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BLKÖ:Rieder, Franz Seraph

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Rieder, Edmund
Band: 26 (1874), ab Seite: 105. (Quelle)
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Rieder, Franz Seraph (Dompropst zu Linz, geb. zu Poisdorf in Niederösterreich 9. März 1806, gest. zu Linz um die Mitte April 1873). Sohn wohlhabender Wirthschaftsleute, beendete er die Gymnasialclassen in Nikolsburg und die theologischen an der Wiener Universität. Am 11. November 1828 wurde er zum Priester geweiht und dann als Cooperator an den Pfarren Oberhollabrunn, Döbling, St. Johann in der Praterstraße in Wien und zuletzt bei den neun Chören der Engel am Hof, vom 23. December 1828 bis 10. März 1841, angestellt. In der Zwischenzeit, am 8. Juni 1833, erlangte R. an der Wiener Hochschule die theologische Doctorwürde und wurde am 5. December d. J. Mitglied der Wiener Universität. Vom 16. März 1835 bis 1. März 1836 war er supplirender Katechet an der k. k. Normal-Hauptschule bei St. Anna in Wien, wo er sich die Liebe und Anhänglichkeit seiner Schüler in so hohem Grade erwarb, daß sein Ausscheiden von Seite des Lehrkörpers wie der Schüler schmerzlich empfunden wurde. Am 6. December 1838 erfolgte von Seite der theologischen Facultät der Wiener Universität seine Wahl zum Decan, am 12. November 1840 von dem Universitäts-Consistorium zum Domherrn in Linz, wo er am 16. März 1841 als solcher investirt und zum Consistorialrathe ernannt wurde. Am 1. Mai 1841 übertrug ihm Bischof Ziegler die Direction des bischöflichen Alumnates, welche er bis 14. Mai 1845 führte. Dieser durch einige Mißgeschicke herabgekommenen Anstalt verschaffte R. durch zweckmäßige Einrichtungen bald wieder die öffentliche Achtung, so daß sich neuerdings, nachdem einige Zeit die Anstalt zu verfallen drohte, Candidaten um die Aufnahme bewarben. Er stellte auch eine ordentliche Bibliothek her, welche er selbst, da für eine solche Anschaffung kein Fond vorhanden war, mit einer ansehnlichen Anzahl der neuesten theologischen Werke beschenkte. Mit ah. Entschließung vom 21. September 1841 wurde R. zum Director der theologischen Studien ernannt, behielt aber die Alumnats-Direction bei. Am 12. April 1845 zum Schulen-Oberaufseher der Diöcese Linz ernannt, versah er dieses Amt mit bestem Erfolge bis 21. Juni 1850. In den Jahren 1841,1843 und 1847 unternahm R. größere Reisen durch Oesterreich, Bayern, Württemberg, Baden, Schweiz, Frankreich, Belgien, Preußen und die übrigen damaligen deutschen Bundesstaaten zunächst, um die geistlichen Bildungsanstalten, Universitäten und das Schulwesen jener Staaten genau kennen zu lernen. Im Jahre 1848 berief ihn der Clerus des Mühlkreises zu seinem Vertreter bei dem Landtage in Linz, wo er zum zweiten Vice-Präsidenten, zum Ausschußmitgliede und zum Referenten über das Volksschulwesen gewählt wurde. Da in diesem Jahre durch die neuen Staatseinrichtungen das bisherige Verhältniß des Staates zur Kirche geändert wurde, so erkannte Rieder sogleich, wie zweckmäßig es sei, über diese neue Stellung aufzuklären. Es erschienen daher von ihm in der Linzer theologisch-praktischen Quartalschrift mehrere einschlägige Aufsätze, als