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BLKÖ:Pasterwitz, Georg von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Paszkowski, Franz
Band: 21 (1870), ab Seite: 336. (Quelle)
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Pasterwitz, Georg von (gelehrter Benedictiner und Tonsetzer, geb. zu Bierhütten im Bisthum Passau 7. Juni 1730, gest. zu Kremsmünster 26. Jänner 1803). Mit seinem Taufnamen hieß er Robert, nach seinem Eintritte in’s Kloster nahm er den Klosternamen Georg an. Sein Vater Andreas war Soldat, seine Mutter Theresia eine geborne von Sonneck und Mohrenberg. Das Gymnasium, wo er auch den ersten Musikunterricht erhielt, besuchte er im berühmten Benedictinerstifte Altaich, worauf er selbst im Jahre 1750 in das Stift Kremsmünster als Novize eintrat. Nun studirte er Theologie und neben dieser Berufswissenschaft trieb er fleißig Mathematik, Sprachen und mit großem Eifer musikalische Studien, namentlich den Contrapunct. Am 24. Juni 1755 wurde er zum Priester geweiht. Nun wurde er seit 1759 durch eine Reihe von Jahren im Lehramte verwendet und trug anfänglich Mathematik, später praktische Philosophie vor. Im Jahre 1772 eröffnete er Vorlesungen aus den politischen Wissenschaften, sich darin an die Lehren des-berühmten Sonnenfels haltend. Als im Jahre [337] 1783 ein kaiserliches Rescript erschien, daß mit Ende des Schuljahres alle Studien in Kremsmünster aufzuhören haben, war es insbesondere Pasterwitz, der zur Aufhebung dieser bedrohlichen Maßregel beitrug. Vom Stifte zugleich mit dem damaligen Subprior Laurenz Doberschitz nach Wien entsendet, um zu einer Audienz vor Kaiser Joseph zugelassen zu werden und die Rücknahme dieses Bescheides zu erwirken, führte Pasterwitz in dieser Audienz die Sache seines Stiftes mit Muth und Entschlossenheit, und in der That gelangte noch im September d. J. ein Decret herab, welches befahl, „daß die Schulen in Kremsmünster sowie die adelige Akademie in allen ihren Theilen noch fernerhin fortgeführt werden sollen“. Später erhielt P. die Verwaltung der Pfarre Buchkirchen, dann jene des Rentamtes im Stifte selbst, zugleich aber leitete er als Chorregent die Stiftsmusik. Ueber seine Verdienste nach dieser Richtung hin wird weiter unten bei seinen musikalischen Leistungen die Rede sein. Im Jahre 1785 kam er als Agent seines Stiftes (Hofmeister) nach Wien, wo er durch sein einnehmendes kluges Benehmen in jenem höchst mißlichen Zeitpuncte dem Stifte manche Vortheile errang und sich selbst durch seine musikalischen Talente viele Freunde erwarb. Im Jahre 1795 übernahm er im Stifte die Stelle eines Dechants, legte sie aber fortwährender Kränklichkeit wegen zwei Jahre vor seinem Tode nieder. Seine wissenschaftlichen Leistungen aus der Zeit, als er das Lehramt im Stifte versah, beschränken sich nur auf einige Abhandlungen, und zwar: „Dissertatio philosophica de lege naturali, perfecte, iucunde et commode vivendi“ (Styrae 1765, 4°.); – „Dissertatio philosophica de officiis circa honorem“ (ibid. 1767, 4°.); – „Akademische Rede von dem Hauptgrundsatze der Polizey von der Bevölkerung“ (1772); – „Lehrsätze aus der Polizei, den Handlungs- und Finanzwissenschaften“ (1774); – „Adsertiones ex jure naturae connato seu absoluto“ (1780); – „Adsertiones ex jure naturae hypothetico seu adquisito“ (1780); – „Adsertiones ex jure civitatis et gentium“ (1780), die vier letztgenannten