Zum Inhalt springen

BLKÖ:Reisner, Anton Freiherr von

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Nächster>>>
Reiß, Anton
Band: 25 (1873), ab Seite: 250. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
Anton von Reisner in Wikidata
GND-Eintrag: [1], SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Reisner, Anton Freiherr von|25|250|}}

Reisner, Anton Freiherr von (k. k. Feldmarschall-Lieutenant und Commandeur des Maria Theresien-Ordens, geb. zu Neubistritz in Böhmen am 14. October 1749, gest. zu Wien am 22. October 1822). Sein Vater, Artillerie-Major, widmete den Sohn nach beendeten Gymnasialstudien dem Artilleriefache und Reisner trat im Jahre 1768 als Expropriis in die erste Artillerie-Brigade ein. Im Jahre 1771 rückte er zum Feuerwerker vor und wurde am 27. October 1776 Unterlieutenant im 2. Artillerie-Regimente. Als solcher machte er den Feldzug gegen Preußen 1778 unter Loudon mit, er war mit Liniengeschütz bei Olivier Wallis-Infanterie eingetheilt und that sich zum ersten Male in der Affaire bei Brüx hervor. Am 1. April 1784 wurde er Ober-, am 16. März 1787 Capitän-Lieutenant und am 1. November 1788 wirklicher Hauptmann im 1. Feld-Artillerie-Regimente. In diesen Eigenschaften focht er 1788 und 1789 im Türkenkriege, in welchem er mit Liniengeschütz bei Terzi-Infanterie im Armeecorps des Feld marschall-Lieutenants Graf Wartensleben eingetheilt und bei Schupanek, Mehadia, Karansebes, Slatina neue Beweise seiner Umsicht und Tapferkeit gab und von seinem Feldherrn dem Kaiser Joseph II., auf das Angelegentlichste empfohlen wurde. Bei der Belagerung der Festung Orsova erhielt er durch ein abgesprungenes Granatenstück eine nicht unerhebliche Wunde am rechten Fuße, wurde dann dem Armeecorps des Generals Clerfayt zugetheilt, mit welchem er den Feldzug in der Walachei mitmachte, und bei Negodim, Kalefat und Florentin sich auszeichnete. Am 11. März 1793 wurde er Major im 2. Feld-Artillerie-Regimente, nahm als solcher in den verschiedenen Armeecorps der Generale Hozze, Waldeck, Sztaray, Wartensleben, Spleny, Fabri, Benjowsky und Stader an den zahlreichen Kämpfen und Gefechten derselben rühmlichsten Antheil und that sich in den Kämpfen jenseits des Rheins bei den Belagerungen von Mannheim, Kehl und vor Hüningen als selbstständiger Artilleriecommandant in ausgezeichneter Weise hervor. Am 12. März 1797 erfolgte seine Ernennung zum Oberstlieutenant und Commandanten des Bombardiercorps, als welchem ihm bei Ausbruch des Feldzugs 1799 die Leitung des Feld-Artilleriedienstes bei der Armee in Italien übertragen wurde. Hier nun leistete er bei der Belagerung Mantua’s von Mitte Mai bis Ende Juli, dann bei jener von Cuneo von Mitte November bis 4. December so Erstaunliches, daß diese beiden Belagerungen zu den Glanzpunctes in der Geschichte der österreichischen Artillerie zählen. Durch den Fall Mantua’s geriethen, ohne die übrige Beute an Waffen und ohne Munition, 600 schwere Geschütze, durch jenen von Cuneo 148 Geschütze in unsere Hände. Bei ersterer waren an einem Tage, am 2. December, an welchem Reisner aus zwanzig Batterien sein verheerendes Feuer eröffnet hatte, binnen 24 Stunden 12.000 Schüsse gefallen. R. wurde in Anerkennung seiner Leistung am 29. November 1799 zum Obersten und Commandanten des 2. Feld-Artillerie-Regiments ernannt und außer Capitel mit dem Ritterkreuze des Maria Theresien-Ordens ausgezeichnet. Nach dem Tode des Feld-Artillerie-Directors der italienischen Armee kam dieses Amt im Jahre 1800 in Reisner’s Hände und nun begann die Organisation der Artilleriewaffe [251] in der kaiserlichen Armee, welche nun durch Reisner zu einer bisher unbekannten Vortrefflichkeit gehoben wurde. Im Feldzuge des Jahres 1800 erhielt R. in der Schlacht von Marengo durch eine Kleingewehrkugel eine so schwere Wunde am Kopfe, daß R. an den Folgen derselben sein ganzes Leben hindurch litt und daß dieselbe als Hauptursache seines Todes anzusehen ist. Ohne die Heilung abzuwarten, nahm er an den folgenden Kämpfen dieses Feldzuges Theil und wohnte den Gefechten bei Vallegio, Villafranca und Verona bei. Nach dem Friedensschlusse übernahm R. das Commando seines Regiments, welches er bis zu seiner am 11. September 1805 erfolgten Ernennung zum General-Major führte. Als im genannten Jahre wieder der Kampf gegen Frankreich begann, wurde R. neuerdings zum Artilleriechef der italienischen Armee ernannt, als welcher er in der Schlacht bei Caldiero, dann bei Vicenza, Sacile und an der Piave neue Beweise seiner so oft erprobten Tapferkeit und Umsicht gab. Im Jahre 1809 wurde R. zum Feldmarschall-Lieutenant ernannt und bei Ausbruch des Feldzuges in diesem Jahre wieder mit der Leitung des Artilleriedienstes bei der italienischen Armee betraut. Er befehligte das Geschütz bei Pordenone, Sacile, Villanuova; an der Piave erhielt R. mehrere Säbelwunden am Kopfe und in der rechten Hand, und erlitt, als er von feindlicher Cavallerie umrungen und gefangen wurde, während einer viermonatlichen Gefangenschaft von Seite der feindlichen Soldaten die gröbsten Mißhandlungen. Nach Abschluß des Friedens kehrte er auf seinen Posten nach Gratz zurück, erhielt aber bald eine Artillerie-Division in Wien, wo er bis zum Ausbruche der Feindseligkeiten im Jahre 1813 blieb, worauf seine Ernennung zum General-Artillerie-Director erfolgte. Die Aufgabe war eine um so schwierigere, als die Artillerie durch die ungünstige Unternehmung gegen Dresden bedeutend gelitten und auch sonst in einem Zustande war, der eine rasche und umsichtige Organisation erforderlich machte. Reisner entwickelte sofort eine großartige Thätigkeit, wohnte der Schlacht bei Kulm bei und hatte an den glänzenden Tagen bei Leipzig so wesentlichen Antheil, daß er nach errungenem Siege mit dem Commandeurkreuze des Maria Theresien-Ordens, mit dem russischen Sanct Anna-Orden 1. Classe und dem preußischen rothen Adler-Orden 2. Classe ausgezeichnet wurde. Noch hatte er an den folgenden Kämpfen und Gefechten bei Hochheim, Troyes, Brienne, Bar sur Aube, Arcis, Vitry, Fère-Champenoise und vor Paris entscheidenden Antheil. Nach dem Friedensschlusse übernahm R. wieder seinen Posten in Wien und traf nun alle Anstalten dahin, der österreichischen Artillerie jene Bedeutung zu geben, die ihr selbst in unglücklichen Feldzügen, auch von fremden Armeen nie streitig gemacht worden ist. Als der Feldzeugmeister Freiherr von Unterberger starb, trat Reisner am 25. April 1818 beim Artillerie-Hauptamte an dessen Stelle, und nach dem noch im nämlichen Jahre erfolgten Tode des Feldmarschalls Joseph Grafen Colloredo führte R. die Geschäfte der General-Artillerie-Direction, bis dieses Amt von Erzherzog Ludwig übernommen wurde. Indessen traten die Folgen der bei Marengo erhaltenen Kopfwunde immer bedenklicher hervor und wurden durch das Ableben seiner Gemalin, welche am 4. August 1820 starb, nur noch gesteigert. Aber seine starke Natur kämpfte [252] lange gegen sein böses Leiden an, bis er demselben in seinem 73. Lebensjahre und im 55. seines Dienstes erlag. R. besitzt große Verdienste um die Vervollkommnung und Hebung der Artillerie in Oesterreich. Die Organisation der Batterien der Reserve-Abtheilungen und Depots, welche sich im Jahre 1815 so vortheilhaft bewährte, war sein Werk; auch hat die Geschichte der Artillerie kein Beispiel aufzuweisen von einer so oftmaligen ruhmvollen Führung durch eine und dieselbe Person, wie es bei Reisner der Fall ist, der vom Jahre 1799, in welchem er als Oberstlieutenant die Leitung der Belagerungsartillerie in Italien übernommen, in allen folgenden Feldzügen 1800, 1805, 1809, 1813, 1814 und 1815 den Ruhm seiner Waffe durch immer gleich siegreiche Erfolge behauptet hatte.

