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BLKÖ:Nagy, Iván

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 20 (1869), ab Seite: 57. (Quelle)
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Nagy, Iván (ungarischer Geschichtsforscher, geb. zu Gyarmat im Neograder Comitate Ungarns 18. Juni 1824). Zum Unterschiede von Anderen mit gleichen Tauf- und Familiennamen, erscheint er statt als Johann Nagy mit russificirtem Taufnamen als Nagy Iván. Einer ungarischen Adelsfamilie im Neograder Comitate entstammend, erhielt er eine sorgfältige Erziehung. Sein Vater Franz, der einen Comitatsposten bekleidete, schickte ihn auf die Schulen nach Erlau, Gran, Waitzen, wo er die Gymnasialclassen und philosophischen Studien beendete, zuletzt nach Preßburg, wo er an der dortigen Akademie dem Studium der Rechte oblag. Nun trat er die Rechtspraxis an, legte als Notar der kön. Gerichtstafel den Eid ab und wählte vorderhand die Advocatur zu seinem Berufe. Nebenbei und mit großer Vorliebe gab er sich literarischen Arbeiten, vornehmlich historischen Forschungen hin, wodurch sein Name bald in wissenschaftlichen Kreisen bekannt wurde. Im Jahre 1851 nahm er eine Erzieherstelle im Hause eines reichen Magnaten an; er schien diesen Schritt zunächst gethan zu haben, weil sich ihm in dem neuen Verhältnisse als Erzieher dadurch bald Gelegenheit bot, Reisen zu machen, und in der That bereiste er auch mit seinen Zöglingen den größten Theil Oberitaliens und brachte in Venedig allein über ein halbes Jahr zu. Diesen Aufenthalt benützte er zu historischen Forschungen in den dortigen Bibliotheken, vornehmlich in jener von San Marcus, wo er wichtige Materialien zur Geschichte seines Vaterlandes vorfand und davon der kön. ungarischen Akademie in Pesth Bericht erstattete. Im folgenden Jahre, 1852, gab er seine Erzieherstelle auf, kehrte in sein Vaterland und zur Advocatur zurück, seine früheren literarischen Arbeiten fortsetzend, bis er im Jahre [58] 1853 bei der Pesther Universitäts-Bibliothek ein Amt erhielt, das ihn nun vollends in den Stand setzte, ausschließlich seinen Lieblingsarbeiten, den Forschungen in der Geschichte seines Vaterlandes zu leben. Frühzeitig schon war Nagy Iván als Schriftsteller thätig, und die erste Arbeit, welche von ihm bekannt, ist in der politischen Zeitschrift „Világ“ (die Welt) erschienen, sie behandelt die Untersuchung einer neuen Volksrace in Ungarn (Egy népfaj hazánkban). Dieser Abhandlung folgten bald mehrere meist historischen und culturhistorischen Inhalts, theils unter eigenem, theils angenommenem Namen in verschiedenen Zeitschriften, unter denen insbesondere anzuführen sind: „Gedanken über die ungarische Mythologie“ (Magyar hitrege-tani eszmék), im Honderü 1847; – „Beschreibung der Stadt Kremnitz“ (Körmöcz leirása), ebenda 1848; dann eine ganze Folge von „Biographien geschichtlich merkwürdiger Frauen Ungarns“, und zwar der Königinen Adelheid, Agnes und Anna, der Anna Bathory, der Elisabeth, Clara und Sophie Bathory, der Königin Beatrix, Gemalin Andreas II., der gleichnamigen Gemalin des Königs Mathias, der Katharina Bethlen, Elisabeth Bocskaj, Anna Bornemisza, Sophie Bosnyák, Barbara von Cilli, der Kaiserin Elisabeth, Tochter des Königs Andreas II., der Königin Elisabeth, Gemalin Karl’s I., der gleichnamigen Gemalinen Ludwig’s I. und Albrecht’s I., der Susanna Forgács und Beatrix Frangipan, welche sämmtlich im Jahrg. 