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BLKÖ:Pászthory, Melchior Freiherr

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Paszkowski, Thomas
Band: 21 (1870), ab Seite: 339. (Quelle)
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Pászthory, Melchior Freiherr (k. k. Oberstlieutenant und Ritter des Maria Theresien-Ordens, geb. zu Agram in Croatien im Jahre 1764, gest. zu Oedenburg 8. Juni 1849). Im Jahre [340] 1785, damals 21 Jahre alt, trat P. bei dem Warasdiner-Kreutzer Grenz-Regimente als Cadet ein, rückte in demselben stufenweise vor und war in den Jahren 1799 und 1800 bereits Hauptmann. Bei Pastrengo, am 26. März 1799, vollführte P. die erste bedeutende Waffenthat. Erst vertheidigte er als Hauptmann mit seiner Division auf das Tapferste seine Stellung, nahm die zurückgeworfenen Vorposten auf, vereinigte sich mit ihnen, drang nun selbst gegen den Feind vor und warf ihn zurück, wurde aber von dem von allen Seiten hervorbrechenden Feinde nun selbst zum Rückzuge genöthigt und sah sich plötzlich von der Haupttruppe abgeschnitten. Den Zuruf, sich zu ergeben, zurückweisend, schlug er sich durch die feindlichen Massen und rettete einen Theil des Bataillons, das ohnehin im Kampfe furchtbar gelitten hatte. Der größte Theil der Officiere war geblieben und über den Rest wollte keiner der vorhandenen das Commando übernehmen. Um es unter solchen Umständen vor Auflösung zu retten, übernahm P., das Commando, obgleich er der jüngere Officier war. Er behielt nun das Commando durch zwei Jahre und arbeitete an der moralischen und militärischen Ausbildung des Bataillons mit aller Energie und mit glänzendem Erfolge. Nach der Schlacht an der Trebia erhielt er den Auftrag, mit seinem Bataillon vier Stunden ober Rubiera dem Feinde in den Rücken zu fallen. Bei dieser Gelegenheit stieß er am 24. Juni zuerst auf den General Calvin, griff dessen 2000 Mann starke Truppe mit allem Nachdrucke an, warf die feindlichen Colonnen über die Secchia zurück und zersprengte dieselben in die Gebirge. Indessen stand die Hauptarmee des Gegners unter Macdonald’s Befehl an der Rubiera und dieser sah sich P. plötzlich ganz allein mit seinem Bataillon gegenüber. Im ersten Momente suchte P. den übermächtigen Gegner zu täuschen und schickte einen Trompeter an ihn mit der Aufforderung, sich zu ergeben. Dieser aber wurde zurückgewiesen und der Feind ging zum ernsten Angriffe über. Pászthory und sein Bataillon, die verzweifelste Vertheidigung der Capitulation vorziehend, kämpften wie Helden. Endlich wurde das Bataillon aufgerieben, ein kleiner Theil rettete sich über das Wasser, Pászthory mit einem Häuflein Getreuer leistete noch hartnäckigen Widerstand, bis er, von allen Seiten umrungen, übermannt und endlich gezwungen wurde, sich zu ergeben. Nach erlangter Freiheit kehrte P. zu seinem Corps zurück. Im December 1799 zeichnete sich P. neuerdings aus, er behauptete bei Prado seine von den feindlichen, weit stärkeren Abtheilungen mit Ungestüm angegriffene Position mit aller Entschiedenheit, kam nun der hartbedrängten Abtheilung des schon verwundeten Major Paulich noch rechtzeitig zu Hilfe, rettete den bereits gefangenen Major, stürmte auf den Feind und trieb ihn bis unter die Kanonen von Genua. Als gegen den Abend neue Nachrichten von Bewegungen des Feindes, die für uns sehr nachtheilig waren, anlangten, bot sich P. dem General Klenau zum Angriffe der feindlichen Stellung an, der auch unverweilt erfolgte. Mit außerordentlicher Bravour focht P., brachte den Feind auf allen Seiten zum Weichen und nahm alle Positionen mit seinen Truppen, welche kurz zuvor noch von dem Feinde stark besetzt waren. Die ihm nun von Klenau übertragene Stellung als Vorpostencommandant bei Sestri mit dem Auftrage, die Riviera von Chiavari bis Levante zu [341] vertheidigen, behauptete P. durch zwei Monate, mit einer Umsicht ohne Gleichen, jede Absicht des Feindes, ihn zu überfallen oder sonst anzugreifen, durch glückliche Aufstellung seiner Vorposten vereitelnd. Erst am 29. Jänner 1800 mußte er sich vor der Uebermacht des Feindes zurückziehen, wobei es ihm gelang, durch List die Hauptcolonne der Unseren glücklich zu erreichen. Wenige Monate später gab P. bei dem auf den 6. April 1800 festgesetzten Hauptangriff auf Genua neue Proben seines so oft schon bewiesenen Heldenmuthes. Ihm war der Angriff des stärksten Postens, der Verschanzungen auf Monte Cornua, übertragen. Mit seiner oft bewährten Bravour vollführte P. mit seinem Bataillon denselben, bei welcher Gelegenheit er verwundet wurde. Kaum hergestellt, zeichnete er sich bei La Volta und Bozzolo von Neuem aus und wurde wieder, am Arme, verwundet. In der 68. Promotion (vom 5. Mai 1802) wurde P. für seine Waffenthaten im italienischen Feldzuge der Jahre 1799 und 1800 mit dem Ritterkreuze des Maria Theresien-Ordens ausgezeichnet. Im September 1805 rückte P. zum Major im Szluiner Grenz-Regimente vor, trat aber im Jahre 1808 mit Oberstlieutenants-Charakter aus der activen Armee. Im Jahre 1815 entsagte er auf Kriegsdauer freiwillig zu Gunsten des bedrängten Staatsschatzes auf seine Ordenspension und die Interessen seiner Heirathscaution. Im hohen Alter von 85 Jahren starb P. zu Oedenburg. Im Jahre 1825 wurde er den Statuten des Ordens gemäß in den Freiherrnstand erhoben. Aus seiner Ehe mit Julie Freiin Lengyel hatte er zwei Kinder Albertine (gest. 1840), vermälte Michael Korvácz, und Emerich, k. k. General-Major außer Dienst, vermält mit Walburga geb. Freiin Rozner. Aus dieser Ehe stammen drei Kinder: Arpad, Officier in der k. k. Armee, Bela und Helene.

Hirtenfeld (J.), Der Militär-Maria Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1857, Staatsdruckerei, kl. 4°.) S. 727 u. 1 744. – Ueber die Familie Pászthory gibt ausführlichen Nachweis: Nagy (Iván), Magyarország családai czimerekkel és nemzékrendi táblákkal, d. i. Die ungarischen Familien mit Wappen und Stammtafeln (Pesth 1860, Mor. Ráth, 8°.) Bd. IX, S. 133. – Wappen. In Blau auf einem grünen Dreihügel ein aufrechter rechtsschreitender natürlicher Löwe mit aufgeschlagenem Schweife, in der rechten Vorderpranke ein Schwert schwingend. Auf dem Schilde ruht ein in’s Visir gestellter gekrönter Turnierhelm, aus dessen Krone der vorbeschriebene Löwe hervorwächst. Die Helmdecken sind beiderseits blau, rechts mit Silber, links mit Gold belegt.