Freiherrnstands-Diplom ddo. 21. Juni 1816. – Oesterreichische militärische Zeitschrift, herausgegeben von Schels (Wien, 8°.) Jahrg, 1823, Bd. III, S. 156: „Biographie“ von Hermann. – Ritter von Rittersberg (J.), Biographien der ausgezeichnetesten verstorbenen und lebenden Feldherren der k. k. österreichischen Armee aus der Epoche der Feldzüge 1788 bis 1821 u. s. w. (Prag 1828, C. W. Enders, 8°.) S. 223–247. – Hirtenfeld (J.), Der Militär-Maria Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1857, Staatsdruckerei, kl. 4°.) S. 562, 1158, 1741 u. 1768. – Szöllösy (Joh. Nep. v.), Tagebuch gefeyerter Helden und wichtiger kriegerischer Ereignisse der neuesten Zeit u. s. w. (Fünfkirchen in Ungarn 1837, bischöfl. Lyceal-Buchdruckerei, gr. 8°.) S. 412 [nach diesem starb R. im Alter von 55 Jahren, was ein großer Irrthum ist]. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen, Bibliogr. Institut, gr. 8°.) Zweite Abthlg. Bd. V. S. 833. – Porträt. Unterschrift: Anton Freiherr von Reisner, k. k. Feldmarschall-Lieutenant (lith.), v. Schönfeld’sche Lithographie (8°. u. 4°.). – Wappen. Ein halb in die Länge und quergetheilter Schild. Im ersten goldenen Felde geht aus der Theilungslinie ein halber rother Adler hervor, der in seinem Schnabel einen Lorbeerkranz und mit der Klaue einen Lorbeerzweig hält. Im zweiten silbernen Felde sieht man zwei rothe rechtsschräge Balken. In der untern blauen Schildeshälfte steht auf grünem Grunde eine gezinnte Mauer mit schwarzen Mauerstreifen und einem Thurme mit geschlossenem Thore. Auf dem Schilde ruht die Freiherrnkrone, auf welcher sich ein in’s Visir gestellter gekrönter Turnierhelm erhebt. Auf der Krone steht ein rechts von Gold und Roth, links von Silber und Roth quergetheilter offener Adlerflug, dem ein auf den Elbogen gestützter geharnischter Arm, der ein Schwert hält, eingestellt ist. Die Helmdecken sind zu beiden Seiten roth, rechte von Gold, links mit Silber unterlegt.