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BLKÖ:Rieder, Edmund

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Rieder, Ambros
Band: 26 (1874), ab Seite: 104. (Quelle)
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Rieder, Edmund (gelehrter Benedictiner, geb. zu Hartberg in Steiermark 16. November 1802, gest. im Stifte Admont 9. Jänner 1868). Der Sohn mittelloser Landleute, erhielt er in der Volksschule des Chorherrenstiftes Vorau seinen ersten Unterricht, und da er Talent zeigte, wurde er im geistlichen Hause in den Gegenständen des Gymnasiums unterrichtet, so daß er, als er im Jahre 1816 das Gymnasium in Gratz bezog, sofort in der ersten Humanitätsclasse – die 35. Classe des heutigen Obergymnasiums – Aufnahme fand. Nach beendeten philosophischen Studien trat er im Jahre 1820 in das Benedictinerstift Admont, beendete daselbst die theologischen Studien und wurde dann von seinen Ordensobern nach Gratz geschickt, um die Rechte zu studiren. Im Jahre 1826 erhielt er die Priesterweihe, kam nun in die Seelsorge, und zwar als Caplan nach Wildalpen, wo er ein Jahr zubrachte. Alsdann im Lehramte verwendet, wurde er im Jahre 1829 Gymnasial-Professor in Judenburg und 1833 in Gratz, in welcher Stellung er – 1837 zum Humanitätslehrer vorrückend – bis an sein Lebensende verblieb. Im Jahre 1849 supplirte er auch die erledigte Lehrkanzel der altclassischen Literatur an der Gratzer Universität. R. war auch schriftstellerisch thätig und hat außer mehreren Gelegenheitsgedichten selbstständig und in Schulprogrammen herausgegeben: „Erläuterungen zur Theorie der Dichtkunst“ (Gratz 1848, 8°.); – „Lehrbuch der Redekunst“ (ebd. 1849; 2. Aufl. 1859, 8°.), fand insbesondere in Lehranstalten in der Schweiz eine beifällige Aufnahme; – „Ali, der Khalif. Historisch-dramatisches Gedicht in 5 Acten“ (ebd. 1850); – „Abhandlung über den sophokleischen Philoktet“, im Jahresberichte des Gratzer Obergymnasiums 1852; – „Chronicon Ottocari in rebus, quae ad Henricum abbatem pertinent, ne sit fons rerum Stiriae scriptoribus“ im Jahresberichte 1859; – „Adelheid von Herberstein. Vaterländisch-historisches Schauspiel in 4 Acten“ (Gratz 1860, 8°.). Andere Arbeiten, wie die Tragödien: „Die Templer“, „Heinrich II. von Admont“, ferner eine Abhandlung über die alten Ortsnamen in der Steiermark u. dgl. m. hat er vollendet in Handschrift hinterlassen. R., in den altclassischen Sprachen gründlich gebildet, war in seinem Fache auch ein tüchtiger Lehrer, dem seine Kenntnisse, seine Herzensgüte und ein von allem Schulzwange freies Wesen, das durch seine poetische Begabung noch liebenswürdiger wurde, die Achtung seiner Schüler und Aller, die mit ihm verkehrten, erwarb. Dabei besaß er einen für seine nicht glänzenden Einkünfte angemessenen Wohlthätigkeitstrieb. Im Jahre 1867 zwang ihn zunehmende Kränklichkeit, um einen halbjährigen Urlaub anzusuchen; aber noch vor Ablauf desselben ereilte ihn im Stifte, wohin er sich zurückgezogen hatte, im Alter von 66 Jahren der Tod. Wie sein Leben war sein Sterben. Als er sein Ende herannahen fühlte, schickte er dem Meßnerknaben, der für ihn das Sterbeglöcklein läutete, ein Geldgeschenk für diese Mühe mit dem Auftrage, recht gut und stark den Strang zu ziehen, damit auch der Abt höre, daß es mit ihm zu [105] Ende gehe und er seiner im Gebete gedenke.

Jahresbericht des k. k. Obergymnasiums zu Gratz (Gratz, Kienreich, 4°.) 1868, S. 52, in den von dem Director Peinlich erstatteten „Schulnachrichten“. – Gratzer Volksblatt 1868, Nr. 10.