1851 der belletristischen Zeitschrift Hölgyfutár abgedruckt sind. Ferner brachten der zweite und dritte Band des damals zu Losoncz erscheinenden Phönix seine „Charakteristiken mehrerer Familienglieder des Hauses Bathory“ und „der Sophie Patócsy“, der zweite Jahrgang des Journals Remény (1851) seine „Mittheilungen über ungarische Schriftstellerinen“; der Pesti Napló (1851) seine „Biographie des Georg Szécsy“ u. dgl. m. Als Frucht seiner italienischen Reise veröffentlichte er im Hölgyfutár (1852) seine „Briefe aus Italien“ (Olaszországi levelei) , in denen er über die geselligen, literarischen und Bühnenzustände Italiens und zunächst Venedigs berichtet. Nach seiner Rückkehr von der Reise setzte er seine frühere schriftstellerische Thätigkeit nur um so eifriger fort, und es erschienen von ihm im Uj magyar Muzeum (im neuen ungarischen Museum, welchen Titel das von der ungarischen Akademie edirte literarische Organ führt) die „Biographie von Franz Menyöi Tolvaj“; – eine „kritische Untersuchung des venetianischen Adels des Johann Corvinus“ (1853); – eine Abhandlung „über den Kaschauer Stadtrath im Jahre 1707“ (1854); – die Aufsätze: „Der weiße Ritter“; – „Alte Geschütze“ (1855); – „Der Brief der Maria Szécsy und die Libercsey’s“ (1856); – im Délibáb: „Der Tod des Dichters Zriny“ (1854); – „Helena Zriny“ (1857); – in den Családi lapok (Familienblättern); „Die Fürstin Adelheid Geisa“ (1854); – „Zriny’s Tod“ (1855); – „Geschichtliche Volkssagen“ (1854) ; – im zweiten und dritten Bande des Magyar ország képekben (d. i. Ungarn in Bildern): „Die Burg Neograd“; – „Die Burg Szigeth“ ; – „Die Lebensskizzen von Stephan Bathory und Maria Szécsy“; – „Der Hirschstein“; – im Buda-Pesti Viszhang: „Die Burg Szalonek“ (1856); – im [59] Néplap: „Der Rabenstein“ (1857); – in der geschichtlichen Sammlung der ungarischen Akademie (Magyar Akademiai történelmi Tár), im ersten Bande: „Die türkische Gesandtschaft des Emerich Liptay“; – im dritten Bande: „Die Aufzeichnungen des Ludwig Gritti“, aus venetianischen Archiven copirt; – „Historische Ungarn betreffende Aufzeichnungen in Schweden“. Nagy’s Hauptwerk bisher ist aber sein „Magyarország családai czimerekkel és nemzékrendi táblákkal“, d. i. Die Familien Ungarns in ihren Wappen und Stammtafeln (Pesth, Moriz Ráth, gr. 8°.), welches im Jahre 1853 begonnen und im Jahre 1865 mit dem 18. Bande vollendet wurde. Es ist eine auf fleißiger Quellenforschung beruhende Arbeit, die erste dieser Art über den ungarischen Adel, leider lassen die Abbildungen der Wappen im Holzschnitte viel zu wünschen übrig und führen im Hinblicke auf die herkömmlich angenommenen Zeichen der einzelnen Tincturen nicht selten irre. Wie aus der vorstehenden Lebensskizze Iván Nagy’s ersichtlich, ist Iván Nagy nach zwei Seiten thätig: wissenschaftlich als historischer und antiquarischer Forscher in der Geschichte seines Vaterlandes, in der Fremde Quellen zu derselben aufsuchend, und popularisirend, indem er in den zahlreichen schöngeistigen Organen Ungarns seiner Nation die großen Männer und Frauen in volksthümlicher Weise vorführt und dadurch das nationale Bewußtsein in den verschiedenen Gesellschaftsschichten zu wecken und zu heben bemüht ist.

Danielik (József), Magyar irók. Életrajz-gyüjtemény. Második, az elsőt kiegészitő kötet, d. i. Ungarische Schriftsteller. Sammlung von Lebensbeschreibungen. Zweiter, den ersten ergänzender Band (Pesth 1858, Gyurian, 8°.) S. 218.