z. B.: „Der katholische Clerus in Oesterreich und die Constitution“, wofür er vom Clerus des Innkreises eine [106] Dankadresse erhielt; – „Die Organisirung der kirchlichen Gerichte“; – „Darstellung des canonischen Civil- und Strafprocesses“ u. s. w. Diese den Zeitbedürfnissen ganz entsprechenden Aufsätze fanden solchen Beifall, daß diese Zeitschrift damals die höchste Zahl ihrer Abnehmer erreichte. Mit ah. Entschließung vom 28. Februar 1849 wurde Rieder Domscholaster in Linz. Als in demselben Jahre in Wien eine Versammlung der österreichischen Bischöfe stattfand, um dem k. k. Ministerium die geeigneten Anträge über neue Regulirung des Verhältnisses zwischen Kirche und Staat in Oesterreich vorzulegen, wurde Rieder von dem durch Erblindung gehinderten Bischöfe Ziegler als sein Stellvertreter zu dieser Versammlung, welche vom 29. April bis 20. Juni 1849 tagte, gesendet. Er nahm lebhaften Antheil an den Verhandlungen, wurde auch in zwei Ausschüsse gewählt und zum Referenten über das Klosterleben bestellt. Am 21. Juni 1850 bestimmte ihn der schwerkranke Bischof Ziegler zu seinem General-Vicar, welche Bestellung von Sr. Majestät genehmigt wurde. Dieses Amt verwaltete R. bis 23. Jänner 1851, der Genesung des Bischofes. Nach dessen Tode wurde er am 15. April 1852 zum Capitular-Vicar (Bisthums-Verweser) gewählt und verwaltete er dieses Amt bis 12. Juni 1853 mit Humanität, Geschäftskenntniß und Klugheit. Corporationen und einzelne Personen bezeugten ihm ihre volle Anerkennung über seine Amtsführung, welche kein Mißton störte. Am 20. Juli 1854 ernannte ihn die Gemeinde Altschwerd in Oberösterreich zu ihrem Ehrenbürger wegen der Verdienste, die er sich um diese Gemeinde erwarb. In Würdigung seiner Verdienste um Staat und Kirche verlieh ihm der Kaiser mit ah. Entschließung vom 22. April 1854 das Ritterkreuz des Franz Joseph-Ordens und am 12. Jänner 1855 ernannte er ihn zum Dompropst in Linz. Als die geistlichen Ehegerichte in Oesterreich am 1. Jänner 1857 in Wirksamkeit traten, wurde er Präses für jenes in Linz. Als gegen Ende 1859 in Folge ah. Anordnung eine Berathungs-Commission über Abfassung der Landgemeinde-Ordnung für das Erzherzogthum Oesterreich ob der Enns und über weitere, damit zusammenhängende Gegenstände eingesetzt ward, wurde R. in diese Commission von dem k. k. oberösterr. Statthalterei-Präsidium am 8. October 1859 als Mitglied berufen, daselbst in den Ausschuß und zum Referenten über den ersten Theil des Gemeindegesetzes gewählt. An den Wirren und Conflicten, welche in Folge der Staatsgrundgesetze vom 21. December 1867 und dann der Schulgesetze in der Linzer Diöcese zwischen Staat und Bischof ausbrachen, ist Rieder ganz unbetheiligt geblieben. Rieder, ein großer Freund der Wissenschaft, pflegte insbesondere Philosophie, Kirchengeschichte und Kirchenrecht. Auf seinen Reisen besuchte er die berühmten Männer, interessirte sich für die Unterrichts- und Erziehungsanstalten und für die Einrichtung des Volksschulwesens. Die Fertigkeit, mit welcher die Franzosen die Resultate der Wissenschaft für das praktische Leben fruchtbringend zu machen verstehen, belebte und befestigte auch sein bereits vorhandenes Streben, die Wissenschaft mit dem Leben, die