicher Denkwürdigkeiten einen Genuß, den er allen anderen vorzog. Im gräflichen Hause, wo er als Erzieher lebte, blieb ihm nicht nur Muße genug, um seiner Lieblingswissenschaft mit allem Eifer zu huldigen, auch der Verkehr mit Männern wie Pelzel, Dobrovsky, Dobner, Adaukt Voigt u. A., welche das gräfliche Haus besuchten, förderte ihn in seinen Studien und Bestrebungen. Als er dann bei seinen Nachforschungen die Mangelhaftigkeit, ja Armuth der topographischen Vorarbeiten über sein Vaterland inne wurde, erwachte bald in ihm der Gedanke, hier schöpferisch aufzutreten. Er entwarf nun den Plan für seine Arbeit, wendete sich an das Prager Consistorium, damit dieses der ihm unterstehenden Pfarrgeistlichkeit die Weisung ertheilte, Schallern, der nach den einzelnen Kreisen in der Arbeit vorging, in seinen Nachforschungen und Erhebungen behilflich zu sein. So entstand denn S.’s Hauptwerk: „Topographie des Königreichs Böhmen“, 16 Bände (Wien und Prag 1782–1792, von Schönfeld, gr. 8°.) und ein Registerband. S. setzte sich behufs dieser Arbeit, welche trotz ihrer Lücken und Mängel doch die Grundlage aller folgenden bildete, im Hinblick auf naturwissenschaftliche Gegenstände mit Born, Reuß, Lindaker u. A., bezüglich der historischen mit Dobner in Verkehr. Das statistische Material lieferten ihm die Behörden. Gleichsam als Schluß dieses Werkes ließ er zunächst die „Beschreibung der Hauptstadt Prag“, 4 Bände (Prag 1794–1797, gr. 8°., mit K. K.) folgen, und gab als Auszug dieses größeren Werkes auch eine „Kurzgefasste Beschreibung von Prag“ in einem Bande (Prag 1798, mit 7 K. K.) heraus. Die Titel der übrigen Druckwerke, welche S. noch veröffentlichte, sind: „Geschichte der k. k. Büchercensur in Böhmen“ (Prag 1796); – „Kurze Lebensbeschreibung jener verstorbenen gelehrten Männer aus dem Orden der frommen Schulen, die sich durch ihr Talent und besondere Verdienste um die Literatur und Wissenschaften von der Errichtung dieses Institutes bis auf gegenwärtige Zeiten vorzüglich ausgezeichnet haben“ (Prag 1799, Franz Gerzábek), eine ungemein mangelhafte Arbeit, bei welcher nur der gute Wille, die Verdienste seines Ordens einigermaßen zu beleuchten, in Anbetracht zu ziehen ist; – „Neuverfertigtes Catastrum des Königreichs Böhmen“ (Prag 1803, Widtman, gr. 4°.); – „Gedanken über die Ordensverfassung der Piaristen und ihre Lehrart“ (Prag 1805, 8°.). Schaller’s topographische Schriften fanden seiner Zeit in wissenschaftlichen Kreisen verdiente Würdigung, und es haben die Gelehrte Gesellschaft in Jena S. zu ihrem wirklichen und die Gesellschaften [98] naturforschender Freunde zu Berlin und Halle zu ihrem Ehrenmitgliede ernannt.

Annalen der Literatur und Kunst des In- und Auslandes (Wien, A. Doll. 8°.) Jahrg. 1810. Bd. IV, S. 138. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1836, 8°.) Bd. IV, S. 506. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon u. s. w. Zweite Abtheilg. Bd. VII, S. 478.