anläßlich der öffentlichen Disputationen des Chr. Herrn von Stibar, des Ignaz Conrad und Jos. Grillenberger, des Franz X. Datscher und Joseph Zierer, des Franz Ser. Grafen Lodron und Franz Ser. Grafen Malenich de Kurilocz herausgegeben. Als Musicus ist P. nicht bloß eine Celebrität seines Stiftes, sondern überhaupt von Fachmännern seiner gediegenen Compositionen wegen allgemein anerkannt. Seine gründliche musikalische Ausbildung hatte er von dem tüchtigen Eberlin in Salzburg erlangt und sich später auf größeren Reisen durch Deutschland, Ungarn, Böhmen und Italien bedeutend vervollkommnet. Als Regenschori im Stifte Kremsmünster wurden in der Kirche sowohl als im Stiftstheater die bedeutendsten Meisterwerke aufgeführt und später als Hofmeister in Wien versammelte er um sich in Concerten die ersten Berühmtheiten der Kaiserstadt, vor denen nicht selten seine eigenen Compositionen mit ungetheiltem Beifalle aufgeführt wurden. Und dieß geschah vor Männern wie Mozart, Haydn, Salieri und Albrechtsberger. Als er im Jahre 1800 seine 50jährige Amtsjubelfeier als Ordenspriester beging, componirte er zu diesem Ehrentage eine große Messe nebst Graduale und Offertorium. Die Zahl seiner Compositionen, welche im Stifte aufbewahrt werden, übersteigt weit die [338] Hundert; es sind darunter 6 Messen, 4 Te Deum laudamus, 50 Antiphonien, mehrere Vespern, Motetten, Gradualen, Offertorien, ein Requiem, 2 Oratorien und einige komische Operetten und Singspiele, die meisten sind Manuscript geblieben. doch einige sind auch im Stiche erschienen, als „VIII Fughe secondo l’ordine dei toni ecclesiastici per l’organo o clavicembalo“ etc., Op. 1 (Wien 1792, Artaria); – „VIII Fughe secondo l’A. B. C. di Musica per l’organo o Clavicembalo“ etc.; Op. 2 (ebd. 1792); – „VIII Fughe per l’organo“ etc., Op. 3 (Wien, Kozeluch). Viele Jahre nach seinem Tode erschienen von ihm: „Dreihundert Themata und Versetten in drei Heften präambuliren und fugiren mit Orgel oder Clavier“, welche die Fachkritik als ein „altes Werk zwar, das jedoch an den edlen Traubensaft gemahnt, der von Jahr zu Jahr an Güte zunimmt und im Werthe steigt“, bezeichnete.

Hagn (Theodorich), Das Wirken der Benedictiner-Abtei Kremsmünster u. s. w. (Linz, Haslinger, 8°.) S. 84, 86, 164, 165, 169 bis 171, 201, 225, 229. – Allgemeine Wiener Musik-Zeitung, redigirt von Ferdinand Luib. VII. Jahrg. (1847), Nr. 106. – Pachmayr (Marianus P.), Historico-chronologica series[WS 1] Abbatum et Religiosorum Monasterii Cremifanensis etc. (Styrae 1777, Abraham Wimmer, kl. Fol.) p. 798. – Gerber (Ernst Ludwig), Historisch-biographisches Lexikon der Tonkünstler (Leipzig 1790, J. G. I. Breitkopf, gr. 8°.) Bd. II, Sp. 83. – Derselbe. Neues historisch-biographisches Lexikon der Tonkünstler (Leipzig 1813, A. Kühnel, gr. 8°.) Bd. III, Sp. 62. – Neues Universal-Lexikon der Tonkunst Angefangen von Dr. Julius Schladebach, fortges. von Ed. Bernsdorf (Dresden 1857, Rob. Schäfer, gr. 8°.) Bd. III, S. 140. – Gaßner (F. S. Dr.), Universal-Lexikon der Tonkunst. Neue Handausgabe in einem Bande (Stuttgart 1849, Frz. Köhler, Lex. 8°.) S. 677. – (De Luca) Das gelehrte Oesterreich. Ein Versuch (Wien 1778, v. Trattnern, 8°.) I. Bds. 2. Stück, S. 9. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen, Bibliogr. Institut, gr. 8°.) Zweite Abtheilg. Bd. II, S. 911.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: eries.