Theorie mit der Praxis zu verbinden. Von seinen literarischen Arbeiten sind zu nennen: „Handbuch der k. k. Gesetze und Verordnungen über geistliche Angelegenheiten“, 3 Bände (1. Band 1847, 2. Auflage Wien 1848, Mayer u. Comp.; 2. Band ebd. 1855; [107] 3. Band Linz 1859, Ebenhöch), dieses Handbuch wird allgemein als das beste, brauchbarste Werk in diesem Fache angesehen; – „Rückblick auf die Sitzung des oberösterr. Landtages vom 22. Februar 1867“ (Linz 1867, Donner). Viele seiner kirchenrechtlichen Aufsätze enthält die theologisch-praktische Quartalschrift (Linz, bei Haslinger) in den Jahren 1848 bis 1868; darunter nebst den schon angeführten: „Die äußeren Formen des amtlichen Verkehres“; – „Der Bezirksdechant“; – „Der Pfarrvicar mit Darstellung des Incorporations-Verhältnisses“; – „Der Eheproceß“ u. s. w.; endlich verschiedene publicistische Artikel die Linzer katholischen Blätter und das Volksblatt. Ein weit schöneres und bleibendes Andenken aber stiftete er sich durch seine letztwilligen humanistischen Bestimmungen, welchen zu Folge er sein ganzes, nicht unbedeutendes Vermögen zu wohlthätigen Zwecken widmete. Nach seinem Leichenbegängnisse erhielten 300 Arme je 1 Gulden. Dann gründete er in Linz eine „Dompropst Rieder’s Armenstiftung“ mit einem Capitale von 10.000 fl. mit vier jährlichen Stiftplätzen von 105 fl. auf drei Jahre für jeden der Betheiligten. Die Stiftplätze verleiht nach vorausgegangener Concursausschreibung der Gemeinderath von Linz, dem auch die Verwaltung des Stiftungsvermögens zugewiesen ist. Ferner erhielten das Linzer Taubstummen-Institut 1600 fl., das Blinden-Institut 1500 fl. je zur Errichtung eines Stiftsplatzes. Die barmherzigen Brüder und Ursulinerinen erhielten je 200 fl.; die barmherzigen Schwestern, die Kreuzschwestern, die Elisabethinerinen und das städtische Krankenhaus je 100 fl.; der Vincentius-, Frauen-, Gesellen-, Studenten-, Bürger- und Dienstboten-Unterstützungsverein je 50 fl. Dem Dombauverein verschrieb R. 5, dem Knaben-Seminar 4 Prioritäts-Obligationen der Franz Josephs-Bahn, jede auf 200 fl. in Silber. Die reichhaltige Bibliothek erhielt das bischöfliche Clerical-Seminar. Zum Universalerben wurde der Diöcesan-Hilfsfonds als „Dompropst Rieder’s Unterstützungsfonds für hilfsbedürftige Priester“ eingesetzt. – Sein Bruder Georg Rieder (geb. zu Poisdorf 5. August 1815), studirte zu Nikolsburg und Wien, wurde am 25. Juli 1838 in letzter Stadt zum Priester geweiht, dann Cooperator in Groß-Enzersdorf, Penzing, Margarethen in Wien, im Jahre 1851 Pfarrer in der Vorstadt Weißgärber und am 24. April 1865 durch den Wiener Gemeinderath als Kirchenpatron zum Pfarrer der ehemaligen Waisenhauskirche am Rennweg in Wien ernannt. In die literarische Welt führte er sich mit dem Werke: „Ignaz Parhammer’s und Franz Anton Marxer’s Leben und Wirken“ (Wien 1872; 2. unveränderte Ausgabe ebd. 1873, 8°.) ein, worin R. nach bisher ungedruckten Quellen das Leben dieser beiden Humanisten, von denen dieses Lexikon im XVII. Bande, S. 70, und XXI., S. 296, kurze Skizzen enthält, ausführlich schildert.

Neues Fremden-Blatt (Wien, 4°.) 1872, Nr. 236, im Feuilleton. – Deutsche Zeitung (Wiener polit. Blatt) 1872, Nr. 134, im Abendblatt.